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Mittwoch, den 24. Februar 1897.

24. Jahrgang

FiiIdlicrWZcitiuig

________________mttUnterhattimgs-KeilWe „Sterne und DIumen".

Erscheint täglich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brinaerlobn und Reitellaeld in nnat«xrta i m —

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sch. Der HmshMngg-laii drrAadt fulirn für das Ztechnungszatzr vom 1. April 1897 vis z«m 31. März 1898.

Die Berathungen über den Entwurf des Grund- Etat pro 1897/98 wurden seitens des Stadtrathes in der außerordentlichen Sitzung vom Samstag den 20. d. Mts beendigt.

Es ist nun Sache des Bürgerausschusses, den Entwurf zu prüfen und etwaige Aenderungen zu be­schließen. Dem ausgesprochenen Wunsche, eine kurze objektive Uebersicht über den Inhalt des diesjährigen Voranschlags zu geben, komme ich um so lieber nach, als aus naheliegenden Gründen unsere Mitbürger an den städtischen Budgetberathungen ein mindestens ebenso großes Interesse haben als an denjenigen des Landtages und Reichstages. Es ist deshalb eine Forderung der Billigkeit, daß die Festsetzungen der städtischen Körperschaften, welche ja die Grundlage der Steuerhebungen bilden, im Wesentlichen veröffent­licht werden, da doch nur Wenige sich die Mühe nehmen, den Etat am Rathhaus einzusehen.

Aeußerlich unterscheidet sich der diesjährige Etat vom vorjährigen dadurch, daß er ein doppelt so um­fangreiches Heft (84 Quart-Doppelfeiten) bildet. Er ist durch dieses vergrößerte Format wesentlich über­sichtlicher geworden. Den erläuternden Bemerkungen konnte größere Ausdehnung gegeben werden, auch wurde Raum geschaffen für zwei neue Kolumnen, welche das „mehr" oder „weniger" im Vergleiche zum letztjährigen Etat enthalten und sehr viel zur Klar­heit und Uebersichtlichkeit des Ganzen beitragen. Es muß überhaupt anerkannt werden, daß die Vor­arbeiten mit großer Sorgfalt und Gründlichkeit seitens der betr. Herren Beamten vorgenommen worden sind.

Wenn wir den Inhalt des Voranschlages über­blicken, finden wir allenthalben, daß die Anforderungen an die städtische Verwaltung mit jedem Jahre an Umfang zunehmen, immer größere werden. Auf der anderen Seite sehen wir, entsprechend der wachsen­den Gewerbethätigkeit, allerdings auch eine Zunahme der Einnahmen (besonders aus den direkten Steuern), so zwar, daß in den letzten Jahren gegen den Vor­anschlag regelmäßig Ueberschüsse erzielt wurden.

Die Staatseinkommensteuer, welche dem letztjährigen Etat zu Grunde gelegt wurde, betrug 101,066 Mk., während diese Steuer in diesem Jahre mit 121,257 Mk. einzusetzen ist. Das ist ein Mehrbetrag von über 20,000 Mk., von welcher der entsprechende Prozent­satz der städtischen Steuer erhoben wird. Auch der Ertrag aus der Gebäude- und Gewerbesteuer ist um circa 2000 Mark höher als im Vorjahre einzusetzen.

Eine Erhöhung der städtische^ Steuern wäre trotz der erhöhten Anforderungen an die Stadtkaffe nicht nothwendig, dägegen erhebt der Kreis in diesem 3flfyre eine Kreissteuer. Diese Steuer kann von

Toötengraöers Töchterlein.

Roman von I. Fichtner.

24] (Nachdruck verboten.)

Freudlose, stille Tage kamen und gingen. Es herrschte eine düstere Stimmung auf Schloß Clären, die selbst durch den Aufenthalt der beiden jungen Leute^ in nichts gemildert wurde. Der junge Künstler Manfred Blankenburg, der in diesem Hause Sohnes- rechte genoß, wagte es nicht einmal, durch die herz- bestrickende Musik die dunkeln Geister des Trübsinns zu verscheuchen. Das Thun und Treiben seines jungen Freundes war ihm vor allem unverständlich. Bor sich hmträumend, saß dieser Stunden lang auf der ^.erraffe, hinausschauend in die herbstliche Ebene, um alsdann wieder ruhelos durch den Park zu streifen, als wollte er feinen eigenen Gedanken ent­rinnen. Dabei blickte fein Auge matt, seine Wangen wurden bleicher, so daß das Herz des Grafen, der selbst mit größter Hinfälligkeit zu kämpfen hatte, von heißer Angst erfüllt wurde. Der junge Mann schien seme Jugend zu begraben, noch ehe sie zum richtigen Leben erwacht war. Unausgesetzt verfolgte ihn das Doppelbild seiner Mutter und jenes Mädchens, das einen tiefen Eindruck auf sein Herz gemacht hatte, aber einen ganz anderen Eindruck als den — einer Schwester. Deshalb zögerte und zagte er, sich an die Entdeckung des Räthsels zu wagen; und doch

den einzelnen Steuerpflichtigen erhoben werden, kann aber auch auf den städtischen Etat übernommen und aus der Stadtkasse bezahlt werden. Da es im Interesse und zum Vortheile der städtischen Steuerzahler ist, daß die Kreissteuer aus der Stadtkasse bezahlt und nicht separat, sondern mit den städtischen Steuern er­hoben wird, hat die Stadt die Kreissteuer auf den städtischen Etat übernommen, selbst auf die Gefahr hin, daß Dieser oder Jener den sich dadurch erhöhenden Prozentsatz der städtischen Steuer der Stadtverwaltung zur Last legt, während that- sächlich doch diese Kreissteuer, welche mit 13,000 Mk. im Etat eingestellt ist, mit der städtischen Finanz- wirthschaft in keiner Beziehung steht. Nachdem die Stadtkaffe die in dem gegenwärtigen Etatsjahre fällige Kreissteuer aus den laufenden Einnahmen ohne Steuererhöhung bestritten hat, ist in dem diesjährigen . Etat die Kreissteuer in der erhöhten städtischen Steuer enthalten, so zwar, daß statt der im Vorjahre er­hobenen 7 5°/0 im kommenden Steuerjahr 85% der Staatssteuer und der fingirten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer erhoben werden. Angenehm ist diese Erhöhung gerade nicht, umsoweniger, als kaum anzunehmen ist, daß die Kreissteuer in den nächsten Jahren wieder in Wegfall kommt.

Wenn wir nun den Haushaltungsplan im Ein­zelnen durchgehen, finden wir zunächst im Kaupt- Elal bei den Einnahmen aus Gemeindevermöaen weniger 1920 Mk. 28 Pfg.

Es sind dieses in der Hauptsache die Zinsen, die der Stndtkasse setther aus jenen Werthpapieren zuge­flossen sind, welche zur Bezahlung der Aecker im Kasernenfelde verwendet wurden. Ferner finden wir wjeNiger bei den staatlichen Neberweisunaen (für Volksschulen) 3861 Mk. 37 Pfg.

Dagegen finden wir Mehr-Einnahmen bei den Beiträgen van Gemeinde-Anstalten und Einrichtungen 7106 Mk. Die wesentlich vervollkommnete Gasanstalt ist mit 5900 Mk. höher im Voranschlag, auch werden die Beiträge zu den Straßenkosten circa 1000 Mk. Mehr­beträgen.

Die Einnahmen stellen sich wie folgt:

Mk. Pfg.

Allgemeine Verwaltung 130

Gemeindevermögen 29931 82

(gegen das laufendeJahr —1920.28)

Ueberweisungen 11803 63

(— 3861.37)

Gebühren und Beiträge von Gemeinde-

Anstalten und Einrichtungen .... 46701 — (+ 7106)

Aus der Erfüllung der vom Staate über­tragenen Aufgaben.... 4gz

(+35)

Indirekte Abgaben 61400 —

(+ 500)

Direkte Steuern 139900 —

(+ 30827.50)

Durchlaufende Posten 66 20

Sonstige Einnahmen 204 35

(— 86.85)

Gesammtbetrag der laufend. Einnahmen 290600 — (+ 32600)

Bei den Ausgaben des Haupt-Etats finden wir fast bei sämmtlichen Positionen eine Steigerung. Der besseren Uebersichtlichkeit wegen möge eine nach Titeln geordnete Zusammenstellung der Ausgaben der­jenigen der Einnahmen folgen:

Allgemeine Verwaltung 53494 18

(mithin gegen das Vorjahr + 3155) Gemeindevermögen......... 38859 44

(—1~ 440.96)

Zahlungen an andere Kaffen und Verbände 13700 —

(+ 13000)

Für Gemeindeanstalten und Einrichtungen 45488 31

(+ 5751.60)

Kosten der Erfüllung der vom Staate übertragenen Aufgaben 10367 50 (+ 1128.90)

Armenpflege und Wohlthätigkeit . . . 15046 51

(+ 4600)

Für die Kirche und Pfarrei 3401 89

+ 608.72)

Schulwesen 96524 57

(+ 5247.47)

SteueroerwaltuNg . . . . gooi 97

(— 1536.67)

Durchlaufende Posten 73 06

Sonstige Ausgaben 4642 57

(+ 204.02)

Gesammtbetrag der laufenden Ausgaben 290600 — Somit ein Mehrbetrag von . . + 32600 gegen den vorjährigen Etat.

Bei den Mehrkosten der „allgemeinen Verwaltung" fällt besonders die Anstellung eines weiteren Bau­technikers ins Gewicht, sowie das Aufrücken von Beamten in höhere dem Dienstalter entsprechende Gehaltsklassen und die wachsenden Bureaukosten für gesetzliche und andere nothwendige Bekanntmachungen rc. Bei Titel „Gemeindevermögen" sind für Straßen, Kanäle, Wege, abgesehen von den ganz erheblichen Aufwendungen bei der „außerordentlichen Verwaltung", 1400 Mk. mehr eingesetzt, während die Schulden­zinsen 1034 Mk. (der geschehenen Abträge wegen) weniger betragen.

Dann folgen die Kreissteuern, welche mit 13000 Mk. eingesetzt sind, jedoch möglicherweise je nach der noch schwebenden Feststellung sich auch höher belaufen können.

mußte er nicht mit Fürchten und Bangen, nein, mit freudiger Hoffnung mußte er daran gehen. Deshalb mußte es erst klar und frei werden in seinem Herzen, kein störender Gedanke durfte ihm dazwischen treten. Er wollte es ja vollbringen, das Werk der Versöh­nung mit dem Schicksal, aber er war doch noch so jung, so wenig mannesstark.

„Sage mir endlich, Walter, was sinnst und träumst Du den ganzen Tag? Das Leben in Deiner Nähe ist nachgerade nicht mehr zu ertragen," platzte eines Tages Manfred heraus, der sich wieder Stunden lang vergeblich geplagt hatte, den Freund zu er­heitern.

Erstaunt blickte ihn dieser an; er wußte es kaum selbst, wie sehr er sich verändert hatte.

„Du bist wirklich unerträglich," suhr Manfred fort. „Früher hattejt Du nie eut Geheimniß vor mir, doch nun betrachtest Du mich als einen Fremden."

Der Vorwurf und der warme, freundschaftliche Ton verfehlten nicht ihre Wirkung; es wurde dem jungen Grafen klar, daß es Zeit 'fei, sich endlich zu ermannen.

„Denke nicht, daß ich gegen Dich etwas habe," sprach er mit Wärme. „Es ist ein Familiengeheimniß, das mich bedrückt, und das ich gelobt habe zu er­gründen; nur fehlte mir bisher der Muth dazu. Nun aber ist es Zeit; ich danke Dir, daß Du mich aufgerüttelst hast aus der unfeligen, nutzlosen Träu- '

merei." Und seine Augen schauten noch einmal sehnend in die Ferne, als sei ihm dort ein großes Glück entschwunden.

„Vertraue mir Deinen Kummer an und lasse mich Dir helfen," bat Manfred warm, indem er dem Freunde die Hand auf die Schulter legte.

„Ich kann Dich jetzt noch nicht einweihen. Aber helfen kannst Du mir insoweit, daß, während ich verreise. Du bei meinem Vater weilst, ihn nicht ver­läßt", entgegnete Walter.

„Du willst fort, allein?" fragte Manfred erstaunt.

„Ich muß, und dies so bald wie möglich. Es ist deshalb Zeit, meinem Papa den Entschluß mitzu- theilen."

„Wenn Du mich nicht gebrauchen kannst, so nimm doch wenigstens Onkel Bredow mit," drängte der Freund.

„Der ist ja unzertrennlich von seiner Wirthschaft und kann mir jetzt auch nichts nützen. Ich werde also allein reifen," entschied Walter, und so geschah es auch.

Mit Furcht und Hoffen entließ der Graf seinen Sohn, der ihm auf sein Bitten und Drängen seine Vermuthungen mittheilte, die noch dadurch ' gehoben und bestätigt wurden, daß sich, wie nun der Graf sich erinnerte, die Grabstätte seiner Schwiegermutter, der Generalin Walden, an dem erwähnten Orte befand.