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41 SamsLafl, den 20. Februar 1897. 24. Jahrgang

mit Unterhaltmrgs-KeUagr „Sterne und Klnmen".

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P. Cathrci» über „Kirche und Volksschule".

CVC. Ganz sachte und vorsichtig vollzieht sich in Preußen ein Wechsel in der Schulleitung, die von prinzipieller Bedeutung ist. Mit Hochdruck wird da­rauf hingearbeitet, den geistlichen Ortsschulinspektor durch den „Hauptlehrer mit dienstlichen Funktionen" zu ersetzen. Die Frage, ob die Ortsschulaufsicht der Geistlichen beizubehalten sei oder nicht, nennt der be­kannte Jesuitenpater Cathrein mit Recht, „den brennendsten Punkt der ganzen Schulfrage in Preußen". Die Schrift d.'s genannten Gelehr­ten ist höchst lehrreich und interessant und verdient die Aufmerksamkeit nicht blos der Geistlichen und Lehrer, sondern auch der Familienväter und Aller, die am Wohl und Wehe der Schule theilnehmen. Nach der Auffassung und Darstellung des berühmten Sozialpolitikers ist die Beihaltung der geistlichen Lokalschulinspektion so wichtig, daß er den Satz auf­stellt: „Ein Katholik in Preußen, möge er nun Geist­licher oder Laie, Lehrer oder nicht Nichtlehrer sein, welcher irgendwie die Hand dazu böte, die Kirche aus dieser letzten Position in der Schule zu verdrängen, würde einen Verrath an seiner Kirche und auch einen Verrath an der Schule begehen." Einige Ausführungen aus der erwähnten Schrift werden uns leicht von der Berechtigung des strengen Aus­spruches überzeugen.

Schon das bestehende Recht macht die konfessio­nelle Schulleitung nothwendig. Die Kirche hat nun einmal das unveräußerliche Recht zur Unterweisung und Erziehung der katholischen Jugend. Eben da­mit hat sie auch das Recht, die Volksschule mitzu­leiten und mitzubeaufsichtigen. Durch Königswort, Verträge und Verfassung ist überdies das der Kirche zustehende Recht feierlich verbrieft. Trotzdem be­trachtet sich der Staat heute als den alleinigen Herrn der Schule. Die Kirche muß deshalb, will sie sich nicht selbst aufgeben, Bürgschaft verlangen, daß die katholischen Schulen ihrer Hauptaufgabe, der katholischen Jugenderziehung, nicht entfremdet werden. Sie hat darüber zu wachen, daß in der Schule nicht nur niedergenffen, sondern daß positiv aufgebaut werde. Es soll nicht blos ein religiöser und christ­licher, sondern ein echt katholischer Geist die Volks­schule beleben, damit sie katholisch erziehen könne. Wer kann nun aber darüber wachen? Wer anders als der durch Beruf, Erziehung, Amt, Weihe und Sendung dazu vor allem Geeignete: der katholische Seelsorger?" Ihn kann hierin ein Laie nie-

Todtcngravers Töchterlein.

Roman von I. Fichtner.

21] ------ (Nachdruck verboten.)

„Wer sagte Dir das?" fragte die alte Frau zu­rück, indem sie das Mädchen zurückdrängte, als sei ihr ein großes Leid von demselben widerfahren.

„Ach, Mutter, sei mir nicht böse," bat Magda­lene, und ihre Augen wurden feucht. Ich habe es mir allein gedacht, und da es ja doch einmal so ist, bleibst Du darum doch meine liebe, gute Mutter", und liebkosend streichelte sie die welken Hände und küßte sie mit dankerfülltem Herzen.

„Da setze Dich nur, Kind," sprach die Alte be­sänftigt. „Ich habe es mir ja längst gedacht, daß es einmal so kommen würde. Es ist am Ende auch besser, ich sage Dir die Wahrheit; denn bin ich erst tobt, so erfährst Du davon doch nichts."

Und sie begann zu erzählen von jenem schaurigen, stürmischen Novemberabend, an dem Magdalene als namenloses Kind hier in der Hütte eingekehrt war. Das junge Mädchen lehnte den blonden Kopf an die Kniee der Alten, deren Hände liebkosend und besänf­tigend die seidenen Haarwellen glätteten. Und es war auch nöthig. Eine Fluth von Empfindungen bestürmten das jugendliche Herz — Schmerz — Trauer — Freude — Enttäuschungen.

mals ersetzen. Darum ist die geistliche Schulauf­sicht nothwendig.

Verfassungsmäßig herrscht Freiheit des reli­giösen Bekenntnisses. Zu dieser Freiheit gehört aber für katholische Eltern auch die freie katho­lische Kindererziehung. Und wenn diese Freiheit kein leeres Wort sein soll, muß eine Autorität vor­handen sein, welche prüft, ob die in der Schule dar­gebotene Erziehung katholisch ist oder nicht, ob sie genügt oder nicht genügt, ob etwas hinwegzunehmen oder hinzuzufügen ist. Solches zu leisten vermag ge­wiß nicht der indifferente, „paritätische" Staat sammt seinen Organen vom Minister bis herab zum In­spektor. Einzig und allein die Kirche kann das durch die von ihr gesendeten Organe. Das sind aber sür die Volksschule zunächst die Pfarrer. Darum sind sie von Rechtswegen unsere Ortsschulinspektoren.

Aber, sagt man, die Kirche hat ja hierzu den Religionsunterricht. — Das genügt nicht! Auch wenn der Religionsunterricht ganz allein von der Kirche er- theilt wird, hat weder die Kirche, noch der katholische Vater ausreichende Bürgschaft dafür, daß die Schule im katholischey Sinne wirkt, unterweist und erzieht. Was sind die paar Religionsstunden, wenn in den anderen Stunden die Religion außer Acht gelassen, vielleich geradezu ihr entgegengewirkt wird? Darum dürfen wir Katholiken nicht mit geschränkten Armen zugehen, wenn die Ortsschulaufsicht dem Psarrer ent­wunden und einem Laien zugewiesen wird.

Die untergeordnete Stellung unter einem geist­lichen Vorgesetzten behagt nun einmal dem Selbst­bewußtsein der modernen Jugendbildner nicht mehr. Darum soll der Pfarrer kein Ortsschulinspektor mehr sein, darum der Ruf nach Fachaufsicht!

Um dem Mangel an fachmännischer Aufsicht ab­zuhelfen und die geistliche Aufsicht in etwa beizubehalten, hat mqn den Ausweg gesucht: die rein fachmännische Aufsicht einem älteren Lehrer zu übertragen, der als „Hauptlehrer mit dienstlichen Funktionen" angestellt wird, der aber dem Ortsschulinspektor vorerst unter­geordnet bleibt. Dann hätte man statt eines einzigen Lokalschulinspektors im Grunde genommen bereit zwei. Wer kann da die Rechte der beiden Instanzen ab­grenzen, da die Begugnisse ineinanderlaufen? Da ist der Konflikt unvermeidlich. Wie werden sich die andern Lehrpersonen bei diesem Doppel - Regiment stellen? Unzufriedenheit, Zerwürfnisse und Hemmung der gedeihlichen Weiterentwickelung des Schulivesens werden die Folge des unnatürlichen Zwitterzustandes sein. Wir betrachten daher letzteres Stadium nur als einen Jnterimzustand, der nicht von Dauer ist. Zuletzt wird's heißen: Es geht nicht. Hinweg mit dem Ortsschulinspektor! Dem Hauptlehrer ist die ganze Leitung des Schulwesens zu übertragen.

Das wird, das darf — wofern man auf die Volksstimme hört — nie und nimmer geschehen! Halten wir vielmehr fest an den erprobten Alten, an

Sie wußte es nun gewiß, was sie schon längst geahnt und bangend gehofft, in jugendlicher Thorheit wähnend und träumend, daß ihr diese Eröffnung die Pforten der Welt erschließen würde, nach der sie sich sehnte. — Und was hatte sie nun? — Tiefer senkte sich das liebliche Gesicht, und heiße Thränen rannen über die Hände derjenigen, die sie so lange „Mutter" genannt. Nun hatte sie auch diese verloren! Elternlos — heimathlos — es kam ihr vor, als müsse sie mit ihren geringen Kräften dem Schicksale unterliegen.

Wohl hatte sie freudig aufgehorcht, als die alte Frau mit warmen Worten die Schönheit ihrer Mutter pries, und daß sie unzweifelhaft den höheren Ständen angehörte — aber warum mußte sie auch hier sterben, so verlassen — fern von all' den Ihrigen, um in bitterer Qual zu jenem Leben einzugehen, von wo es keine Rückkehr mehr gibt! — Zahllose stumme Fragen wachten auf in dem Herzen des Mädchens und raubten ihr allen Seelenfrieden.

„Beruhige Dich, Kind, Du bist doch nicht ver­lassen, bist unser Kind wie ehedem, wenn Du es sein willst. Warst Du bisher mit dem einfachen Leben zufrieden, warum denn jetzt nicht mehr?"

Es lag ein leiser Vorwurf in den einfachen Worten, und zartfühlend, wie Magdalene war, ver­stand sie ihn wohl. Sollten die guten Leute ihr deshalb alle Liebe und Opferwilligkeit gewidmet

demjenigen, worauf die Kirche ein unverjährba e-o Recht hat, und wobei Kinder, Lehrer, Eltern, Familie, Gemeinde, Staat und Kirche am besten fahren. Die Schule gehört in die engste Verbindung zur Konfession, mithin gehört die katholische Volksschule unter die Obhut der katholischen Kirche und ihre berufene Organe. Was den Protestanten in Preußen recht ist, das ist den Katholiken billig. Ihnen läßt man in der Regel die geistliche Schulaufsicht. Wohlan, man lasse auch uns den geistlichen Ortsschulinspektor. Wir können einen Laien an dieser Stelle nicht brauchen,

Mr Aus Kamerun.

Nachstehender Brief, den eine Missionsschwester*) aus Kamerun im vergangenen Jahre an eine befreundete Dame in unserer Provinz geschrieben hat, wird uns zur Versügung gestellt:

Kamerun, Missionsstation Kribi, 1. August 1886. Meine liebe Frau R.!

So gerne möchte ich meiner guten Frau N. einen recht langen Brief schreiben. Leider ist es mir nicht möglich, da wir nur zwei Schwestern hier sind. Im September hoffen wir Hilfe zu erhalten, dann schreibe ich Ihnen ausführlicher. Ich hätte überhaupt noch so lange gewartet, wenn wir nicht vergangene Nacht wieder bis nahezu 2 Uhr gearbeitet hätten. Wir müssen und sollen unsere Kinder kleiden, haben aber weder Kleider noch Stoff, dieselben zu machen. Sie, gute Frau N., haben mehr Zeil, mehr Bekannte, die Ihnen helfen, mehr Stoff als wir hier. Hier ist kein Laden, in den man gehen könnte, um zu kaufen, auch keine Familie, bei der man etwas haben könnte. Wildniß, Meer und Wald, dies ist alles, was • hier zu haben ist. Vielleicht können Sie von Bekannten getragene Kleidchen für Kinder von 4—14 Jahren erhalten. Auch für die kleine, nun 14 Wochen alte Agatha bitte ich um Kleidchen und Hemdchen. Doch ich habe Fhnen ja noch gar nicht mitgetheilt, daß wir auf Pfingsten ein sechs Wochen altes Schwärzchen erhielten. Der hochw. Pater K. taufte dasselbe, nachdem die Mutter gestorben war, machte Schwester Agatha zur Taufpathin und sandte zu unserer gar nicht großen Freude die Kleine mit einem Zettel, ich sei als Taufpathin eingetragen und möchte nun mein kleines oder großes Kreuz geduldig hinnehmen. Anfangs war es mir gar nicht recht, nun aber habe ich das arme Würmchen recht lieb gewonnen. Vergangene Nacht jagte sie mich wieder zweimal aus. dem Bette, aber nicht, weil sie schrie, nein, sie ist recht brav; doch hörte ich in meinem Zimmer, daß sie am Erbrechen war. Als ich zu ihr kam, hatte sie Ohren und Augen voll von saurer Milch, die sie erbrochen hatte; trotz­dem lag sie ruhig im Bettchen, hielt sich aber stets am Husten. Wir haben nämlich hier nur die kondensirte Milch und waren so schon recht übel daran. Wir haben ihr schon Champagner gegeben, ihr etwas Nahrhaftes beizubringen, doch der ist jetzt auch alle. Was kann man ihr denn jetzt geben? Bielleicht haben Sie etwas. Wir haben schon so Manches angefangen, sie am Leben zu erhalten, doch wo nichts ist, hat der Kaiser das Recht verloren. Wir haben hier nicht die Küche im Hause, wie das in Deutschland ist, fitzen zudem vor Kribi zwischen Walv und Meer, haben auch

*) Die Schreiberin de) Briefes, Palottinerin-Schwester Agatha, in der Welt Frl. Theresia Linz, wurde geboren in Kreuznach, besuchte von ihrem 17. Lebensjahre an den Leh- rerinnen-Kursus in Montabaur, bestand dort mit gutem Erfolg das Examen und war nun mehrere Jahre im Schuldienst der Stadt Höchst a. M. Im Kloster ist Schwester Agatha seit 5 Jahren und seit Mai 1896 in Kamerun.

haben, als sie, ein kleines, hilfloses Kind, hier Ob­dach fanb, daß sie nun, ba sie erwachsen, ihnen nützen unb banken konnte, sich von ihnen roenben, in unbankbarem Hochmuth sie verlassen sollte? — O, nimmermehr!

„Laß' mich bei Dir bleiben, bis an Dein Lebens- enbe; schickst Du mich nicht fort, so werbe ich Dich unb ben Vater nimmermehr verlassen," so bat Magda­lene unb bekämpfte bannt tapfer alle Lockungen der Jugenb.

„Ich werbe Dich nicht fortschicken, es sei benn nur zu Deinem Glück!" lautete bie tröstende Ant­wort. Aber der Schmerz um bie verlorene, nie ge­kannte Mutter wallte immer roieber heiß auf in bent warmen Herzen Magdalenens, unb immer roieber stossen Thränen.

„Liebe Mutter, hast Du gar nichts, kein An­denken von der Armen, bie Du so liebreich aus­genommen hast?" forschte sie. „Es ist so bitter, nicht einmal ben Namen berjenigen zu wissen, bie ich Mutter nennen soll!"

Die Mutter besann sich etwas unb sagte bann beruhigend: „Ich wollte es Dir erst geben, wenn ich einmal sterbe. Aber da Du doch jetzt Alles weißt, so sollst Du es jetzt schon haben; Du wirst es ja heilig halten als einziges Vermächtniß Deiner wahren Mutter!"