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Freitag, den 19. Februar 1897.

24. Jahrgang

mit UnterhalLrrngs-Kettage „Sterne und Klumen".

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Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Bfennia Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petirzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. a"

Der Plötzbund, der sich in absichtlicher Ueberschätzung seiner Bedeutung „Bund der Landwirthe" nennt, obwohl er von den Millionen deutscher Bauern nur einen sehr geringen Bruchtheil zu seinen Mitgliedern zählt, hat am Mon­tag im Cirkus Busch zu Berlin seine diesjährige Generalversammlung abgehalten. Es klingt ja sehr imposant, daß der Bund, weil sonst kein Saal in Berlin für seine Versammlungen ausreiche, in einem Cirkus tagen müsse, aber es ist ja selbstverständlich, daß die nähere Umgebung Berlins und demnächst das übrige Brandenburg und die auch nicht sehr weit entfernten Theile von Mecklenburg und Pommern mit ihrer starken landwirthschaftlichen Bevölkerung das Gros der Versammlung stellten, in der es übrigens auch nicht an Berlinern „konservativer" und antise­mitischer Richtung gefehlt hat. Wir wollen aber doch gern zugeben, daß es eine stattliche Versammlung war, wenn auch die Zahl von 5000 Theilnehmern, welche von bündlerischen Berichterstattern angegeben wird, eine nähere Prüfung kaum vertragen dürfte. Bei der rührigen Agitation der Bündler wäre es nur wunderbar, wenn sie keine solche große Versammlung zu Stande bringen könnten. Sogar die Berliner Katholiken für sich allein bringen ja auf ihren jährlichen Vereinst-agen auch Versammlungen von mehreren Tausenden zusammen.

Bemerkenswerth ist aber jedenfalls, daß der Cirkus Busch in diesem Jahre keineswegs so gut wie noch int Vorjahre gefüllt war. Man hatte den Eindruck, daß der Bund im Rückgänge begriffen sei. In dieser Hinsicht ist zu beachten, daß der stellvertretende Vorsitzende Dr. Suchsland in seinem Geschäftsbericht nicht so wie sonst die Zahlen des letzten Jahres mit denen der Vorjahre verglich. Warum? Weil sich aus einem Vergleich ergeben hätte, daß es mit dem Bunde abwärts geht. Das läßt sich übrigens auch zahlenmäßig nachweisen. Herr Dr. Suchsland gab die Mitgliederzahl aus 184000 an. Im Vorjahre wurde uns noch die Zahl 189000 genannt; der Bund hat also in einem Jahre 5000 Mitglieder verloren. Außerdem verrieth Herr Dr. Suchsland selbst, daß etwa ein Zehntel der Mitglieder keine Landwirthe, sondern Handwerker, Kaufleute und andere Gewerb- treibende, sowie Beamte sind. Auch sind etwa 34000 Mk. an Beiträgen rückständig. Zieht man alles dies in Rechnung, so ergibt sich, daß von den 20 Millionen Menschen, welche vonider Landwirtschaft leben, nur etwa der 150. Theil dem Bunde angehören; rechnet man nur die selbstständigen Landwirthe, so sind auch diese nur zu etwa 3—4 Prozent im Bunde vertreten. Der Plötzbund hat also nicht entfernt ein Recht darauf, als die Vertretung, der gesummten deutschen Landwirthschaft sich zu geberden. Läßt man sogar die katholischen Gegenden ganz außer Betracht, wo der Bund trotz aller Bemühungen bisher

Todtrngravrrs Töchterlein.

Roman von I. Fichtner.

20] ------ (Nachdruck verboten.)

Was sollte er überhaupt sagen, wenn sie er­wachte, ihn sehen würde? Er kam sich jämmerlich unbeholsen vor, er, der Held der feinsten Salons; er mußte sich sagen, daß schleuniger Rückzug das einzig Richtige sei. Deshalb zog er seinen Begleiter, der durch Blick und Geberde ebenfalls das tiefste Innerste verrieth, eiligst fort.

In demselben Augenblicke war das schlasende Mädchen erwacht. Ihre großen, blauen Augen ge­wahrten sofort die beiden Eindringlinge, und Be­stürzung lähmten für den Augenblick jede Bewegung. Wie ein ertappter Dieb, hochgerötheten Antlitzes wandte sich der ältere der Beiden zum Gehen, wäbrend der jüngere, gleichsam vom Blicke dieser Augen angezogen, mit achtungsvollem Gruße sich dem Mädchen näherte, um das Buch aufzuheben, das herabgeglitten war.

Indem er flüchtig auf den Titel blickte und zu seinem Erstaunen eines der besten Bücher der gegen­wärtigen Literatur erblickte, folgte Magdalenens ge­spannter Blick dem Davoneilenden, und ein leises Zittern durchlief ihre Gestalt, während tiefe Blässe das eben noch heiß erröthete Gesicht überzog.

überhaupt keinen nennenswerthen Anhang gewinnen konnte, so bleibt doch bestehen, daß er selbst in prote­stantischen Gegenden nur einen sehr geringen Theil der Landwirthe umfaßt.

Im vorigen Jahre wurde die Abonnentenzahl der ,D. Tagesztg/, des Bundesblattes, auf 30000 ange­geben; in diesem Jahre hat man keine Zahl genannt. Ist sie etwa zurückgegangen oder war die Angabe des Vorjahres so sehr übertrieben, daß man jetzt, etwa mit Rücksicht aus die Strafbestimmungen des neuen Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, lieber auf jede Angabe verzichtete? Thatsache ist jeden­falls, daß die ,D. Tagesztg/ in den ca. 2 Jahren ihres Bestehens etwa 150000 Mk. an Zuschüssen aus der Bundeskasse verschlungen hat. Wie das bei 30000 Abonnenten möglich ist, wissen wir nicht. Ueberhaupt kostet der Bund seinen Mitgliedern, denen das bei der Nothlage der Landwirtschaft doch nicht gleichgiltig fein kann, eine Menge Geld. Die Aus­gaben beliefen sich im letzten Jahre nahezu auf eine halbe Million Mark. Freilich beschäftigt das Berliner Bureau des Bundes allein 84 Beamte!

Was nun die Verhandlungen des Bundes im Cirkus Busch selbst angeht, so scheiden sich diese, ab­gesehen vom Geschäftsbericht, in sachliche und in rein agitatorische Reden. Erstere bestanden in einer Rede Dr. Suchsland über die Börsenreform und in einer Rede des zweiten Vorsitzenden Dr. Rösicke über die Abwehr von Viehseuchen. Es wurden auch entsprechende Resolutionen gefaßt, welche die Aufhebung der „freien", ungesetzlichen Produktenbörse im Berliner „Feenpalast" und Verschärfung der Grenzsperren gegen ausländisches Vieh verlangen. Wir sind damit ein­verstanden, wie wir denn überhaupt die Thätigkeit des Bundes viel wohlwollender würden beurtheilen können, wenn seine Bestrebungen durchweg einen sachlicheren Charakter annehmen würden. Aber die politische' Agitation, und zwar mit keineswegs lauteren Mitteln, steht bei ihm nach wie vor im Vordergründe. Allerdings ist der agitatorische Antrag Kanitz in der Montagsversammlung nur nebenbei gestreift worden, aber in hetzerischen Redewendungen wurde wieder das Menschenmögliche geleistet. Herr v. Plötz suchte zwischen dem Kaiser, dessen Wohlwollen für die Land­wirthschaft er rühmte, und der Regierung, die so gut wie nichts für diese gethan habe, zu unterscheiden. Dabei kam es ihm auf faustdicke Widersprüche nicht an. So sprach er von der Macht des Kaisers und der Bundesfürsten, ihren Willen, der Landwirthschaft zu helfen, auch durchzusetzen; gleich darauf aber sagte er: „Was ist geschehen, seit dem Kaiserwort, daß der Landwirthschaft geholfen werden muffe? So gut wie nichts!" Will Herr v. Plötz damit dem Kaiser nicht etwa infinuiren, daß sein Wort nicht ernst gemeint war, so hat diese Redewendung doch überhaupt keinen Sinn. Dieses Ueberfließen und Triesen von Loyalitätsbezeugungen in der Plötz'schen Rede

Magdalena erhob sich, um zu gehen; und beinahe reichte die schöne, ebenmäßige Gestalt an die des jungen Mannes hinan, der in zunehmender Bewunde­rung verlegen nach einer Entschuldigung suchte wegen der verursachten (Störung.

„O, das hat nichts zu sagen," entgegnete sie mit dem Anstand einer gebildeten Dame. „Der Ein­tritt hier ist Jedem gestattet, ich hätte das bedenken sollen."

„Das Verweilen hier ist auch eine wahre Er­quickung. Mein Freund hat dies wohl gewußt, denn es war unser erster Weg nach unserer Ankunft hier. Nebrigens ist er verschwunden, wie ich sehe; da muß ich wohl bald Nacheilen — aber — ich möchte gern wiederkommen, wenn Sie nicht zürnen," vollendete er zögernd, und seine Augen begegneten den ihrigen, die, ebenso klar und blau wie die seinen, ihn ver­wundert anschauten.

„Jeder kann hier ein- und ausgehen, wie er will, ich sagte das schon," erwiderte sie ruhig, und es war ihr, als hätte sie den jungen Mann schon gesehen, als sei er kein Fremder. Sie waren am Heckenzaune des Gärtchens angelangt.

„So gehe ich heute und sage: Auf Wiedersehen," sprach er rasch und eilte seinem Freunde nach. Noch ganz erfüllt von dem Eindrücke, den die Erscheinung und die einfache gebildete Ausdrucksweise des Mädchens

macht von A bis Z den Eindruck verlogenste Heuchelei.

Ebenso steht es mit den Versicherungen, daß der Bund keine Parteipolitik treiben wolle. Die unab­lässigen Mahnungen, zu Gunsten des Wahlfonds des Bundes recht tief in den Beutel zu greifen und bei ben nächsten W ahlen „einen allgemeinen politischen Landsturm zu entfesseln", damit die nächste Reichstagsmehrheit eine durchaus bünd- lerifche werde, paffen doch zu jenen Versicherungen wie die Faust aufs Auge. Und ist das etwa keine einseitige Jnteressenpolitik? Auch diese suchte man zu leugnen! Wir sind überzeugt, daß die Wahlhoff­nungen des Bundes sich nicht erfüllen, — in katho­lischen Gegenden ganz gewiß nicht!

Deutsches Deich.

Berlin, 18. Februar.

* Heber die Stellungnahme Deutschlands zu den Mrrcu auf Kreta meldet die,Köln. Ztg/ aus Berlin: „In der europäischen Presse finden sich Ankündigungen, wie sich voraussichtlich in Kreta die Dinge gestalten würden. Man spricht von einer weit­gehenden Autonomie der Insel und bezeichnet bereits als den künftigen Chef der Verwaltung den Prinzen Georg von Griechenland. Das alles ist müßiges Gerede, welches mit der thatsächlichen Lage nichts zu thun hat. Zunächst handelt es sich nach der deutschen Auffassung hauptsächlich darum, die schwere Völker­rechtsverletzung wieder auszugleichen, welche Griechen­land gegen den ausgesprochenen Willen der Groß­mächte sich durch Besetzung der türkischen Insel hat zu Schulden kommen lassen. Die deutsche Regierung hat es den Mächten gegenüber offen ausgesprochen, daß sie es unter ihrer Würde erachtet, mit Griechen­land weiter zu verlanieln, bevor die griechischen Truppen und Schiffe die Insel verlassen haben. So lange diese Räumung nicht vollzogen ist, kann für die deutsche Regierung die Frage nicht in Betracht kommen, was nach der Räumung mit der Insel ge­schehen soll. Würde Prinz Georg an die Spitze der kretischen Verwaltung gestellt werden, so wäre dies lediglich eine Fortsetzung des griechischen Rechtsstreites und eine Bestärkung in dem bisherigen Verhalten. Für die Mitwirkung zu einer solchen Lösung wird die deutsche Regierung nicht zu haben sein."

ft Die Voruntersuchung gege« v. Tausch und v. Lirtzow ist vollständig abgeschlossen. Beide bleiben in Untersuchungshaft. Die Akten — das Material ist ungeheuer — sind nunmehr zur Er­hebung der Anklage wegen Meineids, schwerer Urkundenfälschung und Betrugs an die Staatsanwaltschaft abgesandt worden. Die Haupt- verhandlung wird wohl erst im Mai stattfinden können.

auf ihn hervorgebracht, erreichte er diesen, der mürrisch seines Weges schritt.

„Was bist Du für ein wunderlicher Mensch, daß Du so mir nichts. Dir nichts davonläufst," rief er ihn an. Und da keine Antwort erfolgte, erzählte er eifrig weiter:

„Du weißt wohl gar nicht, daß das Mädchen, wenn es überhaupt dasselbe ist, von welchem Du erzähltest, eine gebildete Dame ist, der nichts fehlt als eine paffende Umgebung."

„Ach, laß mich mit Deinen Phantasieen!" wehrte der Andere.

„Nun — ich werde es Dir beweisen," versetzte der Jüngere in verletztem Tone. „Uebrigens," fügte er sich besinnend hinzu, „hegtest Du nicht Zweifel, daß in dem Verhältnisse zu den Alten es nicht ganz richtig sei?"

„Wir wollen uns darüber den Kopf nicht zer­brechen, ich glaube, wir haben hier Anderes und Besseres zu thun," war jdie nachdrückliche Antwort mit einem warnenden Seitenblicke auf den jungen Lobredner.

Dieser verstummte zwar, aber nur, um desto mehr darüber nachzudenken und es jedenfalls allein weiter zu verfolgen. Nicht im Entferntesten dachte er daran, daß sein Begleiter mit noch regerem Interesse das Vorgefallene sich vergegenwärtigte, daß nur Scham