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37 Dtenstaq, den 16. Februar 1897. 24. Jahrgang

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§§ Die preußischen Eisenbahn- Werkführer.

Ein Bild zum Eisenbahn-Etat.

Hinsichtlich der Gehaltsverhältnisse namentlich der Unter- und Subalternbeamten hört man die mannigfachsten Klagen, welche mehr oder weniger begründet sein mögen. Ohne nun hier die eine vor der andern Beamtenklasse bevorzugen zu wollen, sehen wir uns doch genöthigt, speziell auf die preußischen Eisenbahn-Werksührer hinzuweisen, eine Be­amtenkategorie, welche erst 1891 als eine Nothwendig- kert des Dienstes geschaffen wurde, bisher wenig an die Oeffentlichkeit trat, es aber gleichwohl verdient, daß ihre stille und verantwortungsvolle Arbeit in den Königlichen Werkstätten öffentlich gewürdigt werde.

Die Werkführer find aus der Klaffe der Vor­arbeiter hervorgegangen, bilden der letzteren wie der übrigen Handwerker unmittelbare Vorgesetzte, stehen aber in ihrem Gehalte vielfach tiefer als jene, eine Thatsache, welche vom Regierungs­tische des Abgeordnetenhauses zugegeben worden ist. Das ist doch ein ganz unhaltbarer Zustand, der jedenfalls vereinzelt dastehen dürfte und schon manchen braven und tüchtigen Mann angesichts der Sorge für eine zahlreiche Familie veranlaßt hat, auf das Empor­streben und die spätere Pension zu verzichten.

Dabei bedenke man, welche Anforderungen an den Werkführer gestellt werden. Der Werkführer hat sich verschiedenen Prüfungen zu unterziehen, welche ihn zu seinem Amte befähigen. Die Prüfungs- vorschriften gehen so weit, daß sie sich kaum von denen der Beamten unterscheiden, die gleich mehrere Gehaltsstufen über ihm stehen, und die er auch eventuell zu vertreten hat, wobei zugleich der sonder­bare Fall eintritt, daß der Werkführer als stellver­tretender Werkmeister auch Vorgesetzter seiner Vorgesetzten in den Zwischenstufen wird. Jeden­falls zeigen solche eigenartige Verhältnisse, daß man den Werkführer nicht an die Stelle gesetzt hat, die ihm nach den an ihn gestellten Anforderungen zu­kommen sollte, und daß der Gehaltsunterschied zwischen Werksührer und Werkmeister denn doch ein zu großer ist — hier 1800—2700 Mark und dort nur 1200 bis 1600 Mark, was in der Skala vier Stusen be­deutet.

Die Dienstleistungen des Werkführers sind im Wesentlichen folgende: eingehende Untersuchung der reparaturbedürftigen Fahrzeuge, wie Lokomotiven, Wagen 2C.; Leitung der Ausbesserung derselben durch die Handwerker; Prüfung des zu verwendenden oder auszuscheidenden Materials — alles unter persön- licb.er Verantwortung; AuSkunftsertheilung über Kassen-, Buch- und Rechnungswesen an die Hand­werker; den letzteren in allen praktischen Fragen mit Rath und Tkjat zur Seite zu stehen; den im Eisen- bahnsach sich ausbildenden maschinen-technischen Be­amten die nöthigen Anweisungen und Belehrungen zu

Todtrngravers Töchterlein.

Roman von I. Fichtner.

1'1 ------ (Nachdruck verboten.)

An einem solchen Tage war es, als über der ge­bückten, weißhaarigen Gestalt des Dieners, der eben durch die halbgeöffnete Thür lugte, um einmal nach­zusehen, was das Mädchen wieder für Tollheiten treiben möchte, an einem solchen sonnigen Sommer­tage, wo in den kühlen, dufterfüllten Zimmern Magda­lena wieder ihr Wesen trieb, war es, daß über dem grauen Haupte des Dieners unvermuthet und unbemerkt ein dunkelgebräuntes, bärtiges Männergesicht erschien. Verwundert blickten die ernsten Augen auf die eigen- thümliche, reizvolle Szene, auf das Gesicht der jungen Tänzerin; dies zarte Profil, diese wehenden, gold­blonden Haare und nun diese herrlichen blauen Augen, deren Blick ihn streiften wie ein Sonnenstrahl, und deren Sterne sich plötzlich erweiterten im augenblick­lichen Erschrecken über den unvermutheten Eindring­ling! Fast schwebend beendete das erhobene Füßchen den lustigen Reigen, die weißen Arme mit der Puppe sanken schlaff herab und rosige Gluth übergoß Gesicht und Nacken des erschreckten Mädchens. Wie ein Träumender blickte der Fremde in die lieblichen, jugend- ,schönen Züge, und mit einem Seufzer strich er über

ertheilen; die aus dem Gesagten sich ergebenden, sicher nicht geringen schriftlichen Arbeiten, welche die Grundlage für das ganze Buch- und Rechnungswesen bei der Eisenbahnverwaltung bilden, zu erledigen. Des Weiteren soll der Werkführer mit allen fonstigen mechanischen und maschinellen Anlagen, die im Eisen­bahnwesen Verwendung finden, vertraut sein :c. ec. Fürwahr ein reiches Arbeitsfeld mit weitgehender Verantwortlichkeit!

Zum großen Theil liegt es an dem Werkführer, wenn das fahrende Publikum nicht mit Angst und Bangen die Transportmittel zu besteigen braucht, und man dars ohne Uebertreibung dem Institute der preußischen Werkführer das Lob der Gewissen­haftigkeit und Loyalität spenden, das im Jahre 1895 auch schon einmal vom Regierungstische des Abgeordnetenhauses getheilt wurde. Um so auf- sallender muß es darum berühren, daß trotzdem nichts zur Besserung der Lage der Werksührer ge­schah und bei einer abermaligen Petition 1896 der Wind umgeschlagen war, von der wohlwollenden An­erkennung wenig übrig blieb, das Gehalt für genügend erklärt wurde, aber dennoch — wie eingangs erwähnt — zugestanden werden mußte, daß nicht alles in Ordnung sei. Ein solcher Widerspruch seitens der Staatsregierung muß stutzig machen, um so mehr, als von Seiten der Werkführer nichts geschehen ist, das jenen Umschlag in der Gesinnung rechtfertigen könnte. Der Dienst hat sich in keinem Punkte ge­ändert, ebensowenig die treue Hingabe an denselben, die nach wie vor die gleiche geblieben ist.

Wo sitzt denn der Haken? Hat es etwa nach oben hin verschnupft, daß die Werkführer ihre Wünsche dem Landtage in einer zweiten Petition vor­getragen haben? Dazu hatten sie aber ein Recht, das Niemand ihnen wehren darf und zudem in beschei­dener Weise ausgeübt wurde. Das Petitium der Werkführer lautet: 1. den Eisenbahnwerkführer aus der Klasse der Unterbeamten gleich den Lokomotiv­führern zu Subalternbeamten zweiter Klasse befördern zu wollen; 2. demensprechend ihm ein Jahresgehalt von 1500 bis 2200 M. nebst einer Wohnungsent­schädigung von 297,60 M. zuzubilligen; 3. sein pen- sionssähiges Dienstalter vom Tage seiner Ernennung zum Vorarbeiter berechnen zu wollen.

Dieses Petitum, das für Jeden, der mit den Dienstleistungen der Werkführer nur einigermaßen vertraut ist, die Grenzen der Billigkeit in keinem Punkte überschreitet, wurde darum auch schon zweimal vom preußischen Abgeordnetenhause der kgl. Staats­regierung al? Material überwiesen. Und doch hat die Staatsregierung, welche 1895 unter öffentlicher Anerkennung der Dienstleistungen die Förderung der Gehaltsaufbesserung und Versetzung in die zweite Subalternklaffe als wohlverdient zugegeben hat, jene Forderung ein Jahr später ab gelehnt. Diese Abweisung wäre unbescheidenen, über das Verdienst hinausgehenden Wünschen gegenüber wohl am Platze die hohe Stirn, als wollte er mit dieser Bewegung eine Fluth von aufsteigenden Gedanken zurückdrängen. 9hm war es an dem Diener, sich erschreckt umzu- ilicken; seine gebeugte Gestalt richtete sich im Bewußt­em seiner Hausherrnpflichten gerade in die Höhe und musterte mit strengem, fragendem Blicke den Eindring­ling. Ein feines Lächeln zuckte um dessen Mund, und mit wohlklingender, gedämpfter Stimme richtete er die Frage an den Alten: „Sagen Sie, Bernhard, ist dies Kle— Frau von Suttens Tochter?" verbesserte er sich, während sein Auge fragend Magdalenen streifte.

Immer größer wurde das Erstaunen des Dieners; wie konnte der Fremde sich erlauben, ihn ohne Wei­teres bei seinem Taufnamen zu nennen? Er hielt es einer Würde angemessen, dem Herrn eine andere Meinung von sich beizubringen. Ohne auf die Frage Rücksicht zu nehmen, sprach er, sich gemessen verbeugend:

„Frau von Sutten hat mich beauftragt, sie in ihrer Abwesenheit zu vertreten. Mit wem habe ich die Ehre?"

„Später, Alterchen," winkte der Gemaßregelte mit )er Hand. „Wer ist das junge Fräulein?" klang es ast befehlend.

Verdutzt blickte der alte Bernhard den Fremden orschend an, und während er dessen Aeußeres studirte, onnte er doch nicht umhin, zu sagen:

gewesen, dem billigen Verlangen der Werkführer gegenüber war sie es sicher nicht. Oder ist es zuviel, wenn, auch von einem Unterbeamten, verlangt wird, daß er im Gehalte über den ihm unterstellten Hand­werker stehe, und auch nicht tiefer im Gehalte stehe, als diejenigen, welche mit ihm gleiche Vorbildung und Dienstleistung haben?

Was jedoch bei jener Abweisung vom Regierungs­tische am meisten befremden muß, das ist die Erklärung: Die Werksührer hätten ja Vorarbeiter bleiben können, sie seien zum Aufsteigen nicht gezwungen gewesen! Man könnte da vielleicht mit einer Retour­frage antworten, doch wir wollen es lieber nicht thun und nur einfach fragen: Warum hat man denn die Stelle der Werkführer überhaupt geschaffen? Jeder hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, sich emporzuarbeiten, wenn er das Zeug dazu besitzt. Und dieses Recht muß man auch dem Vorarbeiter lassen. Es wäre übrigens schlecht um das Staats­wesen gestellt, wenn der Trieb, vorwärts zu kommen, absterben müßte. Gerade in diesem Triebe liegt das Heil einer gesunden Verwaltung.

Auf jeden Fall aber bleibt der alte Grundsatz zu Recht bestehen: Der Arbeiter ist seines Lohnes werth! Hoffentlich findet bei der bevorstehenden Etatsberathung die Bitte der preußischen Werksührer eine freundliche Aufnahme. Sie verdient es!j

Deutsches Deich.

Berlin, 15. Februar.

# Der Kaiser hat nicht nur am Samstag, sondern auch am Sonntag und Montag Vormittag im Reichskanzlerpalais vom Fürsten Hohenlohe sich Vortrag halten lassen, offenbar über die kriegerische Zuspitzung der orientalischen Wirren. Auch hat er „wegen dringender Regierungsgeschäfte", die sich wohl ebenfalls auf die türkisch-griechische Frage beziehen, einen Besuch beim Potsdamer Leibhusaren- Regiment unterlassen. Wie Wolff's Bureau weiter meldet, hat die griechische Regierung den Mächten unumwunden erklärt, daß sie Kreta besetzen werde, und die deutsche Regierung hat daraufhin den Kreuzer „Kaiserin Augusta", der in den nächsten _ Tagen vor Kanea eintreffen soll, angewiesen, Feindseligkeiten der griechischen Schiffe in Gemein­schaft mit den anderen großmächtlichen Schiffen thun- lichst zu verhindern. Das Schiff wird wohl zu spät kommen, und überhaupt scheint eine genaue Kontrolle der griechischen Unternehmungen bei der weiten Küstenausdehnung Kretas kaum 'denkbar. Die Griechen haben ja auch bereits ungehindert Truppen dort gelandet. Es wird nicht lange dauern, so wird man auch schon von türkisch-griechischen Zusam­menstößen an der beiderseitigen Landgrenze hören. Der Krieg ist thatsächlich ausgebrochen, die Ein­mischung der Großmächte hat dies nicht verhindern .'önnen.

„Es ist nicht Frau von Suttens Tochter, aber—" „Wer aber?" drängte der Herr.

„Nun — ein Mädchen von hier, dessen sich die gnädige Frau angenommen hat."

„So!" Es klang wie Erleichterung. „Wie ist wohl der Name des Kindes?" Suchend flogen die Augen durch das große Zimmer, aber Magdalene war verschwunden.

„Ich weiß es selbst nicht; die gnädige Frau nennt das Mädchen Magdalene und wir anderen auch."

Inzwischen war diese durch eine Seitenthür ge- lüchtet, behend warf sie allen Schmuck bei Seite und chlüpfte in die einfachen Leinenkleider, die sie daheim zu tragen pflegte. Als der alte Diener das Empfangs­zimmer öffnete und den Herrn zum Eintreten nöthigte, da floh sie wie ein auf ungerechter That ertapptes Pesen mit glühenden Wangen durch Haus und Gar­ten der kleinen Hütte zu. Aber wie sie nun, von den Alten unbemerkt, vor der niebern Thüre stand, da zögerte sie, den Fuß hineinzusehen; still und traut winkte der grüne, blühende Friedhof, und ohne langes Besinnen eilte sie den schmalen Pfad dahin und warf ich an dem liebgewonnenen Plätzchen, dem blühenden Hügel, wo die Baronin sie zuerst gesehen hatte, in >as Gras. Von dem alten Grabgitter fiel das starke Rankengewirr der Passionsblume schmeichelnd über