mit Unterchaltmrgs-KrilsKr »Kterne und Ktumen".
24. Jahrgang
Samstag, den 13. Februar 1897.
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* Die Flottenpläne
sind mit einem Male wieder in den Vordergrund der politischen Bühne gerückt. In der linksliberalen Presse wird sogar an den Bericht über das Diner beim Finanzminister die Befürchtung geknüpft, daß es wegen der Flottenfrage zu einer Reichstagsauflösung kommen und als Seitenstück zu den „Militärwahlen" von 1887 und 1893 einmal „Marinewahlen" versucht werden könnten. Wir können nicht glauben, daß in den Regierungskreisen ein derartiger Gedanke Wurzel gefaßt haben sollte. Denn die Aussichtslosigkeit einer solchen Wahlparole liegt gar zu klar. Auch Herr v. Miquel, der zur Zeit wohl der unternehmungslustigste aller Minister ist, wird sich schwerlich verhehlen, daß auf diese Weise keine Kartellmehrheit erreicht werden kann. Ob er die Vorgänge aus seinem Diner als Einschlag zu dem kunstvoll politischen Gewebe, dem er sich gegenwärtig hingibt, sonst in dieser oder jener Weise verwerthen kann, wissen wir nicht; aber an einer Marineschwärmerei der Mehrheit der Reichstagswähler glaubt er gewiß nicht.
Es ist richtig, daß schon der Verdacht einer Minderwerthigkeit der deutschen Landmacht hinreicht, um große Theile des Volkes in Erregung zu versetzen. Aber gegenüber der Seemacht herrscht nur in sehr engen Kreisen eine ähnliche Empfindsamkeit. Ferner darf man nicht übersehen, daß die militärische Wahlparole schon 1893 längst nicht mehr die Kraft hatte wie 1887; im letzteren Jahre kam eine Kartellmehrheit zu Stande, während 6 Jahre später das Caprivi-Huene'sche Militärgesetz nur dadurch eine nothdürftige Mehrheit erlangte, daß die freisinnige Vereinigung und die Antisemiten es mit den Bedingungen, die sie im Wahlkampfe stipulirt hatten, nicht so genau nahmen. Die „Angst" hat sich auch schon überlebt. Und in Bezug auf die Marine kann man überhaupt kaum ein Angstgefühl Hervorrufen. Das Volk sagt sich: Wenn nur unsere Landmacht die erste der Welt ist, dann werden wir uns schon zu wehren wissen! Man denkt dabei an die Erfahrungen von 1870 zurück, wo es ohne eine ebenbürtige Flotte doch ganz prächtig ging.
Ja, wenn überhaupt eine gewisse Furcht sich geltend macht, so geht sie in ganz anderer Richtung. Man sagt sich, daß Deutschland nicht in der Lage ist, zugleich zu Wasser und zu Lande, den ersten Rang zu behaupten, und daß also die Gefahr vorliegt, daß unserer Landmacht die nöthigen finanziellen und
Todtrngrabers Töchterlein.
Roman von I. Fichtner.
15] ------ (Nachdruck verboten.)
Diese beugt sich, von Mitleiden ergriffen, über bie Leiche, und eine lüLrme Thräne fällt in das schöne stille Gesicht. Sie streicht daS blonde Haar zurück und gewahrte dabei um den weißen Hals ein goldenes Kettchen mit blauem Medaillon. Fast unbewußt löst sie dasselbe, und während sie das feine Sinnen bewundert, denkt sie dabei, daß es eine feine Dame sein müsse, die da, vom Unglück verfolgt, hr?r ein so jähes Ende gefunden hat.
Schweigend tritt sie zu der kleinen StlWe, und E es ihr gelingt, das Medaillon zu öffnen, hängt ihr Buck lange an den schönen, lebensvollen derjenigen, die nun kalt und starr, ein stiller Gasten ihrer Hütte ruht.
„Es wird ihr Liebster fein," spricht mit rauher stimme ihr Mann, der, hinter sie getreten, nun auf das andere Bild beutet.
»Wer kann es wissen," erwidert die Frau mit Wehmuth in Stimme und Geberde. „Ich werde das Ding da aufheben für das Kind — wenn es am Leben bleibt!---"
Nach zwei Tagen fand die reiche Gräfin Eva Clären an der Seite ihrer Mutter ein armes, schlichtes Grab. Bis hierher war ihr flüchtiger Fuß geeilt.
persönlichen Kräfte entzogen werden, wenn wir zur See mit der französischen Flotte oder gar mit der ganzen Flotte des „Zweibundes" wetteifern wollen.
Ferner ist es zu beachten, daß keine einzige Partei in der Lage ist, aus vollem Herzen und mit ganzer Kraft sich bei Marinewahlen in's Zeug zu legen. Sämmtlichen Kartellparteien kann man Aeußer- ungen ihrer Führer vorhalten, welche eine weife Mäßigung in der Ausgestaltung der Flotte empfahlen und sich gegen einen Theil der jetzt schwebenden Forderungen erklärten und im Wesentlichen dem in den letzten Jahren vom Reichstag festgehaltenen Flo ttenv erstä rkungs-Plan e zustimmten.
Das Volk weiß sehr gut, daß der Reichstag durchaus keine „negirende" Haltung gegen die Wünsche und Bedürfnisse der Marine eingenommen hat. Es sind sowohl im vorletzten Jahre als besonders im letzten große Bewilligungen vom Reichstag ausgesprochen worden, so daß unsere Schiffsbaukräfte vollauf zu thun haben. In diesem Tempo zu bleiben, erschien allen Parteien des Reichstags — mit Ausnahme von ganz vereinzelten und unmaßgeblichen Schwärmern — vollauf genügend zu sein.
Bei dieser Sachlage fassen wir die neueste Erörterung nicht so ängstlich auf, wie einige Blätter der Linken es thun. Wir hoffen, daß auch die Abgeordneten ruhiges Blut bewahren und die Frage nach sachlichen, nicht nach wahltaktischen oder sonstigen „hochpolitischen" Gesichtspunkten entscheiden werden. Das Volk in seiner großen Mehrheit ist der Ansicht, daß für die Marine eher schon vielleicht zu viel, aber sicher nicht zu wenig geschehen sei.
Ehre Vater und Mutter!
Ein erwachsener Sohn gerietl) mit seinem Vater öfter in argen Streit über die Herausgabe des mütterlichen Erhtheiles. Eines Tages war ich selbst mit einem andern jungen Manne Augenzeuge, wie der Vater vor den Wuthausbrüchen seines Sohnes die Flucht ergriff und sich in ein Zimmer verschloß, worauf der ungerathene Sohn unter großem Gepolter versuchte, die Thüre einzustoßen, indem er dabei die Worte brüllte: „Du mein Vater, ich dein Sohn — ich dein Sohn, du mein Hund!" daß es uns bis ins innerste Mark hinein erschütterte. — Ich erzählte einem 80jährigen Greise unserer Nachbarschaft diesen Vorfall, worauf derselbe mir in fast prophetischem Tone sagte: „Johann, wenn dies wahr ist, was du mir da erzähl* hast, dann wirft du es noch sehen und erleben: dieser Mensch wird vergehen wie Schaum auf dem Wasser."
Als dieser ungerathene Sohn nun sein Erbtheil erhalten hatte, heirathete er. — In einem „Kaufmannshause" bekleidete er einen Posten, welcher ihm um zum Tode ermattet niederzusinken — bis hierher das tief gekränkte Herz geflüchtet, um auszuruhen am treuesten Herzen der Erde.
Hier, wo man die Fremde fand, hatte man sie auch begraben, ohne zu wissen, wer sie fei.
„Gottes Wege sind nicht unsere Wege," fügte weh- muthsvoll der Geistliche hinzu, als er segnend Erde zur Erde gesellte.
Das Vermächtniß aber, welches die Verstorbene der kleinen Hütte überlassen hatte, es starb nicht, so schwach auch der Lebensfunken in dem zarten Wesen glimmte; es nistete sich ein in die Herzen seiner Pfleger, und wenn Anneliese hätte um des fremden Kindes willen Hunger leiden müssen, sie hätte es niemals in das Armenhospital gebracht, wie ihr Mann es anfangs wollte. In der kleinen Magdalene sah sie Ersatz für die vielen Opfer, welche ihr Mutterherz in jungen Jahren hatte bringen müssen, und so wuchs Lene heran als das Kind des Todtengräbers, denn die wenigen Menschen, welche von den Ereignissen jener ' Nacht Kenntniß erhielten, waren froh, wenn derselben sucht gedacht wurde.
Niemand ahnte, daß eine Grafenkrone des Kindes Wie.lk hätte schmücken müssen, und wenn Anneliese auchStillen daran dachte, wie fein und schon des Kindes" butter gewesen, so sprach sie doch nie davon, um im Kerzen ihres Mannes keine Bitterkeit zu erwecken. .
auf Lebenszeit ein sorgenfreies Auskommen gesichert hätte, er wurde aber später entlassen; aus welchem Grunde, ich habe es nie erfahren. — Darauf fing er selbst ein Geschäft an, aber zwei Jahre nachher war er schon ruinirt, und hatte nicht nur sein eigenes nicht unbedeutendes Vermögen verloren, sondern auch das Vermögen seiner Schwiegereltern, welche Alles auf« boten, um den Ruin von ihm abzuhalten. — Vermöge seiner Kenntnisse wäre es manchem Anderen ein Leichtes gewesen, sich wieder eine Stelle zu verschaffen, die ihn und seine Familie hinreichend vor Mangel geschützt hätte, doch er fand nur kurze Zeit Beschäftigung, zuletzt als gewöhnlicher Arbeiter in einer Fabrik. — Er lebte jetzt von feiner Frau getrennt. — Ich sah ihn später noch einmal, und wurde dabei unwillkürlich an die Worte jenes Greises erinnert, die ich schon erfüllt glaubte, so herabgekommen sah er ans. Aber es kam noch schlimmer; diese Worte erfüllten sich buchstäblich, denn der ungerathene Sohn endete später als Selbstmörder im Rhein und machte so die erwähnten Worte des Greises: „Er wird vergehen wie Schaum im Wasser" zur vollen Wahrheit.
In der hl. Schrift steht ein furchtbar ernstes Wort: „Das Auge, das seinen Vater verachtet, sollen die Raben aushacken und die jungen Adler auffressen." — Gott straft oft schon in dieser Welt, Vielen zur Mahnung und ernsten Warnung.
[*] Untersuchungen der Zähne der Fuldaer Schulkinder.
Wie wir s. Z. mittheilten, haben im Laufe des verflossenen Jahres an den hiesigen Schulen von Herrn Zahntechniker Kapp dahier mit Zustimmung derKönigl. Schuldeputation Zahnuntersuchungen stattgefunden. Wir sind heute in der Lage, über das Ergebniß Folgendes mitzutheilen:
Es wurden 1017 Knaben und 939 Mädchen, also 1956 Kinder im Alter von 6—15 Jahren untersucht; diese Kinder waren im Besitze von 46 284 Zähnen. (Milch- und bleibende Zähne zusammengerechnet.) Die 1017 Knaben hatten zusammen 25127, die 939 Mädchen 21157 Zähne.
Die Zahl der c ar lösen (hohlen) Zähne betrug 8059 ober 17,39 °/o, und zwar bei den Knaben 4352 Stück ober 17,32 °/0, bei ben Mädchen 3707 Stück oder 17,52 °/°. Ein vollständig gesundes Gebiß ohne jeden kranken Zahn hatten nur 239 Kinder oder 12,22 % und zwar 101 Knaben oder 9,04 °/o und 138 Mädchen oder 14,8 “/». Die Zahl der mit konservirender Behandlung, d. h. mit Füllungen versehener Zähne betrug 92 oder 0,20 °A> und zwar 14 — 0,06 °/a bei Knaben und 78 — 0,37 °/o bei Mädchen. Die Zahl der durch Zahnschmerzen veranlaßten Schulversäumnisse im
lieber das traurige Ende der Gräfin legte sich bald der Schleier der Vergessenheit, um so mehr, da keiner ihrer Angehörigen eine Ahnung davon hatte.
Als die Kunde von dem politischen Vergehen Knrt's zu seinem Vater drang und die Polizei den Flüchtling im Elternhause suchen wollte, da war es um den strengen Mann geschehen: ein Schlagfluß machte plötzlich feinem Leben ein Ende.
Auch zu Klementine drangen die Verirrungen ihres Verlobten; aber ihre Siebe und die Phantasie der Jugend woben einen Nimbus um den Helden ihres Herzens, und sie verehrte in ihm einen Märtyrer hoher Vaterlandsliebe, fest und sicher auf glückliche Rückkehr und Vereinigung hoffend.
Aus den Mauern des alten Grafenschloff es aber waren Lust und Frohsinn für immer gewichen.
Mit eiserner Energie suchte der Graf feine vermeintliche Täuschung zu überwinden; nie drang ein Wort der Klage, aber auch nie ein Wort der Frage über sein verlorenes Lebensglück aas seinem Munde.
Tiefe Abgeschlossenheit verwehrte jeden fremden Einblick in die Familienverhältniffe, und nur dunkle Gerüchte bekundeten die Vermuthungen der Gesellschaft. Obwohl mit größter Sorgfalt bewacht und gepflegt, vergingen dem Erben die Tage der Kindheit dunkel und freudlos; er wuchs heran mit unbewußter Sehnsucht im Herzen und ward ein stiller, finniger Knabe.
Mit heimlichertriumphirenderGenugthuung herrschte