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mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klnmen".

24. Jahrgang

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iS ■ ■■Hin Ida WWA

Zur Kirchenpolitik Preußens.

Unter dieser Ueberschrift hat, wie wir vor kurzem mittheilten, der 72jährige Abgeordnete Dr. Rudolphi soeben eine bei Schöningh in Paderborn erschienene Schrift (zum Preise von 1,80 Mk.) herausgegeben, welche das allseitigste Interesse beanspruchen darf.

„Preußen und die katholische Kirche" nannte sich eine 1884 erschienene, von Julius Bachem verfaßte Schrift, welche schon damals darlegte, daß Preußens Kirchenpolitik continuirlich auf eine P r o p a g a n d i ru n g des Protestantismus hinausgelaufen war. Ru­dolphi beweist dies in noch weit eingehenderer Weise, gestützt auf eine Fülle von Material/welches entweder protestantischen Schriftstellern oder amtlichen Quellen entnommen ist.

Daß Joachim II. protestantisch geworden „zum Theil wegen Erwerb des Kirchengutes", — zum anderen „Theil" mußte man fragen: „Oü est la komme?" — fagt uns sogar ein protestantischer Generalsuperintendent, natürlich kein preußischer. Hatte Joachim erst einmal, wenn auch lange zögernd, feine Hand an das Kloster Lehnin, in welchem das Erb- begräbniß seiner Väter war, gelegt, so war die „Säku- larisirung" der übrigen märkischen Köster sowie der Domstifte nur eine Kleinigkeit.*) Alles geschah natür­lich im Namen des „Wortes Gottes" gegen die „päpst­liche Superstition". Dies war auch die Parole aller Nachfolger Joachims, gleichviel ob sie lutherisch, cal- vinistisch oder wie Friedrich II. freidenkerisch waren.

Was m specie Friedrich II. betrifft, so hat be­kanntlich Prof. Grünhagen in seinem Werke: „Schlesien unter Friedrich dem Großen" mehrfach den Versuch gemacht, die von katholischen Schriftstellern, insbesondere von Augustin Theiner behauptete Parteilichkeit des Königs zu Gunsten oer Protestanten zu bestreiten. Dem gegenüber läßt Rudolphi keinerlei Geschichtsfabeln aufkommen.

Der Verfasser erinnert daran, wie der König, bald nachdem er seinen berühmten Ausspruch, in seinen Staaten solle Jeder „nach seiner Faxon selig werden", gethan, die Verordnung erlassen, daß sämmtliche Kinder aus Mischehen protestantisch erzogen werden sollten. Seine Eroberungen in Schlesien unternimmt der König, „um Gottes Ehre mit Fortpflanzung der evangelischen Kirche zu befördern"; bisweilen unerschwingliche Lasten werden den Klöstern, insbesondere Leubus und Treb­nitz, auferlegt; Grüsfau wird angehalten, neue Etablisse­ments zu eröffnen und nur mit Evangelischen zu be­setzen, und noch ist dem Könige Schlesien im Frieden von 176.3 nicht definitiv zugesprochen, als er bereits

*) Von besonderem Interesse sind die von Dr. R n d o lp hi mehrfach citirten Anerkennungen, welche protestantische Schrift- steaer der sozialen und wirthschgftlichen Bedeutung Lehnin's zollen. Ter Verfasser hätte noch erwähnen kön­nen, daß der greise Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" sogar den übernatürlichen Charakter der Lehn in'schen Weissagung zugibt und dafür vielfache Angriffe noch bis heute über sich ergehen lassen muß.

Todtrrrgräbers Töchterlein.

Roman von I. Fichtner.

------- (Nachdruck verboten.)

4.

Der nächste Tag neigte sich zu Ende, ein stürmischer, rauher Tag, der die letzten fahlen Blätter dahin wehen sah in Staub und Moder. Sorgsam hatte der Todten- gräber Gotthelf seine Rosenstämmchen zur Erde ge­beugt und mit Laub und Tannenreischen bedeckt, da­mit sie ungefährdet den Winter verträumen könnten, ^zetzt war es dunkel und von den Thür men der nahen ertönten die Abendglocken, was den Alten an ferne Pflicht erinnerte, ebenfalls die ihm anvertrauten Glocken in Bewegung zu fetzen. Er klappte bedächtig sein Ncefler zu und überschaute noch einmal sein Tagewerk. An der Thür des niebern Häuschens zeigte sich fem Werb und reichte ihm die Schlüssel entgegen. Der Sturmwind fuhr sausend in die geöffnete Thür und die Fran sprach fröstelnd:

„Na — Gotthelf, der hat den Winter am Kragen, da werd' ich nur tüchtig einheizen, daß Du Dich nachher wärmen kannst!"

„Ja 's ist vorbei mit der Schönheit", war die Antwort, und der Alte trollte den Kirchhofspfad entlang.

verordnet, daß alle Staats- und Bürgermeisterstellen, welche 300 Thaler und mehr einbringen, ausschließ­lich mit Protestanten besetzt werden müssen. Im katho­lischen Qberschlesien wird der Ankauf durch Protestanten erleichtert, ganz wie es die „Ansiedler" von heute in Posen machen. Kein Wunder, daß der Fürstbischof Schaffgotscb schreiben konnte, wenn es so weiter gehe, müsse der Katholizismus in Schlesien bald untergehen.

Die Parteinahme des philosophischen Königs, der gleichzeitig erklärte, der Protestantismus verdanke sein Entstehen in Deutschland dem Interesse, in Frankreich der neuen Mode und in England der Liebe — wir sagen, die Parteinahme des freidenkerischen Königs für eine Sekte ohne Freiheit und ohne Gedanken läßt sich nur da­durch erklären, daß derselbe auch Freimaurer war und hoffte, unter dem Vorwande des Protestantismus politische Eroberungen machen zu können.

Seiner inneren Ueberzeugung nach war Friedrich Wilhelm III. ein eifriger Beförderer des Protestan­tismus, wenn auch in der verblaßten Form der „Union". Ein besonderes Augenmerk richtete er auf die neuerworbenen, überwiegend katholischen Provinzen Rheinland und Westsalen. Kaum war Westfalen preußisch geworden, als sogleich in der Hauptstadt Münster eine große katholische Kirche den Protestanten eingeräumt wurde, und zwei Prediger für ein paar Leute aus Staatsmitteln besoldet würden.

Die Säkularisation von 1810 machte Friedrich Wilhelm III. nur den Franzosen und dem Deutschen Reiche (von 1801 und 1803) nach; aber er hat bis zu seinem Tode den völkerrechtlichen, d. h. den mit dem Papste in der Bulle De salute abgeschlossenen Vergleich, zu welchem die Säkularisationen führten, zu Ungunften der katholischen Kirche zum Theil un­ausgeführt gelaffen. Insbesondere war es die den Bischöfen in „Staatswaldungen", d. h. alten Kircheil­und Klosterwaldungen verheißene Dotation, welche bis zur Stunde der Bulle gemäß den Bischöfen nicht zu- gestellt sind. Dr. Rudolphi erinnert daran, wie die katholische Fraktion des Abgeordnetenhauses in der Mitte unseres Jahrhunderts, sowie daß der Abg. Kaplan Dasbach noch im vorigen Jahre diesen Punkt vergebens zur Sprache gebracht. Der Autor hätte auch noch darauf Hinweisen können, daß die ehemalige katholische Abtheilung im Kultusministerium, insbe­sondere Herr Direktor Dr. Krätzig, sich schon alle Mühe gegeben hat, den Bischöfen zu ihrem recht­mäßigen Einkommen zu verhelfen — leider ebenfalls vergebens.**)

Doch genug der Beispiele. Das Buch des Herrn Dr. Rudolphi bildet einen gewaltigen Anklage-Äklen- sascikel gegen die „paritätische" preußische Regierung. Von 1541, dem Jahre der Aufhebung des Klosters Lehnin, bis 1890, wo die letzte „Sperre" neuesten Stils aufgehoben wurde — was ist da den Katho-

**) Wie wenig von der Säkularisation des Jahres 1810 die protestantischen, d. h. ehemals katholischen Stifter betroffen wurden, weist Dr. R. im Einzelnen nach.

Da plötzlich stutzt er. An einem Grabe, das um­geben ist von einem eisernen Gitter, kniet eine Ge­stalt ; die Hände halten sich krampfhaft an den eisernen Stäben fest — weiße, zarte Hände. Aber das Gesichts ist abgewandt, er kann es nicht sehen.

Die Gestalt regt sich nicht, und er geht weiter; vielleicht daß die hellen Glockentöne die Verspätete zum Aufbruch mahnen, denkt er still bei sich.

Aber als er zurückkehrt und fein Auge die Stelle sucht, da sieht er ein todtenbleiches Gesicht, weit zu- rückgesunken, und wie er näher tritt, bemerkt er, daß die ganze Gestalt starr und leblos und von tiefer Ohnmacht befallen ist. Schnell entschloffen beugt sich der alte Mann herab und löst die kalten Hände von dem eisernen Gitter; dann faßt er mit starken Arm die bewußtlose Frauengestalt und trägt sie durch das Abenddunkel zu seiner Hütte, durch deren kleine Fenster helles Licht entgegenwinkt. Mit dem Fuße stößt er krachend die Hausthüre auf, so daß seine Frau erschreckt die Thür des Zimmerchens öffnet, um das ungewohnte Geräusch zu erforschen.

„Mach Platz!" spricht Gotthelf leise und drängend, und an dem sprachlos staunenden Weibe vorbei schreitet er zu dem großen hochgethürmten Bett und legt hochaufathmend feine Last daraus nieder.

„Um Gotteswillen, Gotthelf, was dringst Du da?"

liken in Brandenburg - Preußen Alles „säkularisirt" worden!

Milliarden von Thalern, welche nach dem Willen frommer Stifter der Kirche, und zwar nur der katho­lischen, gehören sollten, sind entweder für Staatszwecke oder für nichtkatholische Kultuszwecke verwendet worden, z. B. 16,000 Thaler noch gegenwärtig für einen gänz­lich undefinirbaren „Bischof", den man weder „katho­lisch", noch „altkatholisch" zu nennen wagt; wider­strebende Bischöfe und Priester wurden seit 350 Jahren „abgesetzt", ins Exil geschickt und im glorreichen neun­zehnten Jahrhundert sogar ins Gefängniß gesetzt; dem Papstthum selber wollte man ans Leben, wie einst die Schmalkaldener nach Ueberroinbung bes katholischen Kaisers, so von 1870 bis 1880 Fürst Bismarck nach Ueberroinbung zweier katholischer Kaiser — unb jetzt: Siehe, wir leben, während unsere Feinde ringsum in vollster Auflösung begriffen sind!

In der ganzen Welt befindet sich kein Protestant mehr wohl in den Bevormundungen des Staates; in England, Dänemark, Schweden und Norwegen gleicht die Staatskirche einem morschen Schiffe, in das jeden Augenblick die Wogen einbringen können, bei uns in Deutschlanb, speziell in Preußen werben ebenfalls alle Protestanten von centrifugalen Tendenzen geleitet; die Rechtsstehenden drängt es zu den Sepa­ratisten außerhalb der Landeskirche oder zum Katho­lizismus; die auf der Linken wollen ein Vacuum. Das ist das Resultat der Jahrhunderte langen, gegen den Katholizismus gerichteten Anstrengung der ihm feindlichen Weltmacht. Fin de siede verzeichnet uns die Geschichte wieder die alte Wahrheit: Nicht materielle, sondern geistige Mächte regieren die Welt unb gestalten bas Angesicht ber Erde, unb unter diesen geistigen Mächten ist stets nur eine, welche den ruhenden Pol in oer Erscheinungen Flucht bildet: der Katholizismus heute, gestern und immerdar!

Deutsch,*

Berlin, 11. Februar.

Der Kaiser hat für Samstag Abend zu einer Gesellschaft, die Herr v. Bötticher gibt, und ! zu der auch bie Mitglieoer bes deutschen Landwirth- schastsraths eingelaben worden sind, sein Erscheinen zugesagt. — Der Kaiser hat bent Erzherzog Otto von Oesterreich, dem zu Ehren am Mittwoch Abend großer Hofball war, den Sch warzen Adler- Qrben verliehen. — Die Tabellen über die Marine-Entwickelung in Deutschland, Frank­reich, Japan u. f. ro., die der Kaiser am Montag Abend bei Herrn v. Miquel erläutert hat — sie sind von ihm selbst gezeichnet —, sind von ihm der Reichstagsbibliothek überwiesen worden unb waren heute in der Wanbeihalle bes Reichstags ausgestellt. Es ergibt sich aus diesen vergleichenden Tabellen die unverhohlene Absicht, für die Flotten- vergößerungspläne des Kaisers Stimmung fragt Slnnaliefe angstvoll unb leuchtet mit ber Lampe in ber Hand in bas schöne, bleiche Gesicht. „Ist sie benn tobt?" fragt sie weiter, noch ehe sie eine Ant­wort erhalten hat.

„Tobt wirb sie nicht fein," antwortet ber Alte, inbem er forfchenb in bie starren Züge blickt und seine harten Hände sich bemühen, den Puls zu finden.

„Koche schnell einen heißen Thee", befiehlt er dann seinem Weibe. Und nun löst diese die Hüllen von den zarten Gliedern unb streift Schuhe und Strümpfe herab von den Füßen.

Unb während unter Jammern unb Wehklagen die Alte den Thee bereitet, bemerkt ihr Mann, daß nur tiefe Ohnmacht bie Fremde umfangen hält, und freut sich imVoraus des Erfolges feiner Bemühungen.

Der warme Thee und das warme Zimmer bringen bie Kranke zum Bewußtsein. Eine kurze Stunbe — unb rathlos, fast erbrücft von ber Wucht des Augen­blicks stehen bie beiben alten Leute vor einem Todten- bett, bas zugleich bie Wiege eines neuen Lebens wirb. Tief ergreifend tönt bas Vaterunser für bie Sterbende von ben zitternben Lippen des Alten, während fein Weib ein winzig kleines Geschöpf in den Armen hält und mit angehaltenem Athem das erste Lebenszeichen desselben zu erlauschen sucht! —

O, bitterer Hohn des Schicksals! Dahin geht ein