mit Untrrhaltrmgs-Seilagr „Sterne und Kinmen".
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Die Diplomatie in Nöthen.
Sie haben sich wirklich redliche Mühe gegeben, die Herren Botschafter in Konstantinopel, um den christlichen Kretern, ohne dem Sultan allzu wehe zu thun, ein hübsches Maß von Reformen zu sichern und dadurch das Feuer wieder zu löschen, das dem Weltfrieden gefährlich werden konnte. Und jetzt ist das Feuer — nicht nur im übertragenen Sinne —, doch wieder ausgebrochen, und alle Mühe der Herren Diplomaten war vergeblich. Es ging eben mit den Reformen, die der Sultan den christlichen Kretern versprochen, nicht anders als mit allen anderen Reformversprechungen in der Türkei: sie wurden nicht ausgeführt. Das genügte eigentlich schon, um die Revolution auf Kreta wieder ausbrechen zu lassen, denn mit der Geduld der christlichen Kretenser war es begreiflicher Weise schon allgemach zu Ende. Dazu kam aber noch die Erbitterung des muhamedanischen Volkstheiles, der seine bisher innegehabte Herrenstellung nicht mit der Gleichstellung mit den Christen, einer der Grundlagen der kretischen Reformverheißungen, vertauschen wollte und daher, um die Durchführung der Reformen zu Hintertreiben, durch Gewaltthätigkeiten aller Art der Wiederkehr gesetzlicher Zustände sich entgegenstemmte.
Man liebt es sonst in der offiziösen abendländischen Presse, wenn es irgendwo in der Türkei Mord und Todtschlag gibt, die Christen als das Karnikel hinzustellen, das angefangen hat, weil man dadurch einen Vorwand für die laue oder auch gänzlich mangelnde Vertretung der christlichen Beschwerden gewinnt. In diesem Falle mußte dieses Rezept indeß versagen, denn es war zu offenkundig, daß jetzt ohne allen Zweifel die Muhamedaner angefangen haben. Auch die europäischen Konsuln auf Kreta bestätigen dies. Die Muhamedaner haben durch Mordthaten und Brandschatzungen auch den Christen wieder Hie Waffen in die Hand gedrückt, sie haben dann die Hauptstadt Kanea in Brand gesteckt, die christlichen Einwohner zur Flucht auf die im Hafen ankernden Kriegsschiffe genöthigt und die verlassenen Christenhäuser, soweit sie noch vom Feuer verschont waren, geplündert. Ja, sie haben sogar das militärische Arsenal angegriffen und nach leichter Ueberwindung des wahrscheinlich gar nicht ernst gemeinten Widerstandes der türkischen Truppen (schon die unbedeutenden Verlustzahlen beweisen dies) aus dem Arsenal die militärischen Waffenvorräthe sich angeeignet. Man hört sogar den Verdacht, daß der Generalgouverneur — der selbst Christ ist! — schon vorher die Muhamedaner mit Waffen versehen habe.
Es wäre auch gar nicht zu perwundern, wenn die türkische Regierung und ihr Statthalter auf Kreta insgeheim mit den muhamedanischen Aufrührern gemeinsame Sache gemacht hätten, um die Einführung der Reformen zu Hintertreiben. Jetzt freilich, wo die
Todtengräbers Töchterlein.
Roman von I. Fichtner.
13] ------ (Nachdruck verboten.)
Zu Klementine wollte sie gehen, an das Herz der Freundin wollte sie flüchten in der schwerste Stunde ihres Lebens. Warum nicht zn ihrem Vater? Ein Schauer durchrieselte sie, als sie an ihn dachte. Sie wußte es, ihr Vater würde sie ebenso von der Schwelle weisen. Das Medaillon konnte sie mitnehmen — es war ihr Eigenthum, und sie hing es um ihren Hals. Dann wählte sie einen dunklen Mantel von den dort liegenden Gewändern und schlang ein Tuch um den Kops, Niemand sollte in ihr die Gräfin vermuthen, denn gegenwärtig war sie es nicht mehr. Und nun — noch den letzten Trunk im eigenen Heim. Sie füllte den letzten Rest des Weines in das Glas und trank, um sich für den weiten Gang zu stärken. Dann hob sie den Ring aus nnd legte ihn aus die Schmuck- kassete, und dann streifte sie den ihrigen ab und legte ihn daneben. Nun waren sie geschieden — wann würden sie sich wieder vereinigen? O — der endlosen Pein! Jetzt mußte sie sich erst versichern, ob sie noch Geld genug besaß, um eine so weite Reite anzutreten. Aus einer Schublade zog sie eine Börse hervor und prüfte den Inhalt; viel war es nicht, aber es würde wohl genügen.
Geister, die sie gerufen, der türkischen Regierung über den Kopf wachsen, ist diese völlig rathlos und weiß nicht einmal, ob sie Trupperverstärkungen nach Kreta schicken soll oder nicht. Die Botschafter scheinen der Ansicht zu fein, daß durch Truppenfendungen die Lage nur noch verschlimmert werden würde, und das gewiß mit Recht; das bisherige Verhalten der Truppen beweist ja schon zur Genüge, daß sie stets geneigt sind, die Muhamedaner zu unterstützen. Sie sind ja auch selbst ausnahmslos Muhamedaner, da die Christen nicht zum Heeresdienste zugelassen werden.
Die Botschafter ihrerseits sind aber nicht weniger rathlos als der Sultan. Sie sehen ihr Werk vernichtet und keine Möglichkeit, es zu retten. Was kann auch alles nützen, wenn man stets erklärt, ohne Gewalt auskommen und den Bestand der Türkei aufrecht erhalten zu wollen! Das stärkt den Widerstand gegen alle Reformen und andererseits auch, als Zeichen von Schwäche, den Unternehmungsgeist der christlichen Kreter und ihrer „freien Brüder", der Griechen. Diese gehen jetzt ganz offenbar mit dem Gedanken um, zu Gunsten der kretischen Christen thätig einzugreifen. Das ganze Verhalten der griechischen Regierung, die sich willig von der Volksbegeisterung für die Befreiung Kreta's treiben läßt, die Sendung griechischer Kriegsschiffe nach Kreta, die nicht bloß zur Aufnahme von Flüchtlingen bestimmt sind, die Abhaltung geheimer Sitzungen des Abgeordnetenhauses sind Beweise genug für diese Annahme. England scheint diese griechischen Pläne insgeheim zu unterstützen; das griechische und das englische Geschwader ankern vor Kanea auch neben einander und ihre Kommandanten verkehren sehr stark mit einander. England hat ja auch, um sich in Egypten desto ungestörter festsetzen zu können, ein dringendes Interesse daran, die türkischen Wirren nicht zur Ruhe kommen zu lassen.
Di'e Mächte sind nun in der größten Verlegenheit. Mit Drohpngen werden sie den Griechen nicht impo- niren, so lange diese nicht erkennen, daß ans den Drohungen nöthigenfalls auch Ernst wird. Aber soweit mögen sich die Mächte doch nicht vorwagen, aus Angst, daß dabei ihre vielgepriesene Einigkeit in die Brüche und dann auch der Weltsrieden aus dem Leim gehen könnte. Das Beste wird sein, die Mächte lassen die Dinge laufen, wie sie wollen. Zu helfen ist der Türkei ja doch nicht mehr, und da ist es besser, ihre auseinander fallenden Bestandtheile machen sich felbstständig oder fchließen sich anderen Kleinstaaten an, als daß sie zum Zankapfel zwischen den Großmächten werden. Die kretischen Christen haben bereits offen den Anschluß an Griech enland proklamirt, und Griechenland, das fast alle seine Kriegsschiffe in Dienst stellt, scheint entschlossen, dieses Angebot anzunehmen. Lasse man Kreta und Griechenland doch nur ruhig gewähren! Alle diplomatischen Künste werden ja doch an der unerbittlichen Logik der Weltgeschichte nichts ändern.
Nun waren die Vorbereitungen zu Ende — sie konnte gehen! Wieder fesselte der Gedanke an ihr Kind den fluchtbereiten Fuß, wieder krallte sich ihr Herz zusammen in unsagbarem Weh, und eine verzweiflungsvolle Klage gegen den Urheber dieser entsetzlichen Stunde drang aus der schmerzgepnälten Brust hinaus zunsidmiklen Himmelszelt! Sie wollte es sehen, noch einmal umfassen — die blauen Angensterne, die goldenen Haare küssen in seliger Mutterlust! Aber es konnte, es durste nichte sein. Das Trennungsweh würde sie niederwersen, sie würde unterliegen, und fort muß sie doch.
So trat sie denn entschlossen in das nächste Zimmer und löste den verhüllten Vorhang von dem Bilde des Kindes. Ueberwältitgt von der Lieblichkeit desselben, von mütterlicher Sorge und Liebe sank sie nieder, und heiße Thränen benetzten den Teppich, während sich die gerungenen Hände emporhoben im heißen Gebete für den Stern ihres Lebens.
„Wenn ich es nicht wiedersehen soll, dieses mein süßes Kind, so laß mich sterben!" flehte sie, und zum letztenmal sogen die Augen das Bild des Lieblings fest in das mütterliche Herz! — Wenige Minuten darauf hatte die Gräfin das Schloß und den Park verlassen, halb sinnlos eilte sie auf der La idstraße dem Bahnhose entgegen!
Ein heftiger Sturm peitschte die hohen Fenster
Deutsches Deich
Berlin, 10. Februar.
* Erzherzog Gtlo traf heute, vom Kaiser und den hier anwesenden Prinzen und dem Botschafter Szögefiyi feierlich empfangen, in Berlin ein. Der Kaiser umarmte und küßte den Erzherzog. Nach dem Abschreiten der Front der Ehrenkompagnie fuhren die hohen Herrschaften in einer Galakutsche unter Eskorte von Garde-Kürasfieren nach dem Schloß.
* Der Ilordoülee - -Kanal übertrifft in diesem Winter alle Erwartungen. Trotz des andauernden scharfen Frostes gelingt es, die Fahrrinne offen zu halten. Da im Kieler Hafen ebenfalls eine Rinne durch das Eis bis Holtenau gebrochen ist, hat Kiel Verbindung mit der Elbe und folglich mit allen Nordseehäfen. Das ist für den Handelsplatz von großer Bedeutung. Früher war bei harten Wintern die Einfuhr englischer Kohlen ganz ausgeschlossen, jetzt kann die Verbindung mit allen englischen und schottischen Häsen aufrecht erhalten werden. Auch für die Marine ist die Sicherung der Verbindung Kiels mit der Nordsee selbst in harten Wintern von großer Bedeutung.
* Aus der Tagesordnung der Montag den 15. d. M. stattfindenden Sitzung des KerrerrHauses figurirt der mündliche Bericht über eine Petition des Pro- vinzialausschusses der Provinz Sachsen, der Provinzialverwaltungen aller übrigen preußischen Provinzen mit Ausnahme von Hannover, sowie der Bezirksverbände der Regierungsbezirke Kassel und Wiesbaden um Herbeiführung besonderer staatlicher Einrichtungen zur Verwahrung und Behandlung irrer Verbrecher behufs Entlastung der Irrenanstalten der Kommunalverbände von diesen Geisteskranken. Berichterstatter in der Angelegenheit ist Herr Oberbürgermeister Westerburg-Kassel.
* Einen Beweis, wie regen Antheik die Heist- kichen an der Lage der Landwirthschaft nehmen, liefert die Statistik des bayerischen Landes-Verbandes landwirthschaftlicher Darlehenskassen - Vereine für 1896. Unter 790 Vereinen haben die Hälfte als Leiter Geistliche, und nicht weniger als etwa 95 haben Geistliche zum Rechnungsführer.
* Berlin soll nunmehr das erste Aiuder-Asyk erhalten, welches ursprünglich als „Findelhaus" geplant war. Der Magistrat hat zu dem Zwecke der Stiftung die Grundstücke Kürassierstraße 21/22 angekauft, welche abgerissen und durch den Neubau des Stiftshauses ersetzt werden sollen. Das Haus soll nach den ausgestellten Satzungen den Zweck haben, ausgesundene Kinder zu verpflegen und zu erziehen. Aber auch andere in und außer der Ehe geborene Kinder sollen ausgenommen werden, deren Eltern zwar bekannt sind, sich aber in Krankenhäusern befinden, ausgewandert oder auch sonst nicht zu ermitteln sind. Ferner sollen auch solche uneheliche Kinder Aufnahme finden, deren Mütter die Aufnahme
des alten herrlichen Baues, der schon so viel des menschlichen Elends in feinen Mauern gesehen. Ties- dunkle Nacht war es, nur einige Fenstern waren matt erleuchtet. Da streckte sich in dem teppichbelegten Zimmer auf weichem Pfühle das liebliche Kind, der Erbe und Träger großer Reichthümer, eines alten ruhmbedeckten Namens, in unruhigem, fieberheißem Schlummer! Verlangend suchten die kleinen Händchen die sorgende Mutterhand, ahnungslos sehnte sich das kleine Herz selbst im Traume nach den liebkosenden, süßen Mutterlauten, die allein die Kraft besitzen, jedes Erdenleid von der Stirn des Lieblings zu verscheuchen ! Aber vergebens — vergebens! Nur fremde Hände, nur fremde Herzen werden fortan dein Leben leiten, dein Glück bewachen, wenn je du Glück finden kannst auf der weiten Erde, ohne ein liebend Mutterherz ....
Und der, der sie hinausstieß ohne Erbarmen, der seine Menschenwürde, sein ganzes Erdenglück dem Dämon des Zornes opferte, der ohne zu wägen, zu prüfen unter der Zuchtruthe sinnlofer Leidenschaft eine Unschuldige verdammte, eine ungeheure Verantwortlichkeit auf sich lud — er schritt ruhelos, wie ein Geist der Rache umher, in feiner Verblendung wähnend, daß er eine edle Thal vollbracht habe.
Eine ferne Zeit tauchte vor ihm auf wie ein Traum! Einst war er jung, einst waren diese