M 32 Mittwoch, den 10. Februar 1897. 24. Jahrgang
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A. Beamten-Gehalts-Erhöhungen.
In der Sitzung der Budget-Kommission wurden am Montag laut der,Märk. Volkszeitung' betreffs der Profefforen-Gehälter folgende Anträge, die vom Centrum und den Nationalliberalen eingebracht waren, angenommen:
Der Vermerk zu Nr. 92 der Besoldungsvorlage erhält folgende Fassung:
1. Die Professoren-Besoldungsfonds bei den Universitäten werden in erster Reihe dazu verwendet, um den etatsmäßigen Professoren Grundgehälter und Dienstalterszulagen entsprechend den seitens der regierungsseitig gegebenen Erklärungen (in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 19. Januar d. Js.) zu gewähren: das Grundgehalt beträgt für die etatsmäßigen ordentlichen Professoren in Berlin 48OO Mk., zu denen Dienstalterszulagen in 6 Altersstufen von 400 Mk. nach je 4 Jahren hinzutreten, für die etatsmäßigen ordentlichen Professoren an den übrigen Universitäten 4000 Mk., zu denen Dienstalterszulagen in 5 Altersstufen von 400 Mk. nach je 4 Jahren - hinzukommen; die etatsmäßigen außerordentlichen Professoren erhalten in Berlin ein Grundgehalt von 2400 Mk. und Dienstalterszulagen in 6 Altersstufen von 400 Mk. nach je 4 Jahren, an den übrigen Universitäten ein Grundgehalt von 2000 Mk. und Dienstalterszulagen in 5 Altersstufen von 400 Mark je nach 4 Jahren.
2. Das vorbezeichnete Gehaltsfystem gilt jedoch nur als Regel und vorbehaltlich der Ausnahmen, welche der Staats-Regierung nach Lage der Verhältnisse erforderlich erscheinen. Ueber die Grundsätze, welche bezüglich der Ausnahmen beobachtet werden, soll dem Landtag nach Ablauf von 2 Jahren Mittheilung gemacht werden. Thunlichst bald werden die für erforderlich erachtetm Ausnahmen durch einen Vermerk im Etat festgesetzt.
3. Die Besoldungen der Professoren bei den Universitäten (ausschließlich Berlin) sind unter einander übertragbar.
4. Die Honorare für die Vorlesungen der etatsmäßigen Professoren fließen, insoweit sie für einen Professor in einem Rechnungsjahre den Betrag von 3000 Mk., in Berlin 4500 Mk. übersteigen, zur Hälfte in die Staatskasse. Hierbei sind von den gestundeten Honoraren nicht die in dem Rechnungsjahre gebuchten, sondern die in demselben thatsächlich eingegangenen, diese aber ebenso wie die baar eingezahlten mit ihrem vollen Betrage anzurechnen. Von den gestundeten wie baar eingezahlten Honoraren sind die Beiträge zu den Kassenverwaltungskosten vorweg in Abzug zu bringen. ,
5. Die nach Absatz 4 der Staatskasse zufließenden Einnahmen in Honorarantheilen werden unter Kapitel 119 Titel 12b des Staatshaushaltsetats zu einem «SSSSSSSSSSSSM»»M»WWWMEMW»»^MW»WWW^» Todtengrävers Töchterlein.
Roman von I. Fichtner.
12] ------ (Nachdruck verboten.)
Immer ungeduldiger wurde das Klopfen und Bitten um Einlaß. Eva schien wie gelähmt, Kurt steckte das Gold und einige kostbare Ringe zu sich und wandte sich zum letztenmal an seine Schwester.
„Geh', geh'," drängte sie flüsternd mit abwehrenden Händen.
„Ich muß Dich zurücklassen in Angst und Gefahr, verzeihe mir, Eva, und grüße mir Klementine, willst Du?" In maßlosem Trennungsschmerze stieß er die Worte hervor; Eva preßte ihm die Hand auf den Mund und drängte ihn vorwärts.
„Er wird Dich nicht verfolgen - das thut er nicht!" und sie wandte sich zur Thür, um zu öffnen. Kurt schwang sich über die Fensterbrüstung und war im nächsten Augenblicke verschwunden.
In der geöffneten Thür zeigte sich die hohe Gestalt des Grafen. Ernst und gebietend winkte er die Zofe zurück. Dann wandte er sich um — ein kalter Luftzug drang durch das geöffnete Fenster und streifte seine Stirn.
„Was soll das bedeuten?" fragte er langsam mit schwerer Stimme und schaute forschend in das bleiche enfftellte Antlitz seiner Gattin, während sein Arm nach dem geöffneten Fenster deutete.
Ausgabefonds vereinigt, welcher „zu jährlichen Zu- fchüssen an etatsmäßige Professoren mit geringfügigen Nebenbezügen" bestimmt ist und in erster Reihe dazu dienen soll, an Professoren, welche neben der regelmäßigen Besoldung (Abs. 1) in einem Rechnungsjahre aus anderen als persönlichen Gründen weniger als 600 Mark an Nebeneinnahmen aller Art bezogen haben, am Schluffe des Rechnungsjahres Zuschüsse zur Ausgleichung des Minderbetrages zu gewähren, soweit der Fonds ausreicht.
6. Diese Vorschriften finden auf die bei ihrem Inkrafttreten schon angestellten Professoren nur Anwendung, wenn dieselben hiermit einverstanden sind. Unterwerfen einzelne dieser Professoren sich den Bestimmungen nicht, so sind dieselben an der Besoldungsverbesserung nicht zu betheiligen.
Schließlich wurde folgende Resolution, die vom Centrum, den Konservativen und Freikonservativen beantragt war, angenommen:
Die Staatsregierung aufzufordern, von aufsichts- wegen bei den Universitäten
1. für die Vorlesungshonorare Maximalsätze einzuführen,
2. darauf Bedacht zu nehmen, daß die Stundung der Honorare allmählich durch Einführung eines Erlaßsystems beseitigt wird.
Die Mehrheit des Abgeordnetenhauses wird darauf bestehen, daß in der jetzt geplanten Erhöhung der Gehälter der höheren und mittleren Beamten auch die Unterbeamten eingeschlossen werden. Zwar ist in der Budget-Kommission dieser von 5 Mitgliedern des Centrums gestellte Antrag abgelehnt worden, jedoch ist das kein sicherer Maßstab für die Abstimmung im Plenum.
Deutsches gktrfj*
Berlin, 9. Februar.
* In Anwesenheit des Kaisers fand gestern beim Finanzminister v. Miquel eine Abend- geseKschaft statt. Es waren außer dem Kaiser 35 Personen, darunter die Finanzminister sämmtlicher Bundesstaaten, geladen. Pünktlich um 7 Uhr erschien der Kaiser. Um 7*/a Uhr begann das Souper. Der Kaiser, der zu Ehren des Gastgebers, dessen beide ebenfalls anwesende Söhne beim 1, schlesischen Kürassierregiment in Breslau stehen, die Uniform dieser Truppe angelegt hatte, saß bei der Tafel zwischen dem Reichskanzler und dem Grafen Philipp v. Eulenburg. Während der Tafel gab, dem,Kleinen Journal' zufolge, Herr v. Miquel eine intereffante Uebersicht über die Finanzwirthschaft des preußischen Staates seit den Jahren 1813, 1814, 1815. Der Kaiser lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen Miquels, der besonders die Sparsamkeit des preußischen Finanz-
Eva erhob ihre Hände in bittender Geberde, ohne daß sie im Stande war, ein Wort hervorzubringen.
„Da muß ich schon selbst sehen — wenn Du nicht mehr sprechen kannst," sprach er höhnisch und schritt mit einem plötzlich erwachten ungeheuren Argwohn zum Fenster. Er sah hinaus, und seine Hand erfaßte die seidene Schnur; ein todtenbleiches Antlitz wandte sich zurück in's Zimmer, und die starren Augen hasteten auf dem geöffneten Juwelenkasten. Mit schweren Schritten näherte er sich wieder der Gräfin und faßte sie hart an der Schulter. „Sprich, Weib, was soll das bedeuten — oder?" Und sein funkelnder Blick bohrte sich in ihre blauen angstvollen Augen.
„Ich will Dir Alles erklären, aber versprich mir, daß Du ihn nicht verfolgst, Willibald, hörst Du?" klang es von ihren bebenden Lippen.
„Wer? — Wen?" keuchte der Graf, und feine wilden Blicke flogen umher mit dem Ausdrucke des Entsetzens um auf der Staffelei mit dem halb vollendeten Bilde seiner Gemahlin haften zu bleiben. Kalter Schweiß bedeckte seine Stirn, die ebenmäßigen Züge verzerrten sich in maßloser Wuth, und die starren Äugen hingen an dem Bilde, als sähe er einen Dämon — ein Gespenst! In höchster Angst bemerkte Eva die Veränderung, den grenzenlosen Zorn in den Zügen ihres Gemahls, und zitternd wie ein Kind
wesens rühmend hervorhob. Der Kaiser meinte scherzhaft zu Eulenburg, daß Herr v. Miquel in dieser Tugend auch Hervorragendes leiste. — Ueber den weiteren Verlauf der Abendunterhaltung meldet die ,Post' noch Folgendes: „Gegen halb zehn Uhr wurde die Tafel aufgehoben und zuerst Kaffee, dann Bier und Punsch herumgereicht. Se. Majestät der Kaiser, welcher sich in vortrefflicher Stimmung befand, trat zu den verschiedenen Gruppen und nahm lebhaft theil an der Unterhaltung, die manche Tagesfrage berührte. Nach einiger Zeit nahm Se. Majestät an einem der Tische Platz und befahl einzelne Herren zu sich, um eine Reihe von ihm selbst angefertigter Zusammenstellungen der Entwickelung der deutschen, russischen und französischen Flotte während der letzten fünf Jahre vorzulegen und zu erläutern. Kurz vor zwölf Uhr verabschiedete sich Se. Majestät der Kaiser von dem Gastgeber und dessen Gästen in huldvoller Weise." Die ,Kreuzzeitung' berichtet noch: „Nach dem gestrigen parlamentarischen Essen, das der Finanzminister Dr. v. Miquel gab, unterhielt sich Se. Majestät der Kaiser huldvoll mit den Abgeordneten Frhr. v. Manteuffel, Frhr. v. Stumm und Dr. Hammacher. Eine Mappe mit Bildern von Professor Knackfuß war von der Begleitung des Kaisers mitgebracht worden. Ihr Inhalt wurde auf Veranlaffung des Geschenkgebers an die Theilnehmer des Festes vertheilt." Eine weitere auffallende Nachricht finden wir in verschiedenen Berliner Blättern. Der Monarch soll danach ein Zusammengehen der drei „nationalen Parteien", der] konservativen, der national- liberalen und der Reichspartei in der Flottenfrage befürwortet haben. Auch der Hafenarbeiterstreik in Hamburg und die am Sonnabend dort vorgekommenen Tumulte wurden vom Kaiser in der Unterhaltung besprochen.
* Nachdem durch Allerhöchste Kabinetsordre bestimmt worden ist, daß die Feier des lOOjährigen Geburtstages Kaiser Wilhelms I. drei Tage dauern soll, hat der Kultusminister verfügt, daß die Schulen sich am 21. März möglichst geschlossen an dem Gottesdienste betheiligen, am 22. März Schulfeiern wie an Kaisers Geburtstag abgehalten werden sollen, und auch am 23. März die Schulen geschlossen bleiben, damit Lehrer und Schüler Gelegenheit erhalten, sich an Volksbelustigungen und volks- thümlichen Festen zu betheiligen.
* Das Staalsministerium trat Dienstag Nachmittag im Reichstagsgebäude unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Fürsten zu Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.
Die Iinanzminister - Derathungen haben sich, wie offiziös wiederholt versichert wird, lediglich mit einer Vorlage der „Reichsregierung" über die Behandlung der Ueberweisungs-Beträge
wollte sie ihn um Verzeihung bitten, daß sie es gewagt hatte, ohne sein Wissen sich malen zu lassen.
„Verzeih'", begann sie leise.
Wie von einer Natter gestochen, schrak er bei dem Laute ihrer Stimme zusammen.
„Zurück, Elende!" schrie er mit wuthbebender Stimme, und seine starre Hand schleuderte sie von sich wie ein giftiges Insekt. „Auch Du, erbärmliche Schlange, treibst dasselhe Spiel, um meine grauen Haare mit Schande zu bedecken?" Schwankend schritt er zur Staffelei, und ein einziger schwerer Schlag seiner Faust in das ihn lieblich anblickende Bild zerstörte es, so daß die Fetzen der Leinwand umherflogen! Halb ohnmächtig war die Gräfin zusammengesunken — sie glaubte ihren Gatten von Wahnsinn befallen, und abwehrend streckte sie ihm beide Hände entgegen, als er wie ein Trunkener auf sie zutaumelte.
Mühsam rang er nach Fassung, fein Auge schien sich an ihrem Entsetzen zu weiden. Dann streifte er seinen Trauring vom Finger, und mit einem Blicke tödtlichster Verachtung schleuderte er ihr denselben in das bleiche, entsetzte Gesicht.
„Unsere Gemeinschaft ist zu Ende! Gehe hin. Elende, zu ihm — aber heute noch — hörst Du — jetzt in dieser Stunde verläßt Du diesen Ott, den Du durch Deine Gegenwart entweiht hast für ewige Zeiten!"