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Mittwoch, den 3 Februar 1897.
24. Jahrgang
uldaer
mit Unterhaltrmgs-KeUage „Sterne und Ktumrn".
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Deutsches Reich.
Berlin, 2. Februar.
S Graf Wurawjew ist am Montag in Kiel vom Kaiser in Audienz empfangen worden. Am Sonntag Nachmittag suchte er hier den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und den Staatssekretär des Auswärtigen Frhrn. v. Marschall aus und hatte mit ihnen längere Unterredungen, die mit dem ersteren fast, mit dem letzteren über eine Stunde dauerten. Schon hieraus ergibt sich, meint die ,Post", daß es sich bei diesen Unterredungen um mehr als nur den Austausch reiner Höflichkeitengehandelt hat. Wie demselben Blatte, dessen Beziehungen zur Diplomatie ihm einst den Namen ,Botschafterorgan" eingetragen haben, „von anderer Seite bestätigt" wird, ist" bei diesen Unterredungen unter anderem die orientalische Frage berührt worden. Das ist doch eigentlich auch selbstverständlich.
ft Erzherzog Otto von Oesterreich trifft am Mittwoch den 10. Februar Mittags hier ein, wo er als Gast des Kaisers im Schlosse absteigen und Abends dem großen Hofballe beiwohnen wird. Der Erzherzog wird 2 oder 3 Tage in Berlin bleiben.
□ Beim Kriegsminister Herr v.Goßler fand gestern ein parlamentarisches Diner statt, an welchem auch der württembergische Kriegsminister v. Schottenstein, die Generäle v. Viebahn und v. Gemmingen, sowie die höheren Offiziere und Beamten des Kriegsministeriums theilnahmen. Vom Centrum waren die Abg. Spahn, Dr. Lieber, Dr. Lingens, Müller- Fulda, Dr. Bachem und Krebs anwesend, auffallenderweise von den Nationalliberalen Niemand. Die Jn- validenfonds-Verhältnisse und der Beschluß der Budgetkommission wurden vielfach besprochen und es herrschte die Meinung vor, daß eine Verständigung zwischen dem Bundesrathe und dem Reichstage hierüber zu Stande kommen wird. Der Reichstag wird aber voraussichtlich etwas nachgeben müssen.
* Seitdem der Reichstag den neuen Prachtbau am Königsplatze bezogen hat, sind die Sitzungstage, wo ein nach der Geschäftsordnung beschlußfähiges Haus zusammen gewesen ist, fast an den Fingern aufzuzählen. Man hat in der Presse auf den Skandal hingewiefen, der Präsident hat den schwachen Besuch gerügt und zur regerem Theilnahme an den Sitzungen aufgefordert; aber statt besser ist es nur schlechter geworden. Selbst die radikale Presse, die sonst nur zu beschwichtigen wußte, betheiligt sich jetzt an den Erörterungen zur Abstellung des beklagenswerthen Uebelstandes. In erster Linie wird die Einführung von Diäten zu diesem Zwecke in Vorschlag gebracht, und ein Vergleich mit dem Besuck) des Abgeordnetenhauses, der nur selten unter der geschäftsordnungsmäßigen Stärke bleibt, muß allerdings für diesen Vorschlag sprechen. Er muß es um so mehr, als die Wirkung auf die Zusammensetzung des Hauses, die Fürst Bismarck sich im Reiche der Diätenlosigkeit versprach, offenbar nicht ein getreten ist. Die
Todtengravrrs Töchterlein.
Roman von I. Fichtner.
6] ------ (Nachdruck verboten.)
„Ach Gott, wie sollen wir das Alles wegbringen, das werden wir ja gar nicht zwingen — so gut haben wir's im Leben noch nicht gehabt," sprach leuchtenden Blickes die Mutter und deutete auf den Berg von Eßwaaren, der sich unter Lenens Händen auf dem Tisch häufte.
„Und die warmen Schuhe, Mutter — für Dich und den Vater, da wirst Du nicht mehr Reißen haben", jubelte Lene und machte sich an einen anderen Korb mit einem Eifer, der ihre Wangen höher färbte und alle ihre Sinne gefangen nahm.
Mit tiefer Bewegung verließ Clementine die dankerfüllten, glücklichen Menschen, die ja weiter keinen Kummer als des Lebens drückende Nothdurft kannten, ein Kummer, dem so leicht abzuhelfen war. Sie nahm das Versprechen mit, das Kind zum hl. Abend und sämmtliche Feiertage, sogar über Nacht bei sich behalten zu dürfen, und sie beschleunigte ihre Schritte in dem Gedanken, nun auch für dieses die Vorbereitungen daheim treffen zu können.
Leichtfüßig huschte Magdalena des andern Tages
sozialdemokratische Partei zählt nahezu 50 Mitglieder und an der Diätenlosigkeit wird sicher eine weitere Ausdehnung der Partei nicht scheitern. Dagegen fühlt sich mancher Angehörige des bürgerlichen Mittelstandes veranlaßt, ein Mandat auszuschlagen, denn er hat schließlich die größten Opfer bei der Annahme eines solchen zu bringen. Der Beamte nicht, der sozialdemokratische Parteistreber auch nicht, sondern allein derKaufmann undJndustriellerc., der seinen Sitz im Reichstage mit Gold aufwiegen muß. Eben weil dieser Uebelstand vorhanden ist und für die Zusammensetzung des Reichstags verhängniß- voll werden kann, und weil auf der andern Seite keiner der Vortheile eingetreten ist, die man sich von der Diätenlosigkeit versprochen, deshalb wäre es wohl angezeigt, die auch von gemäßigten Politikern und Parteien empfohlene Einführung von Diäten ernstlich in Erwägung zu ziehen. Auf die Dauer ist es jedenfalls ein haltloser Zustand, daß Gesetze, welche die ganze deutsche Nation binden, von zwei Dutzend Abgeordneten beschlossen werden.
X Wie groß die pokenfeindtiche Helmnuug der Regierung ist, hat uns ja die letzte Zeit immer und immer wieder hinlänglich gezeigt. Recht bezeichnend aber dürfte wohl auch folgendes Vorgehen derselben sein: Während seither in den polnischen Gebieten Westpreußens in den untersten Klassen der Volksschulen die Kaisergeburtstagsfeier zuerst in deutscher und dann wegen der mangelnden Kenntniß der deutschen Sprache seitens der Kinder in polnischer Sprache abgehalten wurde, hat die Regierung nunmehr die Verordnung getroffen, daß diese Form der Feier nicht zweckentsprechend sei und daß deshalb in Zukunft von der Anwendung der polnischen Sprache bei derartigen Feiern abzusehen sei. Glaubt man denn in gewissen Kreisen wirklich, daß man durch solche Gewaltmaßregeln die Polen zu deutschen Patrioten "machen könne? Nun ja, der Kultusminister Dr. Bosse selbst hat es uns ja jetzt im Landtag gezeigt, wie groß das Wohlwollen der Regierung gegen unsere polnischen Landsleute ist und wie man unter dem Deckmantel einer nationalen Gesinnung zu „kultur kämpf en" sucht. (Man denke nur an die Auslassungen im Landtag gegen den Volksverein.) Dafür ist ja auch die Geschichte da, daß man nichts aus ihr lernt.
□ liebet die Meichssinnahmen vom 1. April 1896 bis Ende desselben Jahres bringt der ,Aktionaick eine Mittheilung, die wir im Auszuge wiedergeben, weil der .Reichsanzeiger" die übliche Zusammenstellung bisher nicht gebracht hat. Danach sind einschließlich der kreditirten Beträge in jener Zeit zur Anschreibung gelangt: an Zöllen rund 353 Millionen Mk. (m ehr gegen denselben Zeitraum des Vorjahres 41,4 Mill.), an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern zusammen (abzüglich von 32 Mill. Mk. Ausfuhrvergütungen) 5990, Millionen Mark (mehr 30,8 Millionen Mark), wovon allein auf die Zuckersteuer 77,8 Mill. Mk., mehr
durch die schneebedeckten Straßen an Hunderten von eilenden und sorgenden Menschen vorüber, selbst im Herzen froh und sorgenlos, denn Vater und Mutter waren ja auch zufrieden, und es gewährte ihr große Befriedigung zu wissen, daß es den Eltern an nichts mangelte, während sie selbst dem Ueberflusse entgegenging.
Lächelnd wurde sie von der Dienerschaft in Empfang genommen und vorläufig in den Räumen der gnädigen Frau untergebracht. Erwartungsvoll harrte sie der Dinge, die da kommen follten; sie wußte wohl, daß ihr viel Freude bereitet werden würde. Als aber der Abend herniedersank und mit den Sternen am Himmel gleichzeitig die Weihnachtsbäume sich entzünden begannen, als der silberne Ton eines Glöck- leins hell durch weit geöffnete Thüren drang lind Lene — sie wußte selbst nicht wie — sich inmitten einer Fülle von Licht nnd Glanz, von Tannenduft und Weihnachtszauber wiederfand, da preßte sie rathlos beide Hände an die Schläfen, als wollte sie sich versichern, ob sie wirklich lebe, oder ob Alles nur ein Traum, ein Trugbild ihrer Phantasie fei.
Erst die Stimme ihrer Gönnerin weckte sie aus ihrer stummen Bewunderung, und wie ein entfesselter Strom drangen die Empfindungen des höchsten Glück-
14,3 Mill. Mk.) entfallen. Dazu kommen an Stempelabgaben 42^2 Mill. Mk. (weniger 41/a Mill. Mk.), Post und Telegraphie 225 Mill. Mk. (mehr IOV2 Mill. Mk.) und Reichseisenbahnen 54'/2 Mill. Mk. (mehr 3 Mill. Mk.). Die zur Reichskasse gelangte Ist-Einnahme betrug bet den Zöllen 309 Mill. Mk. (mehr 34 Mill. Mk.), bei Zöllen und Verbrauchssteuern insgesammt 531 Vs Mill. Mk. (mehr 533/i Mill. Mk.) Die Entwickelung der Einnahmen ist also eine sehr günstige, könnte aber mit so großen Ausgabesteigerungen, wie sie eine Artillerie und eine große Flottenvorlage verursachen würden, natürlich doch nicht mitkommen.
* Die Kommission des Herrenhauses für das KeHrerkesokdungsgesetz trat am Montag Nachmittag unter dem Vorsitz des Herrn v. Puttkamer- Carzin zusammen. Auf eine Generaldebatte wurde verzichtet, doch entwickelte sich eine solche im Anschluß an die Ausführungen des Berichterstatters Freiherrn v. Durant bei § 1. Es wurden dabei im Wesentlichen die bereits bei der Plenarberathung zur Sprache gebrachten Punkte erörtert. Wenn auch von einigen Seiten auf die Frage der Verfaffungsmäßigkeit der Vorlage zurückgekommen wurde, so wurde doch auch dabei hervorgehoben, daß nach allen bisherigen Schwierigkeiten man darauf verzichte, auf Grund der Verfaffung Bedenken gegen das Gesetz zu erheben, dessen Zustandekommen allseitig als erwünscht bezeichnet ipurde. § 1 wurde mit der Aenderung angenommen, daß das Wort „definitiv" in endgiltig verwandelt und solgender Absatz hinzugefügt wurde, welcher bereits im vorjährigen Entwurf gestanden hat, in dem jetzigen Entwürfe aber fortgelaffen wurde: „Aus Lehrer und Lehrerinnen, die an Zeit und Kräften durch die ihnen übertragenen Geschäfte nur nebenbei in Anspruch genommen sind, findet diese Vorschrift keine Anwendung. Die Entscheidung darüber, ob ein Lehrer oder eine Lehrerin nur nebenbei beschäftigt ist, steht lediglich der Schulaufsichtsbehörde zu." Mit beiden Abänderungen hatten die Regierungsvertreter sich einverstanden erklärt. § 2 besagt: „Das Grundgehalt darf auch in besonders billigen Orten für Lehrerstellen nicht weniger als 900 Mk., für Lehrerinnenstellen nicht weniger als 700 Mark jährlich betragen." Hier wurde der Antrag gestellt, das Mindestgehalt für Lehrer von 900 auf 800 Mk. zu ermäßigen, sowie die Worte „auch in besonders billigen Orten" zu streichen. Der erste Antrag wurde abgelehnt, der zweite angenommen. — In der zweiten Sitzung (Dienstag) nahm die Kommission den § 3 (Besoldung jüngerer interimistischer Lehrkräfte) an und genehmigte im Prinzip § 8 (Alterszulagen-Kassen) mit 12 gegen 3 Stimmen. — Die Kommission setzt ihre Berathungen morgen fort.
* Vor einiger Zeit meldeten wir, daß die sännnt- lichen Konsumvereine aufgefordert worden feien, über die Art der Legitimation ihrer Mitglieder Bericht zu erstatten. Der Zweck dieser Maßnahmen war die einheitliche Regelung dieser Frage im
gesühls aus Herz und Mund des lebhaften Kindes. Aus den blauen Augen strahlte höchstes Entzücken über die nie gesehenen — nie geahnten Wunder eines solchen Weihnachtsfestes, und Clementine schaute hochbeglückt mit schimmernden Augen auf das Beginnen des erregten Kindes, das mit fessellosem Interesse sich nun an all' den Herrlichkeiten vergnügte. Wortlos schlang dann die Kleine beide Arme um den Hals ihrer Wohlthäterin und drückte ihr süßes Gesicht an das der schönen Frau; das kleine Herz war zu dankes- voll, um dafür den rechten Ausdruck zu finden.
„Willst Du mir einen Gefallen thun, Magdalene?" suchte Frau von Sutten die Bewegung des Kindes zu hemmen. Lene nickte stumm.
„Nimm einmal jene Kleider, die Dir das Christkind gebracht, und gehe mit Rosa in's Ankleidezimmer, sie wird Dir helfen, die Kleider anlegen." Das Kammermädchen hatte die Worte ebenfalls vernommen und beeilte sich, den Wunsch der Herrin zu erfüllen. Lene folgte ihr fchuell, nachdem sie noch einmal an dem schimmernden Weihnachsbaume emporgeblickt hatte.
Sinnend schaute Frau von Sutten dem Kinde nach. Eine Frage tauchte in ihr auf: War es recht von ihr, das, was sie gethan — was sie nun wünschte? Würde sie durch all' das Gebotene dem Kinde nicht