25 Montag, den 1. Februar 1897. 24. Jahrgang
FilldkkrWZcituiig
mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Flumen".
.Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzaile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Pclitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Januar.
62 Das Aröeits - Keviet des Wonifatius- Wereins, übersichtliche Darstellung der seelsorglichen Versorgung der deutschen Katholiken im deutschen Reiche und den Nachbarländern — so lautet der vielversprechende Titel eines Werkes, das in jüngster Zeit die Presse verlassen hat. Es ist herausgegeben im Auftrage des General-Vorstandes des Bonifatius-Vereins vom Domkapitular und Geistl. Rath Dr. Woker in Paderborn, deffen Name und dessen Verdienste vor deutschen Katholiken nicht mehr besonders hervorgehoben werden brauchen. Ein Blick in das Werk, das in trefflich sauberem Drucke aus der Bonifatius-Druckerei in Paderborn hervorgegangen ist, belehrt uns über den großen Umfang von Arbeit, die mit ausgezeichnetem Erfolge aufgewandt worden ist, um uns in klarer und interessanter Statistik die seelsorglichen Verhältnisse deutscher Katholiken vorzuführen in jedem einzelnen Kreise, Bezirke und in jeder einzelnen größeren Stadt des deutschen Reiches, dann einzelner Theile Oesterreich-Ungarns, die besonders zum Arbeitsfelde des Bonifatius-Vereins gehören: Bosnien und Herzegowina. Ferner sind berücksichtigt die Schweiz und Dänemark. Namentlich auch zum Kapitel der P arit ät liefert das Werk die werthvollsten Beiträge. Nunmehr ergeht an alle Mitarbeiter des Bonifatius - Vereins in der Diaspora die dringende Bitte, die Angaben des Werkes durch Mittheilungen an den General-Vorstand des Vereins vervollständigen zu helfen, entsprechend der vom General-Vorstande bereits ergangenen Aufforderung. Durch diese kleine Mühe hilft ein Jeder bauen an dem großen Werke des Vereins! Das vorgenannte Buch selbst ist vom General-Vorstande des Bonifatius- Vereins zu Paderborn zu beziehen gegen Einsendung von Mk. 10.—, von Mitgliedern des Vereins für Mk. 5.—. Der noch vorhandene Vorrath ist klein. Wir rathen deswegen zu baldiger Bestellung des interessanten Werkes, das als zusammenfassendes Nach- schlagebuch über alle einschlägigen Verhältnisse einzig dasteht.
* Die,Nat.-Ztg/ meint, die Verleihung des S ch w a r - zen Adlerordens an Herrn Dr. v. Miquel sei ohne Zweifel die Anerkennung des Kaisers für die gefammte amtliche Wirksamkeit des Ministers und für die erneute feste Begründung und Sicherung der preußischen Finanzen. Immerhin aber dränge sie die Erinnerung an die schroffen Angriffe auf, welche fast unmittelbar vor dieser Ordensverleihung das C e n t r u m gegen den Finanzminister gerichtet habe. Auch die,Staatsbürger-Ztg/ kommt auf den merkwürdigen Gedanken, zwischen der Kritik des Herrn Lieber und der Verleihung des Schwarzen Adlerordens einen ursächlichen Zusammenhang herzustellen. Herrn Lieber's Angriffe sind nicht älter als 8 Tage. Man kann, von allem Andern abgesehen, fest überzeugt sein, daß die
Todterrgrabers Töchterlein.
Roman von I. Fichtner.
5] ------ (Nachdruck verboten.)
Verschwunden ist die Befangenheit des staunenden Mädchens, und ein heller Jubelruf tönt durch den Raum, während beide Hände verlangend nach dem schönen Thierchen greifen. „O, solch ein Vogel, der ist gewiß aus dem Paradiese," spricht sie entzückt, und wieder schweifen ihre Blicke umher, um sich zu überzeugen, daß sie nicht gar selbst in's Paradies gerathen ist.
„Gefällt es Dir hier, und wirst Du gern zu mir kommen?" fragt die Dame, höchlichst interessirt und erfreut über die Naivetät des Kindes.
„Ach, ich möchte hier bleiben — wenn ich keine Mutter hätte", setzte das Kind zögernd hinzu und schaut sinnenden Blickes hinaus in den Garten. Klementine von Sutten, die einsame, kinderlose Frau, denkt wohl dasselbe, denn zärtlich glätten die seinen Hände den blonden Scheitel der Kleinen, zu der sie sich in unerklärlicher Weise hingezogen fühlt.
„Ja — das muß ich Ihnen gleich sagen", spricht Lene mit plötzlichem Erinnern, „ich heiße Magdalene, die Mutter hat mir's gesagt, und das ist doch viel hübscher als Lene" — und die kleine Person streckt
Verleihung des Schwarzen Adlerordens an v. Miquel schon vor 8 Tagen beschlossen war — sonst könnten übrigens ordens- und adelslüsterne Staatsmänner durch eine kleine Vereinbarung mit Herrn Lieber ihren Ehrgeiz bald befriedigen.
* In Reichstagskreisen herrscht der feste Entschluß, in der Sache an dem Beschlüsse der Budget-Kommission (Antrag Müller-Fulda) festzuhalten, allen 23,000 bedürftigen Krieger-Veteranen einen Ehrensold von 120 M. jährlich zu gewähren. Voraussichtlich verpflichtet sich die Reichsregierung, einen bezüglichen Nachtrags-Etat dem Reichstage noch vorzulegen.
* In den Veröffentlichungen über das Ergebniß der letzten Volkszählung vermißt man jegliche Angabe über die Zahl der Aktkatßokiken; sie sind einfach unter den Römisch-Katholischen mit ausgeführt!! Dies Verfahren ist um so sonderbarer, als die Altkatholiken sich stets dagegen wehren, mit „Rom" etwas gemein zu haben und römisch-katholisch zu sein. Wie kann man aber den Katholiken zumuthen, eine Sekte, die mit dem Katholizismus gar nichts mehr zu thun hat, zu den ©einigen zu rechnen? Es ist das ein Verfahren, welches entschiedene Zurückweisung verdient, eine schwere Ungerechtigkeit gegen die Katholiken. Jedes kleine Sektlein wird aufgezählt, nur die Altkatholiken nicht — weshalb nicht? Man erinnert sich, daß der verstorbene Professor a. D. Reinkens seinen Getreuen den Rath gab, sich einfach als „katholisch" einzutragen; nun hat die Regierung diesen Wunsch sich ebenfalls ad notam genommen und Alles, was sich altkatholisch nennt, den Römisch- Katholischen zugeschrieben. Offenbar sind die Altkatholiken so bescheiden, daß sie gar nicht einmal ihre große Zahl nennen hören mögen — aber daß die Regierung dieser Bescheidenheit nachhilft, ist etwas zu viel.
* Gegen deutsche Eisenbahnverwaltungen sind beim Reichseisenbahnamte im Jahre 1896 im ganzen 61 Beschwerden aus dem Publikum eingelaufen; davon beziehen sich 22 auf die Verkehrsordnung, 21 auf die Tarife, 8 auf den Fährbetrieb und 10 auf andere Gegenstände. Das Reichseisenbahnamt hat von diesen Beschwerden für begründet erachtet 6, als unbegründet abgelehnt 15, auf den Rechtsweg verwiesen 1. Zu 5 Fällen war die Zuständigkeit des Reichs nicht begründet, in 2 Fällen sind die angeordneten Erhebungen noch nicht abgeschlossen. Die übrigen 22 Beschwerden wurden an die zunächst zuständigen Landesaufsichtsbehörden oder an die Eisenbahnverwaltungen zur Erledigung abgegeben. Betroffen von Beschwerden sind überhaupt 25 Eisenbahnverwaltungen.
Ausland.
* Brüssel, 30. Jan. In der gestrigen Sitzung des Senats bemerkte der Minister für Ackerbau und
sich höher, ein Strahl von Stolz fliegt über das kindliche Gesicht, und sie meint bei sich, jetzt passe sie vollkommen hierher an den schönen Ort.
„Gewiß ist das ein schöner Name, und ich will Dich immer so nennen", erwidert Klementine mit warmem Ausdrucke in der Stimme. Zum erstenmal schaut das Mädchen aufmerksamer in das gütige Gesicht und mustert die Person ihrer Freundin, die ihr bis jetzt stets verhüllt und einfach gekleidet entgegengetreten ist. Ein elegantes, dunkelblaues Gewand umschließt die schlanke Gestalt, kostbare Spitzen kräuseln sich um Hals und Hände, und die weißen Finger zieren blitzende Juwelen. Dunkles, wolliges Haar umgibt ein feines, ovales Gesicht, deffen durchsichtige Bläffe noch erhöht wird durch ein Paar herrliche dunkle Augen, die ernst und träumerisch in die Welt blicken und viel überwundenen Seelenschmerz verrathen. Wieder lächeln die feinen Lippen ob der aufmerksamen Betrachtung des Kindes, und wie Sonnenleuchten verklärt dieses Lächeln dies fesselnde Gesicht, so daß selbst Magdalene, überwältigt von dem liebevollen Ausdruck in den schönen Zügen, mit Hellem Lächeln die Arme emporstreckt, um ihre schöne Freundin voll Hingebung zu empfangen.
„Ich will Dich recht lieb haben," flüstert sie, als Klementine sich herabneigt und die Liebkosung des
öffentliche Arbeiten de Bruyn in Beantwortung einer Interpellation, daß die belgische Regiemng als eine der Ersten Vorsichtsmaßregelen gegen die Einschleppung der Pest getroffen habe. Die Schiffe unterlägen in Antwerpen einer Quarantäne, und die Reisenden müßten sich einer Desinfektion unterziehen. Besondere Vorsichtsmaßregeln seien für Lumpen und ähnliche Sachen getroffen worden. Der Gesundheitszustand in Belgien sei in jeder Hinsicht ausgezeichnet.
* Mom, 30. Jan. Nach dem römischen Korrespondenten des „Standard" haben die neuen päpstlich en NuntienJnstruktionenfür ihre Regierungen erhalten, denselben zu wissen zu thun, daß jeder Gedanke, bei der nächsten Papstwahl ein Veto auszuüben, worauf einige Mächte angespielt haben, gänzlich aufgegeben werden müsse. Die eingetretenen Veränderungen in den Verhältnissen rechtfertigen die vollständige Abschaffung dieses traditionellen Privilegiums.
* Aess, 30. Jan. Die diesjährigen Kaisermanöver werden in der Gegend von Totis statt- finden. Der deutsche Kaiser wird an denselben theilnehmen und mit dem Kaiser Franz Joseph für kurze Zeit in dem Schlosse des Grafen Esterhazy Wohnung nehmen. — In Maros-Sziged gerieth eine mit Stroh bedeckte Baracke des dort übenden Infanterie-Regiments in Brand; 11 Mann wurden durch eine einstürzende Baracke lebensgefährlich, 7 leichter verletzt.
* Odessa, 30. Jan. Die aus sechs Panzern, sowie mehreren Kanonenbooten und Torpedoboots-Zerstörern bestehende Schwarzmeer-Flotte liegt zur Zeit vor Sebastopol. Die Mannschaften sind vollständig an Bord und zum aktiven Dienste bereit. Die Panzer und Kanonenboote liegen stets unter Dampf.
* Wew-Nork, 30. Jan. Wie der,New-Porker Herald" aus Cayenne meldet, ist in dem Distrikte Cackipons von bewaffneten Brasilianern ein Franzose getödtet und sechs andere gefangen gesetzt worden. Dieses Gebiet bildet einen Theil des zwischen Brasilien und Französisch-Guyana strittigen Gebietes.
K. Ans dem Reichstage.
165. Sitzung vom 30. Januar.
Weiterberathung des Postetats.
Nach langer Debatte wurde das Gehalt des Staatssekretärs bewilligt.
Neue Gesichtspunkte kamen in der Debatte nicht mehr zum Vorschein, abgesehen von einer Beschwerde des Abg. Dnmitter (Ctr.) über die Nichtberücksichtigung der zwar nicht „gesetzlichen" aber doch kirchlichgebotenen Feiertage, auf welche im Fürstenthum Hohenzollern alle Verwaltungen, nur nicht die Reichspost, gebührend Rücksicht nähmen.
Staatssekretär v. Stephan entgegnete, diese Angelegenheit befinde sich noch tm Stadium der Informationen; die Post müsse auch den Eisenbahnpostbetrieb in Rechnung ziehen und habe sich daher mit dem preußischen Eisenbahnministerium in Verbindung gesetzt, von diesem aber noch keinen Bescheid erhalten.
Nach Bewilligung dieses Gehaltstitels fand dann auch die von der Kommifsion beantragte Resolution betreffend
Kindes entgegennimmt. Mit einem Kusse besiegelt sie den neuen, ob der verschiedenen Verhältnisse für die außergewöhnliche Frau so reizvollen Freundschaftsbund und gelobt sich im Herzen, über das Wohl des Kindes zu wachen, gleich einer Mutter.
Die Stunden flohen wie Minuten, und als Lene Abends in d .feinen dunklen Kammer im Bettchen lag, da träunuv^.v wachenden Auges den Traum des Tages weiter, und der Herbststurm, der um das kleine Häuschen tobte, fang sein wildes Lied dazu.
Seit jenem Tage begann ein neues Dasein für Magdalene. Täglich erwartete sie mit Sehnsucht die Stunde, in der sie flüchtigen Fußes dahineilen konnte nach dem Orte, wo sie ebenso sehnsüchtig erwartet wurde, und beide Theile hielten den Tag für verloren, an dem dies nicht der Fall fein konnte. Um die Weihnachtszeit geschah dies Letztere öfters, weil die Tage gar zu kurz und stürmisch waren und so die Besuche der Kleinen bei der vornehmen Freundin verhinderten.
Der alte Todtengräber sah allerdings solche Hindernisse nicht ungern; oft brummte er hinter seinem warmen Kachelofen, den er unablässig bearbeitete, über das Fortgehen des Mädchens. Die Mutter aber hatte sich still daran gewöhnt, denn — der Winter war ein böser Gast und das spärliche Gnadenbrod, das