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Montag, den 25 Januar 1897.
24. Jahrgang
mit Unterhttltrmgs-KeÜKgs „Sterne und Mmuerr".
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Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondgeile ober deren Nanni 15 Pf., Reklamen die Pelitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Tie Geradelcgung der Bahnhofstraße.
In der letzten Sitzung des Bürgerausschusses hat' wie schon berichtet, Herr Oberbürgermeister Dr. An' tont ein eingehendes Referat erstattet über die Ver' Handlungen, welche mit dem Vorstände des Bürger' Vereins in Betreff der Geradelegung der Bahnhof' stcaße gepflogen worden sind. Die Ausführungen des Herrn Oberbürgermeisters lauteten im Wesentlichen n ie folgt:
Durch Beschluß des Stadtrathes und Bürgerausschusses vom 24. Januar bezw. 17. Januar und 21. Februar 1890 wurde zwecks Berathung der Geradelegung der Bahnhofstraße und Verhandlung mit dem Bürgervereine dahier eine Kommission aus 6 Mitgliedern bestellt.
Diese Kommission trat zu einer ersten Sitzung am 8. März 1890 zusammen und faßte einstimmig den Beschluß: Die Kommission empfiehlt unter der Voraussetzung der Erwerbung des Sleueramtes die Gradelegung der Bahnhofstraße durch direkte Verlängerung der oberen Bahnhofstraße bis zur Rhabanusstraße und Anlegung eines von der Rhabanusstraße, dem Gymnasium, dem Jean Kramer'schen Anwesen und Hitzeplan, sowie der Schulstraße begrenzten freien Platzes.
Der Stadtrath genehmigte diesen Beschluß am 6. März 1896 und auch der löbliche Bürgerausschuß gab dem Beschlüsse am 20. März 1896 ebenfalls seine Zustimmung, ersuchte jedoch noch seftzustellen, welche Bedingungen jetzt der Bürgerverein bei Verlegung der Bahnhofstraße stellen würde.
Der Stadtrath setzte sich deshalb mit dem Vorstande des Bürgervereins in's Benehmen und schlug die Abordnung einer Kommission des Bürgervereins vor, welche sich gemeinschaftlich mit der vom Stadtrathe und Vürgerausschusse eingesetzten Kommission berathen und eine Einigung anbahnen könnte. Nach Zustimmung des Vorstandes des Bürgervereins fand diese Berathung am 16. Mai 1896 im Nath- haussaale statt.
Dieser Berathung lagen der von dem Bürgervcreine mit Schreiben vom 15. Mai 1895 der Stadt gegenüber für die Einziehung unb Verlegung der unteren Bahnhofstraße gestellten Bedingungen zu Grunde. Diese lauteten wie folgt: 1) Der auf dem Projekt mit Nr. 1 bezeichnete südwestliche Bauplatz wird gestrichen und die Fläche dessetben dem freien Platz von 974 qm zugelegt, so daß dieser Platz eine Gesammtgröße von ca. 1460 qm erhält.
2) Die Grenze A bis B zwischen den hiernach verbleibenden drei Bauptätzcn und dem Garten des Bürgervereins wird durch Aufführung einer 2'/» Meter hohen Ziegelstein- maucr, welche nach der Gartenseite zu putzen und hellgrau zu schlemmen ist, abgeschlossen. Die Kosten der Herstellung, wie auch die der demnächstigen Unterhaltung dieser Mauer trägt die Stadt Fulda bezw. deren Rechtsnachfolger.
3) Tie Besitzung des Bürgervereins wird durch Aufgabe des Straßenanschluffes in Breite der vorerwähnten Bauplätze von zusammen 48 laufenden Metern und durch Bebauung der letzteren im Werth immerhin vermindert und verzichtet daher die Stadt Fulda, um diesen Minderwerth in etwas auszugleichen, auf die dem Bürgerverein unterm 1. Februar v. I. angeforderten von diesem aber bestrittenen Straßenbaukosten im Betrage von 2184 und 1050 Mark = 3234 Mark.
4) Das Anwesen des Bürgervereins ist mit 36 000 und 42 000 Mark = 78 000 Mark Hypoth ken ä 31 > Prozent belastet und ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß in Folge der vorgedachten Werthverminderung des Pfand-
Die ehemalige Fuldaer Universität.
Vortrag, gehalten im Fuldaer Geschichts-Verein am 20. Januar 1897 von Prof. Dr. Leimbach.
(Fortsetzung.)
Mit den Pflichten echalten die Akademiker zugleich mit den Professoren und mit allen in das Matrikelbuch eingeschriebenen Personen dieak ade mischen Rechte: Freiheit von persönlichen und sachlichen Leistungen und Abgaben; Zuweisung ihrer Streitsachen vor das akademische Gericht; gewünscht wird auch ein gewisses Entgegenkommen der Fuldaer Wirthe und Kaufleute, sofern sie den Studirenden möglichst billige Preise gewähren, damit so eine größere Zahl von Studenten angezogen werde. ’)
Em Wort gibt es, das mit seinem Zauberklange so süß _an das Ohr von Lehrern und Schülern tönt: freie Tage, Ferien. Dafür war auf der Fuldaer Universität in der besten Weise gesorgt. Von den Sonn- und Feiertagen abgesehen, sollten die Vorlesungen ausgesetzt werden an den Fastnachtstagen, vom 21. September bis 11. November (Matthäus bis Martinus), vom Tage vor Weihnachten bis zum zweiten Januar, für die Mediziner und Juristen „in diobus canictilanbus“ (in den Hundstagen) vom 22. Juli bis 10. August; für die Theologen in dieser Zeit an 12 Tagen. (Die Philosophen sollten aber auch zu dieser Zeit täglich mindestens zweimal die Vorlesungen
) Stet. Tit. XI.
objekts diese Kapitalien ganz oder theilwcise seitens der Hypothekengläubiger zurückverlangt werden. Für diesen Fall verpflichtet sich die Stadt Fulda, die betreffende Hypothek unter denselben Bedingungen zu übernehmen.
5) Die projektirte Straße ist bis zur Schulstraße durchzuführen, indem der Bürgerverein mit seinem Entgegenkommen lediglich das allgemeine Interesse zu begünstigen sucht, und dieses die Durchführung der Bahnhofstraße bis zur Pfarrkirche, zunächst aber bis zur Schulstraße, unserer Ansicht nach nothwendig erscheinen läßt.
6) Die durch die Straßenverlegung und Herstellung des freien Platzes entstehenden Kosten trägt die Stadt Fulda und hat der Bürgerverein keinerlei Beitrag dazu zu leisten.
Als Resultat dieser Berathung ergab sich nach den Beschlüssen der städtischen Kommission Folgendes: Es svll bei den städtischen Körperschaften beantragt werden,
1) den in dem jenseitigen Schreiben vom 15. Mai 1895 unter Ziffer 4, 5 und 6 aufgestellten Bedingungen zuzu- stimmen;
2) die unter Ziffer 1 geforderte Freilassung des südlichen Bauplatzes abzulehnen, dafür aber zu bestimmen, daß dem etwaigen Käufer dieses Bauplatzes die Bedingung auferlegt werde, einen Vorgarten von mindestens 4 m Tiefe vor einem etwa dort zu erbauenden Hause zu lassen;
3) der Aufführung der verlangten Mauer, welche demnächst von den Käufern der einzelnen Bauplätze zu unterhalten sein würde, zuzustimmen, oder den Käufern der Bauplätze aufzuerlegen, etwaige Hintergebäude direkt auf die Grenze nach dem Bürgervereine zu baue; ;
4) die Freilassung des Bürgerverems von den Straßenbaukosten der jetzigen unteren Bahnhofstraße und zwar auch für jene Strecke, die künftig an den freien Platz stoßen wird, zu beschließen, dagegen die Freilassung von den Straßenbaukosten für die Rhabanusstraße abzulehnen.
Tiefe Beschlüsse wurden dem Bürgerverein mit Schreiben vom 19. Mai 18uti mitgetheilt mit dem Ersuchen, hierüber die Generalversammlung zu hören. Der Vorstand des Bürgervereins verlangte hierauf einen möglichst großen unb genauen Plan, welcher die ganze Situation der herzustellenden neuen Straße und deren Umgebung und des zu schaffenden neuen großen Platzes von dem Bürgervereinshause bis zur Schnl- straße veranschaulicht.
Dieser Plan wurde durch den städtischen Geometer nach genauer geometrischen und trigonometrischen Messung ange- fertigt und dem Bürgerverein am 3. August 1896 übersandt. Hierauf schrieb nun der Bürgervereins - Vorstand unter dem 10. Oktober 1896,
daß der Vorstand des Bürgervereins eine Beschlußfassung über diese Frage bis nach endgiltiger Erledigung des Berwaltungsstreitverfahrenz bezüglich der Zahlung von Straßenanlagekosten auszusetzen für geboten erachte.
Die hierauf am 4. November 1896 zusammengetretene Kommission faßte hierauf guf Antrag des Herrn F. C. Bellinger einstimmig folgenden Beschluß: Es möge mit dem Bürgerverein in weitere Verhandlungen darüber getreten werden, ob derselbe nicht bereit fei, ein Stück feines Gartens an der Lindenstraße gegen ein gleich großes zwischen dem jetzigen Bürgerverein und der neu anzulegenden Bahnhofstraße gelegenes Stück Gelände unter Einziehung der jetzigen unteren Bahnhofsstraße auszutauschen. Hierbei möge dem Bürgerverein auf städtische Kosten angeboten werden:
1) Herstellung der erforderlichen Einfriedigung,
2) Umpflanzung der Gesträuche,
3) Umstellung des Musiktempels.
Dieser Beschluß wurde dem Vorstande des Bürgervereins am 7. November 1896 mitgetheilt und er zugleich ersucht, eine definitive Entscheidung durch die Generalversammlung herbei- zusühren. — Unter dem 24. November 1896 antwortete der Bürgerverein, daß er zwar im Prinffp mit der Geradelegung
halten und hören.) Dazu kam noch ein kollegienfreier Tag in jeder Woche. Die Vorlesungen sollten ferner ausfallen bei Gelegenheit der Doltorpromotionen, bei der Wahl und bei feierlicher Einführung des neuerwählten Rektor Magnificus, am 13. November (Festem Moaaehorum St. Benedicti) für den Besuch des Eröffnungs-Gottesdienstes, sodann an einem vom zeitigen Rektor festzusehenden Tage desselben Monats, an welchem das Andenken der verstorbenen Wohl- thäter geehrt wurde. Dem Vorsteher des Jesuitenkollegs wird außerdem das Recht eingeräumt, nach eigenem weisen Ermessen seinen Zöglingen freie Tage zu gewähren. Die Professoren aber genießen dieses Privileg nicht, damit die Studien an der Universität nicht geschädigt würden und diese nicht in Verruf käme.2)
Wir haben bis daher die Statuten für den Rektor, die Profesforen und die Studenten dargestellt. Jetzt mögen wir die Einrichtung der vier Fakultäten, welche die Alma mxter Adolpluana umfaßte, der theologischen, juristischen, medizinischen und philosophischen, ins Ange fassen. Von vornherein drängt es mich. Sie daran zu erinnern, daß inzwischen in den verschiedenen Wissenszweigen fast 2 Jahrhunderte weiter gearbeitet haben, daß wir demnach unsere Anforderungen bescheiden zu stellen und nach dem Stande der Wissenschaft jener Zeit zu bemessen haben. In der That, gewaltig hat der menschliche Geist seitdem sein
2) 8!-ck. Tit. VII.
ber Bahnhofstraße in der angegebenen Weife einverstanden fei. Bevor nun aber die Generalversammlung des Bürger- vereinS zur Genehmigung des Projektes einberufen werden könne, werde ber Stadtrath ersucht, derselbe wolle sich vom Bürgerausschuß die nöthige Genehmigung nicht nur in Hinsicht auf den Flächenumtausch gefälligst erwirken, fondern auch bezüglich der Höhe der Entschadigungs - Summen Vorschläge machen, weil der Vorstand des Bürgervereins einer einznbernsenden Generalversammlung nur eine Vorlage unterbreiten könne, zu welcher sich die städtischen Körperschaften verpflichtet hätten.
Es wurde nunmehr durch Sachverständige fcstgestellt, wie viel Kosten die Umänderung des Gartens verursachen würden und hierauf in einer Kommifsionssitzung am 21. Dezember 1896 beschlossen, es soll dem Bürgerverein angeboten werden:
2)
3)
4)
6)
Die Umpflanzung der Bäume und Gesträucher- Anlage von ca. 225 Wegen und einigen Sitzplätzen, sowie Anlage von Rasenplätzen — jedoch ohne Auffüllung und Herrichtung des Terrains und Aufreißen der Straße — zu Mk. (die Abschätzung hat durch den Kaufmann Schwebler und Stadtgärtner Kramm stattgefunden), die Herstellung einer 2 m hohen, mit Pfeilern verstärkten Maner vom Wahler'schen Garten bis an die neue Bahnhofstraße „ das Umsetzen des Gitters an die neue Bahnhof- und Rhabanusstraße einschließlich eines neuen Thores . ..... „
das Umsetzen des Musiktempels .... „
Unvorhergesehenes...... .
610.80
1764.—
471.—
200. -
254.—
Summa Mk. 3300.16
DemVürgerverems-Vorstande wurde noch mit Schreiben vom gleichen Tage (21. Dezember 1896) von diesem Beschlüsse Kenntniß gegeben und ihm zugleich mitgetheilt, daß dem Bürgerausschnsse als einer öffentlichen Korporation nicht eher die Beschlußfassung über den projekürten Umtausch des Geländes nebst der Entschädigung zugemuthet werden könne, als bis zwischen dem Bürgerverein und dem S'adtrath eine vollständige Uebereinstimmnng hergestellt worden sei. — Schließlich wurde abermals um Berufung einer Generalversammlung zur Beschlußfassung ersucht.
Hierauf stellte nun der Bürgervereinsvorstand mit Schreiben vom 16. Januar 1897 folgende Bedingungen:
1) Die von der Stadt Fulda dem Vürgeroerein zu gewährende Entschädigung _ für Verlegung und Umbau des Bürgervereinsgartens ' wird ber beigefügten Berechnung entsprechend auf 8000 Mark festgesetzt.
2) Die von dem Wahler'schen Garten bis zu ber neuen Bahnhofstraße zu errichtende Mauer wird aus Grund und Böden der Stadt Fulda erbaut und ist von dem jeweiligen Eigen- thümer des letzteren zu unterhalten.
3) Hintergebäude oder sonstige, das Auge verletzende Bauanlagen dürfen auf der vom Bürgerverein abzutretenden Gartenfläche nicht errichtet werden.
4) Die auf dem an den Vürgerverein übergehenden Theile der jetzigen Bahnhofstraße stehenden Lindenbäume gehen ohne Entschädigung in das Eigenlhum des Bürgervereins über.
5) Die Stadt Fulda verzichtet auf den dem Bürgerverein angeforderten Softenbeitrag für Herstellung ber unteren Bahnhof- unb der Rhabanusstraße int Betrage von 3234 Mk. und beansprucht dergleichen Kosten auch nicht bezüglich der neuen Bahnhofstraße und des Theiles der Rhabanusstraße, an welches das erweiterte Bürgervereins- Grundstück zu liegen kommt.
6) Die seitens des "Burgervereins abzutretende Gartenfläche bleibt indeffen Eigenthum und wird der Stadt Fulda mit
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Forschungsgebiet ausgedehnt und erweitert. Die Astronomie hat die Sterne geordnet, welche in den uner- meßlichen Räumen schwimmen, ihre Bahnen bezeichnet und den Mechanismus des Himmels ihrer Berechnung unterworfen. Die Geologie ist in den Schooß der Erde hinabgestiegen und hat die Geheimnisse ihrer Entstehung und Bildung belauscht. Groß sind die Fortschritte der Physik und Chemie, welche beide tiefer eingedrungen sind in die Werkstätte der Natur, wo still und ungesehen, aber unaufhaltsam und gewaltig die Kräfte schaffen und weben, zerstören und bauen. Durch die innige Verbindung und Ver- werthung der Naturwissenschaften, der chemisch-physikalischen Untersuchungen und Entdeckungen ward eine neue Epoche der Heilkunst heraufgeführt. Der gesteigerte Fortschritt in Handel und Industrie hat die technischen und kameralistischen Wissenschaften völlig untgestaltet und zum großen Theile neubegründet. Die Geschichtswissenschaft führt immer deutlicher das Gesammtleben der Vergangenheit der staunenden Gegenwart vor; sie läßt die Völker der Vorzeit vor unseren Augen vorüberziehen und zaubert neues Leben in die uralten Todtenstädte. Es hat die vergleichende Sprachwissenschaft tiefe Blicke gethan in den inneren Bau und innigen Zusammenhang der Sprachstämme, und von der Sprachverwandtschaft geleitet die Verwandtschaft der Völker erkundet. Die Geschichte hat die historischen Grundlagen unseres Rechts- und Staatslebens bloßgelegt, den ursächlichen und unlösbaren