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24. Jahrgang

mit UutrrhaMmgs-KMagr ..Sterne und DLrmreu".

Freitag, den 22 Jannar 1897.

Erscheint lu.lid), Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Bierteljährlicher Abonnemeutsvreis ohne Krisgerlshn und Bestell-,elö in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garinondzeilc oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 2ö Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Januar.

* Der nette ^räirdcnt Les Herrenhauses Fürst Wilhelm Adolf Maximilian Karl Wied ist am 22. August 1845 zu Neuwied geboren und trat nach dem Tode seines Vaters am 5. März 1864 |bie Fideikommißherrschaft Wied, die ehemals reichsun­mittelbar war, an. Die Ermächtigung zum Eintritt in das Herrenhaus erhielt er am 26. Februar 1876 und trat am 19. November 1878 in das Haus ein. Seit vielen Jahren führt er den Vorsitz im rheinischen Provinziallandtage. Der Fürst wird als General der Infanterie ä, la suite des Garde-Grenadierregiments Königin Augusta Nr. 4 und des 4. Garde-Grenadier- Landwehr-Regiments geführt. Er hat auch den Dok­tortitel honori* causa von der Universität Bonn erhalten.

* Der HkorKand des Aeichstages hat dem Restaurateur^ des Hauses eine Subvention bewilligt, um die Kellner baar zu honoriren und diese sowie die zahlreichen Diener des Hauses zu beköstigen. Herr- Hoflieferant Friedrich Schulze lehnt indessen die Annahme des Geldes dankend ab und will aus eigenen Mitteln den Kellnern ein Gehalt zahlen und sie sowie die Diener des Hauses wie bisher weiter bestens beköstigen.

* Mit Bezug auf unsere gestrigen Ausführungen über die Frage, ob der Autturkranrpf zu Gude sei, wobei wir auf eine Verfügung der Königl. Regierung zu Aachen hinwiesen, schreibt ein Freund unseres Blattes: „Ich kenne im Regirrungs-Bezirk Aachen eine Schule, wo unter der großen Mehrzahl katholi­scher Kinder auch einige jüdische sitzen. Diese sind natürlich jeden Samstag frei vom Unterricht, schädigen dadurch den geordneten Schulunterricht — und sind natürlich bei jedem an Wochentagen einfallenden jüdischen Feiertag (mag derselbe heißen wie er will) vom Unterrichte frei! Also: die jüdischen Kinder an einer katholischen Schule sind von selbst an ihren sämmtlichen religiösen Feiertagen vom vorschriftsmäßigen Unterricht für den ganzen Tag ganz befreit, dagegen die katholischen Kinder an der­selben katholischen Schule sollen an ihren katho­lischen Feiertagen auch bloß für eine freie Gottes- dienststunde erst die Genehmigung der Königl. Regie­rung nachsuchen! — Wenn ich also von allem anderen absehe, so verlange ich von der Königl. Regierung für die katholischen Kinder einfach dasselbe, was den jüdischen Kindern ohne Einspruch zugestanden ist: daß den Kindern bei der Feier ihrer kirchlichen Feiertage kein Hinderniß in den Weg gesetzt wird!"

* Der Versuch, die zumeist sehr überflüssige sog. kirchkichs Äerneindevertreturrg zu beseitigen, wird vielfach im Rheinlande gemacht, besonders im Trier- schen; jetzt aber beginnt man auch damit im Kölnischen. Im ,Echo der Gegenwart" lesen wir aus Geilenkirchen: „Se. Eminenz der Hochw. Herr Kardinal-Erzbischof hat im Einverständnifse mit dem Herrn Oberpräsi-

Wemgsld.

Novelle von Cary Groß.

16] ------ (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Schon stand Mar vor Nr. 24, und der schon wieder entgegenkommende Piccolo bedeutete ihn ein­zutreten. — Kein Jrrthum war möglich, und doch mußte einer vorgefallen sein; denn in dem eleganten Salon, den er ohne anzuklopfen betrat, stand nicht Goldmund, sondern ein distinguirt aussehender, ält­licher Herr, mit einer wohlbekannten, klug-fröhlichen Rheinländerphysiognomie. Kein anderer war es als Profeffor Grube, dem Max einen spätem Besuch zu­gedacht hatte. — Wie ärgerlich war die Verwechslung! Er wollte sich rasch zurückziehen, aber die Hand mußte er sich doch schütteln lassen, mußte ein Wort stammeln von seinem Jrrthum und einem unfaßlichen Mißver­ständnisse! Aber Grube hielt die erfaßte Hand mit kräftigem warmen Drucke in der seinen.

„Nein, nein, Sie haben sich nicht geirrt. Sie wurden auf Nr. 24 erwartet, bester Heermann, und brauchen nicht weiter zu gehen, um einen Aufschluß zu erhalten, den man Ihnen schuldig ist."

„Nicht Aufschluß, Vater, habe ich zu geben, sondern Verzeihung zu erbitten", sagte eine klangvolle, wohl­

denten der Rheinprovinz unter dem 9. d. Mts. an- geordnet, daß für die Pfarrei Prummern im De­kanate Geilenkirchen die kirchliche Gemeindevertretung von jetzt an fortfallen soll."

* Die verLraukichen Besprechungen von Mit­gliedern der Budgetkommission des Reichstags mit dem Kriegsminister v. Goßler dauerten gestern von 2 bis 5 Uhr und wurden heute um 2 Uhr fort- gesetzt.

* Die des Aeichskages

beschäftigte sich gestern mit der Frage der Verjäh­rungsfrist von Zeitungs-Nachrichten. Die vorliegende Petition, welche diese auf 6 Monate nor- mirt, wurde dem Bundesrath zur Berücksichtigung zu überweisen beschlossen.

* In der Budgetkommission des Reichs­tages ist zum Referenten über die Mefokdungsver- Neflerung der nationalliberale Abgeordnete Ur. Paasche bestellt worden. Zum Korreferenten der Centrums- abgeordnete Müller Fulda.

* Beim Abgeordnetenhause ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Iorkschutzöcamten der Gemeinden und öffentlichen^Anstalten im Reg.- Bez. Wiesbaden mit Ausschluß des vormals land- gräflich hessen-homburgischen Gebietes und des Stadt­kreises Frankfurt a. M. eingegangen.

* HKiinchsn, 21. Jan. Nach Mittheilungen aus Norddeutschland sollen die Kaisermanöver in diesem Jahre in der Weise abgehalten werden, daß das 11. Korps (Hessen-Nassau), durch die 7. Division (Provinz Sachsen) verstärkt, gegen die beiden bayeri­schen Armeekorps operiren wird. Die Bayern werden vom Prinzen Leopold kommandirt werden. — Die bayerischen Gefangen en-Anstalten sür männ­liche erwachsene Gefangene sind — auch ein Zeichen der Zeit! — fast alle üb erfüllt, fo daß an die Justizverwaltung die Nothwendigkeit herantritt, die Erbauung' einer neuen großen Gesangenen-Anstalt in Erwägung zu ziehen. Das Justizministerium hat, wie jüngst schon in niederbayerischen Blättern verlautete, fein Augenmerk zunächst auf Straubing gerichtet. Vor einigen Wochen war ein Ministerial - Kommissar dorthin abgeordnet, um Augenschein zu nehmen. (Nieder­bayern besitzt bislang noch keine eigene Gefangenen- Anstalt.) _______—_________

Ausland.

* ^aris, 21. Jan. Der französische Kriegs­minister General Billot sprach gestern in der Heeres- kommissio i der französischen Kammer über ben Gesetz- entwurs, wonach stufemveisebeidenJnfanterieregimentern vierte Bataillone eingeführt werden sollen. Die Kommission nahm den Entwurf günstig auf.

* Aom, 21. Jan. Die parlamentarische Session Italiens wird sich vorläufig vertagen; heute wird König Humbert das betreffende Dekret unterzeichnen. Demselben soll jedoch alsbald ein weiteres folgen, durch welches die Deputirtenkammer aufgelöst wird, bekannte Stimme, und ans einer Seitenthür trat die auf Max zu, die seine Gedanken in weiter Ferne ge­sucht hatten.- Es war sie selbst, keine Erscheinung, weder Fee, noch Engel, noch Traumbild, wie man aus dem Gesichtsausdrucke des jungen Mannes hätte schließen können, sondern das leibhaftige holde Mädchen mit dem fröhlichen Lächeln und den strahlenden Augen, in denen aber ein eigenthümlicher feuchter Schimmer sich zeigte, als es zaghafter und verschüchterter ihn anblickte als bei der ersten Begegnung auf dem Drachenfels.

„Diese unerwartete Bewohnerin von Nr. 24 lassen Sie mich an Goldmunds Stelle Ihnen vorstellen, aber nicht als seine Tochter, wofür das unbesonnene Wesen eine Zeit lang gelten wollte, sondern als die meinige, Ottilie Grube. Die Namen: Dame Kobold, Mamsell lieb ermüd) ober verzogenes Kind würde sie viel besser verdienen, und verdient es sogar, meinen ehrbaren, schlichten 9tarnen demnächst zu verlieren. Wenn Sie ihr verzeihen können und sich im Uebrigen gut mit ihr auseinandersetzen, soll mirs lieb sein. Sehen Sie aber gut zu, sichere Bedingungen zu stellen. Ruft mich, wenn Ihr mich dabei braucht."

Nach dieser Rede erst ließ Grube die Hand des jungen Kollegen los, die er nochmals herzlich gedrückt hatte. Dann zog er sich geräuschvoll in ein offenstehendes

* Konkanliuopek, 21. Jan. In der muha- medanischen Bevölkerung Konstantinopels tritt in den letzten Tagen eine unheimliche fanatische Erregung zu Tage, in Folge des Gerüchtes, daß einem Gendarmen Nachts ein Heiliger erschienen sei mit der Aufforderung, ihn zur Ejjub-Moschee zu begleiten, um das Schwert Ejjubs zu holen, da die Zeit zur Niederwerfung der Ungläubigen gekommen sei. Der Ort der angeblichen Erscheinung, eine Stelle in Pera, in der Nähe des Munizipalitätsgartens, wurde durch Gen­darmerie besetzt. Dieser Tage wurde die Stelle, an der eine Grabsteinspitze aus der Erde hervorragt, mit Brettern umgeben. Der Grabstein war von zahlreichen Türken besichtigt worden, da bas abergläubische Ge­rücht geht, daß er sich des Nachts bewege.

* Was-jiirgiHon, 21. Jan. Jmamerikanischen Senate brachte Cannon einen Beschlußantrag ein, welcher den Präsidenten der Union auffordert, binnen 90 Tagen, vom 4. März d. I. ab gerechnet, die leitenden Handelsvölker zu einer internationalen Münzkonferenz einzulaben, welche vor dem 1. Okt. in Washington abgehalten werben soll. Ferner soll der Präsident 5 Kommissare ernennen, um die Frage freier Münzprägung in einem Verhältniß zwischen 15 und 16 zu 1 ernstlich zu betreiben.

K ANS Sem Rkichsmxe.

158. Sitzung turnt 21. Januar.

Tagesordnung: Fortsetzung der zweiten Berathung des Reichshaushaltsetats für 1897/98 beim Etat des Reichsschatz­amts (Staatssekretär).

Abg. Dr. Kitze ((Str.): Die gestrige Erklärung des Herrn Staatssekretärs über die Stellung des Bundesraths zur Frage des Quebrachozolles ist insofern dankenswerth, als wir endlich Auskunft über die Stellung und die Gründe desselben er­haltet, haben. Für den Inhalt der Erklärung kann ich aller­dings nicht dankbar sein. Die Hoffnungen Tausender im Lande sind dadurch vernichtet worden. Für Hunderttausende von Existenzen ist die Quebrachozollfrage eine Lebensfrage. Tie kleinen Lohgerbereien stehen am Abgrunde. Mit ihnen innig verwachsen sind die Schälwaldbesitzer. Diese wohnen gerade in den ärmsten Gegenden unseres Vaterlandes. Der Schälwaldbetrieb ist innig verwachsen mit den: landwirth- schaftlichen Betriebe. Wird elfterer zu Grunde gerichtet, so bricht auch die ganze bäuerliche Wirthschaft zusammen. Das mit Lohe gegerbte Leder ist besser als das mit Quebracho gegerbte. Vielleicht können wir, ähnlich wie wir Butter gegen die Konkurrenz der Margarine schützen wollen, ein Gesetz schaffen, daß als Leder nur bezeichnet werden darf, was mit Lohe gegerbt ist. Ich möchte immer noch nicht die Hoffnung aufgeben, daß die preußische Regierung und der Bundesrath nochmals in Erwägung darüber treten, ob nicht ein mäßiger Zoll zu bewilligen sei, um den Existenzkampf der L hgerber und Schälwaldbesitzer wenigstens zu erleichtern. (Beifall.)

Abg. chorktenöerger (Aschaffenburg, (Str.) erklärt sich ebenfalls für den Quebrachozoll int Interesse der bäuerlichen Besitzer von Eichenschälwaldungen.

Abg. Iischöcck (fr. Vp.): Nicht blos die großen, sondern auch Diele” kleine Gerbereien, besonders in Schleswig-Holstein, verwendeten Quebrachoholz. Die L derverarbeitunosindustrie habe sich gerade bei der zollfreien Einführung von Quebracho- holz ganz außerordentlich gehoben. Umso freudiger sei es zu begrüßen, daß der Bmidesrath durch 'Ablehnung der Que- brachozoll-Resolution des Reichstags das Richtige getroffen.

Rauchzimmerchen zurück, wo er sich am Fenster mit einer Zeitung niederließ.

Max sah es und fah es nicht. Es schwindelte ihm vor den Augen. Er hörte auch nur Ottiliens Stimme, ohne zu verstehen, was sie sagte, und bvch sprach sie ganz langsam und deutlich: „Ich durfte Sie nicht länger in Täuschung belassen und eilte zu meinem Vater, damit er mir Verzeihung erlange, wenn ich Sie beleidigt oder zu einer Uebereilung verleitet habe. Wenn Sie es reut, was Sie zu Goldmund sagten, will ich es tragen als Strafe für meinen Uebermuth."

Jetzt erst blickte Max der Sprecherin fest in die Augen, fah, daß der feuchte Schimmer sich in eine zitternde Thräne verwandelt hatte, und bekam unend­lich Lust, diefe hinwegzuküffen. Sie belehrte ihn ja, daß er das Herz bere.ts besaß, das er sich hatte er­ringen wollen. Darum brauchte er ihre Entschuldigung nicht weiter anzuhören. Er faßte ihre Hände, zog sie an sich und redete Worte der Lust und der Freude, des Dankes und der Liebe, der Wehmuth und Demuth, bunt durcheinander, wie sie bräutliche Stimmung aus tiefen und reichen Gemüthern hervorguellen läßt, eine Sprache, die niemand zu hören braucht als _bie Beiden, die über dem Hören die ganze Welt vergessen.

So dachte auch Professor Grube und ließ sie ge­raume Zeit allein miteinander.