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M 16 Donnerstag, den 21. Januar 1897. 24. Jahrgang

mit Unterhaltungs-Keilage „Sterne und KLnmen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

& Hit Ctatsderathung im Abgeordnetenhaust.

Von den ersten Etatsverhandlungen früherer Jahre unterscheidet sich die diesjährige Etatsdebatte im Ab­geordnetenhause sehr beträchtlich. Diejenigen Gegen­stände, welche sonst im Vordergründe der Redekämpfe standen, find größtenteils mehr zurückgetreten oder ganz verschwunden, und an ihre Stelle sind andere getreten. Das Centrum hat z. B. seine noch immer viel zu sehr berechtigten kirchenpolitischen Be­schwerden bis zur Spezialberathung zurückgestellt. Die „Reichsfinanzreform" ferner, das Steckenpferd des Herrn Miquel und seiner kartellbrüderlichen Freunde, ist bisher nur nebenbei gestreift worden, und auch andere finanzpolitische Fragen treten in diesem Jahre sehr zurück. Das erklärt sich allerdings sehr einfach dadurch, daß die Besprechung dieser Fragen bei der Konvertirungsvorlage und dem Schuldentilgungsgesetz vorweggenommen ist. Und so könnte man noch mancher­lei anführen, aber wir wollen auch nicht vergessen, daß noch nicht aller Tage Abend ist, und daß der Fortgang der Etatsberathung, die sehr wohl noch zwei Tage in Anspruch nehmen kann, ganz gut noch die eine oder andere Frage, deren Behandlung man bis jetzt — meist gern — vermißt, zu ausgedehnter Erörterung zu bringen vermag.

In diesem Jahre hat bisher die Aufbesserung der mittleren und oberen Beamtengehälter den breitesten Raum in den Debatten eingenommen. Es ist ja nicht daran zu zweifeln, daß diese Vorlage im Abgeordnetenhause eine Mehrheit finden wird, auch ohne daß, wie das Centrum es mit richtiger Berücksichtigung des inneren und finanziellen Zu­sammenhangs mit der Aufbesserungsvorlage im Reiche fordert, auf deren Schicksal gewartet würde. Aber wie die Vorlage nach den Berath ungen in der Kommission und im Plenum aussehen wird, und welche weiteren Schicksale ihr dann im Herrenhause und dann viel­leicht nochmals im Abgeordnetenhause bevorstehen, das kann heute Niemand sagen. Allerdings scheinen beide Parteien der Rechten im großen Ganzen keine wesentlichen Aenderungen der Vorlage zu erstreben, aber schon die Nationalliberalen scheinen doch weiter über die Vorlage hinausgehen zu wollen. Der Abg. Dr. Sattler äußerte in dieser Be­ziehung kaum weniger Wünsche als der Centrums­redner, der allerdings mit weit größerer Entschieden­heit, besonders zu Gunsten der Unterbeamten, sprach. Die Freisinnigen hinwieder stimmen, wie Herr Richter erklärte, ganz mit dem Centrum überein, sodaß vielleicht eine Mehrheit aus Centrum, National­liberalen, Freisinnigen zahlreiche einschneidende Aender­ungen der Vorlage durchsetzen wird. Ob es dabei bleiben würde, käme auf die Festigkeit der National­liberalen an, und die dürfen wir freilich einstweilen nicht zu hoch einschätzen. Herr Miquel hat am Dienstag schon auf sie einzuwirken gesucht, indem er vor größeren Aenderungen der Vorlage warnte und sür diesen Fall

Khemgold.

Novelle von Cary Groß.

15] ------ (Nachdruck verboten.)

Der Herr wußte weiter nichts, nicht einmal, ob die Kandidatin schön sei, goldenes Haar und dunkle, wunderbare Augen habe. — Er sah sogar recht ver­wundert und fast ein bischen gekränkt aus, weil ihm solche Kenntniß zugemuthet wurde, und das von einem mit gelehrten Arbeiten beschäftigten Manne, den doch die Kandidatinnen von Nonnenwerth nichts angingen!

Dieses letzte Räthsel war es, was noch dem Fasse den Boden ausschlug. Bei Anwendung dieses Ver­gleiches bleibt zweifelhaft, ob des jungen Professors Geduld je ausgiebig genug war, um ein Faß zur Aufbewahrung zu bedürfen. Jedenfalls war fein Vor­rath nun zu Ende. Der Kongreß in Frankfurt sollte aber eben jetzt seinen Anfang nehmen, zu dem Dr. Heermann angemeldet war, und zwar — als Sekretär einer Sektion. Mit unlösbaren Räthseln im Kopfe kann aber kein Mensch arbeiten, noch dazu wenn er von ungehorsamen Gedanken gequält wird, die nun ihren Flug nicht mehr zum Drachenfels, aber zu dem Nonnenkloster am Fuße des Berges auf der Rhein­insel machten. Trotz aller Beharrlichkeit konnten sie aber nicht ergründen, wer die Kandidatin sei, welche

mit Ablehnung derselben seitens der Regierung drohte.

Einen hochpolitischen Zug brachte die durch einen Ausfall des „konservativen" Grafen Limburg jgegen den Staatssekretär Frhrn. v. Marschall hervor­gerufene Rede des Ministerpräsidenten Fürsten Hohen­lohe am Dienstag in die Debatte. Fürst Hohen­lohe trat mit großer Bestimmtheit und theilweise nicht ohne Ironie seinem „verehrten Freunde", dem Grafen Limburg, entgegen, indem er die Nothwendig- keit, das Gericht gegen die Preßtreibereien der Leckert, Lützow, Tausch anzurufen, sehr entschieden betonte und hervorhob, daß Herr v. Marschall bei dem Prozesse fortlaufend das ganze Ministerium von Allem in Kenntniß gesetzt. Graf Limburg hatte auch die Beziehungen des Auswärtigen Amts zu der Presst bemängelt und eine strengere Auswahl unter den Blättern für diese Beziehungen gefordert. Es war ein feiner Hieb des Fürsten Hohenlohe gerade gegen die adeligen Herren auf der Rechten, daß er mit der Frage antwortete: „Soll für das Auswärtige Amt etwa eine Hoffähigkeit für die Journalisten ein­geführt werden? Die Erfahrungen mit Herrn von Lützow (der Reichskanzler betonte das „von") sollten uns in dieser Beziehung doch eine heilsame Lehre geben." Erfreulich war auch die Schlußversicherung des leitenden Staatsmannes, daß in der Regierung volle Uebereinstimmung über die politischen Grundanschauungen herrsche. — Die späteren Ausfüh­rungen des Herrn v. d. Recke klangen leider aller­dings nicht so, als ob er und Herr v. Marschall einer Anschauung über die politische Polizei seien. Aber diese rechnet man vielleicht nicht zu den „Grund­anschauungen". Vielleicht auch nicht die Frage der Reform des Vereinsgesetzes? Auch hierüber klangen die Erklärungen des Ministers des Innern, der überhaupt stark an seinen Vorgänger erinnerte, erheblich anders, als das bedingungslose Versprechen des Reichskanzlers, daß das Verbindungsverbot auf­gehoben werden solle. Oder sollten wir uns in der „Klangfarbe" täuschen?

Zum Schluffe wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß das kräftige und geschickte Eintreten des Handels­ministers Brefeld für feine Ausfühmngsbestimm- ungen zum Börsengesetz den besten Eindruck auf uns gemacht hat. Auch wir hoffen, daß die Pro­duktenbörsen den Fehler, den sie durch ihren „Strei k" begehen, bald einsehen werden. Schlimmsten­falls trösten wir uns mit dem Worte des seligen v. Meyer-Arnswalde: „Es geht auch so."

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Januar-

* Im Reichstage findet zur Feier des Kaisers Geburtstags am 27. Januar ein IestmaHk statt.

* Generalfeldmarschall Graf Akumeulyak wird am 30. Juli ein Jubiläum begehen, wie es in der

dorthin in der Fähre gefahren war, wer die beglei­tenden Herren und Damen, und was in aller Welt Mina, die vielbeschäftigte Tante Mina, bei der Sache zu thun hatte? Welchen Beruf hatte sie, Musikers­töchter zum Kirchenchor der Nonnen zu geleiten? War sie etwa durch Frau Professor Führer auf Goldmunds Tochter aufmerksam gemacht worden? Hatte dieser Wahrheit gesprochen, als er von seiner Tochter Kloster­beruf sprach und von Nonnenwerth als dem Orte, wo sie nach ihrem Geschmacke untergebracht sei? Da wäre ihm ja das Theater noch lieber gewesen! Denn vom Theater konnte er das Mädchen seiner Wahl wegholen, wenn sie nur wollte. Die lächerlichsten Vorstellungen, welche der alte Goldmund sich vom Klosterleben gemacht hatte, wurden nun plötzlich in dem klugen Max lebendig. Am Ende hatte Tante Mina, vielleicht durch seinen Bruder unterrichtet, seine Neigung bemerkt und half nun, das Mädchen, das dem Familienstolze nicht entsprach, aus dem Wege räumen? Und doch, daß dies Wahnsinn war, wußte Max. Die gute Tante Mina würde eher behilflich gewesen sein, ihm zu seiner Herzenswahl zu helfen. Er wollte an sie schreiben, fürchtete aber doch, sich lächerlich zu machen.

Es blieb keine Wahl; wollte Max bei dem Kon­greffe etwas leisten, wie es sein Ehrgeiz verlangte, so

preußischen Armee, abgesehen von Kaiser Wilhelm I., noch nicht gefeiert worden ist. An dem genannten Tage sind es nämlich 70 Jahre her, seitdem Graf Blumenthal in die Armee eingetreten; zweifellos wird das siebzigjährige Dienstjubiläum unter größeren Feierlichkeiten seitens der Armee begangen werden. Graf Blumenthal ist am 30. Juli 1810 in Schwedt geboren. — Ihr fünfzigjähr. Dienstjubiläum werden in diesem Jahre feiern: 1. Generalfeldmarschall Prinz Albrecht vonPreußen, Generalinspekteur der 1. Armeeinspektion rc., am 8. Mai 1897; 2. General­oberst der Kavallerie Frhr. vonLoö, Generaladjutant des Kaisers und Oberbefehlshaber in den Marken rc., am 7. April 1897; 3. General der Infanterie von Rauch, Chef der Landgendarmerie, am 22. April 1897; 4. General der Kavallerie von Hähnisch, kommandirender General des 4. Armeekorps rc., am 16. Juli 1897.

* Die Begeisterung der Kathokike« für das Deutsche Aeich würde schwerlich anläßlich des hun­dertjährigen Geburtstages des Kaisers Wilhelm i. gefördert, wenn sogar diese Feier be­nutzt werden sollte, um gegen die katholischen Reichs­angehörigen schmachvolle Angriffe zu richten. Ohne Zweifel wird ja hier oder da ein Festredner an diesem Tage seinen Patriotismus durch ein Geschimpfe auf die Katholiken an den Tag legen. Die ,Germania^ weist hin auf eine Broschüre, welche der evangelische Militär -Oberpfarrer des 10.Armeekorps, Konst- storialrath Dr. Heinrich Rocholl zu Hannover, im Verlag von Karl Mayer (Gustav Prior) erscheinen ließ unter dem Titel: „Deutsches Volk, gedenke deines großen Kaisers! Ein Charakter- und Lebensbild Kaiser Wilhelm I." Aus diesem Schriftchen citirt die,Germ/ eine längere Stelle, in der gar lustig gegen Rom und den Ultramontanismus losgeschlagen wird. Mit Recht bemerkt das genannte Centrumsorgan dazu: „Das schreibt also nicht etwa ein ungebildeter Bro­schürenschmierer, sondern ein Konsistorialrath, der doch zur Zeit des Kulturkampfes schon denkfähig gewesen sein muß, fürs deutsche Volk, wozu doch die Katholiken auch gehören! Solchen Hetzern, die freilich von dem „bewundernswürdigen Geist der Ver­träglichkeit des alten treuen Kaisers" keine Spur an sich tragen, ist es offenbar daran gelegen, bei den Katholiken Deutschlands keine rechte Freude am Deutschen Reich aufkommen zu lasten. Wir Katho­liken werden indeß trotz des Kulturkampfes, den wir zwar 'nicht vergessen, aber vergeben haben, das Centenarium des Kaisers Wilhelm I. von Herzen mit­feiern. Möge man uns wenigstens diese Feier nicht vergällen durch eine solche Verhetzung des deutschen Volkes, die doppelt sträflich ist, wenn sie von einem- Militärgeistlichen ausgeht."

* Die Kommission des Ageordn etenhauses für die Städteordtturrg der Brovinz Kestert- Aastau setzte gestern Abend ihre Berathungen fort, tz 18, der bestimmt, daß die Hälfte der Stadtver-

mußte vorher diese Unruhe aus seinem Gemüthe. Nur eine Unterredung mit Goldmund konnte es bewirken. Deshalb hatte Max an den Sänger geschrieben, ihn gebeten, zu einer Unterredung mit ihm zu kommen, und zwar nach Frankfurt, wodurch ihm Zeit für Ant­wort und Reise blieb. Er hatte dem von Mainz aus abgesandten Brief eine Fünfzigmark - Note beigelegt, obgleich er zagte, damit den Alten zu beleidigen. Um so herzlicher hatte seine Bitte gelautet, ihm den Dienst zu leisten, der rein zum persönlichen Nutzen des Bitt­stellers erbeten werde. Antwort über Zeit und Ort der Zusammenkunft hatte Max poste restante Frank­furt erbeten.

Als der Zug aus Mainz in Frankfurt anlangte, eilte Max sofort auf die Hauptpost. Ein Brief an ihn lag da, aber er war aus Mehlem, von Walter. Ohne ihn zu öffnen, steckte Max ihn zu sich. Auf ein Telegramm hatte er nicht gerechnet, doch sparte er­den Weg nicht zum Telegraphen-Amte und sollte be­lohnt werden.

Eine Depesche lag vor mit seiner ausführlichen Adresse. Vor- und Zuname, Titel, Amt, Mitglied­schaft des Kongresses rc. — nichts fehlte. Der In­halt war um fo lakonischer.

Heute. Punkt 3 Uhr. Frankfurter Hof. Nr. 24. Goldmund.