Mittwoch, den 20, Januar 1897.
M 15
Fuldaer
mit UnterhaLtrrngs-Keitage „Sterne und SLmnrn".
24. Jahrgang ikituua
Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher A banne mentsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Pekitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Januar-
* lieber die Jahrhundertfeier des Heöurts- tages Kaiser ZSirhetms I. hat laut ,Berl. Tagebl/ der König von Preußen eine Kabinetsordre erlassen, nach welcher die Feier in Preußen einheitlich stattfinden soll. Diese Kabinetsordre ist auch den übrigen Bundesstaaten zugegangen. Nach derselben soll die Jahrhundertfeier drei Tage währen. Am Sonntag den 21. März sollen in den Kirchen Festgottesdienste stattfinden. Für den eigentlichen Festtag, Montag den 22. März, werden öffentliche Festakte, Paraden, Schulseiern und Abends Illuminationen vorgeschrieben, an diesem Tage sind die öffentlichen Gebäude zu beflaggen. Am Dienstag den 23. März endlich sollen volksthümliche Veranstaltungen, Kommerse ec. stattfinden.
* Gegenüber der gestern von uns mitgetheilten Meldung der,Wiener Politischen Korrespondenz", nach welcher Geheimrath Professor von Bergmann nach Petersburg berufen worden sei, um beim Kaiser von Rußland einen leichten operativen Eingriff vorzunehmen, schreibt das Wolff'sche Bureau, es sei von Herrn Geheimrath v. Bergmann ermächtigt, auf das bestimmteste zu erklären, daß demselben weder von einer Erkrankung des Kaisers von Rußland etwas bekannt, noch an ihn irgend eine Berufung nach Petersburg ergangen ist.
* Der Geheime Ober - Regierungsrath Dr. Stander, vortragender Rath im Kultusministerium, ist heute Nacht gestorben. Herr Stauder war Katholik und ist früher viele Jahre hindurch als Gymnasiallehrer, Direktor und Provinzialschulrath in der Rheinprovinz thätig gewesen.
* Den Informationen der Münchener ,Allg. Ztg." zufolge „hat die Mittheilung von gemeinsamen Manövern der bayerischen Armeekorps mit preußischen Truppen eine thatsächliche Grundlage. Die Manöver wird Kaiser Wilhelm in seiner Eigenschaft als Bundesfeldherr leiten. Die Angelegenheit befindet sich zur Zeit noch im Stadium der zu treffenden Vorbereitungen, sodaß Angaben über Einzelheiten insbesondere über die Gegend, wo die Manöver stattfinden sollen, bis jetzt noch nicht zu machen sind."
* Das KerrenHaus beginnt morgen die Be- rathung des Lehrerbesoldungsgesetzes. Seine Eminenz Kardinal Kopp wird zur Theiluahme an diesen Berathungen morgen in Berlin eintreffen.
* In der preußischen Armee sollen neue Anzeichen — Achselklappen, Aufschläge, Paspeln — eingeführt werden, die beim Lehr-^nfanteriebataillon in Potsdam bereits versuchsweise getragen werden. Diese neuen Abzeichen ermöglichen es, nicht nur wie bisher sofort zu erkennen, welchem Regiment und welcher Kompagnie, sondern auch welchem Armeekorps, welcher Division und welcher Brigade ihr Träger an gehört.
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Rheingold.
Novelle von Cary Groß.
14] ------ (Nachdruck verboten.)
VI.
Acht Tage später saß im Mittagsschnellzuge, der von Mainz nach Frankfurt fährt, schweigsam, ungesellig in eine Ecke gelehnt, Professor Max Heermann. Er hatte es vermieden, mit Bekannten zusammen zu fahren, als wäre er ein einsiedlerisch bean- lagter Mann und nicht der muntere Gesellschafter, den man so gern aufsuchte. Er mußte sich, statt mit Menschen, heute mit seinen Gedanken beschäftigen, denn er hatte seit acht Tagen seine liebe Noch mit ihnen. Sie waren rebellisch geworden, ließen sich gar nicht mehr zusammenhalten und nicht mehr in die gewohnten Bahnen des Studiums lenken. Kaurn hatten sie bei den dringend nothwendigen Arbeiten, die vor dem Gelehrten-Kongreß in Frankfurt erledigt sein mußten, nothdürftig parirt. Hielt Dr. Heermann nur einen Augenblick die Zügel weniger stramm, so rasten sie fort, denn Flügel wuchsen ihnen und trugen sie über Berg und Thal, rheinabwärts immer zu, bis sie auf dem Drachenfels anlangten. Dort suchten sie ein schönes Mädchen, lauschten ihren klugen Reden, ihrem herzgewinnenden Lachen und ihrem herrlichen
* Wir haben jüngst den Bericht aus der Budgetkommission wiedergegeben, nach dem der Staatssekretär von Stephan die Erhöhung des Kmheitsgewichts der Mriefe unter der Behauptung, das Briefporto sei ohnehin im Auslande theurer als in Deutschland, bekämpft habe. Die Frage lag nahe, wie diese Haltung des Staatssekretärs mit den früheren offiziösen Erklärungen zu vereinbaren sei, nach denen er selbst die geforderte Reform für nöthig halte, sie auch beantragt habe, aber gegen den Staatssekretär des Reichsschatzamtes nicht durchzusetzen vermöge. Jetzt schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg." wieder:
... Es wird der Postverwaltung von mangelhaft unterrichteter Seite die Schuld daran beigemessen, daß den Wünschen auf Ermäßigung des Portos und der Fernsprechgebühren bisher nicht entsprochen wurde, während doch durch wiederholte amtliche Erklärungen im Plenum des Reichstags wie in der Budgetkommission festgestellt ist, daß der Grund in dem — allerdings berechtigten — Widerstande der Finanz- verwaltungen zu suchen ist.
Hoffentlich wird über dieses absonderliche Doppelspiel endlich durch unzweideutige Kundgebungen bei der Berathung des Haushalts der Reichspostverwaltung volle Klarheit geschafft.
* Kamöurg, 19. Jan. In fünf stark besuchten Volksversammlungen wurde gestern die Streiklage besprochen. Bei Sagebiel, wo in beiden großen Sälen sechs bis achttausend Personen versammelt waren, erstattete Pfannkuch Bericht und bestritt, daß die Sozialdemokratie zum Ausstand gehetzt habe. Nachdem der Streik ausgebrochen sei, habe die Sozialdemokratie die Ausständigen nur materiell und durch Rathschläge unterstützt. Schließlich wurde ein Beschlußantrag angenommen, durch welchen den Ausständigen Sympathie ausgedrückt und die bestimmte Erwartung ausgesprochen wird, daß die Arbeitgeber alles aufbieten werden, um die schwebenden Verhandlungen zu fördern und einen beide Theile ehrenden Frieden herbeizuführen. Sollte wider Erwarten die Ünternehmerschaft den Frieden wieder' ablehnen, fo sei diese allein verantwortlich; den Ausständigen wird alsdann noch thatkrästigere Hilfe zugesichert. Die Maßnahmen der Staatsbehörden und der Polizei werden stark bemängelt und als Eingriffe in die persönliche Freiheit und die Rechte weiter Volkskreise bezeichnet. Schließlich werden die Behörden aufgefordert, volle Neutralität zu beobachten.
Ausland.
* Raris, 19. Jan. Ein Polizei-Kommissar be= schlagnahmte gestern Abend in einer Asphalt-Gesellschaft Frankreichs sämmtliche Bücher. Die Gesellschaft soll die Stadt Paris um fünf Millionen Franks betrogen haben, indem sie mit Vorwitzen der Beamten der öffentlichen Bauten altes Material beim Straßenbau verwendete. — In Folge des anhaltenden Regens ist die Stadt Perpignan von einer Ueberschwemrnung bedroht, welche wegen der Sage der Stadt einer Katastrophe gleich käme. Gesang. Kehrten sie endlich zu ihrem Herrn zurück, so vermehrten sie seine Dual, weil sie ihm nur immer dieselben Dinge vorsührten, die sich an einem unvergeßlichen Nachmittag ereignet hatten, dagegen gar nichts Neues von dem holden Wesen zu berichten wußten; die er immer dort suchen ließ, wo er ihre Gegenwart nicht einmal wünschte. — Max hatte darum versucht, auch durch körperliche Boten etwas von der Beherrscherin seiner Gedanken zu erfahren, hatte aber nichts oder doch nichts Zuverlässiges gelernt. Dieses Wenige war sogar schlimmer als nichts, denn es gab ihm Räthsel auf, und Räthsel hatte er schon übergenug zu lösen. Das größte Räthsel war er sich selber.
Er, der so viel von edlem Stande und altgeachtetem Namen hielt, daß et selber für stolz gehalten wurde, so daß man nie gewagt hätte, ihm eine reiche Erbin vorzuschlagen, wenn deren Familie nicht hoch angesehen war und über jeglichem Tadel stand, auch solchem, der die Erwerbsquelle betrifft, den man heute leicht vergißt, sobald Millionen oder große Bruch- theile derselben Mitgift werden. Ihn, den stolzen Dr. Heermann, vermochten ein Paar dunkle Augen, die allerdings überaus tief und strahlend waren, bei einem Bänkelsänger als Bewerber um seine Tochter aufzutreten? — Und als Bewerber hatte er mit
Die Einwohner haben sich größtentheils in die umliegenden Berge geflüchtet.
* London, 19. Jan. In der Thronrede, mit welcher heute das Parlament eröffnet wurde, heißt es zunächst, daß die Beziehungen zu allen Mächten fortgesetzt freundlich sind. Die Rede erwähnt dann die in Konstantinopel und an anderen Orten der Türkei vorgekommenen furchtbaren Metzeleien. Dem Parlamente würden Dokumente vorgelegt werden, in denen die Erwägungen dargelegt seien, welche die Mächte veranlaßt hätten, die gegenwärtige Sage der Türkei zum Gegenstände besonderer Berathung ihrer Vertreter in Konstantinopel zu machen. Die Konferenzen der fechs Botschafter würden noch fortgesetzt. Es sei mit Venezuela ein Abkommen erzielt worden, welches, wie die Königin zuversichtlich hofft, eine Beilegung der Streitigkeiten zwischen Venezuela und Britisch-Guyana herbeiführen werde, ohne die Jnte- reffen der Kolonisten zu gefährden. Die Königin spricht sodann ihre Befriedigung aus über den Abschluß des allgemeinen Schiedsvertrages mit den Vereinigten Staaten zur friedlichen Beilegung aller Meinungs-Verschiedenheiten, die zwischen beiden Sänbern einträten. Die Thronrede theilt ferner mit, daß der Aufstand im Mcttabele- und Maschonalanqe unterdrückt sei. Weiterhin heißt es, die Königin hege tiefstes Mitgefühl mit den durch die Hungersnoth in Indien Betroffenen; die indische Regierung mache alle Anstrengungen, um das Elend zu mildern. Auch die Pest sei in Bombay und Karachi aufgetreten und trotz der Vorsichtsmaßregeln lägen noch keine Anzeichen für eine Abnahme der Seuche vor. Die indische Regierung sei angeroiefen worden, die kräftigsten Maßregeln zur Bekämpfung der Seuche zu treffen. Betreffs des Budgets heißt es in der Rede, daß, während die Regierung ängstlich bestrebt fei, jede unnöthige Ausgabe zu vermeiden, die gegenwärtige Weltlage es dem Parlamente nicht gestatten werde, eine kluge Fürsorge für die Vertheidigungsmittel des Reiches außer Acht zu lasten. Schließlich kündigt die Thronrede verschiedene Gesetzesvorlagen an.
* Madrid, 19. Jan. Nach einer Depesche aus Havannah griff eine Bande in dem Weichbild von Havannah einen Eifenbahnzug an, plünderte die Reisenden und nahm 10 Offiziere fest, von denen 9 wieder freigelaffen wurden. Der Zehnte wurde erschossen, weil er aus Cuba gebürtig war. Der,Jmpareial" macht dem General Weyler wegen des Vorfalles, der sich vor den Thoren Hcwannahs ereignete, heftige Vorwürfe.
K. ARs dem Reichstage.
155. Sitzung vom 19. Januar.
Etat des Reichsschatzamts.
Es liegt eine Resolution des Abg. Kammacher vor, welche die Ginsetzung von einzelstaatlichen Behörden behufs Ertheilung von Auskünften über Zolltarisange- legenheiten wünscht und ferner unter Abänderung des
Goldmund im Enthusiasmus des ersten Abends sich ausgesprochen. Er konnte es nicht leugnen, ja er wollte es gar nicht, bereute es bis zur Stunde noch nicht, trotz der Bedenken, die ihm von seiner Vernunft vorgehalten wurden. Das Herz hatte Antwort auf alle Einreden der bisher fo hochgehaltenen Vernunft ; es half dieser gar nichts, wenn sie mit der Stimme des persönlichen Stolzes, des Familienstolzes und des Professorenstolzes sich verstärkte. Das Herz übertönte das ganze Quartett seiner Gegner und kleidete seine Reden auch in ganz vernünftig klingende Formen. Goldmund war gar kein Bänkelsänger, sondern ein Künstler, der Gutes leisten konnte als Lehrer und Musikkenner, sobald ihm nur Jemand den Weg aus dem Elende herauswies. Seine Tochter war nicht nur gut, sondern vortrefflich erzogen, unberührt von Gesellschaft der Leute geringen Schlages; sie war nirgends öffentlich aufgetreten, außer einzig jetzt neben dem Vater. Heermann hatte ja Alles miterlebt und das Verhalten des Mädchens bewundert. Ein Mädchen von dem Werthe wie des Sängers Tochter, deren Namen Max nicht einmal kannte, weil Goldmund mehrere angewandt hatte, brauchte weder Titel noch Wappenschild. Ihr Adel war recht von Gottes Gnaden und verschaffte sich deshalb Achtung von der ganzen edel denkenden Welt. Nur eine