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Samstap, den16 Januar 1897.
24. Jahrgang
mit Unterhaltungs-Kerlage „Sterne und Klumen".
K. Ein Denkmal für einen katholischen Priester.
Ein öffentliches Denkmal für einen katholischen Priester dürfte selbst in unserer „denkmalswüthigen" Zeit zu den Seltenheiten gehören. Gewöhnlich sind es andere „Größen", die in Stein gehauen oder in Erz gegossen auf den Sockeln unserer Monumente stehen. Kürzlich ist nun aber doch einem Priester, und zwar einem Volksmissionär aus dem Orden der Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria, diese Ehre widerfahren. Im November v. I. wurde zu Lowell, der Hauptstadt von Masfachussets in den Vereinigten Staaten, das Standbild des hochw. P. Andreas Garin O M. J. feierlich enthüllt. Freilich nicht bei seinen Lebzeiten, da wäre man bei dem guten, aber derben P. Garin schön angekommen. Nun, da er todt ist, kann man es schließlich einem ganzen Volke nicht verargen, wenn es seinem größten Wohl- thäter, seinem Apostel, in dankbarer Verehrung ein Erinnerungszeichen setzt, an dem sich noch Kinder und Kindeskinder freuen, aber auch erbauen sollen; denn mit dem Bilde dieses Priesters werden auch seine erschütternden Predigten und sein Tugendbeispiel im Gedächtnis bewahrt werden.
Ueber die Art und Weise, wie solche Feste drüben in Amerika gefeiert werden, gibt uns einer der Fest- theilnehmer noch folgende Einzelheiten:
Ein großartiges Festessen war arrangirt, an dem 1800 Gäste theilnahmen. Tas trockene Gedeck kostete 10 Mark; 200 weißgekleidete Mädchen, Töchter aus guten Familien der Stadt, besorgten abwechselnd die Bedienung. Während des Diners, das einen halben Tag dauerte, wurden 11 längere Reden gehalten. Die Zwischenpausen wurden durch Musik- und Gesangvorträge ausgefüllt. Für die zahlreichen Zuschauer resp. Zuhörer waren die Galerien des ungeheueren Speisesaales gegen ein Entree von 3 Mark geöffnet. Alle Einwohner der Stadt trugen an diesem Festtage ein Garin-Ehrenzeichen, käuflich für 1 Mark.
Glücklicherweise ist das Festkomitee bei diesen kostspieligen Veranstaltungen wenigstens insofern praktisch gewesen, als es den ganzen Erlös der Festlichkeiten, welcher ziemlich bedeutend sein soll, für den Bau eines neuen Gotteshauses bestimmte. Letzteres will uns auch als ein passenderes Denkmal für den seeleneifrigen Missionär erscheinen. Rauschende Festlichkeiten, hochtönende Reden und rZchbesetzte Tafeln waren sicher nicht nach seinem Geschmack. Für einen echten Amerikaner geht es aber nun einmal nicht ohne diesen Spektakel, in dem sich die Anhänglichkeit des Volkes in etwas eigenthümlicher, aber immerhin lobens- werther Weise kundgegeben hat.
P. Andreas Garin war aus der Diözese Grenoble (Frankreich) gebürtig, trat 19 Jahre alt in den Orden der Oblaten ein und wurde 1845 im Alter von 23
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| Jahren zum Priester geweiht. Gleich nach seiner Ordination sandten ihn seine Oberen in die Eismissionen von Nordamerika, wo er etwa 20 Jahre mit Erfolg an-er Bekehrung derJndianer arbeitete. Durch seinen Gesundheitszustand wurde er genöthigt, diese kalten Landstriche zu verlassen. Eine ganz neue Laufbahn begann für ihn in den Vereinigten Staaten. Als Volksnusstonär und als gewaltiger Prediger hat er mächtig zur Förderung katholischen Lebens beigetragen. Er starb 73 Jahre alt, allgemein geliebt und betrauert am 16. Januar 1895 im Kloster der PP. Oblaten zu Lowell. Sein Leichenbegängniß, an dem u. a. ein Erzbischof, zwei Bischöfe und sämmtliche Behörden theilnahmen, war nach dem Berichte von Augenzeugen das Großartigste, was Lowell je gesehen hatte. Daß die Begeisterung keine vorübergehende war, zeigen die vielleicht noch großartigeren Kundgebungen bei den eben stattgefundenen Enthüllungs - Feierlichkeiten für das Garin-Denkmal.
Kheingolb.
Novelle von Cary Groß.
11] ------ (Nachdruck verboten.)
Ottilie hatte, als die Rede der Professorin eine verfänglich ernste Wendung nahm, sich sachte entfernt und am Klavier sich zu thun gemacht. — Dr. Heermann blickte verstohlen zu ihr hiuüber, als er in halblautem, aber gleichfalls ernstem Tone antwortete;
„Ziehen Sie die gute Meinung nicht zurück, die Sie von mir hegen, gnädige Frau! Ich hoffe Sie noch zu rechtfertigen; aber verdenken Sie mir auch den Wunsch nicht, sofern ich ein Kleinod von unschätzbarem Werth fände, es bei mir sicher zu bergen."
Ein wohlklingender Accord ertönte. Ottilie hatte sich an's Klavier gesetzt und spielte die Einleitung zu der wunderbaren „Widmung an die Musik" von Franz. Jetzt ertönte von ihrer sympathischen Stimme das Lied: „Wenn die Schatten dunkeln." Mäuschenstill war es im Saale geworden. Als das Lied geendet war, eilte Frau Führer auf Ottilie zu und umarmte sie.
„Sie haben unfern Streit wunderbar geschlichtet, theures, hochbegnadetes Geschöpf! Mit der Lehre, die Ihre „Widmung".gibt, können wir Frieden schließen. Wer sich der Musik weiht, ernstlich und für immer sich ihr hingibt, der dient der Kunst auch außerhalb des Theaters und bleibt geheiligt auch in seiner Oeffentlichkeit. — Aber Sie, liebe Sängerin, lasse ich heute nicht mehr von mir. Sie müssen mit mir kommen in unser Tusculum nach Godesberg. Professor Führer wird glücklich fein, Sie kennen zu lernen, und wir verbringen einen wunderbaren Abend. Goldmund schließt sich den Herren an, indeß Sie mit mir und den Damen vorausfahren. Ich lade fämmtliche Herren zum Abendbrod in meine Villa ein."
Aber Ottilie lehnte die Einladung ab. Entschieden erklärte sie, Papa Goldmund könne weitere Aufregungen nicht ertragen, und sie selber müsse rechtzeitig in die Familie zurück, zu Freunden ihres Vaters, die ihr Schutz und Asyl gewährten. Goldmund bestätigte aus ihren Wink ihre Aussage. Ohne Zeit zu neuen Einwendungen zu geben, enteilten beide
dem Drachenfels auf dem Wege zur Zahnradbahn, um den letzten Zug abwärts zu benützen.
V.
Es war noch lange nicht Zeit zum Besuch machen, als der Sänger Goldmund sich am andern Morgen am Gartenthore der Villa Rehwald einfand. Auf sein heftiges Läuten erschien langsam ein Gärtner, der ihm bedeutete, Frau Räthin empfange so früh keine Besuche; auch wisse er, daß sie heute Migräne habe. Ihre Fenster seien noch fest verhängt. — Von den Gästen des Hauses wußte er nur, daß eine Mamsell schon früh ausgegangen sei und vielleicht noch im Garten verweile. Jn's Haus habe er Niemand gehen sehen.
Wirklich kamen leichte Schritte den Kiesweg unter dem Rebengange herunter, und Ottilie eilte freundlich auf ihren seltsamen Beschützer und Vater von gestern zu. Sie trug Hut und Sonnenschirm und erklärte, längst ausgeruht zu haben. In ihrem Morgenkleide aus grauer Leinwand, das eine schlichte'Stickerei am Rande des Rockes verzierte, sah sie eben so elegant und anmuthig aus wie gestern. Das Abenteuer vom Drachenfels hatte weder Reue noch Ermüdung hinterlassen. Ihre Augen glänzten wie die liebe Morgensonne, die das schöne Rheinthal begnadete.
Sie führte Goldmund durch den Rebengang sachte aufwärts zu einem Steinsitze über der niedern Seitenmauer, wo eine herrliche Aussicht sich bot. Zwischen blühenden Glycinen, die eine Gitterwand und Fenster umspannen, zeigte sich das Siebengebirge noch beschattet in duftiger Ferne.
Ottilie schob dem alten Mann einen Weidenstuhl zurecht, wo er bequem sich niederlassen und die Aussicht auf den Drachenfels genießen konnte. Freundlich antwortete sie auf des alten Mannes Entschuldigungen und Fragen, die er mit unverkennbarer Aufregung vorbrachte.
„Sie sind ungeduldig, Felicie wiederzusehen. Ich habe sie mit meiner getreuen Miß Rich in der ganz nahe gelegenen Pension einlogirt, um die gute Räthin, bereit Migräne ich verschuldet habe, in keiner Weise zu belästigen. Es geht der lieben Licie vortrefflich. Wir waren schon zusammen in der Kapelle auf dem Kreuzberg, in Begleitung der Miß natürlich. Ich kam allein herüber, um Ihnen eine Bitte vorzutragen, die Ihrem Töchterlein so sehr wie gestern amHerzen liegt."
„Jn's Kloster will sie! Ich sehe es kommen," jammerte Goldmund. „Verhandelte sie doch schon in Nonnenwerth alles Mögliche. Und das jetzt, wo es nöthig wäre, daß sie nicht abgeschlossen von der Welt sich und andere prüft! Ich ahne schon den Einbruch meiner Luftschlösser, das Kloster steckt ihr einzig im Kopfe!"
„Doch vorerst nur, um einige Monate, vielleicht ein bis zwei Jahre dort gegen französischen Unterricht ihre eigene Fortbildung zu betreiben, vielleicht bis zum Lehrerinnen-Examen. Das sollten Sie aber um so lieber gestatten, als Sie in der nächsten Zeit ihr noch fein gesichertes Heim bieten können, und als ihr Klosterberuf zum mindesten unwahrscheinlich ist; mir wenigstens ist er feit gestern Abend sehr zweifelhaft."
(Fortsetzung folgt.)
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