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Mittwoch, den 13. Januar 1897
24. Jahrgang
FiildakrWZkitliiig
mit Unterhaltmrgs-Keilage „Sterne und Klumen".
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< Die neue Gemeindeordnung für Hessen-Nassau.
Die Kommissionsberathungen über den vorgelegten Gesetzentwurf haben am 11. ds. Mts. Abends begonnen. Die Verhandlungen, welche am Montag Abend von 7—11 Uhr dauerten, waren außergewöhnlich lebhaft und drehten sich in der Hauptsache um das Wahlrecht des Fiskus (d.h. des Staats), welcher nach dem Entwurf auch das Recht haben soll, an der Gemeindevertretungswahl Theil zu nehmen. (Vgl. den Bericht über die Sitzung der Kommission im parlamentarischen Theile. Die Red.)
Rach dem vorgesehenen Dreiklassenwahlsystem würde dies, wie Herr Abgeordneter Robert Kircher nachwies, bald dahin führen, daß in zahlreichen Gemeinden der Staat in der ersten Klasse allein wähle und auf diese Weise einfach den dritten Theil der Stadtverordneten bezw. des Gemeinderaths ernennen könne. Seitens der Herren Regierungsvertreter wurde natürlich an dem Wahlrecht des Fiskus festgehalten, obwohl sich auch die Nationalliberalen und ein Theil der Freikonservativen dagegen erklärten.
Das Resultat der Abstimmung hinsichtlich des Wahlrechts des Fiskus war die Annahme der Regierungsvorlage mit 10 gegen 9 Stimmen. Die nassauischen Centrumsabgeordneten Dr. Lieber und Cahensly fehlten (Herr Dr. Lieber war durch einen Krankheitsfall in der Familie abgehalten); im Uebrigen war die Kommission der Wichtigkeit des Gegenstandes entsprechend vollzählig vertreten.
Ob die beiden fehlenden Abgeordneten das Resultat geändert hätten, bleibt unentschieden; hoffentlich werden sie bei der zweiten Lesung zugegen sein und mit den übrigen Centrumsabgeordneten gegen das Dreiklassenwahlsystem und auch gegen das Wahlrecht des Fiskus eintreten.
Eine am 10. ds. Mts. in Limburg abgehaltene Versammlung, an welcher sowohl Herr Dr. Lieber als auch Herr Cahensly theilnahmen, hat sich bekanntlich zu Gunsten des gleichen und geheimen Wahlrechts ausgesprochen, diese Meinung jedoch nur in einer Resolution zum Ausdruck gebracht, während solche in der in fraglicher Versammlung unterzeichneten Petition an den Landtag fortgelaffen wurde. Es scheint also fast, als ob man in Nassau nur theoretische Gegner deS Dreiklassenwahlsystems bleiben wolle.
Wir würden es sehr bedauern, wenn mit aktiver oder passiver Unterstützung der nassauischen Centrumsabgeordneten uns in Kurhessen dieses reaktionäre Wahlsystem aufoktroirt würde. '
(*) Die zweite Lesung des Lehrerbesoldungsgesetzes.
Am Montag hat im Abgeordnetenhause die zweite Lesung deS Lehrerbesoldungsgesetzes begonnen, und
Rhemgold.
Novelle von Cary Groß.
8] ------ (Nachdruck verboten.)
Verlegen trat das schwarze Schnurrbärtlein zurück; aber die hinter ihm Stehenden drängten vor. Sie hatten des feurigen Weines zu viel genossen, um so schnell ihre erhitzten Köpfe zu beugen.
„Aber wenn wir Gold böten statt Silber! Was dann?" hörte Ottilie sie fragen, hörte aber zugleich auch hinter sich am Tische ihrer Nachbarn warnend stüstern: „Was willst Du thun, Max? Es sind Korpsstudenten, die hören nicht aus Dich. Es gibt Unannehmlichkeiten."
Aber schon stand Dr. Max Heermann neben dem alten Goldmund. Die meisten Studenten kannten ihn. Er war kein Korpsstudent gewesen, war Philister einer nicht Farben tragenden Verbindung, deshalb murrten einige, aber sie achteten den jungen Privat-Dozenten genug, um ihn zum Worte kommen zu lassen.
„Ganz recht, meine Herren. Selbst Gold ist nur verdienter Lohn sür den wackern Sänger. ' Herr Goldmund ist durch sein Verdienst berechtigt, es ohne weitere Leistung anzunehmen. Ich denke, wir ver-
am Dienstag wurde der Rest der zweiten Berathung dieses Gesetzes erledigt. An größeren Streitpunkten stand gestern, nachdem am Montag die Bestimmungen über das Grundgehalt, über die Anrechnung von Kirchendiensten, über die Höhe und Versagbarkeit der Alterszulagen, sowie über die Alterszulagekaffen erledigt worden sind, nur noch die Anrechnung der Dienstzeit an Privatschulen, die Versetzung und die Leistungen des Staates aus. Hiervon ist der letzte Punkt sür das Schicksal des Gesetzes der wichtigste, aber, nachdem den Forderungen der großen Städte weithin entgegengekommen worden ist, doch nicht mehr so entscheidend wie im vorjährigen Entwurf, der an diesem Punkte im Herrenhause scheiterte.
In diesem Jahre hat die Regierung, abgesehen von den Staatsleistungen (§ 27), auch bei dem § 8, mit welchem am Montag die Sitzung abschloß, ein weites Entgegenkommen gegen die großen Städte, bezw. gegen die „liberalen" Stadtverwaltungen geübt, indem sie den Städten, die einen eigenen Stadtkreis bilden und alle innerhalb ihres Gebietes belegenen öffentlichen Volksschulen als Gemeindeanstalten ohne Staatsbeihilfe unterhalten, den Vorzug gewährte, auf ihren Antrag von dem Beitritt zu einer Alterszulagekasse befreit zu sein. Wenn sie nachher — natürlich, wenn sie sehen, daß sie sich als Mitglieder einer solchen Kasse besser stehen würden — doch noch beitreten wollen, so ist auch dieser Wunsch ihnen auf ihren Antrag nicht zu versagen.
Die Kommission hat diese Vergünstigungen gestrichen und nur Berlin eine solche Ausnahmestellung eingeräumt. Und sie hat damit das allein Richtige getroffen, denn die Kassenverbände würden mit so weitreichenden Ausnahmen nur noch einen sehr geringen Werth für die Lehrer und für die weniger leistungsfähigen Städte gehabt haben. Für die letzteren wäre der finanzielle Nutzen der Kassen natürlich sehr fragwürdig gewesen, nachdem gerade die leistungsfähigsten Gemeinden aus denselben ausgeschieden wären. Den Lehrern aber wäre der Hauptvortheil der Kaffen im Wesentlichen entgangen: die Möglichkeit nämlich, ihren Leistungen entsprechend auch einmal in eine bessere städtische Stelle zu gelangen. Die großen Städte werden ja, wie bisher, wenn sie für die Alterszulagen, abgesehen von den Staatszuschüssen, allein aufzukommen haben, möglichst darauf sehen, nur junge Lehrkräfte für ihre Schulen zu gewinnen, weil sie dann auf längere Zeit sehr viel an Alterszulagen sparen können, und gerade die älteren, erfahrenen und tüchtigen Lehrer wären dann nach wie vor größten- theils der Aussicht beraubt, anstatt der kärglich dotirten Landstelle eine reicher ausgestattete städtische Stelle zu erlangen, die ihnen auch viel bessere und billigere Gelegenheit, ihren Kindern eine gute Ausbildung zu verschaffen, bieten würde. Ein großer Lehrerverband hat deshalb, wie der Abg. Dr. Porsch am Montag hervorhob, in einer Petition gerade auf diesen Punkt der Vorlage das entscheidende Gewicht gelegt und
anstalten eine Sammlung sür ihn, ganz besonders für sein schönes Lied, in dem die rheinischen Männer ein adlig Geschlecht genannt werden. Nur Gold darf gespendet werden. Wer kein geprägtes hat, gebe dafür das Gold edler deutscher Jugendlust, die den Sänger und die Frauen zu ehren weiß, und stimme ihnen zu Ehren einen schönen Choroesang an."
Ein Goldstück fiel aus Heermann's Hand aus den Telles dem rasch ein zweites sich gesellte. Eine fein gekleidete Dame, deren ergrauendes Haar trotz der jugendlich lebhaften Bewegungen und der sprühenden Augen die Matrone kennzeichnete, war an den Tisch getreten und hatte das Goldstück zu dem Heermann's in den Teller geworfen.
„Dr. Heermann gibt das rechte Losungswort," sagte sie und nahm den Teller, den sie zwei Damen entgegenhielt, die mit ihr gekommen waren; diese zögerten nicht, ihrem Beispiele zu folgen. „Dem Sänger werde Gold gespendet von den Älten und Reichen und Achtung von der Jugend," schloß die Dame mit ihrer fonoren' Stimme.
Die Studenten waren schleunigst zurückgewichen. Die Sprecherin war allen bekannt als die Gattin eines beliebten Bonner Professors, welche in ihrer Jugend Sängerin gewesen war und jetzt in ihrem gastlichen
natürlich den Ausschluß der großen Städte aus den Alterszulagekassen aufs entschiedenste verworfen.
Gleichwohl haben diplomatische Parteien des Abgeordnetenhauses unter Führung der Nationalliberalen den Bestrebungen der meist „liberalen" Verwaltungen der großen Städte am Montag im Abgeordnetenhause zum Siege zu verhelfen gesucht. Das ist die vielgerühmte „liberale Lehrerfreundlichkeit!" Es scheint fast, als ob die Nationalliberalen und Freisinnigen das grelle Streiflicht, das dieses ihr Bemühen auf den Ernst ihrer lehrersreundlichen Phrasen werfen mußte, verdunkeln wollten, als sie bei § 2 die Erhöhung des Mindest- Grundgehaltes forderten. Diese „Lehrerfreundlichkeit" war ja so billig! Denn es war ja bekannt, daß die Regierung sich auf solche Forderungen — die an sich ja gewiß berechtigt waren — nicht einlassen und lieber das ganze Gesetz scheitern, als eine Erhöhung des Mindestgehalts zugestehen wollte. Das Centrum, das grundsätzlich auch für ein höheres Grundgehalt ist, hat doch, angesichts der Aussichtslosigkeit darauf hinzielender Bestrebungen, für jetzt darauf verzichtet, und praktischer Weise lieber dafür gesorgt, daß an anderen Stellen möglichst viel für die Lehrer herausgeschlagen wurde. Bezüglich der Höhe der Alterszulagen ist das ja auch in erfreulichem Maße gelungen. Mehr oder doch End? giltiges läßt sich im engen Rahmen eines Besoldungsgesetzes überhaupt nicht erzielen. Dazu bedars es eines allgemeinen Volksschulgesetzes.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Januar.
* lieber die Krgevniffe der zweijährigen IienstzeiL wird gegenwärtig von den Truppen- theilen an die Generalkommandos Bericht erstattet, die eingegangenen Berichte sodann an das Kriegsministerium nach Berlin gesandt, wo das Material geordnet und zu einer Statistik verarbeitet wird, die in Form einer Denkschrift dem Reichstage vorgelegt werden soll.
> In der Südafrikanischen Ikepukkik ist das Reich bisher allein durch das Konsulat in Pretoria vertreten gewesen. Die große Zahl der in der Republik ansässigen Deutschen und die fortschreitende Entwicklung unserer Handelsbeziehungen mit dem Transvaal hat, wie die ,N. A. Ztg/ erfährt, die Errichtung eines zweiten Konsularamts in Johannesburg nothwendig gemacht, dessen Leitung den von den dortigen Deutschen wiederholt kundgegebenen Wünschen entsprechend einem" Berufsbeamten übertragen werden soll. Mit der Einrichtung und kommissarischen Verwaltung des neuen Konsulats ist der bisherige Vizekonsul in Paris, Nels, beauftragt worden, der durch eine mehrjährige amtliche Tätigkeit in dem südafrikanischen Schutzgebiet und eine wiederholte längere Beschäftigung in der Kolonial- abtheilung des Auswärtigen Amts mit den südafrikanischen Verhältnissen vertraut ist.
Hause oft Musikfreunde versammelte, auch der akademischen Jugend gern schöne Feste bereitete und freundlich für sie eintrat.
Im Augenblicke war die kampflustige Stimmung der Studenten zu einer friedlichen umgeschlagen.
,Vivat die Kunst! Vivat Frau Professorin Führer ! Vivat alle schönen deutschen Mädchen und edlen Frauen!" schallte es aus den Reihen der jungen Leute. Sie entfernten sich dabei von dem Tische, wo die Goldstücke im Teller blinkten, sammelten sich aber auf den Stufen der Terrasse, wo sie aus einen Wink der allverehrten Dame das schöne Lied anstimmten:
„In allen guten Stunden, Bewegt von Lieb' und Wein."
Als die Strophen zu Ende gesungen waren, zogen sich die Studenten zurück mit dem angenehmen Ge- sühle, doch noch anständig aus einer schwierig gewordenen Lage herausgekommen zu fein. Sie grüßten und schwenkten die Mützen, während sie nach dem Ausgange gegen Honnef zogen und auf dieser Seite den Berg verließen.
IV.
Durch den Abzug der Studenten wurde der Ausblick nach der Linde wieder frei; sogleich flog Ottiliens Blick hinüber. Gottlob, der ganze Tisch war leer.