Montag, den 11. Januar 1897
24. Jahrgang
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mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen".
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Die Besoldungsaufbesserung der Beamten
wird in einer umfangreichen Denkschrift zum Etat des Finanzministeriums näher erläutert. Bei der Aufstellung des Besoldungsplanes ist man davon ausgegangen, daß die Beamten ihre und ihrer Familien gesicherte Stellung, sowie die Ehren des Amtes mit einrechnen müssen auf die Bemessung ihrer Einnahmen, und daß sie dasjenige Gehalt beziehen sollen, das zum standesgemäßen Leben erforderlich ist und eine angemessene Unterhaltung der Familie und Ausbildung der Kinder gestattet. Ueber diese Grenze hinauszugehen erschien unzulässig.
Demgemäß sind mit wenigen Ausnahmen alle Beamte mit 12,000 Mk. und mehr Gehalt von der Erhöhung ausgeschlossen, andererseits sind Erhöhungen über 12 000 Mk. Jahresgehalt hinaus nichtvorgenommen. Die Ausnahmen sind gemacht bei den Unterstaatssekretären, den Unterstaatssekretären im Reichsdienst (20,000 Mk.) und den gesandtschaftlichen Beamten des auswärtigen Ministeriums, die den gleichartigen Beamten des Auswärtigen Amtes gleichgestellt werden sollen. Ferner sollen die Oberpräsidenten zu 3000 Mk. und der Chespräsident der Oberrechnungskammer sowie der Präsident des evangelischen Ober- kirchenrathes je 2000 Mk. nicht pensionsfähige Repräsentationszulage erhalten. Für einzelne Beamtenkategorien stellt sich die Neuordnung wie folgt:
Die Regierungspräsidenten erhalten Repräsentationskosten von durchschnittlich 2000 Mk. in Abstufungen von 1000 Mk., 2000 Mk. und 3000 Mk. Das Gehalt der Regierungspräsidenten (bisher 11,100 Mk., in Stralsund, Osnabrück, Aurich und Sigmaringen 9,300 Mk.) wird auf 12,000 Mk. erhöht. Ferner sollen erhalten: Oberpräsidialräthe (bisher 7,500 Mk.) und Räthe bei dem Oberlandes-Kulturgericht (bisher 6000 bis 7800 Mk.) ein aufsteigendes Gehalt von 7500 bis 9300 Mk.; die Polizeipräsidenten bezw. Polizeidirektoren (bisher 6 je 6000 Mk., 7 je 5900 Mk.), ein solches von 6000 bis 8000 Mk.; Land- und Amtsrichter (bisher Mindestgehalt 2400, Höchstgehalt 6000 Mk.), Staatsanwälte bei den Oberlandesgerichten und Landgerichten 3000 bis 6300 Mk. (beide Kategorien sollen nun nach einem besonderen Gesetze eine Besoldungsgemeinschaft für die ganze Monarchie bilden); Oberlandesgerichtsräthe und ihnen gleichstehende Beamte (bisher 4800 bis 6600 Mk.) 5400 bis 7200 Mk. (für die Regierungsräthe soll aber das Mindestgehalt von 4200 Mk. beibehalten werden); Senatspräsidenten bei den Oberlandesgerichten, Oberstaatsanwälte, Landgerichtspräsidenten u. s. ro. (bisher 7500 bis 9900 Mk.) 7500 bis 11,000 Mk.
Ordentliche Professoren in Berlin durchschnittlich (jetzt 6000 Mk.). 6500 Mk., an den übrigen Universitäten, in Münster und Braunsberg (jetzt 5100 Mk., 4800 und 4000 Mk.) 5500 Mk.; außerordentliche Professoren Äie Hälfte, Professoren an den technischen
Rheingold.
Novelle von Cary Groß.
6s ------ (Nachdruck verboten.)
An Stelle solcher, die fortgingen, kamen neue Zuhörer; unter Letzteren auch Bonner Korpsstudenten. Sie hatten eine Tour in die Berge gemacht und kamen etwas angeheitert, folglich zu Uebermuth geneigt, auf dem Drachenfels an, um dort zu rasten. Auf der tiefern Terrasse, just unterhalb des Standorts des Sängers, hatten sie Plätze eingenommen, ohne daß Ottilie es beachtete. Auch Goldmund sah sie erst, als er mit dem Sammelteller, über den ein Notenblatt gelegt war, die Runde an den Tisch machte.
_ „Alte Lerche, hat Dein lahmer Flügel Dich bis auf diese Höhe getragen, so begib Dich wieder in Dein Nest!" rief ihn einer der lautesten von den Ankömmlingen an. „Siehst Du nicht, daß Du überflüssig bist, jetzt wo eine ganze Schaar hier eingefallen ist und nach ihren eigenen Schnäbeln singen und flöten wird?"
Beschämt und unmuthig wandte sich der alte Sänger von dem ausgelassenen Burschen hinweg. Während er sich einen Weg durch das Stuhllabyrinth bahnte, flüsterte ein Kellner einem der Studenten
Hochschulen in Hannover und Aachen 5500 Mk., Lehrer an den thierärztlichen Hochschulen in Berlin und Hannover (3450—5100 Mk.) 4000—6000 Mk.; Professoren an der landwirthschaftlichen Akademie in Poppelsdorf, Dozenten an Forstakademien in Eberswalde und Minden und an der Bauakademie in Clausthal 3800 bis 6600 Mk.; Direktoren an Gymnasien 2c. in Städten mit mehr als 50,000 Einwohner (5100-6000 Mk.) 5100 Mk. — 7200 Mk., in Städten mit weniger als 50,000 Einwohner 4800— 6900 Mk.; Leiter an Progymnafien, Realfchulen rc. in Städten mit weniger als 50,000 Einwohner 4500— 6000 Mk.; Seminardirektoren in den Provinzen 4000—6000 Mk.; ordentliche Lehrer an den Seminarien in den Provinzen 2100 Mk. — 3800 Mk.; Vorsteher und erste Lehrer an den Präparandenanstalten dasselbe.
Landräthe (3600—4800 M.) 3600 -6600 M.; Vorstände der Rechnungsbureaus bei der Eisenbahnverwaltung (4200—4800 M.)'4200—6000 M.; Ge- fängniß- und Strafanstalts-Direktoren 3600—6000 Mark; Oberförster (2400—4500 M.) 2700—5700 Mark; Provinzialschulräthe (5400—6000 M.) 5700 bis 7500 M.; Vorsteher der Provinzialstaatsarchive 4800—7200 M.; Direktoren der Universitätsbibliotheken 4800—7200 M.; Oberforstmeister und Regierungsund Forsträthe, Vorsitzende von Einkommensteuer- Veranlagungskommissionen und Gewerbesteuerausschüssen, Mitglieder der Provinzialsteuerdirektionen, Mitglieder der Bergwerksdirektion in Saarbrücken, Direktoren 1. Klasse bei den Bergwerken und den Hütten- und Salzwerken, Oberärzte 4200—7200 M.; Mitglieder der Eisenbahndirektionen, Oberkonsistorial- räthe inHannover, Konsistorialräthe, Justitiare und Ver- waltungsräthe bei den übrigen Konsistorien, Ver- waltungsräthe und Justitiare bei den Proviuzialschul- kollegien, Regierungsräthe, Regierungsmedizinalräthe, Räthe bei den Generalkommissionen 4200— 7200 M.; Katasterinspektoren, Oberzoll- und Obersteuerinspektoren, Vermessungsinspektoren bei den Generalkommissionen 4200—6600 M.; Bergrevierbeamte und Vorstände der Betriebsmaschinen rc. in der Eisenbahnverwaltung, sowie des Abnahmeamts zu Essen a. d. Ruhr 3600 his 6300 M.; Vorstände von Rechnungsbureaus der Eisenbahnverwaltung 4200—6000 M.
Lehrer an den staatlichen Baugewerksschulen und Maschinenbauschulen 300—700 M.; Rendanten der Hauptklassen der Eisenbahnverwaltung und der Regierungshauptklassen 4800—5400 M.; Bureauvorsteher für das Rechnungswesen bei den Provinzialsteuerdirektionen, Provinzialrentmeister im Ressort des Finanzministeriums, Rechnungsrevisoren bei den Oberlandesgerichten 4200—5400 M.; Hauptzoll- und Hauptsteueramtsrendanten; Oberbergamtsmarkscheider 3000—5000 M. ; Rentmeister im Ressort der Verwaltung der direkten Steuern 3000—4500 M., Stationskassenrendanten, Stationsvorsteher ersterKlaffe, Geistliche bei Strafanstalten 2400—4200 M.; technische etwas ins Ohr. Dieser sprang rasch aus einen Stuhl, um die obere Terrasse besser zu übersehen.
„Tausend und eins, die ist freilich schön!" rief er laut und winkte den Kameraden, seinem Beispiele zu folgen. „Der schönen Tochter zu lieb mag der Alte sammeln. Wir lassen der Jungen für ihre Prachtaugen einen Salamander steigen. Wollt Ihr?"
„Einverstanden!" schrieen belustigt die Andern, die gleichfalls aus die Stühle gestiegen waren und neugierig nach Ottilien blickten.
„Meinetwegen kannst Du singen, Alter, Deine abgedroschenen Rheinlieder oder was Du willst," rief der erste. Sprecher, dem die Uebrigen zustimmten, „aber Dein holdselig Töchterlein muß auch singen; dafür erhältst Du einen blanken Thaler. Hier ist er schon bereit! Geh' und laß sie anfangen."
In dem alten Sänger erwachte bei den rohen Scherzen das künstlerische Würdegefühl früherer Tage. Zugleich regte sich in ihm das Bewußtsein, daß er ritterlich einzutreten habe für das Mädchen, das sich unter seinem Schutze befand, ob sie seine Tochter war oder nicht. Er verwechselte ohnehin, seit ihm der Erfolg und ein paar Gläser Wein zu Kopf gestiegen waren, fortwährend die Personen beider Mädchen.
„Wer hier singen soll, darüber entscheidet doch wohl der Direktor des Etablissements, der mich be-
Eisenbahnsekretäre, Werkstättenvorsteher, Landmesser 2100—4200 M.; Polizeidistriktskommissare in der Provinz Posen, Vermessungsbeamte bei den General- kommissionen 2400—4500 M.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Januar.
* Wie das ,Leipz. Tagebl/ meldet, ist an Stelle des am 1. Februar in Ruhestand tretenden Reichsgerichtsraths Streich der Oberlandesgerichtsrath Meier in Stuttgart berufen worden. Herr Streich ist katholisch, über die Konfession seines Nachfolgers ist uns nichts bekannt.
* Der Abg. Seer (natl.) beging am Samstag seinen 80. Geburtstag und empfing dazu ein Glückwunschtelegramm der nationalliberalen Abgeordnetenhaus-Fraktion, der er seit 1882 für Schub in-Jno- wrazlav angehört.
* Die KeitHskornrnisfio» für Aröeiterstatistik hat am Samstag ihre Berathungen über die Ergebnisse der Erhebungen betreffend die Verhältnisse in der Kleider- und Wäschekonfektion begonnen.
* Die gesetzliche neue Organisation der Börse und das Verbot des Terminhandels in Getreide ist von den Börsianern bekanntlich mit einem Streik beantwortet worden. Es ist etwas Seltsames, dieser Streik der Kommerzienräthe; denn diesen Titel führen viele von den Besuchern der Produktenbörsen, die bekanntlich beschlossen haben, fortan an der Börse keine Getreidegeschäfte mehr abzuschließen. Mit dem neuen Börsengesetze hätte man sich am Ende noch ausgesöhnt, wenn auch ungern; haben doch viele Mitglieder der Effektenbörse ihre Firmen in das Börsenregister eintragen lassen und noch weit mehr werden folgen. 9hm hat eine ministerielle Verordnung für Preußen bestimmt, daß zu der Kommission, welche die Preisnotirnngen für Getreide aufzuzeichnen hat, auch einige Land- wirthe und Müller gehören sollen. Und das wollen die Herren von der Getreidebörse nicht, dadurch fühlen sie sich in ihrer Ehre gekränkt und deshalb der Streik, der besonders in Berlin und Stettin hartnäckig geführt wird. In Berlin haben die Großhändler in Getreide (meistens Juden) in dem dem Börsengebäude gegenüber liegenden Feenpalaste eine freie Vereinigung zur Abwickelung ihrer Geschäfte gegründet. Die ganze Presse vom Kaliber des Herl. Tagebl/ führt ihrem Leserkreise in schreckhaften Ausführungen zu Gemüthe, wie noch der Ruin des deutschen Volkes bevorstehe, wenn die Regierung es weiter geschehen lasse, daß die Börsianer zur Unthätigkeit verurtheilt bleiben. Man kann sich an seinen fünf Fingern abzählen, daß diese Klagerufe nicht erschallen würden, wenn die Getreidejobber in ihrem Feenpalaste ein Elysium gefunden hätten. Wenn diese dort ihr großartiges Geschäft machten, würden sie erklären: „Wir pfeifen was auf die Börse, ohne diese werden wir besser oder ebenso
rufen hat," sagte er mit einer Geberde voll Stolz, das Geldstück zurückweisend. „Meine Tochter braucht hier nicht zu singen. Sie ist für's Kloster bestimmt und nicht für's Wirthshaus."
„Für's Kloster? Hört! — Der alte Narr? — Ist hier oben ein Kloster? — Ist sie von Nonnenwerth drunten heraufgeflogen? — Ein schöner Vogel ist sie allerdings. Wäre schade für sie, im Kloster zu bleiben. — Wer will Ritter von Toggeuburg sein?"
So schwirrten Gelächter und lustige Reden durcheinander, spottend blickten die jungen Leute dem Alten nach, der, sich in die Brust werfend, langsam nach seinem Platze zurückkehrte.
Ottilie hatte nichts von diesem Vorgänge bemerkt. Ihre Aufmerksamkeit war nach einer andern Seite gelenkt worden. Sie hatte dort den Namen der Frau Räthin Rehwald nennen hören, und zwar von Herren, die ganz in der Nähe einen Tisch aufsuchten. Ihr däuchte zu hören, daß sie dieser Ostseite der Terrasse den Vorzug gaben, weil die Räthin am andern Ende saß. Sie hatten also das gleiche Interesse wie Ottilie selber; drohte hier die Gefahr mit Bekannten zusammenzutreffen ?
Sie faßte die Ankömmlinge in's Auge. Beide waren ihr unbekannt. Der Jüngere, der noch nicht gesprochen hatte, mochte im Anfänge der Dreißig sein.