24. Jahrgang
Samstag, den 9, Januar 1897.
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t s ohne Brinqerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark öO Pfennig, en di- Petitzeile 25 bei Wiederholungen entsprecdender Rabatt.
die Räthin heute nur Kaffee bestellte und nichts von einer Bowle verlautete, vielmehr einschärfte, die Pferde sollten gut gefüttert werden, um zu baldiger Weiterfahrt bereit "zu sein. — Indessen hatte der Drachenfelssänger schon mehrere Lieder gesungen, die laut beklatscht wurden. Goldmund fühlte sich beglückt und gehoben. Erinnerungen an einstige Triumphe belebten sich in dem verborgenen Herzenswinkel, wo sie oleich welken Lorbeerkränzen, aufgespeichert ruhten. Stolzer erhob der Alte das lockenumwehte Haupt. Daß der Klang seiner Stimme zurückgekehrt war, wagte er sich nicht einzureden; aber er nahm an, daß seine Schule und sein Vortrag, von der guten Begleitung seiner angeblichen Tochter unterstützt, heute zur Geltung kamen. Hatte er doch alle Feinheiten der Kompositionen beobachtet und dort, wo keine vorhanden waren, sie hineingelegt. Er hatte das „O Rhein, mein Rhein, mein schöner Rheins mit rührender Innigkeit gesungen und voll Enthusiasmus die verwitterten Reste des Drachenfels als größte Rheinherrlichkeit gepriesen. Goldmund suhlte sich also berechtigt, Beifall anzuneymen und dachte mcht entfernt daran, daß er ihn dem schönen Mädchen neben ihm verdanke. ,
Die hübsche Lautenschlägerin tyat aoer auch gar nicht dergleichen, als habe sie den mindesten Theil an des Sängers Erfolgen. In sich gekehrt, sprachlos.
Bei den staatlichen Betriebsverwaltungen ist im O r d i n a r i u m ein Mehrüberschuß von 54 589 423 Mark veranschlagt, welcher sich aus 54 861 998 Mark Mehrüberschüssen und 272 575 Minderüberschüssen zusammensetzt. Von den Mehrüberschüssen entfallen 43 419 001 Mark auf die Eisenbahnverwaltung, deren Einnahmen um 88 928 314 Mark höher veranschlagt sind, insbesondere um 25 384 000 Mark bei dem Personen- und 55 505 000 Mark bei dem Güterverkehr, während an dauernden Ausgaben 45 509 313 Mark mehr angesetzt sind. Ein Mehrüberschuß von 4 025 900 Mark ist bei der Verwaltung der indirekten Steuern veranschlagt, indem namentlich an Stempelsteuer ein Mehr von 3 Millionen Mark und an Vergütung für die Erhebung der Reichssteuern ein Mehr von 995 790 Mark erwartet wird. Bei der Verwaltung der direkten Steuern ist ein Mehrüberschuß von 3 521 100 Mark angenommen, wovon 3 Millionen Mark auf die Einkommensteuer entfallen. Bei der Verwaltung der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Ang elegenheiten sind Mehrausgaben von insgesammt 8 054 510 Mark veranschlagt. Es sind namentlich mehr vorgesehen für die Universitäten 146 813 Mark, für die höheren Lehranstalten 226 587 Mark, für das Elementar-Unterrichtswesen 7 522 809 Mark, darunter 5 312 000 Mark zur Durchführung des dem Landtage vorgelegten Gesetzes, betreffend das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Volksschulen, 850 000 Mark bei dem Fonds zur allgemeinen Erleichterung der Volksschullasten und 250 000 Mark zu Pensionen für Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Volksschulen, 300 000 Mark zu Beihilfen für Kreiskorfferenzen der Elementarlehrer und 400 000 Mark für Schulbauten; für Kunst und Wissenschaft 77 792 Mark.
* Das in der Berufungsinstanz ergangene Urtheil gegen den ZÜeichspok-Iiskus, wonach dieser nicht berechtigt sein soll, ohne Zustimmung der Stadtgemeinde Breslau Drähte der Telegraphen-.oder Telephonleitung über städtische Straßen zu ziehen, ist mit Rücksicht aus die grundsätzliche Bedeutung dieser Frage für die von der Reichstelegrwchen-Verwaltung wahrzunehmenden Verkehrs - Interesse,, nicht nur in der Revision angefochten worden, sondern man hat auch befunden, daß es sich hierbei im Wesentlichen um die Entscheidung der Frage handelt, welchen öffentlichen Zwecken öffentliche Wege und Straßen ihrer Zweckbestimmung nach zu dienen haben und daß die Entscheidung hierüber allein auf dem Gebiete des öffentlichen Rechtes liegt, mithin der Zuständigkeit des Civilrichters sich entzieht. Die Reichspostver- waltuug hat auf Grund dieser Rechtsanschauung die nöthigen Schritte gethan, um unbeschadet der angeregten Revision auch die Erhebung des Kompetenz- Konfliktes herbeizuführen.
* Vor einiger Zeit wurde em Rundschreiben des Vorsitzenden einer Kinkommengeuer-BerKN-
III.
Der Wirtbschaftspächter vom Drachensels musterte zufrieden die Anzahl seiner Gäste, die schon in früher Rachmittagsstunde Bergbahn und Wägen herausbefördert halten und die besten Tische auf den geräumigen Terrassen besetzt hielten. Die bald in noch größerer Menge erwarteten Fußgänger würden sicherlich alle übrigen Plätze einnehmen. Dabei wunderte er sich, daß die bei ihm hoch angesehene, gastfreie Gräfin Rehwald mit ihrer Gesellfchast sich am äußersten Rande der obern Terrasse an einem Tische niedergelassen hatte, der meist wegen Zugluft und Sonne gemieden war, den vom Wirth ihr bewahrten Platz verschmähend, den sie doch sonst vorzog, wo sie zugleich Sck alten, Aussicht und die Lieder des Burgsängers hätte genießen können. Ja, sie hatte ^verdrießlich und verwirrt ausgesehen, als der geschäftige Wirth ihr zuraunte, es debütire heute ein berühmter Ntusiker, der von einer bildhübschen Tochter begleitet werde, die vermuthlich auch ein Lied zum Besten gebe. . m
Der Alte hatte bereits für feinen ersten Vor- jrag großen-Beifall geerntet. Sonderbar war, daß
Weingow.
Novelle von Cary Groß.
------ (Nachdruck verboten.)
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Januar.
* Die Kavr »elsordre gegen das DueMren der Offiziere erscheint auch dem,Neichsb oteil' nicht ausreichend, um das Duell zu beseitigen. In gewissen Fällen ließe die Verordnung über die Ehrengerichte das Duell zu. Damit setze der König, in dessen Namen doch überall Recht gesprochen wird, sich selbst in Widerspruch mit dem Recht des Landes, welches das Duell verbietet. Gerade die Kabinets- ordre stelle die Unhaltbarkeit des jetzigen Zustandes dar. Diese Unhaltbarkeit dränge mit logischer Nothwendigkeit dazu, das Duell ganz zu verbieten und Ehrengerichte mit Strafgewalt, unter die auch der Ehebruch fallen muß, einzurichten. Auf diese Weise könnte die Sache auch für bürgerliche Kreise erledigt werden. Alle anderen einschränkenden Bestimmungen werden nicht im Stande sein, das Duell zu beseitigen; eine Zeit lang wirken sie, aber dann wird das Uebel ärger als zuvor.
* Der Reichstag wird der,Post' zufolge gleich zu Beginn seiner Berathungen in scharfe Erörterungen eintreten. Schon wird gemeldet, daß die Frage der Grenzsperre für Vieh zum Gegenstand der Erörterung gemacht werden soll, obwohl hierüber mit Rußland Verhandlungen schweben, und ebenso sicher ist, daßderStreik der preußischen Produktenbörsen und auch das Börsengesetz und seine Durchführung zum Gegenstand der Erörterung gemacht werden wird. Es wird dann auch voraussichtlich in kurzer Zeit die in der Presse vielumstrittene Frage, ob und gegebenenfalls auf welchem Wege nach Lage des geltenden Rechts gegen die freien Vereinigungen der Getreidehändler und deren Versamnrlungen eingeschritten werden kann, von zuständiger Stelle beantwortet werden. '
* Der preußische SlaalsHaushaklselat ist dem Abgeordnetenhause heute zugegangen. Die Germania' gibt daraus folgende Stellen wieder: Einnahmen und Ausgaben.bilanciren mit 2 046 031 385 Mark. Die Ausgaben im Ordinarium betragen 1 955 855 029 Mark, im Ertraordinarium 90 176 356 Mark. Gegenüber den Veranschlagungen für das laufende Etatsjahr zeigt, wenn die zur Balancirung des letzteren angesetzte außerordentliche Einnahme von 14 285 612 Mark außer Betracht bleibt, die für 1897/98 angefetzte Einnahme em Ptehr von 119 660 078 Mark, die Ausgabe ein Mehr von 105 374 466 Mark, wovon auf das Ordinarium 95 094 688 Mark, auf das Ertraordinarium 10 279 778 Mark entfallen.
kaguugs-Kommiskou erwähnt, wonach die Fabrik- Herren ohne gesetzlichen Anhalt aufgefordert wurden, die Gehalts- und Einkommensteuerverhältnisse ihrer Angestellten und Meister den Steuerorganen anzugeben. Die ,Köln. Ztg.' theilt hierzu einige weitere Fälle von einem merkwürdigen Vorgehen der Veranlagungskommissionen mit, dessen Anregung auf eine höhere Stelle zurückzuführen sein dürfte. So hat der Vorsitzende einer Veranlagungs- Kommission an Kaufleute und Fabrikanten seines Bezirks das Ersuchen gerichtet, der einzureichenden Einkommensteuererklärung die Bilanzen der drei letzten Jahre beizufügen; ein anderer bittet die Direktion einer angesehenen Aktiengesellschaft um Beantwortung der Frage, wie viel Tantiemenantheil jeder der Direktoren und jeder der Anfsichtsräthe erhalten habe. — Vergegenwärtigt man sich, daß die Steuererklärungen „nach bestem Wissen und Gewissen" abzugeben sind, so wird man in diesen Aufforderungen verschiedener Steuerorgane allerdings eine sehr tadelns- werthe Nichtachtung des Ehrenwortes angesehener Berufskreise erblicken müssen. Die ,Köln. Ztg.' hat ganz recht, wenn sie sagt, daß man entweder die mit der ausdrücklichen Versicherung der Abgabe nach bestem Wissen und Gewissen gemachte Selbsteinschätzung als richtig und maßgebend anerkennen oder aber es rote früher der besseren Einsicht und Weisheit der Steuerbehörden überlassen möge, die Wahrheit über das Einkommen der einzelnen Bürger selbstständig zu ermitteln; dann möge man diese Bürger aber nicht an ihrer empfindlichsten Seite kränken, an ihrer eigenen Glaubwürdigkeit und Ehrenhaftigkeit, indem man ihnen Erklärungen nach bestem Wissen und Gewissen abverlangt/ die man von vornherein als nicht genügend glaubwürdig zu bebandelu gewillt ist. Der steuerzahlende achtbare Bürger kann beanspruchen, daß er auch von den Behörden sich nicht Anzweiflungen gefallen zu lassen braucht, die er bei jedem Privatmann mit berechtigter Entrüstung zurückweisen würde.
mit Nnterhallnngs-Kriiage „StsrnrimÄ Ktumm»'
Ausland.
* Ravis, 8. Jan. In Folge einer gestern vorder spanischen Botschaft stattgehabten Kundgebung sollen acht spanische bezw. italienische Anarchisten, welche als Verbreiter anarchistischer Ideen und Anstifter von Ordnungsstörungen in einer Versammlung festgestellt wurden, a u s g e w i e f e n werden. Die Re- ■ gierung ist entschlossen, alle Anarchisten auszuwelsen, welche aufrührerische Handlungen begehen.
* Madrid, 8. Jan. Auf den Philipprnen- inseln führen die Spanier ein wahres Schreckensregiment. Einer amtlichen Depesche aus Manila zufolge sind am Montag weitere dreizehnPersonen, welche dort der Verschwörung angeklagt waren, erschossen worden. Mit solchen drakonischen Maßregeln glaubtder^Genera^^Polaviej^dei^lufstan^unter- verschüchtert saß sie da, wie die wirkliche Felieie es nicht mehr hätte sein können; Wangen und Stirn waren mit Roth überflogen, das nicht aus Beschämung, sondern von Zorn über Verletzung ihres Zartgefühles hervorgerufen worden war. Sie suchte zu verbergen, wie ihr zu Muth war, und sie hatte deshalb das abscheuliche Hütchen tief in die Stirne gedrückt, das sie erst aufsetzte, als Vorübergehende ihre Goldhaare und ihre dunklen Augen laut bewunderten. Leider wirkte das Hütchen mit seinen Flitterrosen erst recht wie das Aushängeschild einer echten Bänkelsängerin, so daß Schmeichelworte immer zudringlicher um Ottilie laut wurden. „ ,
Gar bald schon, nachdem pe ihren Platz neben Goldmunds Notenpult am Sängertische der obern Terrasse eingenommen hatte, war ihr das Bedenkliche ihres Unterfangens klar geworden. Ihr Muth sank und mit ihm die frohe Laune. Sie hatte nicht geahnt, daß man ihr je — in ganz anderer Weise nahen werde, als zu Haus bei ihrem Vater, der pe zwar vergötterte, aber sorglich schützte. Dort wurde zwar auch ihrer Schönheit gehuldigt, aber zart und vorsichtig. Man wußte ja, daß sie ebenso roemg beanspruchte, dieses nur äußern Vorzugs wegen aufge;ucht zu werden, wie um ihrer Glücksgüter willen.
Mit einem Schlage sah sie sich nun in eine ganj andere Welt versetzt. In der über Erwarten zaht-
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