24, Jahrgang
Freitag, den 8 Januar 1897
mit Unterhaltmigs-Kettage „Sterne und Hiumen".
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Hagelschlag und Brand; und den hageren Herrn Kas- sirer! Es bekommt ihm kein Schlaf und keine Speise. Er trägt Dein Risiko. Vielleicht brennt er noch durch nach Kairo, um dieses Risiko dort los zu werden und Schlaf und Appetit zu bekommen; Du aber bist sorgenfrei. Ein sorgenfreier Geist ist erftnderisch. Werfe Dich auf Erfindungen. Könntest Du z. B. nicht den Flugapparat Lilienthals so verbessern, daß Du noch aus dem Fenster davonfliegen kannst, wenn der Gerichtsvollzieher an Deine Thür klopft?
Aber es war Wahnsinn; die Schmerzen ließen zwar nach, aber die Geschwulst sinkt nicht ein."
Längst hatte Ottilie Felicies freien Arm in den ihren gezogen und stützte des Mägdleins Schritte, während sie den Weg forlsetzten und Vater Goldmund die traurige Geschichte erzählte. Das ging lange her, denn der Sänger siel dabei in alle Rollen, die' er je gespielt hatte, und deklamirte sie mit Pathos. Aber Ottilie kannte ihn und hörte aus dem Wortschwall doch seinen aufrichtigen Schmerz heraus. Felicie dagegen wurde von ihrem mitleidigen Herzen auch ohne Worte verstanden, so daß sie lebhaft mit dem geängstigten scheuen Vögelchen fühlte, dem es vor dem Fluge in die Welt bangte, in die es dem Vater folgen sollte.
Verwundert sah Miß Rich, die an den Tannen Ottiliens harrte, die drei herankommen. Sie mußte sich für den Rest des Weges anschließen und sich mit den Aufklärungen begnügen, die ihr Werner Goldmund in einem zwar fließenden, aber nichts weniger als landläufigen Englisch ertheitte. Er ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, zu zeigen, daß er die Sprache Shakespeäre's und Shelley's beherrschte, er, der in der romantischen Oper „Paradies und Peri" die Worte im englischen Urtext gesungen hatte!
Goldmund's Name war der Miß nicht unbekannt.
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welche die Versicherung gegen Hagel als eine Wohl- that ftir den Bauer betrachten, müßten die Beaniten der Versicherungsgesellschaften auf diesen Mangel an Konsequenz aufmerksam machen und die Bauern ausfordern, auch bei den zukünftigen Versicherungsgesellschaften gegen Verwintern, Frost zur Blüthezeit, Dürre im Sonlmer und Nässe zur Erntezeit einzntreten und Prämien zu entrichten.
Hat nun der Bauer gegen Hagelschlag versichert, dann müßte er erst recht sich angelegen sein lassen, die Ernte: Körner und Stroh, Heu und Grummet gegen Feuersgefahr zu sichern; denn darin steckt ja die ganze Arbeit des Jahres und darüber, seine Arbeit, die der Kinder, Dienstboten und des Viehes, die Arbeit auf Acker und Wiese, darin steckt der Werth des Düngers, besonders des theueren Kunstdüngers. Wie schade, wenn die ganze Summe dieser sauren Arbeit vernichtet würde durch eine Feuersbrunst! Wie arm ständest Du da, noch ärmer als nach einem Hagelschlage, und gegen Hagel hast Du versichert! Sei konsequent und versichere sofort die Ernte bei der „Neronia" gegen Feuersgefahr! • Gegen eine weitere Prämie von jährlich 20 -30 Mark 10 Jahre hindurch kannst Du so lange ruhig schlafen. Mag das ganze Dorf abbrennen, die Versicherung schützt Dich und D ine Habe. Du schaust dem Brande zu, die Hände in den Hosentaschen und so sorglos wie Nero beim Brande Roms.
Doch nein! Du läufst, wohin? In den Stall. Dort steht Fritz und Fanny, zwei zugfeste Pferde und fromm und geduldig wie Lämmer. Dort steht Juno, die gute Milchkuh, keine Simmenthaler, und Stelly, ihre Schwester, das muntere Rickchcn, und Kastor, der junge Tölpel und anderes Hornvieh mehr, im Ganzen "16—20 Stück. Gewiß, die mußt Du retten; sie sind Dir an's Herz gewachsen, aber Du mußt sie auch - versichern. Sie können nicht bloß verbrennen, sie können auch krank werden und verenden. Versichert die Pferde 10 Jahre lang bei der Gefell- schaft „Arabia" und das Hornvieh bei der „Bukolika" und bezahle weiter jährlich 30—40 Mark.
Mein Freund! Wir leben im Jahrhundert der Versicherungen. Du zahlst zur Unfallversicherung, Krankenversicherung, Jnvaliditäts- und Altersversicherung, trete ein bei der Hagelversicherung, Verwinte- rungs-. Dürr- und Näsfeversicherung; klopfe an bei „Neronia", „Arabia" und „Bukottka", und Du hast Nachts kein Alpdrücken mehr. Du rümpfst die "Nase, die Zornesader schwillt? Freund! Sei nicht undankbar. Hast Du mit diesen Versicherungen noch nicht genug? O, es lassen sich noch mehr auftreiben. Aber Freund! Man darf nicht den Himmel auf Erden haben; sei zufrieden mit dem Paradies. Nasche nicht an allen Bäumen des Paradieses. Du könntest sonst aus dem Paradiese verjagt werden. Welche Sorgen drücken Dich denn noch? Hast Du nicht alle L-orgen auf die Versicherungs-Gesellschaft abgeworfen? Siehe den dicken Herrn Direktor! Der schwitzt für Dich bei
(•) Soll der Bauer versichern?
Zu dieser Frage wird uns von geschätzter Seite vom Lande geschrieben: Diese Frage wird von solchen, die außerhalb des Bauernstandes stehen, entschieden bejaht. In Blättern, manchmal sogar in amtlichen, wird der Bauer zur Versicherung z. B. von Getreide und Futter mit der Drohung aufgefordert, daß chm bei Vernichtung von Körnern, Stroh und Futter durch Feuer die Inanspruchnahme der öffent- Wohllhätigkeit versagt bleibe, wenn er nicht versichert habe. Diese nachdrückliche Aufforderung verfängt noch hie und da, und der Eine versichert gegen "Hagel, der Andere gegen Feuerschäden, das Gros des "Bauernstandes aber bleibt gegenüber allen Anpreisungen der Versicherung kalt, wie der Brunnen- lrog um Hl. 3 Könige.
Vielleicht hat das Gros Recht. Nehmen wir den Fall: Es versichert ein Bauer gegen Hagel, und bezahlt eine Prämie von 30—40 Mark. Das ist für den Bauer schon eine bedeutende Summe; um 40 Mark zu verdienen, muß er sich ganz anders plagen, als z. B. ein Trichinenbeschauer, ein Kontroleur von Klebekarten und als ein Beamter der Versiche- runasgeseLschaft. Mit Anzahlung der 1. Prämie aber hat er die Verpflichtung eingegangen, für weitere 7—10 Jahre jährlich denselben Betrag zu zahlen. Damit wird die Summe immer schöner. „Ärer dafür hat er auch die Versicherung gegen Hagel und schaut sorglos mit dem Pfeifchen dem dräuenden Gewitter entgegen." Vielleicht auch nicht! Denn es gibt auch noch anderes Unheil, das ein Gewitter an Personen, Vieh und Ernte anrichten kann; jedoch sehen wir davon ab. Und wenn er auch gegen Hagel versichert ist, so hat er die Ernte noch lange nicht im Trockenen. .
Es gibt noch andere Ursachen, die vielleicht ebenso häufig die Ernte in Frage stellen als Hagelschlag; als solche Ursachen nenne ich: Verwintern der Aussaat, Frost zur Blüthezeit, Dürre im Sommer, allzu große Nässe bei der Ernte. Wollen die Herren Versicherer das ängstliche Bäuerlein nicht auch gegen jede von diesen drohenden Gefahren schützen, und ihm nicht noch viermal 30—40 Mark Prämien jährlich absordern? Konsequent wäre das, aber die Herren gehen dieser Konsequenz aus dein Wege. Und Jene,
Rheingold.
Novelle von Cary Groß.
------ (Nachdruck verboten.)
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Januar.
* Der Sterbetag der Kaiserin Augußa, der Gemahlin Kaiser Wilhelms I., ist heute zum siebenten Male wiedergekehrt. Am Denkmal der verewigten Fürstin, das sich auf dem Opernplatz erhebt, sind bereits gestern in den Nachmittagsstunden Kranzspenden niederqelegt worden.
* Das Staatsminikerium trat gestern Nachmittag 2 Uhr in seinem Dienstgebäude am Leipziger Platz unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.
* Der Staatsminister Dr. v. Bötticher und der Justizminister Schönstedt feierten gestern ihren 64. Geburtstag, während der Staatssekretär des Reichspostamts Dr. v. Stephan heute (Donnerstag) sein 66. Lebensjahr vollendet.
* Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Irhr. v. Warschakk, der sich noch immer nicht von seiner jüngsten Erkrankung vollständig erholen kann, muß jetzt "der Köln. Ztg.' zufolge in den nächsten Tagen, sobald er reisefähig ist, auf dringenden Wunsch des Geheimeraths Prof. Dr. Gerhardt verlassen, um sich in der südlichen Schweiz ganz der Ruhe zu widmen. Er hofft, jedenfalls vor Ende des Monats völlig genesen zurückkehren zu können.
* In Anerkennung von Verdiensten um das neue bürgerliche Gesetzbuch hat die juristische Fakultät der Universität Tübingen den Centrumsabgeordneten undZVizepräsidenten des Reichstags, Kammergerichtsrath Spahn (Berlin), der seiner Zeit Präsident der Kommission für das neue Bürgerliche Gesetzbuch war, zum Ehrendoktor ernannt. Herr Spahn war vor 30 Jahren Student an der ihn jetzt in so hohem Maße ehrenden Hochschule.
f. Die freikonservative ,Post' will von verschiedenen Seiten übereinstimmend erfahren haben, daß das Abgeordnetenhaus am Freitag keine Be- fprechung der Gentrums-Inlerpetkationwegen Auslösung von Versammlungen in Oberschlesien, in denen polnisch gesprochen wurde, beschließen werde. Die Regierung wünsche nämlich, sich in eine Debatte über diese Frage jetzt nicht einzulassen. Die,Post' gibt zu verstehen, daß die Negierung jetzt einer „Polendebatte im großen Stile" aus dem Wege gehen wolle. Ob aber der Grund hierfür („s ch on aus dem Grunde," obgleich sie erst zu Ottilie gekommen war, als er Graz schon verlassen hatte. Sie hörte andächtig auf seine Deklamationen, war aber doch etwas beunruhigt durch die wachsende Vertraulichkeit zwischen den vorausschreitenden Mädchen. Wie würde sie sich und Ottilie von diesen aufftO.tden Begleitern wieder los machen können? Sie wünschte nicht mit ihnen von Frau Rehwald oder gar von Fräulein Hennig gesehen zu werden. Welcher Kritik würde Ottilie sich aussetzen — und siehe, dort oben, wo die Fahrstraße vom Oelberge herüber mündete, hielt ein Landauer! Die gute Frau Rehwald hatte den weiten Umweg gemacht, "um hier ihre treulosen Gäste zu erwarten.
Wie beschämend war solche Güte sür Ottilie oder vielmehr für die, der man sicherlich Mitschuld gab, daß Ottilie die Fußpartie unternommen hatte. Als ob irgend Jemand von Ottiliens Angehörigen je den Versuch gemacht hätte, des verwöhnten Lieblings Wünsche zu kreuzen! Hielten doch Alle die Meinung fest, daß Ottilie nie etwas wolle, was nicht gut sei. Im Grunde hatten sie Recht; dennoch war Miß Rich in Verlegenheit und überlegte ängstlich, was ste zu Ottiliens' Entschuldigung der Frau Räthin sagen könnte, deren Wagen die Vier nun schon auf hundert Schritte nahe gekommen waren.
_ . _ . , _ WFinwntmfMtaüreid olme Brinaerlohn und Bestellgeld in Fulda und aufwärts 1 Mar? 50 Pfennig.
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„Ein Geschick, ein Mißgeschick! erwiderte Goldmund. Das ist es ja, weshalb ich sie Jnfelicitas nenne, meine arme, kleine Licie, die wirklich ein gutes, nur zu schüch- tenies Kind ist. Sie hatte, trotz ihrer Schüchternheit, endlich doch eingewilligt, mich nicht mehr zu verlassen. Jetzt, da'ich die Pension nicht mehr bezahlen kann, war ihr Bleiben im Kloster ohnehin zu Ende. Sängerin kann sie nicht werden; ihre Stimme reicht dazu nicht aus; aber sie soll meine unsicher werdende Stimme, unterstützen mit der Guitarre. Heute liegt mir besonders viel daran. Von meinem Debüt auf dem Drachenfels hängt meine arme Zukunft ab. Licie kommt auch geduldig mit mir, schmückt sich sogar nach meinem Wunsche mit den Symbolen der Jugend und Poesie, den Rosen und dem Golde. Beim Aussteigen aus dem Kahne, der uns über den Rhein trug, gleitet sie aus, fällt, stützt sich dabei auf die Hand und hat sie verrenkt, verdehnt, oder gar gebrochen. Am Hafenplatz war ein Arzt, der ihr sofort einen Verband machte. Vielleicht wäre kaltes Wasser besser gewesen oder kühlende Blätter des Epheu, der den Sängern hold ist. Ich hoffte noch. Sie hoffte, j