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M 300 Mittwoch, den 30. Dezember 1896 23. Jahrgang

FuldacrWZkitilng

mit Unterhaltrmgs-Krilase „Sterne und KLumeu".

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[] Das Jahr 1896. i.

W'e gering erscheint der Fortschritt in der mensch­lichen Entvick.lung, wenn wir eine» Gesammtbl ck auf die Weltlage bei jedem Jahreswechsel, rückschauend aus die vergangenen zwöf Monate, werfen. Und ovS wie zahlreichen Einzelzügen, aus wie vielen Berände- rungen und Ereignissen von zum Theil großer B> dtutmrg setzt sich doch diese» Eesammtbild zusammen! Ej»S aber stebr unverrück rar fest in der Erscheinungen K: die Kirche Jesu Christi, die gegründet j dem unerschütterlichen Felsen P.tri. Und eS ist gerade in der gegenwärtig « Zeit, wo die Wath der Hölle Sturm auf Sturm gegen den zum Himmel ragenden Felsendom der hl. Kirche entfesselt hat, als eine besonder» gnädige Fügung der göttlichen Vor­sehung snsufebm, daß ihr Hoh purster, der hl. Vater Papst Leo XIII, der älteste und ehrwürdigste aller lebenden Monarchen, trotz de» hohe« GreisenalterS, in welchem er zur höchste« Würde und schwersten Bürde berufen wurde, shon so lange Jahre mit Weisheit und Kraft der Kirche vorstehen darf. Am 2 März 1896 waren bereit» 18 Jahre v rflcss n seitdem Leo XIII. die dreifache Krone empfing. Auch dir Andersgläubigen vermögt« dem greife« Papste, dessen Herz so »am für di« ganze Christenheit schlägt, daß er al» sein höchster Ziel ihre Wiedervereinigung im Glaube« fort und fort mit Feuer ifer erstrebt, ihre Hochachtung und vielfach auch Bewunderung nicht zu versagen. Mochte» die Schritte, die er ü Ver­folgung jener Zieler auch im letzten Jahre mehrfach gethau, zunächst auch bei dm Vertreter« der vom lebendigen Stamme lo»gelöste« Z orige der Christen­heit eine — mehr menschlich erklärbare — Abweisung s-fahrc« r in-dru Herzen der ihnen Avvertrsutm wird, befruchtet v'N der Suade Gotter, der gestreute Samen doch «ach und nach Wurzel fasten. Sott rechnet n'cht mit so klein n Züträumen wie wir, imb unsere Un­geduld mag zuwellt» de« P Snrn seiner Vorsehung voraureileu, aber wir wisim, daß einst da» Wort Wahrheit werdm wird: „Und eS wird Ei« Hirt und Eine Heerde sei« !" Dann wird man erkmnen, daß zvr Erreichung dieser Zieler Sott sich besonders auch Papst L o XU! zum hervorragende« Werkzeuge erwählt hat. Möge unser geliebter Oöerhirte uuS noch recht lange erhaltm bleiben!

In daS Kollegium der Sardiuäle hat auch im vergangmrn Jrhrr der Tod m?.nchr S5d: gerissen. Für m>» Deutsche stehen dabei voran die KardiuSle Galimberti und Hohenlohe, der Bruder de» deutscheu Reichskanzler», deren Namen mit der Ge­schichte de» Knlturkawp'S mg verknüpft find. Der erstere »ar bei dm Unterhandlungen, die dm „Zu­gang zum Frieden" eröffieten, wesmtlich betheiligt. Bon den deutschen Kirchmfürsten ist Erzbischof RooS von Freiburg nach langem und schwerem Lüden zu Sott abberufen wordm, der seiner schwierigen Stellung

Pokahontas.

Erzählung aaS der Zett der ersten europäischen Ansiedlungen in Nordamerika von Max Benno.

24] ------- (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Die vermählung»feier ging noch stiller und «mster vor sich, att ursprünglich beabfichtigt war. Gerade unter dm geladmen Gästen war die Heldmthat deS Jndianermädchen» bekannt gewordm und fie bedauerten deshalb da» atme Kind um so mehr. Allerlei Brr- muthuugm drängte« fich in ihnm auf, die 6« manchem der Wahrheit nahe kommm mochten, aber etwa» Be­stimmtes erstlhrev fie nicht. Sie brachen bald auf und nur Bootwell blieb. , _ m „

Indessen hatten die Bemühungen de» ArztkS Poka- honta» aus ihrer Betäubung geweckt.

Angela faß an ihre« Lager. Sie wischte den kalte« Schweiß von der blrichm Slime der Krank n und richtete liebreiche Worte an fie.

Das Rädchen schaute fie mit innigem Buck an und flisterte »orte dr» Danke». .

„Darf ich den weißen Häuptling nicht noch emmal sehen?" fragte fie dann; „ich möchte Abschied nehmen von ihm, ehe d.i Gott der Weißen mich m ferne Himmlischen Wohnungm führt."

im „liberalen Musterstaate" Baden mit Würde und Klugheit voll gerecht zu werden verstanden hat. Er hat bis jetzt noch leinen Nachfolger erhalten.

Wie ihre Oberhirtm. so botm alle deutschen Katho­liken auck im Jahre 1896 wieder da» erhebende Bild vollster EiumÄhigkeit und Geschlofimhell in ihrem ganzen öffentlichen Auftreten. Der Dortmunder Katholikentag, der trotz der Ungunst der Witte- rvnq an Theilnehmerzchl alle feine Borgänger über­troffen hat — mußten doch, trotzdem man dm größte« Saal Deutschland» zur Verfügung hatte, zum Theil Doppelt, wsammlungen abgehaltm werden! — hat für die Uuwandelbarkeit der Einheit und Treue de» katho­lischen Volke» wieder den glänzendsten Beweis erbracht. Da» stärkt unser Vertrauen auf dm endlichen Sieg unserer Sache und trägt dazu bei, daß wir nicht ent- muthigt werden durch die noch immer ablehnende Haltung der deutschen und mancher einzelstaatlichen Regierungm, wie namentlich der prmßischen gegen die vom Cent rum in den Parlamente« unablässig mit gleichem Nachdruck geforderte Beseitigung der Kultur- kampfSreste, wie z. B. des Jrsuitcngesetze», befielt Aushebung schon wiederholt von der RrichStazSmehr- heit beschlossen wurde, ohne daß t» doch der Bundes- rath für nökhig gehalten hat, zu dem letzen Beschluß überhaupt irgendwie Stellung z t nehmen! Und dabei ist man in den Parlamenten auf die Bertreter de» katholischen Volke» vielfach, im Reichstage durchaus angewiesen, so schr, daß dieBiSrnar ckpresse daraus ganz besonderen Anlaß nahm, um fortgesetzt über die herrschende Stellung d:S „reichrfeindlichm" CmtrumS zu zetern. Da» wurde freilich schließlich auch einem so großen BiSrnarckverehrer wie dem Herrn v. Rar­borff zu arg, der dann off n für daS Cmtrum eintrat und unter Hinweis auf deff-n entscheidende Mitarbeit am Bürgerlich'« Gesetzbuch« in» C itiuwr entschieden gegen den Borwurf ter Reichsfeindschast verwahrte. Daß die wirklichen „Reichsfeinde" gerade im Lager vi« Friedrich»ruh sitzen, werden wir im weiteren Brr- laufe uufereS Rr ck Uick S seh n Geradezu kornisch wirkt ek jedenfalls angesichts der Z igeknöpftheit der Regierungen gegen dir CmtrumSsoronmngen, daß die BiSmrrckprefle in ihrem Haffe gegen BiSnorck'S Nach­folger die Herren Hohenlohe und Marschall gar als Werkzeuge des Cmtrum» hiuzustellm sich bemüht hat! Die Stärke de» C ntrnmS liegt nach wie vor nicht in seiner Stellung zur Regierung, sonder« im Verträum de» katholischen BolkeS, das ihm nammtlich auch bei seinem SilderjubilSum im Frühjahr 1896 überall in glänzendster Weise bekundet wurde. Diese Einheit, gestützt auf Vertrauen, ist zugleich die Kraft, die uni die gehässige« Angriffe verbissener Gegner — wie der „Gustav-Adolf-Brüder" und der „Evange­lischen Bündler" auf ihren Tage« i« Dessau, Darmstadt, Dortmund rc —verachtenläßt, so sehr wir diese Hetzereien auch im Interesse deS konfessionellen Frieden» bedauern massen.

Angela g'ng und eil paar Sekunden später standen Edward und Bootwell an dem Lager PokayontaS, die der Lilie glich, welche der Reif geknickt hat. Ein wehmüthigeS Lächeln spielte, al» fie die Beide» erblickte, nm ihrm Mund. Sie reichte jedem die Hand. „Ich bitte mir nicht zu zürnen", begann fie mit schwacher Stimme, „wenn ich einen Fehler beging. Ich weiß wohl, daß ich e» nicht hätte thnn sollen, aber mein Herz trieb mich dazu. Als ich von meiner Wohlthäteri« draußen auf dem Lande vernahm, daß der weiße Häuptling eine Braut zum Altäre führen werde, da kam e» mit unwiderstehlicher Macht über mich. Du mußt fie sehen, rief mir eine innere Stimme zu, und auch ihroch ein einzige», einzige» Mall Da bin ich nach London geeilt, habe ben Zug in bie Kirche gesehen, und wohnte dem BermählnugSfest an. Ich glaubte mich stark, aber al» bann baS Paar ben Altar verließ, empfand ich plötzlich ein unaussprechliches W>h, bie Sinne schwanden mir — und was nachher geschah, weiß ich nicht mehr."

Sie verstummte. Das Sprechen hatte sie angestrengt. In diesem Augenblick e: schien der Geistliche, nach welchem der Bitte deS Mädchen» entsprechend geschickt wordm war. Man ließ die Krank« mit demselben allein.

Run aber begab Edward fich zu seiner Satti«,

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Dezember.

• E» gilt nunmehr laut ,Berl. Lok. Lnz/ als feststehend, daß die nächstjährigen Kasermanöver in Lothringen, und zwar östlich von Metz, stattfinden werden. Der Kaifer wird während dm ManSvertaie« auf seinem Schloß Urville residire«. Zahlreiche deutsche BundeSfürstm, an bereu Spitz; der König von Sachsen und der Großherzog von Baden, werde« den große« Manöver« beiwohnen, die zw'schm dem VIII und XVI. Armeckorp» einerseits und dem XIV. und XV. Armrekorp» anderseits stattfi ldm werde«.

* Der,Staatsanzeiger' veröff ntlicht da» mit dem heutigen Tage in Kraft tretende Gesetz, betreffend die Kündigung und Umwandlung der vierp ozmtigm kousolidirten preußischen Staatsanleihe, des- gleichen daS am 1. Januar 1897 in Kraft tretend« Gesetz wegen Amderung des Gesches vom 3. Juli 1876, betreffdie Besteuerung de» Gewerbebe­triebe» im Umherziehen.

* Der Reichstag hat im Jahre 1896 folgende Mitglieder durch den Tod verloren:

Bohm, Bauerngutsbesitzer, Vertreter des Wahlkreises 3 Potsdam (freisinnige Volksp.), f 18. 3., 54 Jahre. — Fürst zu Fürstenberg, Karl Egon, Oberstmarschall, Bertreter des 2. badischen Wahlkreises, f 28. 1'.., 44 I. - Kröber, Adolf, Großhändler und Magistratsrath in München, 1884 - 90 und seit 1893 Bertreter des Wahlkreises AnSbach-Schwabach (süd­deutsche BolkSp.), f 3. 4, 62 Jahre. - Reindl, M. Ant., Geistl. Rath und Dompfarrer in Eichstädt, seit 1881 Bertreter deS Wahlkreises Jllertiffen (Ctr.), auch daher. Landtagsabgeord- neter, f 7. 4., 63 Jahre. — Wengert, Pfarrer in Dingen» heim, Oberamt Neresheim, Bertreter des 13. württemb. Wahl­kreises (Ctr.), f 29. 8. — Wiesike, Gutsbesitzer, seit 1893 Vertreter deS Wahlkreises Westhavelland-Brandenburg, f 12. 7,, 70 Jahre.

* Dos preutzsche Abgeordnetenhaus hat im Jahr« 1896 sorgens« Mitglieder durchstreu Tod verlorm:

Brüel, Dr., Geh. Reg-Rath a. D, bis 1866 General­sekretär im hannoverschen Kultusministerium, seit 1870 Abgeord­neter für Melle-Iburg (Welfe, Hospitant des CentrumS), f 29. 2., 77 Jahre. — v. Busse, Paul, Rittergutsbesitzer, Abgeord­neter für Gr. Wartenberg-NamSlau-Oels (konservativ), f 16. 9., 54Jahre. — Engler, Hermann, Geh.Reg.-Rath, Landschasts- rath und Landrath des Kr. Berent, seit 1879 Abgeordneter für Berent-Pr. Stargard-Dirschau (freikons.), f 7. 5., 74 Jahre. — Dejanicz v. GliSzczynSki, Ed. Jos., Gen.-Major z. D., seit 1882 Abgeordneter für Kreuzburg - Rosenberg (Centrum), 115. 10., 71 Jahre. — Hogrefe, Franz, AmtSrath, seit 1882 Abgeordneter für Gumbinnen-Insterburg (kons.), f 15. 9., 77 Jahre. — Lassen, Hans, Hofbesitzer, seit 1876 Abgeordneter für Apenrade-Sonderburg (Däne), 120. 1., 64 Jahre. — Frhr. v. Los, Felix, Landrath a. D. und Gutsbesitzer, 1870—1876 und seit 1890 Abgeordneter für den Wahlkreis Cleve, Präsident deS rheinischen Bauernvereins, f 26. 5., 71 Jahre.

* Die neuen Börseuvrdmmge.r find bet Host' zufolge «usmeh. für fämmtlrche p eußische Börsen im Handelsministerium fertiggestellt und dm Börsen­organen zugegangen. Ihre Brröff utlichung im ,Rüch»- anzeiger' steh: unmittelbar bevor. In Bett.fs der Berliner Börse kann dasselbe Blatt noch mittheilen, baß für bie Feststellung brr Produktenbörsenpreise bie Landwirthschaft zu ehrr Vertretung zuge-

welcher er mit reumüthiger Zerknirschung seinen Fehl­tritt gestaab.

Angela machte ih« keine Borwsirf«. Das Miileib mit bem unglücklichen Mädchen überwog jede» andere Gefühl.

Eine halbe Stunde später war all-S vorüber. Mit einem letzte« Bl'ck auf Edward hatte PokahoutaS ihre Stele auSzehaucht.

Der Ssuvncneur und Bootwell standen neben der lobten. Die Lippe« be» Letzteres bewegte« sich in leipm Gebet.

„Der barmherzige Golt »affe ff : in Frieden rühm und gebe ihr die Freude« des Himmel»", sagte er bann feierlich. „Einen beruhigenden Trost gibt mir ba» Bewußts.iu, daß daS edle Kind, welche» d-S schönste LooS auf Erde« v rbieni hatte, als fromme Christin hrnübrrgegaugs« ist «?b daß der Himmel ihr reiche Entschädigung für ihre« Opferrauch und ihre bitteren Enttäuschungen gibt."

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Der Gouverneur Edward Smith ändette plötzlich, «ach cllgemeiuer Annahme unter dem Einfluß der ltzlm Ereignisse, seinen Entschluß mit dem Lr».v.r- ständniß Angelas und kehrte nicht mehr *gch Birginien zurück.