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Dienstag, den 29. Dezember 1896

23. Jahrgang

FuldakrMZeitlliig

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Fuldaer Zeitung 58

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Die Weihnachts-Allokution des heil. Vaters

au daS Kollegium der Kardiuäle hatte laut der .Ger­mania' folgenden Wortlaut:

Das vorgeschrittene Aster und die zahlreichen Bitter- ketten, von denen Unsere Seele erfüllt ist, vermehren den Trost, welche» Wir darüber empfinden, daß Wir noch einmal da» Weihnachtsfest feiern könne«, gestärtt durch dir Glückwünsche des hl Kollegiums. Ganz voll der Danke» gegen den Herr«, de« Baler alle» Gute», der Un» bis heute liebevoll beizustrhea fich würdigte, flehe« Wir alle Tage voll Inbrunst zu Gott, er möge nicht zulasten, daß diese letzte Zett Unseres sterblichen Leben» ohne Nutze« für feine Kirche sei. Möchte er UnS die Suade verleihen, dieselbe, so lange sie noch dauern mag, ganz sedier Ehre und vor allem jenem Werke der Wiederherstellung zu widmen, welches Sie, Herr Kardinal, soeben erwähnten. LS ist durchaus wahr, daß er inmitten der heftigen und zahlreiche» Stürme, in welchen die Einzelnen und die Böller sich «schöpf«, Unsere Aufgabe war, auf die übermensch­liche Kraft der Religion Christi al» dm Weg zur Ret­tung aller hiuzuweisen. Und in der Thal war e» einer der Ziele, welches Wtt am liebsten und eifrigstm auf de« ziemlich lange« Wege Unseres Pontifikate» verfolgt haben, nufer mißtrauische» und hartnäckige» Jahrhun­dert wieder zu den christlichen Institutionen zurückzn- führen. M'hr al» einmal habm Wir Uu» deshalb bemüht, die Ration« einzuladm, sie möchtm doch auf- merk-am, ohne fich durch vorgefaßte Meinung« ab­wendig «ach« zu last«, ihre Blicke auf die Kirche und da» Popstthum richten, so wie dieselbe» in der That und Wirklichkeit find. Wären letztere hier bester bekannt, dort weniger künstlich entstellt, so würdm sie selbst alle Bormtheile überwind« und die ungelehrig­ste» Geister gewinne». Die Kirche würde dann er­scheinen al» da», wo» fie ist, al» die Braut de» Er­löser», und nicht al» die Feindin, fonbera al» die

Förderin jedm gut« bürgerlich« Fortschrittes. Dan« könnte die ««schliche Gesellschaft wirklich auf eine« dauernde» Fried« «nd ihr wahre» Heil rechne», dank dem Enflaffe de» Christenthum», welche» auf'S neue feine lebenspendende Kraft de» Institution« der bürger­lichen «nd sozial« Ordvuvg verleih« würde. Nie­mals werd« Wir, so viel an Un» liegt, Unser Sinn« uvd Trachte« von diesem höchste« Ziele abw«d«.

In Wahrheit ist aber die U»S obliegende, ohnehin schon schwere Misfion durch die gegeuwättige Zeitlage noch viel schwieriger gemacht worden. Wir spreche» nicht von de« Hindernissen, den« jetzt wie allezeit daS Apostolat der Wahrheit und Gerechtigkeit in der Wett begegnet, nein, Wir wollen reden von dm äußeren Verhältnisse«, unter denm nun schon mehr als füvfnndzwanzig Jahre lang der Papst leidet. Bergeben» greift man zu Sophismen und jmistischm Fiktion«: seitdem die Unabhängigkett der hl. Stuhles in ihrer provideuttellm Form vergewaltigt worb« ist, gibt e» kein Mittel mehr, die von der Vorsehung gewollte Freiheit derselben auf sichere und an­gemessene Art aufrecht zu erhalten. War haben denn die Gesetze genützt, welche man zum Schutze der Person und der Würde des Papste» erlasim hat? Habm Wir e» doch erst ganz neulich erfahr«, waS für einm wirksamen Schutz Wir davon zu erhoffe« haben.

Erst kürzlich erscholl Unser Wort im Orient zu Gunsten der unglücklichen Armmier; auch damal», als Wir angefichts der schwierig« Lage Unserer Halbinsel dm Plan faßten, Hunderten Unserer wacker» in der Ge­fangenschaft schmachtmde» Landsleute in fremde« feind­lichem Lande Trost zu bringe». Es regte fich da i« Un» die Liebe des geistliche« Vaters und die Batet» land»liebe zugleich; und i« Unserem Verlang«, ihn« Hilfe zu bringen, ließ« Wir uns auch durch die vor- auSgefehrne Möglichkeit deffm, wa» in der Folge eintrat, nicht abhalten. Raa gut, alle Wett konnte el seh«, wie sogar dieser Akt der Liebe schutzlos von Schmähung und Verleumdung bettoffm wurde.

E» ist ebm immer dieselbe Leitung und immer derselbe Seist, welcher bei de« gegenwärtige« Ver­hältnissen obwaltet. Man versteift fich darauf, dm schweren Kovflitt auftecht zu erhalte», welcher die Sewiffe» vo» Millionen beunruhigt «nd wie ein un­seliger Alp auf den Seschicke« Italiens lasttt. Ein beklagmrwerther Jrrthnm, und der Himmel ist U«S Zeuge, wie schmerzlich er UnS ist. Allein, da» schwächt nicht Unsere Hoffnung; dm» grheimnißvoll waltet auch in die Wege der mmschliche» Polttik hinein Derjenige, der in seiner Hand die Herzen di Mensch« hält und der zur Stunde der Barmherzigkeit die Rationen heitt.

Jnzwischm erwidern Wir auf» Herzlichste die freundllchm Slückwünschr de» hl. Kollegium», ihm die größte Fülle himmlischer Haben wünschend. Em­pfang« Sie al» Unterpfand der himmlischen Suade dm apostolischen Segen, welch« Wir mit väterlicher

Liebe dm Kardinälm, dm vischöfm, den vrrschiedenm Prälaten und allm hier Snwesmde« ertheile«.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Dezember.

* Die Wethnacht-beschetrnvg am kaiserliche« Hofe fand a« Donnerstag, wie alljährlich, im Muschel­saale deS neuen Palai» statt. Es waren zwei große Tannenbäume aufgestellt, einer für da» Kaiserpaar, der andere für den Hof und 7 kleinere für die Prinz« und Prinzeffi«, die fich in der Sröße nach dem Alter der kaiserlichen Prinz« abstufen.

* Der Fürst von Pietz ist zmn Kanzler de» hohe« Orden» vom Schwarzen Adler ernannt worden. Der Fürst wurde wiederholt al» Kandidat für da» Herrmhauspräfidiu« genannt.

* Die Untersuchung gegen Dr. Peters, welche im Au»wärtigen Amte wegen der im Reich»tage zur Sprache gebracht« Borgänge in Ostasrika geführt wird, hat der ,Boff. Ztg.' zufolge für ihn so un­günstige Ergebnisse gehabt, daß di« Rücksicht aus sei« eigme» Interesse Her« Peter» nahe legt, e» nicht ans ein Di»zipliaar-Berfahr« ankommen zu lasten, sondern sich durch freiwillige» Ausscheide» au» dem DispositionS-Berhältniß all« Weiterung« z« ent­zieh«. Eine straftechtliche Verfolgung hat er nicht zu befürchten, da seiae Su»schreituvgen vor dem Erlaß der neuen Verordnung liegen, durch welche die Au»- übnng der Gttafgewalt in d« Schutzgebieten geregelt worden ist.

* »Zwangsweise Katholtfirung eines evangelischen Kinde»" ist bte Urb«schuft eine» langen Artikel», der fich in viel« Blättem findet und verrnnthlich au» der ,Kirchlich« Korrespondenz' de» Evangelisch« Bunde» stammt. Da» protestantisch getaufte Kind eine» katho­lischen BaterS und einer protestanttschen Mutter hat nach de« Tode de» Bater» einen katholischen Bormund erhalten und soll in der Religion deS Later» erzogen werde«. Bemühung« de» protesta«ttsch« Oheims, daS Kind für dm ProtestanttSmn» zu „retten", find bi» jetzt erfolglos geblieben, da das Sericht de« Besetze gemäß gehandelt hat. — In zahlreichen Fäll« ist es vorgekomm«, daß da» Kind eine» v.i- storbme« protestantische« Bater auf Grund derselbe« SrfetzeS wieder den Will« der katholischen Ratter dem protestantischen ReligionS-Unterrichte zugeführt wurde, wiewohl beide Ette« über die Erziehung in der katholischen Religion einig gewesen waren «nd da» Kind katholisch hattm taufen lassen. Da find« aber die« selben Leute, die über dm jetzigen Fall vollerEut- rüstuug find und nicht genvjj über unerträgliche« Zwang, Spaltung in der Familie, materielle Schädi­gung de»Kmde» (es htt reiche Verwandte, dieeSadop- tiren würdm, wmn es protestanttsch wäre) jammer«, da» Gesetz ganz schön und gerecht. Mr stehen ans dem Standpuntte, daß der Staat fich nicht in die

(Nachdruck verböte«.)

23]

für da» arme Mädchm von chm — aber was sollte er Ihuu? Wenn Angela seine Beziehung« zu de« Jndianermädchen erfuhr! Ein Gedanke erwachte in ivm: Bootwell konnte ch« helfe» und daß der treue Mana e» ihn» werde, daran zweifelte er nicht. Auf eine emste Stunde mußte er fich ftettich gefaßt mache», wma der Brave, wa» »icht z« vmgehm war, vo» dem Geschehene» Kenntniß erhielt.

Er berief einen Wag« unb fuhr «it Pokahonta» «ach Bootwell» Hau».

Mau braucht fich nicht zu verwundern, wenn dieser bei« Anblick deS Mädchm», da» er sofort erkannte, in gewaltige» Erstaun« gerieth. Dabei regte fich jedoch noch eine andere Empfindung in chm. Er sprach seine Sedaukm jedoch vorerst «icht an», sonder» warf dem Kapitän nut einm Blick zu, unter desten Einfluß dieser die Sug« beschämt niederschlug.

Bootwell war für Pokahonta» kein Fremder und fie zeigte fich über da» Wiedersehm deSselbm angm- scheinlich erfreut. Auch ihn bat fie für die Schonung drS Bruder» thättg zu sein, wa» der Irländer auch versprach.

Da» Mädchen würbe vorläufig in einem anderen Zimmer untergebracht, Bootwell und Edward aber kehrten wieder in die Wohnstube zurück.

Hier bekannte Letzterer freiwillig da» schwere Un­recht, z« welchem er fich durch sein« Leichtsinn

Pokahorrtas.

vrrShlung aus der Zeit der ersten europäischen Ansiedlungen in Nordamerika von Max Benno.

Der Kapitän war tief erschüttert. Da» vertrauende Ratnrkmd glaubte auch hier an seine Allmacht und verlangte Unmögliche» von ihm. Gleichwohl brachte et t» nicht Über fich, chr die Wahrhett zu sag«. Er hob fie auf und versprach, für dm Bruder zu thun waS in seiner Macht stand.

Diese Versicherung schien Pokahonta» z« beruhigm, denn fie weinte nicht mehr.

Sie «zählte, daß ihr Bruder fie in einem eng« Ran« de» Zwischendecks in der Nähe der Küche unter- gebracht habe, wo fie fich während der ganz« Fahrt- dauer aufhiett. Bon dem Schrff fei der Bruder plötz­lich vrrfchwund« und fie habe ihn fetther nicht mehr gefeh«, am vergaugm« Tage aber von de« Morde «nd dm Ramm desjenigen, der ihn begangen, gehört. Falkenauge habe ihr Geld gegebm und diese» bei Ar« bescheidenen Ansprüchen bis jetzt zu ihrem Unter- halte gereicht. Bon dm heimlich« Wünschen und ÖT'mxk!?® ft O Europa geführt hott«, sprach da» Mädchm kem Wort.

»Edward ^fand sich« einer grenzenlos« Verlegen- fceit. Da» Pflichtgefühl forderte gebieterisch die Gorge

hatte hinreiß« laff-n und bat um Rath und Bei­stand.

Bootwell sagte längere Zett nicht». Er kämpfte augenscheinlich mit der Entrüstung, welche er Über die unwürdige Handlungsweise des junge- Manne», d» er so eindringlsch gewarnt hatte, empfand.

„Geschehme» läßt fich nicht mehr äadem," begann er endlich, „unb man muß nun verhüten, daß da» Unhell nicht noch größer wird. Meine bange Ahnung ist m Erfüllung gegangen: Du hast da» arme Sind, dem Du und wir so viele» verdauken, unglücklich ge­macht. CS war wohl die schönste Blume jmseit» de» groß« Wasser», Du zertratest fie. Gleichwohl will ich Dtt keine Borwürfe «ach«; fie nützen nicht» mehr. DieS wttd durch Dein Gewlffen zur Genüge geschehen und glaube — auch die Stt afe der ewig« Gerechtigkeit bleibt für Dein« Frevel nicht au». Da» Mädchm kann nicht hier bleibm, dagegen weiß ich ein Uuterkommm für fie. Ich bringe fie zu meiner Schwester, die auf dem Lande lebt, und wo «an fie mit offenen Armen anfnehme» wird.

So geschah e».

Nach einigen Tagen machte fich Bootwell mit Poka- hontaS ans de« Weg, die, wie er vorausgesehm, « der einfach« Familie ein freundliche» Asyl fand. Der Irländer empfand eine um si größere Srnugthuung darüber «ach bet Entbeckang, daß Pokahonta» der