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Montag, den 28. Dezember 1896

23. Jahrgang

FiildiikrMZeitiiiig

mit K«trrhaitimg»-KrUagr „Kirrne imb Stamm“.

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Die Lohnkämpse des Jahres 1896 und die Sozialdemokratie.

Trotz alles Jubelgeschreiks gibt die Sozialdtmokratie den Hamburger Streik für verloren «nd damit würde fie auch in de« lrtzten von allen großen und bedeu­tenden Lohnkämpfen des Jahre» 1896 unterlege» sei». Der Koalition der Arbeitnehmer stellte fich zum erste» Male in diesem Jahre «it voller Wucht die der Ar­beitgeber gegenüber. Im Jahre 1894 waren 7328 Arbester inSgesammt ausständig und die Streiks er­forderte« 354297 Mark, 1895 betrug die Zahl der streikende» Arbester schon 14 032, die Streiks kosteten 424 231 Mark; i» diesem Jahre war eine wahre Etreikwnth in die Arbetterschaaren gefahren, nach ober- flsichttch« Zusammenstellung habe» 120000 Arbeiter gestreikt; die Summe der verpulverte« Streikgelder «ißt fich auch nicht annähernd feststelle»; aber es find Million«; sicht ei» einziger der 30 großen Streiks ist voa den Arbeiter« gewonnen worde«.

Die Streikbewegung setzte recht frühzeitig ein; im Februar brach m Berlin der SoufektionSarbeiterstreik ass: in einer Anzahl anderer Städte kam ei eben­falls zn kleineren Ausständen; der März brachte «ns de» große« Ttxistarbeiterstreik in KottbuS, der fich eine Anzahl von Wochen hinzog und bald 200,000 MI. kostete; der Textilarbeiterstreik «Mühlhausen i. S. war weniger bedeutend: Dachdecker, Schuhmacher (Schäfte- «Letter), Cigarreumacher, Mützenmacher i« Berlin, Mrsierreider ha Kreise Solingen, Maschinenbauer in Bielefeld gab« schon «ach kurzer Znt de« Kampf als ausfichtSloS auf; etwas hartnäckiger zeigten fich die Lithographen in Berlin, welche die furchtbarste Niederlage erlitten, die Schiffszimmerer in Flensburg; «it äußerster Erbitterung kämpfte« die Hutmacher, Mnfikinstrumentevwacher i« Berlin, die Holzarbeiter in Lauterbmg a. H., die Weber im Eulengrbstge,

Pokahontas.

Erzählung onS der Zett der ersten europäischen Ansiedlungen in Nordamerika von Max Benno.

12] ------- (Nachdruck verboten.)

Mit glühenden, haßerfüllten Sage» beugte Murrai fich über de» Wehrlose» «ad zischte ih« zu:

„Du hast «ich einen Nichtswürdige» genannt. Das bist Du selber, ein wortbrüchiger Schurke, der a» de» Salgen gehört. Ich habe Dich durchschaut; ich wußte recht gut, warum ich mit «einem Auftrage nach Btt- giust» geschickt worden bi». Ich war Dir za willen, nm de« Preis zu erring«, den Du mir in Ansficht gestellt hast. Ich wmde aber vo» Dir betrogen, dem» obgleich die Nachricht vo« Tode des LapttänS zu Dst gelangt war, gabst Du Nettie eine« andern zur Frau. Das war die Antwort, welche ich auf meine Frage »on de« Freunde erhielt. Sie hat jedtS andere «e- fühl'n nur erstickt und nur »och eines tobte in mit: d« Durst nach Rache; Du hast mich bloß al» Werk- benutzt, um «ich nachher toeg«werfen, ich bin stdoch schlauer al» Du. Du würdest jetzt Dein Ziel wahrscheinlich erreiche«, den« durch den Schiffrumer- glmg b-8 Da von de« «apttä», der fälschiichrrweis- «t gesagt wurde «ad mit dem vermißten Schnellsegler

ol‘en .H'«uach zufuhr, befreit Doch meine Rache Mi den Tod zehnmal verdient. Du schlepptest mich von de» Meinige« fort, Da be-

Steinsetzer in Hamburg, 6 Monate lang streikte« die Metallarbetter m Berlin. Wie gesagt, überall zogen dst Arbetter, die in den meisten Fäll« von sozial- demokratisch« Agitatoren in de» Streik gehetzt waren, bett Kürzere». Eine große A»zahl vo» Weber» i» Kottbu», Hutmacher, Mufikinstrumentenmacher, Litho­graphen in Berlin, Holzarbeiter in Lauterburg sande» »ach 8e«bigmtg be» Streike» ihre Stelle» besetzt unb würbe» brodloS.

Auf bem zweiten Gewerkschaftskongreß, brr Anfang» Mai i» Berlin abgehalten würbe uab der die kornrnenben Lohnbewegungen vorbereite» sollte, wie» man vo» gemäßigter Sette barauf bin, baß'ma» die Streikgelüste dämpfen wüste, da nur Minoritäten bet gewerkschast- fchastliche» Arbeiter organisirt feie» »ob maa bei Streik» nur bestimmt auf bie Organisation zählen könne. Der Warnet würbe überschriee»; er hatte burchmr» Recht gehabt; bei alle« Streik» gab es betett» in ber zweite« Woche eine größere Anzahl sogenannte Streikbrecher, unb bamit war ber AuSgang be» Streik» entschieben. Anfang biese» Jahre» waren m Berlin von 395,195 Arbetter» nur 37 022, b. h. 9 36 Prozent organifirt, und von 127,749 Arbeiterinnen nur 1410, b. h. 1.1 Prozent.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Dezember.

* I» ber Familie be» Reichskanzler» Fürsten zu Hoheulohe-SchillingSsütst steht zu Anfang des kommende» Iahte» eine seltene Frier bevor, nämlich das goldene EhejnbllSnm le» Reichskanzler» mit feiner Gemahlin, der Fürst« Maria geb. Prinzessin von Sayn-Wittgen- stein-Berlkburg. Das Paar wmde am 16. Februar 1847, dem GLvrtstage der damals 18jähligev Fürstin, zu Frankfurt a. M. getraut.

* Der Entwurf de» preutzischm Etat» für 1897/98 soll zum etstemnale mit mehr als zwei Milliarden in Einnahmen und Ausgabe» abfchließea. Die hohen dauernd« Mehrausgabe», welche «amWttich für Beamt«- «ad Lehterbefoldungen einzustellen wat«, find bekannt, ebenso ist eine Ver­mehrung der einmaligen Ausgabm namentlich bei der Eisenbahnverwaltung vorgesehen. An der Bermehrnng ber Einnahmen gebührt ber Eisenbahnverwaltung ber Löwmantheil. Der im nächstjährig« Etat vorzn- seh«de Brstag be» Eisenbahnüverschufle» übersteigt erheblich jebm bisher etattmäßig virgesehen« ober darüber hinan» erreichten Eis«bahnüberschuß. Aber auch bie sicheren Betriebsverwaltungen, namentlich bie Bergwerks- unb Hüttenverwaltung sowie bie Forst- verwaltong dürften nicht unwesmttich zur Erhöhung ber Staatseinuahm« beigestagev haben. — Der Etat wirb nach ber ,Post" bem Abgeordnetenhause zugleich mit ber Ueberficht ber Aufsesteruug bet Beamt«- gehälter bis zu« Wiederzusammentritt am 8. Januar ——

handeltest mich, den Sohr eines Häuptlings, wie ein« Hund, nab als Du sähest, wie mein arme» H-rz in heißet Leidenschaft für jene» Mädchen entbrannte, da hast Du mit kalter Grausamkeit diese Empfindung zu Deinem Schurkenstreich au»znbeut« versucht. Da» Leb« hat kein« Werth «ehr für «ich, aber auch Du sollst Dich de» Preise» nicht fr««. Da hast Du nun Deinen Lohn!"

Murrai stieß ein wilde» Geheul au». Ein blanker Stahl blitzte i» seiner Hand. Dann verschwand et au» bem Simroer, ba» ein schwacheS Röcheln durchdrang.

Mtt Windeseile hatte *fich bie Nachricht von ber Ankunft be» Frachtsch.ffe» au» Lirginim verbreitet. Die frohe Kunde ging von Mund zu Mund. Sie ge­langte auch in da» Hau» Wilton» schon mit Sage»« anbruch, während man fich zu ber einige Stunde» später stattfiudeob« Berroähluag»seier vorzubereit« begann.

Auch Angela hatte fich schon von ihrem Lager er­hoben und war mit bem Orb»« ihre» Hochzeitsstaate» beschäftigt, al» mtt schreckensbleichem Gesichte und am ganz« Leibe zitternd, E««i, bie alte H «»hättet« Elifford», erschien.

Sie brachte eise entsetzliche Botschaft. Der Herr war von ihr in feinem Blute schnimmrnd in feine« Zimmer gesund« ward«, mit einet tief« Stichwunde i» der Brust — tobt

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1897 zugeh«. Die Drucklegung beider Schriftstücke soll beschleunigt werd«.

* Bekanntlich wird am nächsten Freitag, also am 1. Januar 1897 die neueste Novelle zur Gewerbes Ordnung in Kraft tret«. In erster Reihe »erb« bann bie neu« Bestimmungen über bm Gewerbebetrieb im Umherziehen zu beacht« fein, nach bene» u. A., abgesehen von d« jüngst vom BundeSrathe beschloß«« Ausnahmen für bm Wein-, b« Seinen«, Wäsche- unb bm Rähmaschmenhandrl, ba» Aufsuchen von Bestel­lungen bei anberen Personen al» bei Kaufleuten ober bei solchen Personen, in beten Geschäftsbetriebe Saaten ber angebotenen Art Verwendung find«, ohne vor­gängige ausdrückliche Aufforbersng nicht stattfindm darf. ES kommt aber noch eile ganze Anzahl anderer Borschristen in Bettacht. Die Konzesfionirung von Privat-Kranken-, Pt ivat-Ent bind nngS-und Privat-Jrrenanstalten ist erschwert. Schau­spielunternehmern wirb bie Erlaubuiß zum Be­triebe ihres Gewerbes versagt werb«, wenn fie nicht bm Befltz ber zum Unternehmen nöthigm Mittel nach- znweism vermög«; bie ihnen zum Betriebe ihre» Gewerbes bisher erthettte Erlaubniß gilt nur für ba» bis 1. Januar 1897 betriebme Unternehmen. Auf Konsumvereine wetbm bie Bestimmungen der Ge­werbeordnung über dm Betrieb der Gast- unb Schank- wirthschaft auch bann Anwendung find«, wenn ihr Betrieb auf ben Kreis ber Mitglieder beschränkt ist. Der Hanbel mit Loosen vo» Lotterie» unb Ausspielung« ober mtt Bezugs- unb Antheilscheinm auf solche Loose wirb versagt werbe», wm« Thatsache» vorlieg«, welche bie UnzuverlSsfigkett bei Gewerbe­treibenden in Bezug auf dessen Gewerbebettieb darthn». Der Handel mit Droguen und chemischen, zu Heilzweck« dimeudm Präparat« wird untersagt werd«, wen» bie Handhabung be» Gewerbebetriebe» Leb« unb Gesundheit von Mensche» gefährdet. Der Klein­handel mit Bier desgleichen, wenn der Gewerbe- treibende wiederholt weg« Zuwiderhandlung« geg« die Bestimmungen Über den Bettieb vo» Gast- und Schankwirthschast« bestraft ist. A«f Konsum- und andere Vereine werden die Bestimmungen über die Sonntagsruhe dieselbe Anwmdung finden, wie auf einzelne Gewerbetreibende. Auch können die Bereise ihre Angestellte» zum Arbeiten an Sonn- und Fest­tagen nicht verpflicht«.

O Gegen btt BSckereiverorbmrsg wollm bie sozialpolitische» Freunde des Herren vo» Stmm» im Abgeortmetenhause demnächst ein« neuen Sturm unter­nehmen. Eine- ber Sprachrohre beS Herrn von Stumm, bie ,Post" in Berlin, künbigt nämlich an, daß, falls die fettens ber Regierung Über bie Wirkung« bet Bäckereiverorbnung veranlaßten Ermittelung« wiber Erwart« in nächster Zett nicht zum Abschluß komme» unb zu bestimntt« Beschlüssen ber Regirrnng führen sollte», bet dem Etat be» Gewerbeministerium» ober

Sie hatte sofort die Rachbam und Bearotm her- beigerufm nud letztere ein« Meuchelmord konstotirt. Bon dem Thäter fand man keine Spur. Da» Se- heimnißvollr der blutigen Thot wurde noch dodmch erhöht, daß der Erstoch«e seine» Kopfhaare» beraubt war.

Sprachlo» vor Entsetzen hört« Wiston und Angela aus diese schreckliche Botschaft, bie angeficht» dessen, was an diesem Tage hätte gescheh« sollen, noch furcht- barer erschien. Fast spurlos ging bie Nachricht von dem Einlauf« der Schiffes au» ber neu« Wett an ihn« vorüber, den» fie glaubt«, von dorther nicht» mehr hoffen zu dürfe», und fie scheusten diese« Ereig- »iß erst eine Aufmerkfamkett, al» Bootwell in un­geheuerer Aufregung bei ihn« erschien.

Dieser kam vom Hafen, wo fich nun da» von stürmischem Jubel der herbeiaesttörote» zahllos« Menge empfaug«e Fahrzeug befand.

Eine unerwartete Nachricht hatte b« Sturm im Suttern be» Irländer» erregt. Er erfuhr da» Wieder- ehr« des Kapitän» Edward Smtth ans der S-fangen- chaft bei d« Indiane« und wa» bamit hn Zusammen- lang staub, zugleich aber auch befi« BorauSfahrt, mtt ser daran geknüpft« Bermuthung, daß der Schnell- egler, ba er sonst schon lauge augekororom sein mußte, unterwegs verunglückt sei.

Eine Fluth von Gedanken und Empfindung« stürrott bei dies« Mittheilungm auf dm Irländer