M 2981' Donnerstag, den 24 Dezember 1896 23. Jahrgang
FilldaerMZeitiims
mit Nnterhatturrgs-Keilasr „Sterne mrd Ktnmen".
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Ehre sei Gott — Friede den Menschen!
Zrrn hl. Weihnacht-feste, als dem Feste der Geburt der m'nschgewordenen Gottes, unseres Erlöser», verlangt daS BolkSgemüth einen klaren Himmel und eine im weiße« Schaeerewande prangende Erde: „Weiße Weihnachten"! Ja, darin liegt gewiß ein schöner Sinn, ein poetischer Gedanke, aber wir dürfe« darüber «icht verg ss.n, daß nicht nur die Bögelein, daran zu gedenken wir fast täglich gemahnt werden, sondern auch viele, viele Tauseude unserer Mitmenschen durch die kalte JahrrS- zeit in harte B drängniß gerathe« oder gar ihre ohnehin schon große NUh bis zur Unerträglichkeit gesteigert sehen. Sehet hi« durch die Straßen der Städte; noch am späten Abend werdet ihr gar viele dieser Armen sehe«, wie sie mit ihren kleinen Kindern an den Häusern lehnen oder an den Bordschivelle» stehen, mir frost- bebender Hand allerlei billigen Tand und Christbaumschmuck euch anbietend, oder wie sie sich müde, oh e Arbeit und ohne Verdienst, dahinschleppe«, zuweile« mit Sehnsucht und — Gott verzeih es ihnen! — mit Reid und Srimm hivaufdlicke«d »ach den hellerleuchtete« Fenster« der Wohlhabende«, die dort schon ihren Christbaum mit reicher Z er behangen, oder traurig oder fiaster hinstarrend in die kostbaren, verlockenden Auslagen der Kaust«ute, denen die Sebelust der WechuachtSfesteS reiche» Verdienst bringt. Uad dann denkt au da» soziale Elend unferer Zeit, an die arme« Familie» derer, die vielleicht in Lohnkämpfe« eine Verbesserung ihrer Lage suchte», aber nichts fanden als ArbeitSlofijjkeit, Sorge und Hunger! „Gedenket der hnngernde« Menschen!" Diese Mahnung sollte, zumal in der hehren Weihnachtszeit, mindestens ebenso ost an unser Ohr klingen, wie da« so häufige: „GÄenket der hungernd« Vögel!" DaS hl. Weih- nachtSfrft ist ja ein F-st der gebenden Freude. Denken wir dabei nicht »ar an uns und dre Unseren, sondern namentlich auch an die, die der Gaden am dringendste« bedürfe«. Dann feier» wir dar erhabene Fest in einer Weise, die der fl ischgewordenm Barm- hrrziakeit im höchsten Maße wohlgefällig ist.
W.r solle« freilich keineswegs allein oder auch nur vorwiegend an die leibliche Roth unseres Nächsten denken und seiner uns annehme», sondern auch sei» geistiges Elend erheischt, und soweit wir eS vermögen «och viel stärker unser iuaigstkS, Hilfs- bereüeS Mitgefühl. Wie oft kau« da des Gute« so manches im kleinen Kreise und in der Verborgenheit geschehen — eine Mission, in der jedem von nnk, ob Priester oder Laie, Mau» oder Wrib, gelehrt oder ungelehrt, gar ost eine hohe Aufgabe zuialleo kann. Für olle aber, die am öffentlichen Leben,
PoKahontas.
GqShlnng au» der Zett der «sten europäischen Ansiedlungen in SRorbamtrila von Max Benno.
H] ------- (Nachdruck verboten.)
Er setzte sich und ergrff ihre Hand. „Ich thue Dir vielleicht wehe, mein liebes Kmd", begann er, -den« ich weiß, daß Dein Herz immer »och vou Trauer um den Verlorenen erfüllt ist, aber «S bleibt mir keine aebete Wahl als Dich um Deine endliche Entscheidung zu 6stten, von der nicht nur Deine, sondern auch meine Zukunft abhävgt. Cl fford ist d» Harrens wüte. Er läßt sich nicht «ihr länger hin- halte» md verlangt entweder ein Ja oder ein Rein. Ich kann eS ihm nicht verübel», denn für einen Mauu in feinem Alter ist jeder Tag eine verlorene Zeit. Ich sagte Dir stüher schon, daß er List stürmischen Gefühle verlangt, sondern nur eine Leben»: efährtin, Md daS kannst Du chm sei», nachdem ja de Erst- lingSblüthen Deines Herzens ohnehin zu den Tobten gelegt find. Andernfalls werde ich in die pnnlntstrn Verlegenheitm gestü'zt. Ich habe C sind gegenüber bedentends Berbindlichkeite», denen ich nicht Nachkommen kann, da infolge drS Todes Edwardt die Hrff.iMg-o, welche wir auf die Expedition fetzte», vlchl erfüllt worden find. Der Termin zur Zahlung ist j-doch
fei eS auch in befcheid-nster Weise, theilnehme», erwächst Mch die besondere Pflicht, an der Heilung des geistige« Elends, soweit eS ein öffentliches, ein die Allgemeinheit unseres Volkes treffendes ist, »ach Kräfte« mitzuwirke». Gerade diejenige», mit deren leiblicher Roth wir Mitleid haben müfle«, kcanke« ja auch, vergiftet durch die große Irrlehre unserer Jahrhunderts, den Material-»««», der in der Sozialdemokratie die politische Anwendung für die ärmeren Stäube gefunden hat, an jenem geistige» Elend, das «och wett mehr als da» leibliche unsere heutige« sozialen Zustände kenuz-ichnet, nachdem ihnen auch die „oberen Z-Hn- tausend" mit so zahllosem schlechte» Beispiel vorangegangen sind. Muß sich da unser Mitleid nicht verdoppeln und den Vorsatz in un« bekräftige», jeder i» feinem Wnkmg kreisedrS Möglichste auch zur Linderung der geistige» Roth unserer Z-tt beizutragen
Mögen namentlich auch die Beffergestellten bedenken, daß sie, indem sie so in beider Hinsicht Ecbarmung übe«, mit der leiblichen wie der geistigen Roth der Arme», «icht nur diesen, sonder« der Allgemeinheit, bet Menschheit unb damit insbesondere auch sich selbst einen Dienst leiste«. Den« sie dürfe» nicht vergeße«, daß die HeilMg der Gesellschaft «ur von innen heraus, nur vo« unten »ach oben hin erfolgen kann. Gerade die Armen, die breite Stoffe de» Volke», die Arbeiter sind berufen, wieder gefimbere Zustände herbeizuführen, eine Wiedergeburt der Menschheit in religiöser und damit auch in sozialer Beziehuug. Die Ober- Hirten unserer hl. Kirche haben dar ost genug bekundet, und tob finde« das Vorbild hierzu i« dem ganzen Lebe» und Wirke« de» göttlichen Heilandes selbst. DaS „Ehre sei Gott in der Höbe und Friede« auf Erden ben Menschen, die guten W ÜenS stad", diese Heilsbotschaft auS LngelSmund erk.a»g zuerst der. Arme«, ben Hirte« auf de« Felde, ebenso tote die arme« Fischer am See Genesareth die erste« waren, denen Er selbst da» Heil verkündete. Helfen wir also den Armen, daß sie wieder Gott die Ehre gebe», und thun wir daS auch für un8, so helfen wir damit der Sesammthett, und tragen dazu bei, daß au'S Reue auch daS andere Wart wieder hell erklinge: Friede auf Erden den Menschen, die einer guten Willens sind!
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Dezember.
* Die Präsidentenwahl im Herreuhanse wird in einer Berliner Zisch ist bet .Schles. Zig.' besprochen, bie den Fürsten Pleß als den künftigen Präsidenten drS Herrenhauses in Aussicht stellt und wetterhin bemerkt: „SS ist nicht richtig, daß die Wahl des hochverdienten früheren ReichStagSpräfidenten v. Levktzow überhaupt in Frage gekommen fei; hätte man — was von keiner Seite angeregt worden — mit der lieber- lieferung, einen Fürsten als H rrenhauS Präsidenten zu wählen, brechen wollen, so wäre wohl in erster
abgelaufe« und wen« et sein Recht beansprucht — war, wir ich fürchte, Mter Umständen geschieht — dann bin ich zn« Bettler gemacht, das wäre für meine alten Tage ein gräßlicher Schlag. Du kannst ihn abwendeu, mein Sind; es kostet Dich nur ein Wort."
Der wehrnüthige Z -g um die Lipp n Angela» war, während Wilton sprach, mehr «nd mehr verschwunden; er wachte dem Ausdruck fester Entschloß-nheit Platz. Sie schmiegte sich zärtlich aa den Batet und flüsterte chm zu: „Ich habe Niemanden mehr al» Dich auf der Welt. Für Dich ist mb lebt Opfer zu groß. Bringe C fford mein „Ja" ....
In ben nächsten Tagen wurden die Leute bmch hie Nachricht, daß Angela Wilton fich mit John Clifford verlobt habe, in einige Aufregung versetzt. Etwas besondere» fand man freilich nicht dabei, da der nunmehrige Bräutigam fett langem ein Freund de» Hause» gewesen und die Verlobung Angela» mit bm Kapitän Edward Smith auf fo traurige Weise gelöst worden war.
Der mit setnen Gefährten aus Bitginien zurück - gekehrte Bootwell hatte die Rachf.cht vo« den l'tzten Ereigniffen auf der Anfi'd usg in bie alte Heimath gebracht und dadurch begreifi cher W ise im W lron'jchen Hause eine grenzenlose Bestürzung und tiefe Trauet erzeugt.
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Linie an den langjährige» bewährte» 8»eite« Präfi denten, Freiherr« von Manteuffel, gedacht worbe«. Thaifache ist eS aber, baß einzelne Fürstlichkeiten, an die man fich in btefer Angelegenheit gewendet hatte, mit einer Ablehnung antworteten."
* Arn Montag-Abend ist der Kommission»- Bericht de» Abgeordnetenhäuser über daS Lehrer» bksoldu«ß»gesetz zur VetiheilMg gelangt. DaS Gr- gebniß der KommfffionS'Bethandlungen, welche» hauptsächlich in der Erhöhung der AlterSzulegen um ein Brettel besteht, ist bekannt. Die Erhöhung de» Staats- zuschusswelche die Einführung des Gesetze» mit sich bringt, wurde in der Kowmisfio« »ach dem Eatwmff der Regierung auf 5,312,004 Mk. berechnet. In Folge der Erhöhung der AlterSzulagen durch die Kommission»- Befchlüffe erhöht fich diese Summe um etwa 4 Mill. Mark, also auf rund 91/» Millionen Mark.
* Die Untersuchung gegen de« Kriminalkommissar tz. Tausch ist, wie der ,@erm/ mttge- theilt wird, auch auf die Majestätsbeleidigung ausgedehnt worden, welche der Belastete dadurch begangen haben soll, daß er, wie behauptet wird, falsche Berichte über den Gesundheitszustand de» Kaiser» in die ihm ergebenen Blätter lancirt hat. Jmgleichen wird bestätigt, daß die Anklage wegen Meineid» sich auf vier Fälle erstrecken wird. Bezüglich ber Verbi«- dünge«, welche Tausch mit einzelnen Redaktionen unterhalte« habe« soll, ist eine ganze Reihe von Journalisten als Zeuge« gelaben bezw. schon vernommen wotdeu. Such der Herautgebet der.Zukunft', Maxi- milian Harde«, dürfte zur Zeugenaussage übet Herr« v. Tausch veranlaßt werden, da er sowohl mit dem letzteren, tote auch mit dem jMgeu Lrckert in persönlichem Verkehr gestanden habe» soll. — Daß die U«> tersuchuag gegen Tausch nach der erwähnte« Richtung hi« ««»gedehnt worden ist, geschah, wie in unterrichteten Kreise» verlautet, mit ausdrücklicher Zustimmung des Kaisers, der für den Sensations- Prozeß von Anfang an ein außergewöhnliche» Inter- tffe gezeigt hoben soll.
* Tausch-Geschichten gehen noch immer durch die Presse. So behauptet die .Franks. Ztg.' bett ff» der polizeilichen Ueberwachungen, daß in der Regierung»- Seit de» Kaiser» Friedrich sogar der Hos unter Leitung e» damaligen Polizridirektor» Krüger überwacht worden wäre u»d „daß der ost erwähnte Rormann-Schumann, der romanhafte Gehilfe de» Herr» v. Tausch, unter den vielen angenehmen Dingen, die er Redakteuren und Korrespondenten anzuverbauen liebte, auch darüber zu plaudern verstand, wie die politische Polizei in der ersten Regierung»zrtt de» jetzigen. Kaiser», also auch noch unter dem Fürsten B Smarck, de» Verkehr de» Kaiser» mit dem Grafen Waldecsee überwacht hat. Der mitthettfamr Herr erzählte, daß damals der Kaiser gegen 8 Uhr früh im Thiergarten spazieren ging unb dazu ben Grafen Walbersee abzuholen £ fügte, unb baß bie Zahl unb bie Dauer dieser Sprziergänge sorgfältig von der politischen Polizei beobachtet unb regt«
Ganz andere Empfindungen riefen liefe Nachrichten bei John Ci fford hervor. Sie waren zwar mtt eme« gew ssrn Unbehagen vermischt, betm man hatte ihm auch ntttgnheilt, daß der Kapitän Edward Smith bei dem Ausfall in gehnmnißvoller Weise verschwunden und sein Leichnam nicht Mfzufinde« gewesen sei. Unwillkürlich drängte fich ihm die Bermnthnng auf, daß diese Tatsache mit seinem Diener Murrai in Ver- bindung gebracht werden müsse, der von ihm »ach Birgiuie« gesch ckt worden war. Doch er drängte diesen unangenehmen Gedanken von fich, denn er hat nunmehr da» angestrebte Ziel in erreichbarer Nähe vor fich. Der Weg für ihn war frei unb wenn er bie» nicht seinem Werkzeuge, sondern den Tomahawk» der Jadianer verdankte, so geschah ihm ein doppelter Gefalle« damit. De« v.isp:ochene» Prei» hätce er ohnehin nicht mehr geben körnten, da Rette, ohne daß er einen Wire sprach erhoben, eine« junge« Irländer geheirathet hatte und biefem nach der grünen Jufel gefilmt war.
Die günstiaste Lage bet Verhältnisse wurde vou C fford ohne Säumen benützt. Dabei fiel ferne Eigm- schäft al» Gläubiger Wiltons schwer in die Wagschaale unb wenn auch nicht ohne Kampf, sah er endlich alle Hindernisse au- dem Wege geräumt: Angela war seine Braut.