294 Montag, den 21. Dezember 1896 23. Jahrgang
FiildakrWZtitiing
mit Urrterhaltungs-KeUage „Sterne und Ktnmen^.
Erscheint täglich, Seim« und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und BesteklgeL in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Vf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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" rauten, welche noch Forderungen an uns habe«, werden ersucht, die Rechnimge« pro 1896 spätestens zum 22. Dezember anher ein- znreichen.
Fuldaer Actiendriiekerei.
2 tüchtige
Banschreiner
„Zum Weihnachtsfeste- ließ Johanna Baltz zehn reizende musikalische Erzählungen für die Heranwachsende Jugend erscheinen. Ein lieber Büchlein, daS gewiß manches junge Herz erfreuen wird.
Die reich illustrirten „Märchen" vonMiuna FreerickS gehören zu den finnreichsten und anmuthig- sten Schöpfungen dieser Art. Unsere Kleinen werden manche Anregung und Belehrung aus diesen Märchen schöpfen, welche Bemüth, Herz und Phantasie in gleicher Weise beschäftigen.
Eine passende Weihnachtsgabe find auch die poetischen „Legenden" von Peter Sömer, den wir schon in verschiedenen Werken, z. B. „DaS Kirchenjahr", als einen begabten und tiefreligiösen Dichter kennen lernten. Manche dieser „Legenden" find für dar große Publikum neu und erbauen jedes fromme GemÜth.
P. Braun - Verlag in Leipzig hat sich durch die Herausgabe der beliebten „Novellen- und Roman- Sammlung" ein großes Verdienst erworben. Diese gut auSgestatteten Bücher kosten im Original - Salon- bande nur 2 Mark. Man kann die sittlich reinen, in edler Sprache gehaltenen und doch äußerst fpannenden und intereflanten Romane und Novellen auch der reiferen Jugend unbedenklich in die Hand geben. Diesmal liegen uns acht theils neue, theil» in neuer Auflage herauSgegebene Bände vor. In dritter Auflage find erfchienen: „Die Gefangenen des Zaren", historische Novelle von Armin Archier, und „Ein verfehltes Leben", Novelle von LudwigHÄicht, „Eine treue Seele", Erzählung von Julie Sourand, „ Almofen ohne Geld", Novelle von Maria Delta; in zweiter Auflage: „Mein ist die Rache", Novelle nach dem Französischen von P. Silvanus, ferner „Ein Frauenherz", Kriminal - Beschichte von Paul de Navery, deutsch bearbettet von Ed. StephinSky. ES empfehlen sich diese Bände schon durch die nöthig gewordenen neuen Auflagen. Neu ist „Die Tochter deS Fischers", eine wohlgelunaene Erst- lingS-Arbeit von Edgar Braun, dem Französischen frei nacherzählt. Die interessante Kouverttten-Beschichte enthält eine reiche Fülle geistvoller Bedanken und anregender Episoden, von denen manche die eigene Zu- that deS deutschen Bearbeiterr find. Neu ist sodann der Roman „Die Sühne einer Königin", nach dem Englischen aur der Zeit Elisabeth'» von Feodora Riotte, eine prächtig entwickelte Beschichte von packender Wirkung. Endlich ist noch ein neuer Doppelband (Preir 4Mark) rühmend hervorzuheben: „Die Her- rin von Ravenstein", Roman nach dem Französischen von Emmy Charles. Niemand wird diesen lebhaft gefärbten und mit feinster Empfindung du.ch» gesührten, echt katholifchen.Roman unbefriedigt aus der Hand legen.
Sammlung den Titel gegeben: „Durch Jahrh derte." Der Name Dinklage's hat in der 6t... tristifchen Welt einen so au-gezeichneten Klang, daß wir kaum noch ein Wort bei Sobel für diese empfind- nngSreichen, anheimelnden Novellen hinzuzufügen brauchen.
Die Insel Kuba ist durch die letzten blutigen Er- eignisie, durch den Krieg mit Spanien, wieder in den Vordergrund des politischen JuteresieS gerückt. In dieser Zeit wird eine neue billige Ausgabe des von Freiherrn von Schütz-Holzhausen unb Robert Springer (beide leider verstorben) verfaßten, hoch- intereflanten Werkes über „Kuba und die übrigen Inseln WestindienS" (Preis geb. 2 Mk.) gewiß allgemein begrüßt werden. 20 gute Illustrationen gereichen dem stattlichen Bändchen zur Zierde.
Unmittelbar vor dem Abschluß der dierjährigen Weihnacht-schau sandte un- der Wörl'sche Verlag den ersten Band einer hervorragenden Prachtwerkes über Japan. ES ist die mit Unterstützung des kaiserlichen japanischen HofrS veranstaltete zweite Auf- läge des von dem ersten deutschen Japanforscher PH. Freiherrn von Sibold herauSgegebenen „Nippon", Archiv zur Beschreibung von Japan und beflen Reben- unb Schutzlänbern. Japan hat in bet jüngsten Zeit der Welt ein beispielloses Schauspiel nattonaler Wiedergeburt gegeben. Der Hauptoorzug der Diebold'scheu Japanbeschreibung ist der, daß sie daS Land in seinem jungfräulichen, von den Einflüssen deS W-stenS noch nicht zerfetzten Zustande, daS alte Japan in feiner ganzen Ursprünglichkeit vor Augen führt. Der Verlag hat dem bedeutungsvollen Werke eine hochelegante und gediegene Ausstattung angedeihen lassen. Die weiße Calrco-Decke mit ihren reichen phantastischen Bold- Ornamenten macht einen pomphaften Eindruck. Der Preis von Mk. 20 für beide Bände ist enorm billig zu nennen. Eine Karte Japans vom Jahre 1840 ist dem ersten Bande angehängt.
Der berühmte Kunstverlag von v. Kühlen in M.-Gladbach bietet eine reiche Auswahl der vornehmsten Festyefchenke in religiösen Prachtwerken und Bildern. Die herrlichen Bilderwerke „Beuroner Marienleben", „Ein biblischer Todtentanz" und „Ein moderner Todtentanz" wurden schon früher eingehend gewürdigt. Als finniges Weihnachtsbild empfiehlt sich der fein aurgeführte Farbendruck „Grotte zu Bethlehem" (Mk. 1.20—2) int eigenartigen Stile der Beuroner Schule. Ein bewunderungswürdiges Werk der altkölnischen Schule, „Die Himmelskönigin" von Reister Wilhelm (1380) zeigt sich in reichster Farbenpracht dem Original nachgebildet. (Mk. 3—4) Drei schöne Lichtdruckbilder im Format 51X38 cm (Preis nur Mk. 0 80) stellen das „Prager Jesus- lind" (nachdemOnginal), „Das segnende Jesu,- Irud" und „U. L. Frau vom Berge Karmel" nach A. R. von Oer) dar. Da» Jesuskind übt durch >en wunderbaren Blick der ernsten großen Augen eine chier magische Wirkung an». Die Madonna vom Berge Karmel ist von milder Aunntth.
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Unterröcke, Spitzenkragen, Balltücher, Handarbeiten aller Art, Schirme re.
8. Strauss & Co., Fulda.
Literarische Weihnachtsschau 1896.
Bon Dr. K.
IX. (Schluß.)
Noch in letzter Stunde legte uns der Verlag der Wagner'schm Universttiitsbnchhanblung in Innsbruck ein Werk vor, da» in allen gebildeten »reifen Aufsehen erregen wird: „Siegfried, der Träumer" von Friedrich Koch-Breuberg (bayerischer Hauptmann a. D ), Roman ans den letzten Jahrzehnten. Ein hochorigineller, in feiner Art einzig dastehendes Buch! Es ist keine leichte UnterhaltungS- waare, sondern das bi» in die kleinsten Einzelheiten künstlerisch durchgearbeitete Werk eines hochstehenden Geiste», in welchem der vornehme Denker und Philo- foph mit dem scharfblickenden Menschenkenner und dem feinfühligen Dichter und fesselnden Erzähler in glück- lich-r Mischung sich vereinigt. Die Handlung des Roman- ist mit großem Geschick aufgebaut, Verwickelung und Entwickelung ergibt sich jeweils ungezwungen au» der Situation, und doch fehlt e« nicht an mancherlei Ueberrafchungen. Al» Zeitbild ist der Roman um fo werthvoller, weil er sowohl im kleinen Rahmen des Alltagslebens die Thorheiten und Schwächen der Gesellschaft geißelt, als auch in de» großen weltbewegenden Fragen der religiöfen, staatlichen und sozialen Bewegung den Fürsten und Regierungen, den Polttikern, den Männern der Kunst und Wissenschaft, aber auf der anderen Sette auch den Aposteln der Umstürze» den scharfen Spiegel der unerbittlichen Wahrheit vorhält. Dabei ist jedoch jeder lehrhafte, langweilige Ton vermieden. Unter den vortrefflichen Romanen, die wir in der jüngsten Zeit zu prüfen hatten, war keiner, der unser Innerste» in ähnlicher Weise gepackt hätte, wie) Koch-Breuberg'r „Siegfried der Träumer". Möge dar Buch, das sich nur an gereifte Leser wendet, in den gebildeten Kreisen bi» in die höchsten Regionen hinauf die verdiente Würdigung finden! (Preis broich. 2 Mark.)
Die Jnuferwann'sche Buchhandlung in Paderborn bietet in diesem Jahre mehrere ewpfehleuSwerthe Neuheiten. Da ist zunächst ein werthvolle» und sehr interessantes Werk über China: „Zehn Jahre in China" von I. R. Reiffert, em. Pfarrer und form, opostol. Missionar des chinesischen Reiche». In 16 Kapiteln erzählt der geistvolle Verfasser feine Er- lebniffe, Erfahrungen und Reisen in dem Riesenreiche, da» seit dem unglücklichen Kriege mtt Japan die Blicke Europas in erhöhtem Maße auf sich gelenkt hat. Die Schilderungen sind frisch und anschaulich, in lebhafte» Farben gehalten. Zahlreiche vorzügliche Illustrationen zieren den sehr vornehm ausgestatteten Band.
>««" | uns — noch eben rechtzeitig vor dem Weihnachtsfeste 'tue- — mit einer reich illustrirten, elegant avsgestatteten "*~c Jugendausgabe des Werkes „Besuch bei den Kannibalen Sumatra'» von Joachim Freiherr von Brenner. Farbenprächttge Raturschilderungen, sinnreiche Sagen und Märchen, interessante Schilderungen der Sitten und Gebräuche beleben die Darstellung. (Preis gebd.
3 Mark.)
Clara Freiin von Dinklage hat 15 ihrer besten Novellen in einem hübsche» Bande vereinigt. Da der Stoff dieser Gnch'chten den verschiedensten ____________„______
Zeit'pochen entnommen ist, hat die Verfasserin der ! deffen Reisebücher sich einen Weltruf eroberten, erfreut
Zweite» Klatt. 1