M 294
Montag^den21^Dezember 1896
23. Jahrgang
Pokahontas.
«vzMmig aus der Zeit der ersten europäischen Ansiedlungen in Nordamerika von Max Benno.
18] ------- (Nachdruck verboten.)
Wie blutgierige Bestien rannten die Wilde« ans diesen Befehl hi» dm Lehmhütten zu und lehrte» nach wenigen Sekunden bewaffnet wieder zurück. Der Kapitän wurde ergriffen und nach eine« Platze außerhalb bei Dories gezerrt. Wie eine Schaar Gespenster, so geisterhaft und flüchtig huschten die Rothhäute über den grünen Rase« und umtanzten, ihre Pfeile und Bogen schwingend, mit weithin dröhnendem Gehen! den Gefangenen, welchem man die Arme auf den Rücken geschnürt hatte.
Pokohattan gab ein Zeichen. Die Indianer stürzte« fich auf eine einsame Ficht», welche dazu bestimmt war, all Marterpfahl zu bienen. In weniger all einet Minute war der Baum feiner Zweige und seines grünen Schmuckei beraubt.
Die Rinde wurde mit gleicher Schnelligkeit abgeschält, und all der kurz vorher noch grün und frisch mrlfehende Baum nun wie ein weißes Gerippe vor den Augen der Rothhäute stand, da schienen in den Herzen der letzteren vollends alle Leidenschaften wach- gerüttelt zu sein. Unter rasenden Sebrrden hieben die einen mit de« Tomahawks in blinder Math ans bea
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Dezember.
* Wen« irgenb jemals ein Wort dem Bauer« ans bet Seele gesprochen worden ist, dann war es die offene Eklärungdes C-uttumsabgeordneten Dr. Schädler in bet Budgetkomnnssiou des Reichstages, daß et und das Centrum nicht eh et an die hn Nachtrags - Etat geforderte Erhöhung der Osfiziersgehälter herantreten wolle, bis die befiete Verpfl 'gung der Mannschaften namentlich auch dmch Berabreichnng von «bendeffen an die Soldaten geregelt sei. Wen« der Sohn de» kleinen Mannes, bei Bürgeri, Bauern, Handwerkers oder Unterbeamten Soldat werden muß, daun entbehrt die Familie nicht nur die Arbeit und dai Arbeitiverdienst desselben, sondern muß ihn auch noch zum Theil bei den Soldaten ernähren, und dai fühlt man als ein Unrecht. Daß ein junger gesunder Staun, der noch int Wachsen begriffen ist und an welchen den ganzen Tag draußen in frischer Lust große Anforderungen an Kraft und Bewegung gestellt werden, mit der Menage und dem Kommiß- brode nicht auikommt, wird jeder gewesene Soldat emsehen. Hat aber der Staat Soldaten nöchig, so sagt man, so soll et sie auch während bet Zeit aus- reichend ernähren, und nicht einen Theil dieser Pflicht auf die Schultern gerade der Familie« abladen, die dmch die Militärpflicht eine» Angehörige« ohnehin schön stark genug besteuert sind. Kan« der Staat dai nicht, so muß er weniger Saldaten halten, oder aber alle Bürger dafür bezahlen laffen, nicht aber gerade die Familien der Soldaten, «ai ein Sohn beim Militär für Zuschuß erfordert a» Geld und Biktualieu, weiß Jedermann, und wenn dann ein Sohn nach dem andern eintreten muß, so ist dar für die betreff eae« Familien auf lange Iahte ei« doppelt schwerer Opfer. Da muß Wandel geschaffen werden, da» ist einfache Forderung der Gerechtigkeit. Das fühlt man besonders auf dem Lande, denn das platte Land stellt die meiste« Soldaten und wird daher vo« der doppelte« Last, die Soldaten stellen und dann auch noch ernähre« zu müffen, um so schwerer gedrückt. Geht er nicht durch Ersparniffe au anderer Stelle, so stelle man die dazu erforderlichen 12 Millionen nnr ruhig in den Etat; Jedermann wird die Bewilligung zehnmal lieber sehe» oll die stetig steigende« Forderungen für stolze Schlachtschiffe und .uferlose" Flottenpläue. Der Abgeordnete Dr. Schädler ober darf des Dankes nicht nur der Soldaten, sondern auch der unablöffcg Geld und Packete cm diese senden- be« Eltern derselben versichert sei».
Fuldaer WZmniilf
mit Unterhaltungsbeilage .Sterne nnd Klumen"
uau, ■*- - —h Seertaw aetoenonmt«. — «iertelishrlicher AbonnementSpreiS ohne Brillgertsh« «d BesteTgew in FuL>a und ausmtrts 1 Mark 50 Pfennig Inserate »osten die einspaltige Sarnmndzeile oder deren Raum 15 Ps., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entbrechender Rabatt.
HandatbeitSkrast auch für das Endresultat, da» Fabrikat, vollkommen indifferent ist. Da» Reichsgericht hat daher eine« ander« Srnndsatz festgestellt und dieser ist die „Arbeitstheilung". Arbeitet der produ- zirende Arbeiter allein an der Fertigstellung des Werkel, so ist Handwerk vorliegend, arbeiten jedoch verschiedene Arbeitet zur Fertigstellung, jeder nur an einem Theile bei Fabrikates, so ist bal eine „Fabrikchätigkeit".
* Rach ben uns vorliegenden Nachrichten ist der Hafenarbeiter-Streik in Hamburg als beendet an- zuscheu, da die Mehrzahl der Arbeiter in Uebetetn- stimmung mit der Forderung deS um seine Vermittlung angerufenen Hamburger Senats, am Montag, so wett möglich, die Arbeit aufnehmen werden. Den Kampf auf die Dauer weiter fortzuführe», mußte dm Arbetter» schwierig, ja umuöglich werden, da die erhoffte« Unterstützungen aus England und Amerika anSdliebm, während die Arbeitgeber schon aus England eine Anzahl Ersatzarbeiter herangezogen und noch ganz und gar nicht durch ben Ausstand erschöpft warm. Der Senat wird es übernehmen, die Entstehung del Streikes zu untersuchen, etwaige Mißstände, namentlich in Bezug auf die Lohnsätze und Arbeitsdauer zur Sprache zu bringen.
* Die R«t»r»lifiNt«g von Ausländern wird jetzt, wie dar»Leipz Tagebl.'wlffe» will, vom Nachweis der Keuntniß bet deutsche« Sprache abhängig gemacht.
* Nachdem in Preußen, Bayern und andere« BtmdeSstaatm eise Konvertiruug der vierprozentigen KonsolS beschloffm ist, steht zu erwarten, daß sich der Reichstag nach der Weihnachtspause mit einer Vorlage zu beschäftigen habm wird, welche die gleiche Maßnahme für die Reichsanleihen versteht.
* Endlich scheint man mit der vorn Publikum so ost und eindringlich verlangtm Ermäßigung der Fernsprechgebühr«» beginnen zu wolleu. Der Staatssekretär bei ReichSpostamts erläßt nämlich im.Reichs- Anzeiger' folgende Bekanntmachung: .Vom 1. Januar 1897 ab wird im Sprechverkehr zwischen zwei verschiedenen Stadt - Fernsprecheinrichtungen del Reichl-Post-und Telegraphmgebietl, deren HauptvermittlungSanstaltm in der Luftlinie nicht mehr als 50 km. von einander entfernt find, die Gebühr für ein gewöhnliche» Gespräch bis zur Dauer von drei «tauten auf 25 Pfg. ermäßigt. Bei größerm Entfernungen beträgt die Gebühr wie bisher 1 Mi." — Hoffentlich laffen andere Ermäßignuge» nun nicht lange mehr auf fich warten.
Ausland.
• Rom, 19. Dez. Ja der gestrigen Sitzung der Depnttttmkammet kam es anläßlich des Gesetzentwurf» bett, die Apanage von 1 Million Lire für de» Prinzen von Neapel z» heftigen Szenen. Jmbriani beantragte eine Verminderung der Eivilliste, ebenso Paroui,
„Ehe ihr ben weißen Häuptling töbttt", rief sie mit lmchtmbm Airgen, „müffen euere Pfette mich durchbohren — ich sterbe mit ihm!"
Die Indianer stutzten und schautm auf ihrm Häuptling, der durch tiefen Zwischenfall augenscheinlich in mcht geringe Verwirrung versitzt worden war.
Mtt finsteren Blickm bettachtete er die Gruppe, sprach öfter lange kein Wort. Keine Mime de» bronzenen VefichteS verrieth, wo» in seinem Innern vorging. Blauhal» stand ihm zur Sette. Auch er schwieg.
Den Tod PokahontaS wollte er nicht.
Roch eine Wette schöpfte Pokohattan tief Athen». Die Hochherzigkeit feinet Tochter hatte sichtlichen Ein» druck auf »hu gemacht.
„Pokohattan", fügte er, „ist ein großer Häuptling und weise, aber Manttto ist noch weiser als er. Er nimmt da» Opfer nicht an; sonst hätte er Pokahonta» nicht au» dem Sefängniß befreit. Da» Blaßgeficht mag leben I Die weise« Männer aber sollen sich am BerathungSfeuet versammeln und der große Geist möge fie erlernten, damit Weisheit ihrem Munde entströmt."
Ma« hörte zwar ein leise» Marren und der Ausdruck zorniger Mißbilligung erschien auf manchem Gesicht. Ein offener Widerspruch aber wurde nicht laut
PokahontaS durste frei in ben Wigwam zurück» kehren, der Kapitän aber wurde in die Lchmhütte verbracht, welche ihm vorher al» Gefängniß gedient
* Der Entwurf eine» Margarine-Gesetze» ist, wie wir ta Ergänzung einer früheren Mitthetlung her- vorhebm wollen, ta zwei gesonderten, aber gleich» lautenbett Auttägm vom Centrum einerseits (Sros Hompesch u. Sen.) unb von bet Rechten, d. h. bet» Konservativen, bet Reichspartei und den Anttsemitm (n. Ratboi ff, Liebermann v. Sonnenberg, Fthr. von Manteuffel, v. Plötz u. Sen.) andererseits im Reichstage etagebracht worden. Die anttagstellenden Parteien ficher» dem Entwurf von vornherein die Mehrhett. Hoffentlich ist auch bet Bmtbesrath diesmal eiufichtiget und bietet die Hand zur Verständigung.
N Segen die Umgehung des BörfmgefetzeS. Ang'fichtS der znm 1. Januar 1897 ta Kraft tretende« Bestimmungen desBörfengefetze», welche dem Staate ein schärferes Auf ficht secht übet die Börse und dm Landwirtheu eine Mitwirkung insbesondere in der Leitung der P'oduktmbörsen zugesteht, »st verschiedentlich der Versuch gemacht worben, die bisherigen Börsen durch anderwettig organisirte Zusammenkünfte der Handel treibenden Persouen zu ersetzm. So habm die Mitglieder der Produktenbörse zu Halle einen „Verein der Setteibehändler" zu begründm be» schloffen, und ähnliche Absichten find an der Berliner Produktenbörse erwogen wordm. Demgegenüber wird jetzt offiziös daraus ausmerksam gemacht, daß die Anwendbarkeit deS Börsengesetzes und der zu deffm Ausführung ergehendm Vorschriften nicht dadurch beseitigt wirb, baß der Verkehr mit Bermettmug des Ausdrucks „Börse* in eine von dm bisherigen Formen des Böisenhandels abweichende Form fich kleidet. Entscheidmd ist vielmehr der Wirth- schastliche Charakter der stattfinbmdm Geschäftsabschlüsse und Zusammmkünste von Kaufleuten, insbesondere ihre Einwirkung auf die Preisgestaltung außerhalb der an dm Abschlüsse« unmittelbar beteiligten Kreise.
• In der ersten ReichStags-S tzung nach dm Ferien wirb Bebel bei der General-Diskussion über be« Etat bes Inner« den Fall v. Tausch zm Sprache bringe« unb angeblich auch die Hintermänner neunen.
* Das Reichsgericht hat neuerdings dm Unters schieb zwischm Handwerk und Fabrik festgestellt. Die bisher hetangezogene, jedoch nur beispielsweise auszn- fafienbe Scheidung zwischen sabrik- und handwerksmäßiger Arbett, welche das Unsallv erficherungs- Gesetz ausgesprochen hat und welche als Sefichtspuntt der Scheidung eine „gewerbsmäßige, von mindestens zehn Arbeitern ausgeführte Be- und Verarbeitung von Segen» ständen" festhält, »st, wie jedes prokttsche Beispiel lehrt, absolut falsch, da die Srmzm vollkommen verschwommen erscheinen. Auch die Auffaffuag, für fabrikmäßige Arbeit die Bmntzung der Maschine als entscheidender ober mttmtfcheidendeS Kriterium hinzustellen, ist ans demselben Grunde falsch, da niemals die Ärmze zwischm Maschine und Werkzeug festgestellt werden kann und selbst die Einfügung der motorischen Maschine in dm Bettieb nicht stichhaltig ist, da deren Arbeit-- ober Baumstamm eta, daß die Splitter umhe fl -gen, Währntt) andere dm Kapitän zu Bodm Warfen und ihn mit etaem aus der sehnigm Haut des Büffels gefertigten Ledetriemm Hände uib Füße znfammm banben. Einer der Oneidos sprang auf dm Wink des HäupttingS hinzu. Et ttng einen jener Lassos ta der Hand, welcher dm Jndionem vo» jeher zum Einfangen der wilden Pferde gedient hat.
Diese Schlinge warf man dem Gefangenen um ben Hals unb Schultern, zerrte ihn auf unb zu bet Fichte hin, um welche Pokohattan selbst mit eigener Hand drei- bis viermal die Feffel und dann ebenso um Edwards Leib schlang.
Det Kapttän begriff, daß ei« Widerstand vergeblich war, nnb ergab fich ta sein schreckliches Loo».
Einige Sekundm später hatten die Rothhäute fich in einem Halbtteis aufgeft llt unb ein Pfeil nach dem ander» dutchschwitttt die Luft.
Mit unglaublicher Fertigkeit Wußten die Wttdm ihr Opfer so zu treffm, daß keine einzige Wunde tödttich, der Schmerz dagegen um so empfiablicher war.
Da hallte auf einmal ein markerschütternder Schrei dmch die Lust und mit fliegenden Haatm stürmte Pokahontas, die aus ihrem Sefängniß zn emfliehm vermocht hatte, heran.
Sie durchbrach die Reihm der Schütze» und deckte dm Sebnndmm mit ihrem eigene« Lech.