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Samstaa, den 19. Dezember 1896

23. JahrgMg

Zweites Klatt.

Literarische Weihnachtsschau 1896. Bon Dr. A.

VIII

Der Verlag von vevziger & Co. in Sinfiedel« legte ben abgeschlofleuea 30. Jahrgang 1895/96 der „Alten und Reuen Welt" in p ächttaem rothen Solilobavde (Preis 8.40 Marl) auf den WühnachtS- tifch. Wer »och immer nicht von der vorgefaßten Meinung loskommen kann, die Katholiken deutscher Zunge besäßen keine Unterhaltung-- und F m lien« blätter, welche sich den Erzeugnissen anderer Richtungen ebenbürtig an die Seite stellen lasten, der nehme zu seiner zw ckdienlichen Bekehrung nur diese« in der That mustergiltigen Jahrgang von „Alte und R ue Welt* zur Hand. Der stattliche Band von 816 Seiten enthält u. A. 38 Romane, Novellen, E zätz- lunge« rc. und 62 prpaiäre Beschreibungen und Ab­handlungen über alle Gebiete dr» WiflenS, der Kunst, der Forschung und Erfindung, ferner viele Biographien, Gedichte, Humoresken, dazu eine fortlaufende Welt- rmldschau und eigene Beigabe» für die Fr wen und Kinder. Der Text verräth in allen Spalte« einen avßerlese«« Geschmack. Da» gilt i« fast noch höherem Grade von der geradeza überraschende« Fülle de» B lderfchmvckeS. Wir wünsche« der „Alte« und Reuen Welt* ei« aufrichtige- „Glückauf!* auf der so erfolg­reich emporsteigende» Bahn.

Al» sehr empfehlen-werthe Neuheiten de» Ben- ziger'jchen Berlage- erwähne» wir di- billigste Volks- anSgabe von Goffine'S „Handpoftille" (folib gebunden mit 448 Seite» Txt 2 Mark) unb die Ausgabe HI (mit großem Druck) bei Thomas von Kempe« („Nachfolge Christi") nebst einem Gebet­buche, neu bearbeitet von Bernharb L"-ke (in solidem Einbände mit 480 Seiten T xt 150 Marl). Das hervorragend schöneKunstalbnm „Magnificat* (12 Bilder aus dem Leb-n der Gottesmutter) von UnterSberger wurde schon im vorigen Jahre ein­gehend gewürdigt. Der Preis von 5 Mark für biete» Prachtwerk ist m»hr als Wohlfell zu nenne«.

Der Benziger'jche Verlag bietet auch einige neue Wanbdllber, die sich vorzüglich zu Festgeschevken eignen bürsten. Ei» Blld, distw Anblick mächtig ergreift, ist „Der kreuz tragend Christus", ein künstlerisch vollendeter Farbendruck nach dem Gemälde der Freu» von Oer. (Prei» 4 Mark.) Zivei neue Farbendruck- bllder der „heiligen Familie" find nicht minder zu loben. Da» eine ist ein Werk der Beuroner Kunstschule und ist dementsprechend streng, aber harmonisch st lifirt. (Prei» 4 Mark ) Dar zwelle ist »ach einem Aquarell von Gaiedanv meisterhaft dmchgeführt. In der That ein edler und zugleich vornehmer Z mmerschmuck! Die 3 Bllder find auch in prachtvollen Rahme» z« beziehen.

•ine reichhaltige Sammlung gediegener Festbücher bietet der Verlag d-r Jos. kösel'schen Buchhandlung in Kempten (SllgSu). Dr ist zunächst die von dem verstorbenen Koneberg begründete, von Konrad Kümmel mit großrn Geschick sortgesetzte „Katho­lische Kinderdibliotbek" zu nennen. Namentlich die vandau»gabe (4 1 Mark) eignet sich vorzüglich zu Ciristge'cherlken für die Klemen. Für jede» Zweck und jede» B-dürfniß ist gesorgt. Auch die 10 Bändchen „Katholische Jugendbibliothek* von Konrad Kümmel, welche interefiante und Mich reine Er- zäh ««gen von Wengemoy , Koneberg, Z ule, W hner. Hart, Pötsch, Elz enthalten und mu Bild ru in Farben- und Tondruck geziert stad, können al» billige Bsittbücher wärmsten» ewpsth en werde».

Für kunstlrebende Damen, auch für klösterliche Institute und namentlich als Handbuch für den Klerus möchte« wir Knoblauch'- „Paramenten- stickerei* (geb. 4 Mark), Allen aber, die mti Kirche enb Altar »» th.n hab.«, dcs ebenso prakttsche wie g-diegene Werkcheu d- S K. Garte» Oberinspektor- Max Kolb über „Pflanzen- und Blumen­schmuck für Altar und Kirche" (zeb. 3 50 Marl) m^Ermnerung bringe«. De« Verehrer« deS hl. An-

uldilerMZkitllnis

mit N«terhalt»«g»-KrUasr „Ktrrnr mü> Klumen"

Srvbeiut täqlich, Som,- und Feiertage ausgenommen. — «ierteljährttcher AbonnementSpreiS ohne Bringertoh« und Bestellqeld m Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

8 Inserate kosten die -inspaltige Garnumdzeile oder bereit Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt._______________

tonitt» von Padua wird daS mit vielen Voll­bildern geschmückte stattliche Werk bei Dr. Niko­la«» Heim über da» Lebe« und die Verehrung diese» groß« Heiligen (geb. 8 Mark) hochwillkommen sem.

„Absalon" betitelt fich eine biblische Tragödie in fünf Aufzügen, welche Max von Theuern in hübscher Ausstattung bei Kösll erscheinen ließ. Da» Drama veiräth ein brachterSwerthe» Talent und ver­dient eine fte-mdliche Aufnahme.

Köfel in Kempten hat bekanntlich de« Alleinverlag der berühmten Kueipp-Literatur, deren neueste» Erzeu^iß, „Kodizill zu Meinem Testamente für Gesunde und Kranke" von Sebastian Kneipp, nicht nur für alle Verehrer de» Prälaten «ud seiner Wass rkm, sondern auch sür solche zu empfehlen ist, die bi»her der Kae'pp Methode skkptisch ober ablehnenb ßegenüberstanden. Wir fuben bie An­schauungen Kneipp'» in manche« Dingen geklärt unb gemildert. Kveip? gehört nicht zu denen, die nicht lernen und «icht fortschreitenwollen. Im Gegen!hi!! Der stattliche Band ist reich ill ustritt (geb. 3 40 Mark).

3m Berlage der BouifattuSdruckrrei in Pader­born erschien in zweiter Auflage do» allerliebste, hoch- poetische, geschmackvoll illnstrirte Märchen „Mutter- thränen" von P. Ambro» Schupp, 8. J. (geb. Mk. 160); i« dritter Auflage Gosst »'S „Hand- Postille" i« der Bearbeitung vo« W. Cramer, durch Sonn- und Festtaglbctrachtungrn ergänzt unb mit rinem prächtigen Farbentitel, zwei Titelbilder« und viele« große» unb kleine« T-xiillastrationen an-- grstattet (in Halbleber gebunbe« Mk. 3); in 6. Auflage da» vortreff iche Lehr- und Gebetbuch „Jesu», bie K one bet Jungfrauen", von P. Joseph Waldner, 8. J. (geb. Mk. 150); in 3. Auflage endlich „P. Martin von Cochem'» Meßerklärung" für Klern» und Volk (geb. mit Rothschnitt Mk. 1.50). Al» vornehme» Festg« schenk für alle Stände ist bte unter dem Titel „Goldkörner" erschienene Samm- lung kleiner Rathichläze zur Vervollkommnung und zur Beglückung de» Leben», im Anschluffe an da» ftan- zöfische Original bearbeitet von Gräfin C. Holn­stein, mit bisonderer Au?z°ich«ung zu erwähne« (elegant gebunden Mk. 2 40). Bon den liebliche« Märche«büchlein in buitem Umschläge, deren jedes nur 10 Pfennige kostet, find wieder st ben neue Bänd­chen erschienen: „Die Rose vo» Jericho", „Die Stern­knaben", „Die Insel Maledik-a", „Kloster Allerseelen", „Der R ese Kaltekalt", „Die Lamplmger Matkenfahrt."

Der beliebte Jugend- unb Bolklschriststeller Otto von Schaching ließ zum Weihnacht-feste drei präch­tige neue Gesch nkbände für ba» Volk und die Jugend erscheinen, denen die Rationale Berlagsanftatt (vor- mal» G. I. Man.) i» Regensburg die geschmackvollste und vornehmste AvSsta tung angedeihe« ließ. Die historische Erzählung „Bayerntreue" hat die ver- hängnißvollen, tief erschütternde* Ereign ff e deS Jahre» 1705 zum Hintergründe, die in der Sendlinger Mord- wettinacht ihren tragischen Abschluß fanden ünd die Fürstentrrue der Oberländer Bauer« im Glorienscheine eine» heldenmüth gen Martyrium- zeigten. Der Ber- ftff-r hat sein Buch ausdrücklich dem Z necke gewidmet, bie Vaterlandsliebe unb da» monarchische Bewußtsein, welche von den Mächten de» Umstürze» au» den Herzen de» Volke» ger iffru werden sollen, neu zu beleben unb zu stählen. Zwei vortreffliche Photogravüre« «ach Bilder« vo» A. Hoffman«, vo« denen besonder» bie herrliche Szene: „Pater Haspinger vom Kloster Weyar« segnet bie zum Kampfe auSziehendr« Oberländer" eine pickende Wirkung ausübt, sowie eine bewegte Titel- bttdszene gereiche« dem stolz n Baade zu besonderer Z er. Elegant gebunden Mk. 4)

In ähnlicher gediegener AnSstattung» gleichfalls mit zwei Pbotograv Ire« g-fchmLck ., p eäsertirt sich da» neue Werk Otto von Schachinger'»: „Gefchichten aus dem Volke" für dar Volk und die reifere Jagend. In ben ver Geschichten: „Trandl, bie Sängerin", „Die S ff i'Utr", „Der P otz'as pp" und ba» „Mäd- chrn von Spinge»" beweist Schachiaz seine Meister­schaft in ber Schilderung bei B lk»leben- unb B Ui» cha-okter» bi» in bie kleinste« und intimsten Züge. (Geb. Mk. 4)

Da» selbe günstige Gesch'ck möchte« wir dem hifto- rische« Gegenstück dieser BolkSgrschichte«, ben „Ge­schichte« av» alter Zeit" von Otto v. Schachmg

wünsche«. (Elegant g-buvbm Mk. 4) Boa bett drei Erzählttttge«, „Meier Hrlmbrecht", eitte mittelalterliche Dorfgeschichte, „Peter Buchwa'.d, bet Hafist", geschicht­liche Erzählung au» dem 15. Jahrhundert, „Leben unb Abenteuer der Simpliziu»", Geschichte au» dem 30jährige« Kriege, stab bie erste und die letzte Bear­beitungen de» gleichnamige« mittelalterliche» Gedichte» und de» gleichnamigen berühmte» Romane» von Grim­melshausen, während der mittlere auf genauen geschicht­lichen Studien beruht. Namentlich im „Simpliziu»" ist natürlich alle» aurzemerzt, wa» verl tzen könnte.

Der Verlag von Dr. Max Hnttler (Michael Seitz) in Aug-bur, bringt zunächst in 60. Auflage em beliebte» WechnachtSbüchleiu: „Da» Prager Jefnkindlein und seine Verehrung" von P. Koneberg, fortgeführt durch P. Jos ph Mayer. (Prei» geb. 50 Pfq., feinst geb. 80 Pfg) Sm hüb­sche», empfiadungSsollk» Weihnacht»melodram für Blinde bietet der al» geistreicher Dichter und volkSthümliche Erzähler rühmlich bekannte geistliche Rath Steigenberger unter dem Titel: „Durch Nacht zum Licht." (Prei» 50 Pfg.) Eine wrll- kommene Bereicherung der natnrgefch chilrchen Literat« ist da» verdienstvolle Werk de» Symnaflalprofeffir» und ReligionSUHrer» Max Birle: „Zeugnisse au» ber Natur", Betrachtungen über die Schönheit, Zweckmäßigkeit unb Smnbildlichkeit ber Natur. (Preis g-b. Mk. 4 50). Der Verfasser schildert an der Hand unumstößlicher Zeugnifle und Beweise, die Offenbarung Gotte» im Reiche ber Natur, in unserer materialistischen Zettrichtuug gewiß ein Unternehmen, dem man die wärmste Aufnahme bei Jung unb Alt wünschen muß.

Ein Friedensprediger in de» Worte» schönster Bedeutung ist Max Steigenberger. Diese» be­kundet er in ben unter bem Titel „Wahrheit unb Friede" erschienene» Briefen für freie Geister, die er bnrch liebevolle« Zuspruch aus ben Weg ber Wahr­heit zurücklühr«, möchte (30 Pf.) und in der größeren Broschüre(80Pf.): „Ei« Wort de» Frieden» für Protestaute» und Katholiken", Evangelische Briefe eine» Katholiken, welche soeben die 2. Auflage erlebten unb von ber Kritik im katholischen Lager sehr günstig beurthrilt wurden. Im Berlage von Seitz i« Augsburg erscheint auch ba» Organ bk» Psalmenbunde» und de» GebetSverein» zur Wiedervereinigung aller Christen, redigirt vom katholischen Pfarrer Julin» Hirschberger in Stettin, herau»gegeben von der Stif­terin des Psalmenbunde», Frau Julie von Maffow.

Eine« neuen katholischen Dichter leinen wir in demEpo» „Rati»bou«e" von I. I. Krieg, Priester ber D özeft Fulda, kennen, welcher sorben im Berlage von ®. Rehr körn (F. I. Reinhardt) in Fulda erschiene» ist (eleganter Goldschmttband 4 M.). Krieg hat da» wechselvolle und hochinteressante Lebe» de» Pater» Alphon» Ratidbonne, de» Stifter» der Orden» bet SionSschwester« im heiligen Lande, zum Gegenstand einer gehaltvollen, an herrlichen Bildern und tiefen Gedanken reichen epischen Dichtung gemacht. Die Svrache ist edel und künstlerisch autgefeitt, die Verse fließen glatt unb volltönend dahin. Die treff- sichere Charatterzerchnung, die plastische» Naturschil­derungen und da» ganze äußere Beiwerk zeugen von scharfer Beobachtungsgabe, gepaart mit großer dich­terischer Gestaltungskraft. Wir wünschen dem achtnng- gebietenden Musmkmde de» hochbegabte« Poeten viel Glück auf den Weg in die Häuser und Herze« der Leser l >

Im Berlage von Adolph Russell in Münster i. W. erschien eine mit gutem Geschmack an-gewählte Samm­lung vo« 17 patriotische« Erzählungen unter dem Titel „Deutsche Art", der deutsche« Jugend gewidmtt von Karl Cassan. Zahlreiche lebenswahre Jllustra- t onen unterstützen die Anschaulichkeit der frisch ge- schriebenm, warmblütigen Geschichten (Originalband 2,40 Mark).

Carola Freiin vo» Eyaattev bietet uni einen reiz nd illustrirten Kranz von 15 romantischen Sagen und Gedichten für bie Jugend. DaS hübsch au-gestatteteBuch trägt benTitel „Aus vergangenen Zesten" unb ist atS Frftgefchenk wärmsten- zu em­pfehlen. Schl-ßlich sei auch noch ber bei R^fiell herauS- gegebene« ar-gezeichneten LebsnSbeschrribung bei „Hl. Aloysin» von Songaza", an» demFranzöfisctren deS P. H. Eh «rot 8. J, mit wohlverdienter An­erkennung gedacht. Dr- mit zwri ansprechenden Bildern