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Samstaff, den 19. Dezember 1896
23. Jahrgang
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Fulda, im Dezember 1896.
Redaktion und Verlag der »Fuldaer Zeitung'.
Pokahontas.
Stählung au» der Zett der ersten europäischen Ansiedlungen in Nott>amerika von Max Benno.
17) ------- (Nachdruck verboten.)
6.
„W e soll ich Dir danke», Du gutes Kind, für all' Ha», war Da schon für mich gethau hast? Für Dine A -stpferu-g und Selbstverleugnung, durch w lche Du oitlle'chl selbst in'» Verderben gestüzt wirst?"
Diese Worte richtete Kap» Sa Eoward Smith aa da» Indianer»ädcheu PokahontaS, welche» in einer geräumige» Höhle auf eise« nied igeuFelSow sprang laß.
Edward ruhte auf einem Lager von MooS und Laub. Enn Aeußere» bekundete, daß die ihm durch Heu Indianer beigebrachte Wunde nicht ungefährlich gewesen war, denn er sah bleich und abgehärmt aa».
Die Höhle selbst befand fich in einer hohen FlS- wand, br jmigeu, wo er da» Mädchrn zum ersten Male erblickt hatte, nicht weit von de« Flusse emfrrnt. Sie war ziemlich groß, aber die Ausstattung einfach gaaug.
Dc» Mädchen beugte fich ein wenig zu dem Kranken herab. Ihre Bücke hingen mit unbeschreiblichem Ausdruck an ihm.
.Du brauchst mir uicht zu danken, Hävp ling der Beigm," entgegnete st«, „waS ich that, duS maßte ich thun, denn mein Herz trieb mich dazu. Hätte ich ruhig »«sehen solle«, al» der blutdürstige Blauha - feiqe« Tomahawk schwaug, der Dich uafehlbar g-röttet ,zd Demen Skalp geraubt Hütte, wäre er nicht durch
meinen Angstruf in Verwirrung gebracht worden, den ich noch im rechten Augenblick; auSstieß? Gleichwohl war die Gefahr für Dich gn ß genug. Deine Brüder hatten da» Torf bereit» verlass;« und die Rückkehr der entflohenen Indianer stand für jede Sekunde bevor. Hätte ich Dich diesen preiSzeben sollen? Sie würden Dich zerfleischt haben, wie eS der Taube vom Geier geschieht. "
Der Kapitän nickte ihr beifällig zu. Mit gehobener Glimme fuhr do» Mädchen nach einer Pause fort: „PokahontaS dürstet nicht, wie unsere Krieger, nach dem Blute der Feinde und da» Deinige ist ihr themer al» daS eigene, ja noch viel mehr. Sie ist stark; sie kennt weit und breit jeglichen Pfad und jeder Versteck auf dem felsigen Grund. Der große Geist war gnädig und Hot ihr den rettenden Gedanken gesandt, er stählte ihre Kraft und so brachte sie Dich hierher. Sie wußte noch mehr thun, sonst war da» bereits Geschehene umsonst. Sie durste Dich nicht hilflo» hier lasten, sondern mußte Dich sfl-gen, mußte heilsame Kräuter sammeln, mit denen sie Deine Wunde verband, sie mußte den Bogen spannen und da- flüchtige Wild liegen, damit sie Sp ise bereiten konnte für Dich und für sie. Sie wird vei Dir bleiben, bis Du wieder ganz hergestellt bist und zu den weißen Männern zmücklihren kamst."
Mit inniger Bewunderung, mit einer GmpfiidMg, die ihn fast übermannte, harte der Kcpitäu auf die Worte der hochherzigen Jungfrau gehött. Er bezwang fich jedoch und drängle da», wa» er sagen wollte, ge- wattsam zurück.
„Aber mein th ure» Kind," nahm er nach einer kleinen Pause daS Wort, „denkst Du nicht daran, daß man Dich verm.stes und v'nlleicht Verdacht schöpfen wird und war Deiner wartet, wenn Dem Stamm erfährt, woS Du gethau hast?"
Ei« Strahl opferfreudig r Entschlossenheit brach auS den Augen des Mädchens hervor. „PokahontaS," erklärte fie, „wird eine Aus edr fiadrn und der Vater ihr glauben, denn er liebt fie; nach den anderen aber fragt sie nicht v'el. Und selbst," fügte fie mit er- hoben» Stimme hinzu, „wenn fie leiden, wenn fie sterbe« muß, dann geht fie unverzagt in den Tod, wenn fie weiß, daß derjenige in Sicherheit ist, dem ihr Denken und Fühle», dem ihr Lben gehört." ....
Die Befürchtungen Edward'- waren nicht ohne Grund. Das unerklärliche Verschwinden der weißen Taube hatte die Indianer in hochgradige Auftegung versetzt. Diese steigerte fich «och, alS bekannt wurde, daß die Weißen ihren Häuptling vermißtes und daß vergeblich nach besten Leichnam gesucht worden war.
Pokohattau war tief bekümmert, den jungen Häuptling BlauhalS aber durchlebte ein andere» Gefühl.
Barza, die durch die Flucht dr» Mädchen» ihre Pläne bedroht sah, hatte ihm einen heimliche« Wink gegeben und dadurch seine Eifersucht zm wildes Raserei ang-f--cht.
Er theilte seinen Argwohn Pokohatta» mit und rief auch in diesem die Leidenschaft wach.
Der Häuptling wählte zuverläsfige Männer und sch'ckte fie al» Späher nach allen Richtungen auS. Bei Tag und Nacht waren einige derselben unterwegs.
Ein Tag um de« anders verging jedoch und die Streife blieb ohne Erfolg.
Da kam eine» Morgen» einer der Kundschaster mit erhitztem Sefichte und triumphirender Mene in'» Dorf. Sofort suchte er Pokoyattan auf.
„Gefunden," rief er diesem entgegen, „der große Seist hatte weine Schritte gelenkt."
Uib nun erzählte er: „ES war dunlle Nacht. Rar zuweilen trat der Mond zwischen den Wolken hervor. DaS schreckte micb nicht. We der Fach-, der auf Beute arSjkht, schlich ich mich durch den Wald. Da v:r«ahm ich einen Laut, der entsteht, verm ein kräftiger Fuß den Boden betritt. Bon ein-m Thier la« er nicht her, daS wußte ich. Lauschend legte ich «ich nieder und kroch darin gegen eine kleine Lichtung hinan. In diele« Augenblick erschien der Mond wieder und bei d st en mattr« Schein lad ich eine weibliche Gestatt, die an einem Bächlein Wasser schöpfte, daS dort die Wüduiß dnrchreu'cht. M:me Augen find scharf; auf den ersten Blck erkannte ich PokahontaS, die weiße Taube, die fich v-?a ihrem W-gwam fern hält. Sie ging und ich folgte ihr. Sie eilte auf eine starke Fel-»and zu, die bis weit hinauf mit Schlingpflanzen
und Strauchwerk bedeckt ist, hinter dem verschwand fie. Unhörbar wie eine Schlange I och ich näher «ud fand den Eingang in eine Höhle. A s derselben aber vernahm ich die Stirn se Deiner Tochter und diejenige eine» MaamS. DcS wird für Dich genug fein. Du weißt nun, wo fich die weiße Taube aufhätt und warum sie nicht in da- Dorf zurücktthrt."
Der Häuptling batte die Botschaft entgegen genommen, vH re ein Wort zu sag n. A!S jedoch der Bote schmieg, stieß er einen Schrei an», wie der Jaguar, wenn er fich zum Sprunge auf die Beute anschickt.
„Ha," knirschte er, „die Treulose, die Berrätherm, die den Namen ihrer Väter beschimpft, da» hat noch nie eine Sqaam der Oneid 8 gethan! Doch fie soll rS büßen. Ich will mein H rz begraben und vergest-n, daß fie mein Asgapskl war. W-Hr aber dem Blaßgeficht, durch welche» sie verführt worden ist. An den Marterpfahl m t ihm, wo et de« durch d u Frevel Pokahonta» beleidigten großen Geist zum Opfer gebracht werde» soll."
Mit Bl-tz Sfchmlle verbrettete fich die Botschaft, welche der Späher gebracht hatte, durch da» Dorf. Racheschnanbend erschien Biauhal» bei Pok. hattan, der sofort eine Anzahl Krieger sammelte, und von dem Kundschafter geführt, nach der Höhle aufbrach.
Hier stand Polahonta», nich S Schlimme» ahnend, 'i an der Fmerstelle und schmorte ein St? ck Wilüenterflusch, I während der Kapitän in sanftem Schlummer aus dem Z weichen Mors las-
Bon Z it zu Zeit warf da» Mädchen einen Blick | auf den Schlafenoen, in dem eine unaussprechliche ’ Zärtlichkeit lag.
Auf einmal hob fie lauschend den Kopf. Sir hatte ein ungewöhnliches Geräusch in der Nähr gehö t. Vorsichtig näherte sie fich dem Eingang in die Höhle — prallte jedoch mit einem Schrecken»« und Augstruf zurück.
Ei« Haufe von Indianern durchbrach in diesem Augenblick die natürliche Schutz mehr dcS Versteck» und drang in die Höhle hinein.
PokahoniaS fühlte fich von rauhen Armen umfaßt. Mit vor Zorn glühenden Augen stand der Vater vor ihr. Er sprach nicht ein Wort. Dagegen band er ihr die Hände zusammen und übergab fie einem Krieger zm Bewachung.
Jndkstrn hatten fich die übrigen Rothhäute auf de» mit jähe« Entsetzen auS seinem Schlummer aufge- fahrenen Edward gestürzt. In seiner grenzenloses Eifersucht und Wuih erhob Btauhal» den Tomahawk, um ihi auf den Kops de» Wehrlosen nieder zuschmetteru'; doch der Häuptling hielt feinen Arm auf.
„Halt," rief er, „nicht fo, er soll sterben wie Masitt» es für die Verräther vorfchreibt."
Der Kapüäu uib Pokahonta» wurden nach de« Dorfe geführt und letztere vorläufig is eine feste Hütte gesperrt.
Die ganze Eimvohuerschast sammelte fich auf de« freien Pl-tz, wo der tzäuplling «it den weifen Männer» seine Berathmkgen pflog.
Edward wurde dahm gezerrt und bei feinem Anblick tönte ein rachgierige» Geheul auS der Dämonen gleichen Menge heran».
„DiefeS Blaßqsficht," tief Pokohatta«, 'hat den Tod zehisach verdient. Er ist eS, der nn» at» den fchöuen Jagdgründen am großen Salzvafier verdrängte, er fandte Hunderte nuferer tapferste« Brüder durch feine Feuers Hlüude in den Tod und hat meine Tochter, die weiße Lande, verführt. Ihr «ißt eS. Hot eure Bogen und Pfelle, und dann zum Opferfest, durch da» die unerhörte Schmach gesühnt werden soll."
(Fortsetzung folgt.)
vermischtes.
* Ein LSpöckiges Haus geht gegenwärtig in New-York seiner Vollendung entgegen. Dasselbe steht an der Ecke de» Broadway und der Annstreet und wird von dem bekannten amerikanischen Millionär Havemeyer ganz auS Stahl und Steinen erbaut. Die Grundfläche bildet ein Rechteck von 13 zu 17 Meter Seitenlänge mit einer Straßenfront von 13 Metern. Dieser Himmelskratzer — wie ihn die Amerikaner scherzweise nennen — b< sitzt außer doppeltem Keller und Erdgeschoß 26 bewohnbare Etagen, die sämmtlich nur durch Fahrstühle, berat sechs vorhanden sind, erreicht werden können. Da die ganze Höhe des HauscS 104 Meter beträgt, sind die Hälf e der Huf» züge sogenannte Expreß-Elevatoren, die nur int fünften, zehnten, fünfzehnten, zwanzigsten und fünfundzwanzigsten Stockwerk halten.