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mit UnterhaUimgs-Hrttirge „Sterne und Htumen".

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Mittwoch, den 16 Dezember 1896.

23. Jahrgang

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Zweites Statt.

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ZU viel von Einem.

Eine lustige Weihnachtsgeschichte.

Man hatte sie sehr lieb im ganzen Verwandtenkreise, die gute Tante Dora. Welche reiche, kinderlose Tante wäre denn auch nicht von allen Neffen und Nichten zärtlich geliebt! Das Außerordentliche in diesem Falle bestand nur darin, daß außer der offiziellen Zuneigung noch eine ganz private und wirklich verdiente vorhanden war. Denn Tante Dora gehörte zu den Liebenswürdigen, zu den Seelen­guten, zu den Unkritischen. Ja, sie begriff nicht einmal die moderne, ironisirende Art der jüngeren Generation!

„Kinder!" pflegte sie auszurufen, „ist denn das Kritifiren ein Vergnügen?"

„O ja, Tantchen", sagten die Backfische. — „Pfui Deibel!" sagte ihr Neffe Jochen, der Krittler von Beruf an einer Zeitung war und deshalb diese Thätigkeit haßte.

Wie viel Anhänglichkeit nun aber auch die Tante ge­noß, so war sie doch oft allein. Besonders machte sich ihr diese Einsamkeit an den Abenden vor Weihnachten und Silvester fühlbar. Und nun war schon wieder Weih­nachten da! Nein, wie die Zeit im Sauseschritt rast, wenn man erst einmal graue Haare hat!

Tante Dorchen hatte wohl eine ganze Anzahl Ein­ladungen für den Weihnachtsabend erhalten, aber sie mochte keine annehmen; sie fühlte sich doch immer etwas überflüssig im engsten Familienkreise Anderer; lieber saß sie allein zu Haus und dachte an ihren guten Seligen. Sie rückte sich dann sein Bild so zurecht, daß es von der großen Oellampe hell beschienen wurde, und „pflegte Er­innerungen".

Ja, nun war er schon fünf Jahre tobt, der brave Mann. Freilich, mehr Ruhe als früher hatte sie ja in dieser Zeit gehabt; denn es knurrte Niemand, es wider­sprach ihr Niemand, sie konnte absolut thun und laffen was sie wollte — aber einsam, ja recht einsam war es nun ohne den treuen Gefährten!

Sie hatte sich zur Gesellschaft schon längst ein Thier gewünscht, ein Hündchen oder noch lieber einen sprechenden Papagei und sie hatte diesen Wunsch sogar im Sommer einmal bei Gelegenheit eines großen Familien-Whistabends

laut geäußert. Aber man hatte schier nicht darauf ge­achtet, und ihr selbst war er wieder aus dem Kopf ge- ; gangen, und erst heute Abend fiel er ihr wieder ein.

Sie hatte die Köchin und den alten Diener Just be- i reits beschert. Nun saß sie neben dem Kamin in einem ;■ großen Lehnsessel, rührte in ihrem Theeglase und schaute ' in die ruhig brennenden Wachskerzen am Baum. Sie ■ war entsetzlich allein in diesem Augenblicke, und sie sühlte ! es schmerzlich. Der Ton der Thürklingel weckte sie aus j ihrem trübseligen Sinnen auf. Was mochte das sein?

Just öffnete vorsichtig und weit die Salonthüre und i trug vor sich her ein großes Messingbauer herein.

„Eine Empfehlung von der Frau Regierungsrath!" meldete er.

Tante Dorchen sprang fast wie ein junges Mädchen auf.

„Nein, wie reizend!" rief sie. „Ein Papagei — ein Kakadu! Und ich habe mir so sehr einen gewünscht! Stellen Sie ihn hierher, Just, neben mich. So! — Wie heißt du denn, mein Thierchen?"

„Kakaduuuh!" versetzte prompt der Bogel. Gleich darauf schrie er wild: „Mama, Zucker!"

Tante Dora, die ein wenig zusammengefahren war, holte eilfertig ein Stück Zucker herbei. Richtig, das gute Thierchen nahm es. Nochmals ging die Thürklingel. Dies­mal dauerte es einige Minuten, als Just erschien. Wiederum trug er ein Bauer, diesmal aus Nickel, vor sich her.

„Eine Empfehlung von der Frau Sanitätsrath!" sagte er.

„Noch ein Papagei?" rief Tante Dorchen ein wenig verwundert. „Nun desto besser, da haben die Thierchen Unterhaltung."

Diesmal war es ein grüner stattlicher Vogel. „Wie gut von meinen Nichten!" dachte die dankbare Tante. „Da haben sie sich gleich meinen flüchtig ausgesprochenen Wunsch gemerkt! Dabei sind diese Vögel so theuer, — na, ich - werde ihnen einen fetten Neujahrsgruß dafür senden."

„Wie heißt denn du?" fragte sie den neuen.

„Halt den Schnabel! schnarrte sie das sonderbare Thier an. '

„Kakadu!" rief der andere. „Halt den Schnabel!" . schrie der Grüne noch lauter. -

„Kakadu, Kakadu, Kakadu—u—!" sagte der Weiße, der zur Opposittonspartei zu gehören schien.

Verdutzt stand Tante Dora vor den beiden sprechenden Thieren. Der Lärm würde sich doch wohl legen, dachte sie. Wenn nicht, nun, so mußte sie jeden in ein anderes > Zimmer bringen.

Mein Gott, da klingelte es schon wieder! Just, der

seinen Weihnachtspunsch in Ruhe trinken wollte, ging ärgerlich zur Thür. Aber da draußen stand ja noch ein Dienstmann mit einem Papagei! Diesmal war es ein grauer.

„Ich sollte das hier abgeben", sagte der Dienstmann.

„Unsinn! Stimmt nicht!" rief Just und machte dann die Thür wieder zu.

„Dunderschock!" sagte der Dienstmann und klingelte energischer.

Just kam gelaufen und Tante Dora auch. Nein, da war kein Jrrthum möglich; sie mußte auch den dritten Papagei in Empfang nehmen! . . .

„Just, bitte, tragen Sie ihn zu den Uebrigen", sagte Tante Dora bedrückt, indem sie dem Dienstmann ein Trink­geld gab.

Kaum sah der Graue die beiden Genossen, so erhob er ein ohrenzerreißendes Gekreische, in den alsbald die beidm andern einstimmten. Bald aber duckte er sich zusammen, schob einen Kranz von Federn um seinen Schnabel und erklärte:

„Freu' dich über jeden Dreck!"

Tante Dora fuhr entsetzt zurück. Das war denn doch kein Salondeutsch! Aber vielleicht hatte sie nicht recht gehört.

„Papchen", sagte sie, „sprich doch nochmal was, liebes Papchen! Was hast du gesagt?"

Setz' dich über alles weg, Freu' dich über jeden Dreck —" wiederholte klar und laut der Vogel. Nun mußte Tante Dora doch lachen ; das war ja der Wahlspruch ihres lieben literarischen Neffen und großen Kritikers! Und natürlich hatte er diesen mit größter Mühe dem Vogel beigebracht, nur zu ihrer Belustigung. So ein guter Mensch!

Tante Dora holte nun Zucker für alle drei, und daS war unvorsichtig, denn die aufgeregten Rivalen sprachen jetzt alle durcheinander. Der Grüne kramte eifersüchtig seinen ganzen Wortschatz aus, der auch ein unsanftes: „Du alte Schachtel!" enthielt, das jedoch gemildert wurde durch ein schmachtendes, gesangartiges: „ — a — a — ah, embrassez — moi!"

Die Tante umarmte ihn zwar nicht, aber es war klar, daß dieser ihr Liebling werden würde. Denn nun ent­deckte sie an seinem Bauer einen Zettel mit der Information: „Jako ist vollständig fingerzahm und lernt binnen wenigen Tagen neue Worte."

Just wurde hereingerufen, und eine Berathung über die Placirung der Vögel fand statt.

(Fortsetzung auf der dritten Seite.)

Wilhelm Rauscher, Domgoldschmied AriedrichsrnarLt FULDA AriedMsmarLt

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