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M 289 Dienstag, den 15. Dezember 1896 23. Jahrgang

FilldaerMZeitiiiii;

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Ende Dezember kostenfrei

übermittelt,B

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Dezember.

ft Der Reichrkanzler hat an die Prisidien der beide» Häuser de» Landtage» zum Donnerstag Einladangen zu einem Diner ergehe» lassen, an dem auch der Kaiser theilnehmen will.

O- Dr. Karl Peters plant ein »euer Abenteuer nach dem Muster seiner famosen Emin-Pafcha-Exp?- bitten. Wie die für ihn sehr eingenommene,Post^ berichtet, hat er eine Londoner Firma gewönne», die den Zug in das Somaliland auSritfim will, beffea Zweck theilweise Sport bilbrt. Rach den un» zu- gehende» Nachrichten bürste Dr. Peters nicht allein ganz andere Zwecke verfolgen, fondern vor allem auch noch andere Z ele im Auge haben, al» er der engli­sche» Presse mittheUt. Dr. Peter» wird nach jenen Angaben von mehreren Deutschen begleitet werden and vo» der italienisch« Seite au» in da» Somaliland dringen', von dem er glanbt, daß e» großen natür­liche» Reichtbum besitzt. Seiner Anficht nach find dort Kor«, Reis und Straußenfeder» in Fülle anzutreffea und wahrscheinlich auch Gold zu finden. Bisher ist da» Innere des Som al; lande s noch ziemlich unbekannt; man vermuthet indessen, daß e» au» Prairieland be­steht nnd der Landwirthschast ei» fruchtbare» Feld liefern kann. Der Erfolg de» Zuge» hängt zum große» Theil vo» der Haltnng der italienischen Regie­rung ab, die bi»her ihre Erlanbviß, daß der Zug dmch ihr Gebiet reise» darf, noch nicht er- theilt hat.

□ lieber eine »rotze Artillerievorlage im Kosten­beträge vo» ca. 180 Millionen Mark, die noch in dir fer Srsfio» dem Reichstage zugehe« sollte, find Ge­rüchte verbreitet, denen eine streng vertrauliche Mit- theil»ng in der Budgetkommisfion zu Grunde liegen soll. Mitglieder dieser Kommisfion bestreiten auf Be­fragen eine solche Mittheilung dmchau», «an ist aber »icht i» der Lage, darauf fich zu verlafle«, da die KommisfionSmitglicher über streng vertraulich« Dinge selbstverständlich nichts vrrrathe« oürfes. Der ,Poft^ wird «un offenbar von einem Komvnsfio«»«itgliede geschrieben, je»e Gerüchte seien anscheinend durch An­fragen entstanden, welche in der B-idgetkommiision über die Bewaffnung von Kriegsschiffen mit Schnelllabe- kanoneu ergangen waren. „Man übersteht dabei voll­ständig" — lese» wir dort Wetter —, »daß die Ser- arbllerie von der Landartillerie eine« völlig verschiedenen Charakter trägt. Reuformationen der Land-

Pokahontas.

Erzählung au» der Zeit der ersten europäischen Ansiedlungen in Nordamerika von Max Benno.

13] ------- (Nachdruck verboten.)

5.

Eine gewaltige Aufregung herrschte unter bot Wilden. Ja Gruppen staaden fie zwischen den Wig- wawS beisammen und ihre Geberben brückten Angst n*b Rathlofigkeit au».

Sie betrauerte« ihre« große« Häuptling al» tobt und besonder» schmerzlich empfand man e», daß ma« sich nicht eir mal i« Besitze seiner Leiche befand. Ver­schiedene Vorschläge wurden laut. Die einen meinte«, man solle nochmal» eine« Storm wagen, andere aber aber wiesen diese» Anfinnen, als zn gefährlich und doch keine« Erfolg versprechend, zurück.

Da würbe die Aufmerksamkeit der weis« Männer dmch Jubelrufe, die fich vom Ende de» Dorfis zu ihnen fottpflanzt«, geweckt. Da» ganze Dorf kam in Bewegrmg und im nächste« Augenblicke fühlte fich Jeder dmch die ftohe Botschaft in EatzLckrn verfitzt, daß der große Häuptling Pokohattan unverletzt zu seinem Stamme zurückgrkehtt.

In der That erschien dieser gleich darauf «tt seiner

artillerie scheinen nochim Anfangsstadium bezüglicher Erwägungen sich zu befindeu, so daß dem Buude»rathe bis jetzt nicht einmal eine Vorlage zugegange« ist. Wenn man erwägt, wie viel Instanzen noch durchlaufe« werden müffen, bis eine solche Vorlage a« den Rrichstag gelangen könnte, wird man iv der Annahme nicht fehlgehen, daß die elbe noch ziemlich lange aas sich warten lassen werde." Abgesehen davon, daß dieses Dementi sehr unficher auftritt, bestätigt er jene Gerüchte in der Hauptsache viel eher, als daß er fie widerlegt. Denn wen« auch bezweifelt wird, daß eine Artillerievorlage noch iv dieser Sesfion an de« Reichstag gelangen könne, so wird doch da» Bestehen eines Plane», eine solche Vorlage einzubringen, zugegeben. Von anderer Seite ist uns gegenüber allerdings auch die Anficht geäußert worden, eS handle fich bei all' diesen ZettungSrneldung« vielleicht nur um „Fühler" oder „Versuchsballons" der Regierung, die ein­mal sehen wolle, wieweit etwa noch Neigung zu größeren AuSgabrv für Rüstungtzwecke vorhanden sei. Wir geben diese Anffaffung wieder, ohne fie uni an- zueignen. Man wird ja hoffentlich bald etwa» Näheres erfahren; in den Wandelgängen des Reichstage» war heute schon davon die Rede, daß nächster Tage der .Reichsanzeiger' eine Erklärung bet Regierung zu jenen Gerüchten bringen werde.

ft Der Kommisfion zur Borberathung der Nädte- uud Laudgemeiude-Orduuug für Heffeu-Raffa« ge­hören folgende Asgeordnete an: v. Kröcher, Bor­fitzender; Spahn, Stellvertreter; v. Baumbach, Dr. Beckmann, Isenburg, v. Poppmheim-Liebenau,Dr. Schil­ling, Winckler, v. Christen, v. Tepper-Latki, Zimmer­mann, Beiahauer, Hofmann, Junghenn. Dr. LotichiuS, Cahen»ly, DaSvach, Hodler, Kircher, Dr. Lieber und Jäckel.

* Rach der im Reichs Eisenbahnamte aufgestellte« Nachweisung der auf dentschen Eisenbahn« im Monat Oktober d. I. vorgekommenrn BetrirbSuusSlle waren zu verzeichne»: 18 Erttgleisurm« aus freier Bahn, 22 in Stationen; ferner 3 Zusammenstöße auf freier Bah«, 26 in Stationen, sowie 204 sonstige Betrieb»- Unfälle. Dabei wurden 54 Personen getödtet und 179 verletzt.

* Stuttgart, 13. Dez. Bei der Landtaz»wahl in Gemünd erhietteu Klaus (Centr.) 2227, Schwarz (Eeutr.) 1928, Klo» (Sozial!)) 892 Stimmen, also Stichwahl zwischen Klaus uuv Schwarz. — Ein er­heiternde» Schauspiel ist e» gerade nicht, zwei Eenttum»- kandidaten in der Stichwahl fich gegenüber stehen z« sehen!

• Ausland.

* Sofia, 14. Dez. Die bulgarische Sobranje ist gestern mit einet Thronrede feierlich eröffnet worden. Dieselbe betont da» gnte Berhältniß zu alle« Staate«. Besonder» durch die Einladung der Fürsten zur Krönung der Kaiser» von Rußland wurde ein

Tochter selbst und wmde von den Brüdern in geradezu rasender Freude umtanzt.

Diese erhiett einen sichtlichen Dämpfer, al» der Häuptling zu sprechen begann, al» er erzählte, wie er Übermannt und gefangen gesetzt worden sei und als man die Bedingungen, unter welchen er die Freiheit erlangt hatte, erfuhr. Friede und Freundschaft mit de« Blaßgefichtern! Da» schien ihnen fast unmöglich zu fein.

Pokohattan berief die weffea Männer sofort zum großen Rach.

Die eigen« Stammr»geroff« zeigten fich für seine Vorschläge fast durchan» zugänglich, dagegen wollte« manche fremde Häuptlinge, welche mitgekämpft hatte«, von einem Friedensschlüsse nichts w-ff-n. Zu diese« gesellte fich auch Blauhal», in besten Gemüth, al» er hörte, Pokahonta» sei in der Stadt gewesen und habe mit dem werßen Häuptling verkehrt, eine rasende Eifer- sucht angefacht worden war.

Gleichwohl erhielt« die Vorschläge Pokohattan» schließlich doch die Mehrheit und dir Gegner mußte« fich füg«, wenn e» auch mit einem geheimen Ingrimm geschah.

Der Häuptling selbst und die drei der ältesten weis« Männer begaben fich »ach Jamestown und

engeres Band mit Rußland geschloffen. Der Besuch bei dem tonig Al x «der in Belgrad zeigte die engere Bereinigung der Brudervölker. — An Vorlagen werde« unter Anderen das Budget und GesrtzeSvorschläge be­treffend die Wahlen, den Strafprozeß, die Goldwährung und ben öffentlichen Unterricht angekünbigt.

* KorrstLUtiao-el, 14 Dez. Dcr Sultan hat bem österreichisch - ungarische» Botschafter Freiherrn v. Crlicr mitgetheckt, er habe ben Großvezier beauf­tragt, einen Antrag wegen einer allgemeinen Am­nestie für die Armenier vorzulegen. Nach Mt- theilungen von türkischer Seite find in den letzten Tage« zwei armenische aus Bulgarien zugereiste Frauen, welche revolutionäre Aufrufe an die Arm«ier und Türk« mit sich führten, verhaftet worden. Die» ist der Grund für die am 11. d. MtS gemeldete, a« die Polizei u:b Gendarmerie ergangene Vorschrift, welche strenge und ben Verkehr beeinträchtig«!» Verfügung« enthält.

K. Aus dem Reichstage.

146. Sitzung vom 14. Dezember.

Der Reichstag beschäftigte sich am Montag in dritter Lesung mit der Justiz-Novelle.

An erster Stelle sprach sich der Abg. Spahn (Centr.) Namens seiner politischen Freunde dafür au», daß in jedem Falle, auch wenn die Regierung die Berufung zugestehe, das Fünf-Männer- Kollegium der ersten Instanz erhalten bleiben müsse, da es bessere Garantien der Rechtsprechung bieten und viele von der Berufung gar nicht Gebrauch machen würden. Einer Einschränkung des Wiederaufnahme-Verfahrens könne er nicht zu­stimmen. Jedenfalls hoffe er, daß, wenn diesmal die Berufung im Bundesrathe scheitern sollte, sie doch wiederkommen werde, da das Volk ihrer bedürfe.

Die Abgg. v. Bnchka (kons.) und Gras Bernstorff-Lauen- bürg (Rp.) vertraten eifrig den Regierungs-Standpunkt.

Ebenso spielte sich Abg. Lrnzmann (srs Bp.) mit ganzer Kraft als fteiwilliger RegierungS-Kommiffar auf, indem er der Regierung und dem Reichstage mit besonderem Seitenblick auf das Ceutrum den guten Rath zur Einigung um jeden Preis gab.

Dagegen gaben unverhohlen die Abgg. Stadthagen (sozial.), »affermanu (natl.) und Wolzlegier (Pole) ihre Bedenken kund und äußerten selbst, daß ihnen das Sch.cksal der Vorlage als ge­fährdet erscheine, wenn nicht von Seite der Regierung in manchen Punkten Zugeständnisse gemacht würden.

Dienstag Fortsetzung.

K. Aus dem Landtage.

Abgeordnetenhaus. — 11. Sitzung vom 14. Dez.

Am Ministertische: v. d. Recke.

Ohne Debatte wird zunächst der Seefeuervertrag mit Holland in dritter Lefung endgiltig angenommen.

Zur zweiten Berathung kommt sodann die Hausier­steuernovelle. Im Namen der Kommission empfiehlt der Referent

Abg. Dasbach (Etr.) die Annahme des Entwurfs mit einem Zufatze, wonach die fraglichen Gewerbescheine, wenn im Laufe des Jahres ein Wechsel in der Person des Reisenden ein­tritt, für den Rest ihrer Giltigkeitsdauer steuerfrei aus die Person des Nachfolgers durch Umschreibung oder anderweite Aus­fertigung zu übertragen sind.

Die Abgg. v. Brackhanfe« (konf.) und Kircher-Fulda (Ctr.) erklären sich Namens ihrer Parteien kurz für unver­änderte Annahme des Entwurfs in der KommifsionSfaffuug.

Abg. Sothri« (frf. Vgg.) hält dagegen alle feine früher geäußerten Bedenken vollständig aufrecht.

hter wurde m feienidjer Versammlung die Friedens­pfeife geraucht.

De» Schinnern schien e» diesmal wirklich ernst mH ihre« Versprechung« zu sei«. Sie traten mit ben Weiße« in regen Handelsverkehr, letztere aber «ahm« wiederholt an einer Biberjagd der Rothhäute Theil.

Die abgebrannt« Häuser und Magazine war« bald wi brr erbaut und außer biet« auf Betreib« Bootwell» ein kleines hübsches Kirchlein, das vorerst zum gemeinsamen Gebrauch für bie zwei Konfessionen bist mutt war.

geben Tag konnte das Schiff einte ff« mit b« erbetenen Geistliche» und weiterem Kolonistm-Zinug. E» ließ nicht mehr lange auf fich Watten und sein Ein­laufen in den Heinen Hafen rief große Frmde ans der Ansiedlung hervor.

Währ«d in der Stadt bie gehobenste Stimmung herrschte und man fich ben schönsten Hoffnungen für bie Z kauft hingab, hatte der Haß gegen die B-aß- gefistet fich bei ben Jnb anetn nur theilweise gelegt

Namentlich diejenigen, welche gegen d« F jeder»- schloß protestirt hatten, waten übet die Nachgiebig ck Pokohattan» erbost und e» Lm unter sämmtlrch« Stämmen bar O^eidaS zu einem förmlichen Komplott,