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Montag, den 14. Dezember 1896

23. Jahrgang

uldacrW Zeitung

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-e-, ■ , (a™, „_h -L-i,rta„. ausaenommot. — Werteljährlicher AbonnementSprriS ohne Brülgeriohn itab Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfeumg.

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Pokahontas.

Erzählung aus der Zeit der ersten europäischen Ansiedlungen in Nordamerika von Max Benno.

12] ------- (Nachdruck verboten.)

Der (Befangene wurde sortgeschleppt und in ein fester Blockhaus gebracht.

Roch immer wüthete in allen Baffen der gräßliche Stampf. Die brennenden Blockhäuser gaben die schauer­liche Beleuchtung dazu.

Da bemerkte man, daß unter de« Rothhäuten eine wachsende Verwirrung entstand. Sie vermißt« ihren Häuptling unter den Kämpfenden und glaubte« ihn tobt.

Mit erneuter Macht stürzten fich die Kolonisten auf fie und endlich ergriffen die Wild« über die Wälle die Flucht.

Der Sturm war abgefchlage». Die Weißen hatte« 9 st Ohne schwere Opfer war jedoch der Kampf auch für fie nicht vorübergegangen. Tine größere Anzahl der Kolonisten hatte den Tod durch dm Tomahawk oder die Pfette der Wilden gefunden und «och mehr Berwundete gab es.

Letztere wmde« durch die von dem Schiffe ge«

Präsidialgebäude «eben dem.Reichshanse- springen lasse« möchte. Die Neigung scheint aber bei den meisten Parteien nicht sonderlich groß zu fein. So wird dmn wohl nichts anderes übrig bleibe«, als ei« einfacherer Gebäude zu errichten. Bo« anderer Seite wird beim auch schon gemeldet, daß ein prunkloses Reichstags» Präfidial-Sebäude ohne Repräsentationsräume gegen­über dem RnchstazSgebäude mit eine« Kostenaufwand bis z« 500000 Mk. noch in dieser Session gefordert werde« wird. Jetzt wohnt der Präsident zur Miethe für 20000 Mk. im fürstlich Blücher'schen Palais.

ft Die Budget-Komm sfton des Reichstages er» ledigte am Samstag einige weitere Kapitel des Mili­tär »B t a t s, ohne Abstriche vorzunehmen. Bei dem Kapitel „Verpflegung der Mannschaften" erneuerte Dr. Schädler (Crntr.) seine Forderung auf Bewäh­rung warmer Abendkost an die Maunschasten, ohne die er auch die OlfisierS-Behälter nicht erhöhen will. Schatzsekretär Graf Posadowsky fegte Be­währung dieser Forderung für die nächste Session zu.

* Die Kommission deS Abgeordnetenhauses für das LehrerbefoldnugSgefttz trat am Freitag Abend in die zweite Lesung der Vorlage ein. §§1—4 wurden in der Füffang der ersten Berathung bestätigt. Za den §§ 5 und 6 gab der Kultusminister Dr. Bofle die Erklärung ab, daß die in der ersten Lesung be­schlossene verschiedenartige Abstufung der Altersskalen für die Königl. Staat sregierung unannehmbar sei, daß dagegen die Erhöhung der Atterszulag« um 20 Mk. keinen Widerspruch find« werde. Die ablehueude Haltung gegenüber de« ersterwähnten Beschluffr Hobe ihren Grund in dem dadurch bedingten finanziellen Mehraufwand zu Lasten der Staatskasse, weit mehr aber in der Rücksichtnahme auf da« in allen Ressorts der Staatsverwaltung bereits eingeführte oder noch eiuzuführeude System der dreijährigen DienstalterS- stufen. Diese Erklärung der Regierung war von Wichtigkeit auch für die demnächstigen Erörterungen über die Befoldungserhöhnng der Beamten. Eine aus den Konservative«, dem Crntrum und dm Pole« ge­bildete Mehrheit stellte zum Schluß einen Antrag, wo­durch die Regierung zur baldmöglichsten Vorlegung eines allgemeinen auf christ­licher uud konfessioneller Brundlage be­ruhende« Volksschulgesetzes aufgefordert wurde.

* I« der ,Nordd. Allg. Ztg.' wird die Mitthei­lung, daß gegm dar Organ der Bundes der Landwirthe, die »Deutsche Tageszeitung' ein Verfahren wegen Be­leidigung des Staatssekretärs des Auswärtige» Amte», StaatSministerS Frhr. v Marschall, und deS Aus­wärtigen Amte- eingeleitet fei, mit dem Hinzufüge« bestätigt, daß eS fich vm eine« Artikel der Morgen­ausgabe des genannten BlatteS vom 6 November d. I. handelt, und daß der Strafantrag bereits vor dem Prozeß Lützow-Leckert gestellt war. — Bo« diesen Auslassungen hat inzwischen der Chefredakteur dies S Blatter bei einer Vernehmung selbst bekundet, holten Frauen io Pflege genommen, die lobten begrub «an unb das Feuer der rhnlweise immer noch brennen­den Blockhäuser wurde gelöscht.

Der Kapitän und Boottoell legten überall Hand a«. Ersterer befand fich bei einem der verbrannten Magazine, besten noch glimmender Schutthaufen aal dem Wege geräumt werden sollte und gab seine Be­fehle, da fühlte er fich am Arme berührt. Er wandte den Krps und der Ausdruck grenzenloser Ueberraschung erschim auf feinem Beficht.

PokahontaS, das Jedianermädchm, stand vor ihm. Sie hatte Thränen in dm Augen und ein schmerz­liches Zucke« spielte um ihre« Rund.

„Hüup liog der Weiß;»", brgana fie mit bebender Stimme, „too ist die Lerche meines Vaters? O bitte, gib fie heraus! Laß mich be« Themen begraben, bomit fein Geist in bie ewigen Jagdgründe eingehen kann."

Mit aufrichtiger Theilnahme betrachtete Edward die Jungftau.

„Woher weißt Du dmn", fragte er, „daß Dein Vater tobt ist?"

„Die Krieger", erklärte fie, „haben die traurige Botfchaft m'S Lager gebracht."

Der Kapitän ergr ff ihre Hand.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Dezember.

♦ Betreffs der UeberschnsseS der Rechnung der Finanzjahres 1895/96 heben bie ,Brrl. Polik. Rachr.' hervor, daß davon zunächst 20 Millionen Mark zur Dottrung deS im Etat vorgesehene», aber wege» Man­gels an Mittel» nicht mit einem Beldbetrage ausge- stattete» Dispositionsfonds der Eisenbahnverwaltung für unvorhergrfehene Ausgabe« Md der Rest zur Schuld«- tilgMg aufgebracht fei, daß aber der Ueberfchuß keines- Wegs, wie ewige Blätter irrig behauptm, 80 Millionen, sondern thatsächlich 60 Millionen betragen habe, wie in der Begründung zu der Schuldentilgungs-Borlage ausdrücklich angeführt fei. Der Jrrthmn sei offmbar dadurch entstanden, daß der Etatsvermerk zu jmer Position, inhaltS besten auf dm Fonds die Bestirn- uumgen des Eifenbahngarantie - Gesetzes Anwendung finden, nicht beachtet worden ist. Auf Grund desselben war, ohne daß eS dazu einer wetteren EtatSdestirnmung bedarf, von den vorjährigen Ueberfchüffen der Betrag von 20 Millionen Mark in jenen DlspssitionS-FondS abzuführen, und nur der Rest konnte zur Schulden- tilgung Verwendung findm. Der Ueberfchuß für 1896/97 dürfte allerdings, wmn nicht eine besonder« ungünstige Wendung der Verhältnisse eintritt, de» Betrag vo« 60 Millionen Mark über­steige». , t , ,

* Während der letzten Zett tauchten wiederholt unkontrolirbare Gerüchte über eine «rot Artillerie- Vorlage auf, die aber jedes Mal entschieden bestritte» wmde«. Zum letzte» Male begegnete unS das Gerücht Ende Oktober, nachdem der Kaiser de» Schießversuche« der Artillerie auf dem Schießplätze in Kummersdorf beigewohnt hatte. Auch dies Mal konnte die ,Post' „feststellen", daß an der Sache nichts fei. Und nun ist die neue Artillerie-Borlage, deren Erfcheine» so ost und entschieden bestrittm würbe, doch in Sicht. Rach Mittbettungen, welche der ,Hagmer Westd. Bolksztg.' aus parlamentarische» Streifen zugehe», hat der P reußische Kriegsminister die Vorlage «»gekündigt mit der Bei­fügung, daß fich die zu bewilligende Summe allein für Preußen auf etwa 177 Millionen belaufe» werde. Schöne Aussichten!

* Des neue ReichStagSgebäube ist bekanntlich ein so „geniales Kunstwerk," daß die Erbauer sich um feile praktische Brauchbarkeit wenig gekümmert haben. Man hat er fertig gebracht, ungeheuer viel Rau« in hohen Hallen, Gängen, «orridorm zu verfchwendm, die »oihwendigsteu Lokalitäten dagegen zu vergesten. Für den Direktor des HaufeS hat «an nachträglich mit Mühe und Roth eine Dienstwohnung aus einem großen Korridor hergestellt. Für eine Präsidial» Wohnung aber war schlechterdings in dem unge- btaten Steinhaufen kein PStzchm zu erübrigen. Millionen über Millionen hat man in dar Haus ge­steckt, aber der Präsident muß zur Miethe wohnen. Jetzt hat die Regierung fich unter der Hand erkundigt, ob man nicht etliche Millionen für ein besonderes

daß um er der Verfasser der Notiz und dazu vo« keiner Sette veranlaßt worden sei, b. h. also, jene Angabe» waren von der ,Bank- und Handelrzeitung' völlig auS den gmgern gesogen. Die .Deutsche TageS-Ztghatte damals aber dafür gesorgt, diese eigene redaktionelle Leistung der .Bank- und HaudelS-Ztg.' als ein Manöver des F hm. v. Marschall hinzustellen, so als ob er einm Hieb gegen Bismarck härte bezwecke« wollen. Deshalb jetzt die Klage gegen die BiSmarckische .Deutsche TageS-Ztg.'.

* An RetchSmüuze« wurden im Monat November geprägt für 14703360 M. Doppelkronm, 2935100 Mark K onen, 241375,30 M. Zehnpfmnigftücke, 92 717,75 M Fünf, und 55 826,53 M Einpfennigstücke.

* D-e LustburkettSstener hat m ihrer Anwendung in der BerwaltungS-PraxiS der OrtSpolizei-Behördm mannigfache Zweifel und Meinungsverschiedenheiten mit fich gebracht. Zur Herbeiführung eines thunlichst gleich­mäßigen Verfahrens ist jetzt eine ministerielle Verord­nung erlassen, die bett Begriff der Lustbarkeiten, die Nothwendigkett, Form und Umfang der ortspolizrilichen Genehmigung die Anwendung des Steuersatzes von 1 Mk. 50 Pfg. und 50 Pfg. uud die Erstattung ge­zahlter Stempel festlegt.

* Di; Verwendung des Fahrrades in der Armee soll weitere «utdehnung ersahrm. Nachdem Infanterie und Jäger mit Fahrräder auSgestattet sind und sich die Maßnahme dort bewährt hat, soll fie auf die Pionier-Bataillone und die Mlitär-Telegrapheuschule ausgedehnt werden. Mit Rücksicht auf die bei Manöver» rc. stattfindende selbstständige und getrennte Verwendung der einzelne» Pionier - Kompagnie» sei, so wird be­hauptet, die AuSstattuug sämmtlicher Kompagnie« mit Fahrräder» erforderlich, und zwar bedürfe jede Kom­pagnie eines Lemrade», welches Ausbildungs Zwecken dienen soll, und eines Kriegs-Fahrrades für bei Feld­dienst. Bei den Telegraphen-Formationen finden die Fahrzeuge ausgedehnte Berwmduug für daS Austrage» der Telegramme, Abpatrouilliren der Lettungm rc. ES find daher auch für die Milttär-T-legraphenschule zwei Lemräder zur Aurbildmg vo» Mannschaften uud zwei Skriegs-Fahrräder zur BmutzMg bei den größer« krtesSmäßigm Uebungen erforderlich. Im Etat für 1897/98 fi d die Kosten der neu anzuf Hassenden Fahr- rüder mit 34 997 Mark angesttz'. wobei der Preis für 79 Kriegs - Fahrräder mit je 228, für 79 Lemräder mit je 215 Mark berechnet ist.

* Reisst, 12. Dez. Die .Neiffer Zeitung' schreibt: „Herr Landrath von Puttkammer zu Ohlau erstattete in einer Versammlung der konservativen Partei zu Brieg, welche im Anschluß au eine Ver­sammlung der Bundes b-t Landwirthe stattfand, Be­richt über seine Thätigkeit als Abgeordneter. Am Schluss: seiner Rede sprach er nicht etwa über den Prozeß Leckert-, v. LLtzow-, v. Tausch, sonder« von de« Verdiensten deS Fürste« Bismarck um die äußere Politik, dH. von de« Eathüllungen der .Ham­burger Nachrichten' und brachte ein Hoch auf de« Fürsten Bismarck au». Der Vorgang ist recht

„Komm", forderte er fie auf, „folge mir und ich will Dir den Beweis liefern, daß die Weißen nicht nach dem Blute ihrer Feinde dürst« wie die O neidas und daß sie nicht rachsüchtig sind!"

Jnd ff:n kauerte der gefangene Hävp 'lmg, da mau keine übrigen Leute hatte, um ihn zu bewachen, mit gebundenen Händen und Füße» in dem Blockhaufe, daS fich in der Nähe des WalleS befand.

Er hatte den Siegesjnbel der W ißen und das angstvolle Geschrei der flüchtigen Indianer gehört. Sein Gesicht war von Ingrimm entstellt. Vergeblich mühte er fich ab, seine Baude zu sprengen. Sie schnitten nur noch tiefer in fein Fleisch em.

Entmuthigt war er trotz allem nicht. Er zweifette zwar nicht daran, daß er sterben müsse, denn eine Schonung hielt er nach dem Geschehenen für geradezu undenkbar. Mit finsterem Trctz erwartete er fein TodeSurtheil.

Da wurde die Thüre des Blockhauses geöffnet uud von dem Kapitän begleitet trat PokahontaS herein.

Pokohatta» glaubte, als er feine Tochter erkannte, zu träumen. Mit wett geöffnet« Augen schaute er fie an.

Als daS Mädchen jedoch mit dem von Edward er­halten« Meffer feine Bande durchschnitt, als fie ihm