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Samstag, den 12. Dezember 1896.
23. Jahrgang,
FiildmWZemiig
mit Untechaltungs-Keilagr „Sterne «nd Klnmen"
Erickiemt tSalick Sonn- und Feiertaqe ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswartS 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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Zweites Klatt.
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Literarische Weihnachtsschau 1896.
Bon Dr. K.
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Die tmsMrige Rundschau über die empfehlens- «erthen Rcuheiten vom Weihnachtsbüchertisch kann nicht würdiger erösfuet werde», o?» durch em Hinweis auf ein Prachtwerk, btfielt Anblick jedes katholische Gewüth begeistern muß. Die Berlars- Handlung von Ferdinand Schöniugh in Paderborn, welche dem klassischen Dichterwrrke bei leider zu früh dahingefchiedenen F. W. Weber, dem unvergleichliche« „Dreizehnlinden," einen Weltruf verdankt, Hit eine Prachtausgabe von „Dreizehnlinden" veranstaltet, deren illustrative Ausgestaltung auch den verwöhntesten Kunstgeschmack befriedigen wird. Sollte diese Prachtausgabe de» große» Meist-, s würdig Md von seinem Geiste durchweht sein, so mußte etwas ganz Hervorragende» geschafft werden. Und t8 ist geschafft worden! Die letzten Jahre haben manche» „Prachtwerk" großen und größten Formate» hervorgebracht, d-firn prunkvolle Einbanddecke usb prahlerisches Titelblatt die Buchlüden ziert und die Käufer lockt, obwohl es stch im Grunde genommen um seichte Alltc gswaare und um Künstlnlauaeu von höchst mittelmäßiger Güte handelt. Die P achtavsgabe von „Drei- zhnlinden" tritt ms in ihrer stilgerechten, äußerst finnig komponirtenE nbanddecke vielleicht weniger Prunk- voll, jedenfalls nicht so schreiend und herausfordernd en gegen, aber schon der erste Blick belehrt ms, daß wahre» künstlerisches G nie hier den Stift geführt, daß eine pretäivolle Gesinnung den Genius der Kunst ganz in deu Dienst der Ideen deS allem trügerischen Schein abholden Dichteis gestellt hat. Das Pracht- Weil „Dreizehnlinden" pcäsentirt sich in Großfolio- Format mit großen, kräftige» L itern, an deren sauberem Druck man sich kaum satt s hm kann, auf stärkt», tadellose» Papier gedruckt. Dre Illustrationen find von der Hand d.s Malers Karl R ckelt in München auSgeführt, der sich in diesem Werke ein l bleibendes Denkmal wahren künstlerische» Genies ge- | sch ff n hat. Zwölf Heliogravüren, die uu» mit • «a tigern Stift Die Havptsc-ieu au» „Dreizehnlinden" s vor die Seele führen, find ganz im ernste» Stile der ' Historien-Darstellung gehalten und we sen in der An- $ läge und Durchfüh ung eine« große» Zug auf. Biele ' Vollbilder und T xt'llustrationen zeigen uv» deu ; Künstler von einer anderen Seite seine» Körners. Hier find vorzugsweise die gemüthvollen, die romanti- , scheu Semen de» Dichtnw«k«s veranschaulicht. Namentlich auch die Landschafts bild«, welche theilweise mit BlumenstLck n und figürlichen Semen zu einem an- sprechenden G sammttableau vereinigt stad, athmrn ganz den «nste« und doch gemüthsti ftn Geist de» Westfälischen Dicht«». Fürwahr, ein herrliches, rin einzige» Werk, welche» in keiner gebildeten kathotischenFamilie fehle» sollte! Der Avschcsfunprpre» von 40 Mark darf Niemand schrecke». Ja Anbetracht de» hohe» Kuvstwerth,s dieser Prachtausgabe ist der Pre'S sogar billig zu nenne«. Mit dem eigentlichen Bilderschmucke wetteifern die p ächtigen Vignette« von der Hand eines Prof. Wörudle in Wie», Prof. Doepler in Berlin. Möchte da» bedeutende Werk, welches nicht nur dem Künstln, sondern auch dem Typograph?« und Buchbinder, vor ollem aber der Verlaß-Handlung von Feid »and Schöningh alle Ehre wacht, auf viele» «kihnachttüsche» pr ngen! Auch al» Hochz-fls- und Jubiläum»gescheuk, überhaupt als vornehme» Frstge- schenk für jede Gelegenheit darf die Prachtausgabe von „Dreizehnlinden" warm «nd eindringlich em- pfohl-n weiden. Biel Glück auf den Weg!
Die Herder'sche Berlagshandlung in Freiburg im B eiSgau iS auch in diesem Jahre wieder mit einer stattlichen Ruh- theil» neuer Werke, theil» «euer und neu bearbeiteter Aufligen früherer Werke «ns dem Weihnachtsmarkte vertieren.
U-ber die großartigen Leistu igen de» Herder'sche« Berlage» auf dem Gcbitte der Länder- »nd Böl- -
kerkunde ist schon viel de» Lobe» gesagt. Die zwölf Bände der „Jllustrirten Bibliothek", von denen aber j der einzelne ein abgeschlnssems Ganz » b ldet (Unsere Erde, Der Wcktonkhr, Da» Wttn, P erste», Kanada, Assy'ien und Babylonien, Erypten, Der Amazonas, Rach Ecuador, Die Sudanländ«, Die Balkanhalbinsel, Dcs Mutelmeer), entzücken alle Welt durch ihren gediegenen Inhalt und ihre prächtige Ausstattung.
Ganz besonder» an die Jugend wenden stch die großen Bilderw-rke von Joseph Spillmann, J. S.: Durch Asien, Rand um Aftika, I« der Neue» Welt, Urber die S dsee (Australien «nd Ozeanien) Gnade zur rechte» Zett erschien weben die zweite vermehrte Auflage von „Durch Asien (Este Hälfte: Die wvhrwm dänischen und die lussiche» Lände). Der Preis von 9 Mk 20 Plg. für diesen 430 Seiten starken Prachtband (Gros q iart-Format) mit 62 Vollbildern, 275 Illustrationen im T x: und einer große» kolorirte» Karte vo» Asten ist in der That niedrig zu nenne«. Die Neuauflage ist durch eine ausführliche Behandlung von Armenien, da» durch die jüngsten blutigen Greuel eine traurig? Berühmtheit erlangte, sehr zeitgemäß geworden. Der Geschichte Armenien» und der Schilderung de» neuestes Blutoad » find eigene Kapitel gewidmet. Der Bilderschwuck ist noch schöner und reichhaltiger geworden. Arab.en wurde viel eingehender bearbeite», auch der Libanon und Nord-Sy cieu erfuhren eine wesentliche Bereicherung. In dieser neuen Form und Aurstat!ung wird stch da» großartige Werk, dem nicht leicht ein ähnliche» von gleicher Gediegenheit und gleicher Brauchbarkeit für die Belehrung und litt» tnhaltung der Jugend an die Seite gestellt werden kann, ficherlich ti tle neue Freunde erwerben. Fifsrlnd und anregend geschrieben urd mit einem außerordentlich reichen Material aurge üster, bieten diese Sp ll- maun'scheu geographischen Werke auch dem reiferen Alter einen feit neu Genuß. „Durch Asien", „Rund um Aftika" und die übrige« Bände sollten in keiner katholischen Bürgerfamilie fehlen!
„Au» fernen Landen" betitelt sich eineRihe illustirter Erzählungen für die Jugend, welche ebenfalls von dem Jesuitenputer Joseph Spillmann aus d n Beilagen der rühmlichst bthnn» ten und sehr empfehlentwerthm Zeitschrift .Katholische Missionen', dieser unerschöpflichen Fundgrube, gesammelt wurden. Die Z hl der wunder hüb sch ausg statteten, je mit vier ansprechenden Bildern und illuftrir- tem Umschlag gezierten Bändchen ist jetzt auf ein volle» Dutzend angewachsen. Al» neueste Bändchen erschienen soeben: „Eine rothe und eine weiße Rose" von A. Hnonder, S. J., zwei Erzählungen (gebd. 1 Mark), in denen jugendlicher Bekennermuth nach bewegten Schicksalen den verdienten himmlischen Lohn fubet, und „Die koreanischen Brüder" von I. Spillmann (zebd. 1 Mark), eine Märtyrer-Geschichte, welche durch die hineinverwobenen Schilderungen der Sitten und Gebräuche im chinesischen Reiche einen ganz besonderen Reiz für die Jugend gewinnt. In »euer Arflage erschienen die 5 Bändchen: „Liebet euere Feinde" vo« Sptllman», „Arumu- gam, der standhafte indische Prinz", „Maron, der Chiistenkaabe aus dem Libanon", beide vo» A. v. B., „Der Resse der Königin" vonSpillman». „Drei Indianer-Geschichten" von A. Baumgartner, 8. J. Auch die frühere« Bändchen: „Die Marienkmdrr", „Der Gefangene dl» Korsaren", „Kämpfe um Kronen", „Der Schwur de» Huronen-Häuptling»", „Die Sklaven de» Suita«»", seien vochma s in empfehlende Erinnerung gebracht. Diese Erzählungen gehöre« zum Beste«, wa» der katholischen Jugend geboten werden kann. Sie vereinigen eine sorgfältig gefeilte und doch dem kindlichen Berständniß ang-pißte Sprache und Darstellung mit einem großen Reichthmn an spannenden Szene« urb belehrenden Einzelheiten. Dabei ist der pädagogische und moralische Zweck, da» kindliche Gewüth za veredel« und de» Wlllea zu stähle«, stet» in de» Vordergrund gestellt.
Während diese Sp'rllmann'schen Jugenderzählungen da» religiöse Gebiet der Heidenmisstorien zum Hintergründe habe«, tritt un» in Herders jllustrirten Jugendschrifteu ein ganz neu-» Genre entgegen. Diese au» dem Französischen übertragenen Erzählungen der Zenaide Fleuriot, der G äfh Segur unö Anderer sind au» dem vollen Leben gegriffeu »nd schildern die
Jugend mit ihren Borzügen und ihre« Unarten, aber stets in der Absicht, veredelnd, «hebend und bildend zu wirke». Zu de» bekannteste« ältere« E zihlunge« dieser Serie gehöre« „Russisch und Deutsch", „M-moirm ei»'» Esel»", „Erlebnisse eine» Hühnchen»" u. s. w. In neuer Auflage erschienen kürzlich: „Ein verzogene» Kind" von Z Fleuriot, deutsch vo« M. Hrfiman« und „Die Herberge zum Schutzengel" von Gräfin Segur, deutsch von E. von Poagrocz. Da» erstgenannte Bändchen ist mit 48, da» »wette gar mit 67 hübschen I lustratione» geschmückt. (Preis geb. ä 2 Maik.) Die Ausstattung in Papier und Druck ist tadellos, die farbigen Umschläge geben den Bänden ein schmucke» Aus seh?«. Wir können diese illust irten Jugeudschristm, welche auch ein volle» Dutzend au»mache«, nur aus'» Wärmste empfehle».
An poetische« Erz-ugnifie« ist iu «euest« Z:it auf katholischer Seite wahrlich kein Mangel gewesen. Ma» geht deshalb eigentlich mit immer höheren Ansprüche« an neue Dichrerwnke heran. Auch der Herder'sche Verlag hat un» mehrere hervorragende Gab n der edlen Poesie verm ttelt, in erst« Linie da» dre-theilige, üb rirdrsch erhabene Meisterwerk von Emilie Ringsei»: „Der Königin Lied", sodann Jo- seph Seeber'S herrliche» Epische» Gedicht: „Der ewige Jude", ferner da» prächtige Schauspiel von E. RingSei»: „Die Sybylle von Tibur", da» eben die zweite Ar.fi age erlebte. Diese» durch schwungvolle Form und seltene Kraft des Gedankens ausgezeichnete Werk hat bneit» die vierte «nd fü ste Auflage erlebt, gew'ß ei« sprechend« Beweis für seinen hcheu B-rth «nd für he« Anklang, de» e» gefunden. (Geb. 3 Mark.)
Run hat stch dem Kranze der bei Herder er« schienenen Dichtungen ein neue» glänzende» Blatt em« gefügt. Eduard Hlatki überrascht den poetische« Feinschm'cker mit ein« köstlichen Gab-, deren voller Genuß allerdings ein hochrntwickelteS ästhetisches Str» stä-dniß und Gefühl vorauSsetzt. ES ist kein Alltags« stofi, den Hlatky'S „Weltenmorgen" uns bietet. D« Dichter vnstigt sich in die höchste» Sphären der Alls. DaS dramansche Gedicht in drei Hradlungen b-ginnt „Im Himmel" und schildert in kühnem Fluge der Phantasie „Den Sturz der Engel". (1 Mark.) Die zweite Handlung ipelt „Im Paradiese" und behandelt „Den Süadenfall". (1.60 Mark) Der dritte Theil: „Auf der Erde: DaS erste Opfer" ist noch in Borbereitung. Au» dm beiden ersten Theilen ergibt sich bereits der Eindruck, daß wir ein Werk von genialster Konz p:ion und zugleich auch eine sprachliche und stilistische Äunftschöpfung ersten Same» vor n«S habe». Die fl.eßende Leichtigkeit und doch euch wieder zarte Zurückhaltung, mit der der Dichter die höchsten Myst-nm der Schöpfung in Worte zu kleide« wriß, ist ebenso bewundernSwerth wie die an manchen Stellen entwickelte gihantts^e Kraft der Vorstellung und der Sprache. Mit Spannung sehen wir b« Bllenduua b 8 Werke» entgegen.
Allen Verehrern bet verstorbenen Dichterin Emilie Ringsei» werben ihre von Bettina RingSei» ergänzte» „@ rinn er ung »blätter" (z b 3 Mak) hoch Willkomm « sein. Diese» originelle Lebensbild ist doppelt interessant, weil eine große Zrhl geistig hn- vorragender Zeitgenossen in die Sch'ck ale b« Dichterin hinein pelen. Wa» über ihre dramat-scheu Darstellungen — selbst vor König Ludwig II hat sie gespielt — mitgecheilt wird, ist d« jüngeren Generation völlig neu. Ein gute» Porträt der Dichterin ist dem stattliche» Bändche» beigegeben.
Em eigenartige» Werk ist da» Dante-Album von 8. A. Betzinger: „Bon Welt zn Welt". Richt Jedem ist eS gegeben, sich in Dante'» Werke, besondn» in seine größte Schöpfung, „Die göttliche Komödie", zu »«tiefen. Uaferer hastmde« Z tt fehlt zu solchen Studien die Ruhe md Sammlung. Dennoch sollte kein Gebildeter an dem Schctzk Daat'.'sch t Gotte»- und Wütweirheit achtlos vorüber- gehen. Unter den vnschiedenen Blumenlesm au» < Dante'» Dichtung ist die neueste von B-tznger zweiftllo» die wnthvoüste und übnfichtl'chfte. D« S vfi ist sorgfältig au»zewählt und nach Materien geordnet, so daß man auch b qu-m darin nachschlagen kann. Dem ttalimischen T xc ist jeweils die beste deutsche U Ersitzung gegenüdergestrüt. Em vorzüglich bearbeitet«