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Der Untergang des „Salier".

Boa einer schweren Schiffrkatastrophe ist wieder der Norddeutsche Lloyd heimgesucht worden. Der Postdampfer „Salier" ist, wie wir schon gestern auf Grund einer Depesche unser« Lesern «ittheile» konnten, an der spanische« Westküste bei Billa Garem, in der für die Schifffahrt so gesährlichen Bai von Biscaya, in einem schwere» Orkan aller Wahrscheinlichkeit nach zu Grunde gegangen. Während die ersten Nach­richten noch einige Hoffnung auf Rettung bei Dampfer! ließen, lauten die neuesten Telegramme bereit! bestimmt und hoffnungslos.

Billa Garem ist rin kleiner, aber guter spanischer Hafen an der Arosabucht an der spamsche» Westküste unweit der portugiestschen Grenze. Bon Corunna, der letzte« Anlegestelle de! Dampfer!, nach Billa Garcia, um de! berüchtigte Kap Fmistere herum, ist e! unge­fähr eine kleine Tagreiie. Der Dampfer ist also mindesten! 48 Stunden überfällig, wa! im Zusammen­hang mit dem an der spanischen Westküste herrschenden Orkan allerding! außerordentlich beunruhigend ist.

Der Postdampfer „Salier" hat am 28. November Bremerhaven verlassen, traf am 3. Dezember in Ant­werpen ein und verließ Corunna am 7. Dezember, Nachmittag! 4 Uhr, bei heftigem Srmm Bon da ab fehlt jede Nachricht. „Salier" ist ein 1875 in Eng­land gebauter Schraubendampfer mit Bcigg-Takelage. Gr hat 3200 Tonnen Raumgehalt. 107 Meter Länge und ca. 12 Meter Breite; die Maschine leistet 2000 Pferdekräsre. „Salier" hatte Kars Corunna, Billa

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Samstag, dm 12 Dezember 1896.

23. Jahrgang

FlildacrWZeitiiiig

mit Unterhaltungs-Keilage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Garcia, Oporto, Lissabon, an bett Madeira - Inseln vorbei nach Bahia, Rio de Janeiro und weiter nach La Plata. Br! Rio de Janeiro (5830 Seemeilen) hat er 31 Tage Fahrzeit. Kajüts-Paffagiere waren nicht an Bord, da der „Salier" seit etwa l1/« Jahren nur der Besördertmg von Zwischendeck - Paflagieren dient. Nachdem der „Salier" 16 Jahre Dienst gethan hatte, wurde et 1891 auf der Werft de! „Vulkan" in Stet­tin mit neue« Keffrln und Maschinen versehen und auch sonst umgebaut. Im vorigen Jahre wurden seine Kajüte« und Salon! entfernt und er wurde lediglich zur Beförderung von Z vischendeck-Paffagieren und zum Transport von Stückgut bestimmt. Die Reise, auf der da! Schiff nun aller Wahrscheinlichkeit nach verunglückt ist, sollte seine letzte sein, denn der „Lloyd" beab­sichtigte, im nächste« Frühjahr, sobald die im Bau be­griffenen Neubauten fertig gestellt sein werde«, den „Salier", sowie einige andere gleichartige Schiffe au!- zumustern. Der Führer de! „Salier" ist ein alter erprobter Seemann der Lloyd-Flotte. Im Juni 1886 war der „Salier" al! erster deutscher ReichSpostdampfer nach Australien gegangen.

Dem Berliner Bureau dl! Norddeutschen Lloyd ist die offizielle Mittheilung zugegangen, daß der Post­dampfer „Salier" zweifellos untergegangen ist. Nach dem Bericht fand der Schiffbruch dk! Dampfers bei sehr stürmischem Wetter in der Nacht vom 7. zum 8. ds. Mrs in der Nähe de! Caps Corovedo tut der felsigen Küste vier Meilen nördlich von der Einfahrt in den Hafen Billa Garcia, 21/» See­meilen vr« festen Land statt. Bei der furchtbaren Brandung, die dort zur Z it herrschte, dürste das Schiff bald auseinander gebrochen sein, so daß zweifellos leiderNiemand mit demLebendavongekomme« ist. Trümmer bei Dampfer! sollen bereits an ber Küste ausgefunben sei«. Der Dampfer hatte 275 i

Passagiere unb 65 Schiffsmannschaften a« Borb. Die letzteren waren sämmtlich, von bett Passagieren nur einer von bentscher Herkunft.

Der Dampfer hatte für ca. brei Millionen Werth­sachen an Borb, welche znm Theil für R.o be Janeiro bestimmt waren.

Der .Kölnischen Zeitung' wirb aus Corunna tele- graphirt: Am 29. November war ber Dampfer „Salier" von Antwerpen mit 210 Passagiere« ausgelaufen. Da ber Dampfer aber in be« fpanische« Häfen noch viele Paffagiere an Borb genommen hatte, ist ber Verlust an Menschenleben möglicherweise noch größer, als man bisher angenommen hat. Hier wirb bie Zahl ber Paffagiere auf 400 bi! 500 geschätzt.

Em weiteres Telegramm melbet: Zahlreiche an bie spanische Küste antreibenbe Wrackstück« lasten außer Zveifel, baß ber „Salier" total verloren ist, unb man betrachtet e! al! traurige Thatsache, baß von be« an Borb befindlichen Personen Niemanb ge­rettet würbe.

Die BesÜrchtung, baß bie Zrhl ber Verunglückten überaus groß ist, wirb weiter burch folgendes Tele­gramm aus Billa Garcia verstärk:

Der Lloydbampfer „Salier" war am Montag Abenb von Corunna abgegangen, wo berselbe bereits mit einer Beschäbigung beS BugS eingetroffen war. Der Dampfer lief de« hiesigen Hafen an, um Paffagiere für Argen­tinien aufzunehmen n«b kenterte Montag Nacht bei Kap Corovedo; man glaubt, daß 400 Personen bas Leben eingebützt haben. Bor etwa brei Jahren ging an betreiben Stelle ein neuer englischer Kreuzer mit Rann unb Mau! zu Grunde. Ans dem Corovedo- Kap befindet sich ein Leuchtfeuer und eine Rettungs­station, trotzdem scheint niemand gerettet zu sein.

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