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Samstag, den 12. Dezember 1896

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Schachzug bei leitenbe» BiSvmrckblatteS, auch ferner- feite in den Ruf nach voller Klärung der «»gelegen- beit eirzustimrnen. Gleichwohl wird dadurch der er« wähnte Verdacht nicht zum Schweigen gebracht werden; ee bleibt nichts weiter übrig, als de» Prozeß Taufch

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^Jrzwifchen ist doch jedenfalls fehr bezeichnend, daß K hr. v. Marfchall, nachdem er foeben erst em Ja« triguennrtz zerrissen, schon wieder anss Reue nach oben hin angeschwärzt wird, und zwar gerade — tote bemerk — durch einige Berliner Bismarckolätter, welche die Erhebung der Prozrss-r tadeln, wer! dadmch nm Wass-r auf die Mühle der Sozmldemorratre geleitet werde. All ob nicht der Ausschluß der Off-ntlichkeit oder ei« anderer Vertuschung,versuch "st recht m der sozialdemokratische» Presse zu den a,st,B«» Unter« st-llungen Veranlassung gegeben hätte! Gerade dre O ffmtlichkeit ist das einzige Mittl, um unwahre« und böswilligen Behauptungen die Spitze abzubrechem

Abgrfehm vo» dieser Frage und der Frage nach weiteren „Hintermännern- beschäftigt sich die öffent­liche Meinung aus Anlaß des Falles Tausch vor« wiegend mit der Frage eiset beffrren Organisation oder Abschaffung der politischen Polizei. Die ,Post führt die Schuld daran, daß die politische Polizei bezw. ihr eigentlicher Leiter v. Tausch so lange thun konnte, was fie wollte, hauptsächlich darauf zurück, daß der Polize Präsident von Berlin bet der Fülle der Geschäfte die Leitung und Verantwortung, die »hm formell zukommt, thatsächlich nicht mehr tragen könne u«d daher uoihged »»gen den einzelne» Dieisstzweigm sehr viel fteien Spielraum lasse« müffe. Sie empst hlt deshalb die politische Polizei auch formell zu enter I selbständigen «btheilung mit eigener verantwort« licher Leitung zu mache«. Auf die B«ontwort!ichkett dürste <8 hier aber doch sch- wenig ankommen, und ficht mm davo« ad, so läuft der Vorschlag der ,Post darauf hinaus, der polüischen Polizei eine noch größere Selbständigkeit zu geben. Und das j muß «ach de» Luthüllange« des Leckert-Lützow-Pro-

I «ffeg hoch gerade al« das Verkehrteste betrachtet | werden. Nein, nicht unabhängiger, sondern ab. I hängiger von der Oberleitung muß dre politische I Polizei werden, wenn man fie nicht ganz entbehre» zu I können glaubt, was entschieden dar Beste wäre.

Auch ihre Besugniffe nach außen hm bedürfen erner Einschränkung. Jedenfalls aber sollte die politische I Polizei, wenn ma« fie nicht abschaffrn will, «»« I mittelbar demPolizeipräfidente» unterstellt, und selbst« verständlich müßte auch mit dem „Vertrauensmänner - I d. i. Sp tzel'ylemgänzlich gebrochen werden. Gerade I diese geheimen Agenten der politischen Polizei habe«, I so lange es eine solche gibt, schon wiederholt die ärg« I stxn Quertreibereien und Beunruhigungen hervorge- I rufe» und soviel Schaden angerichtet, drß der etwaige I Nutzen der politischen Polizei gänzlich verschwindet. I Luch die Polizei muß schließlich eivsrhen, daß auf die I Dauer „ehrlich am längsten währt-, urd daß,eS kerne | besondere Polizeimoral geben kann, sondern nur eine I einzige, die für alle Menschen und für alle Verhalt- I » sie g lt._________________________________________

Machenschaften getrieben habe. Als der Kronprinz Fnednch Wilhelm im Winter 1887/88 in San Remo weilte, wurde die Nachricht verbreitet, ein Verband gefährlicher Anarchckm sei irgendwo an der Riviera versammelt, um ein Bubenstück gegen den sterbenskranken Kronprinzen vorzubereiten. Damals wollte im Grunde niemand an diese Ungeheuerlichkeit glauben, nm dre geheime Polizei nahm sie ernst; sie entfaltete um den Kron- Prinzen und sein HauS ein Aufgebot ihrer .Vertrauensmannes, nichts ist eingetreten, keine Spur des Anfanges emeS Versuch« ist entdeckt worden. Sollte da- Verdienst hierfür vielleicht doch nicht der Thätigkeit, sondern eher der Erfindungsgabe einzeln« Mitglieder dieser Geheimpolizei zu verdanken gewesen sein? Weiter erinnern wir unS, daß, als Ende September 1888 der junge Kaiser seinen Antrittsbesuch am Stuttgatt« Hofe gemacht batte und er sich anschickte, die Weiterreise nach Mainau zu den badischen Herrschaften anzutrete«, plötzlich die Nachricht auf. tauchte, die geheime Polizei habe festgestellt, daß zwei berüchtigte Anarchisten heimlich aus der Schweiz nach Württemberg gekom- men feien, und daß eine Gefährdung des kaiserlichen Eisenbahn. ruaeS zu befürchten sei. Irren wir nicht, so erwarteten damals vergeblich aus den württembergischen Bahnhöfen zahllose festlich gekleidete Schwäbinnen und Schwaben die Durchfahrt des Mgerck- lieben Kaisers. Sein Sonderzug war inzwischen m aller Stille von Stuttgart aus auf einem Umwege über Hohenzollern nach Konstanz geleitet worden. Aus der Hauptstrecke aber ist kerne Spur einer Gefahr ermittelt und, irren wir nicht, auch kem Anarchist entdeckt worden. Dann kam später die erste Nord- landfahrt des Kaiser- und damit alle ,ene Gerüchte über d,e Krankheit des Ka ser«, über sein Benehmen auf der KapltanS- brücke und über Ausschreitungen gegen Osfiziere, über schwere

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Die Erörterungen ht der «reffe über bte Ergeb« I > «ist: bi8 Leckert-LLtzow-Proz-ffeS ziehe» muner wettere I Strafe. Allenthalben fuhrt fich das Bebauern, baß I die Frage nach bem „Hintermann-, bem eitzentliche» Anstifter bet Jntrigue», offen geblieben ist. Der j Oberstaatsanwalt Drescher meinte zwar, em solcher Hintermann ex stire nicht, aber er wirb mit dieser An- ficht ziemlich allein stehe«. Daß ber mt letzten Mo« maite anftretenbe Zeuge Stär « derjenige war welcher dem Tausch vernäh, von wem ber Hahnke-Artikel bet I Köln. Ä-a/ stamme, kann wohl richtig fern, baß aber | Stärck bet Anstifter bis Ganze« war, wirb kein Mensch glauben. Unbegte>flch isthierbei das Verhalten bes Polizeipräsidenten v. Wrndheim. Zunächst I weigert fich Tausch, ben „Hintermann- zu nennen. Das Gericht hat aber ein solches Interesse daran, I diesen zu wissen, baß Tausch zum Polizeip.äfibenten I geschickt wirb, »m bte Genehmigung »ur Namens« I vennung zu erhalten. Der Polizeipräsident fchlägt bte Genehmigung ab, was nut dann geschehe» darf, wenn I wichtige Staatsivteresse» aus bem Spiele I Athen. SS waren Berathungen uttb Staat Sm in,« I ftetial-Sitzungen nölhig, um bresen wichtigen I Namen an bie O.ffentlichkeit zu bringen; enblich wat am I Montag es mit bem Staatsintetiffe vertraglich, bte I große Enthüllung z» machen, ba kam v. Tausch da« I mit heraus, und ber große Name hieß — Stärck. I »er kannte bisher Stärck? Uttb boch ruhte auf tiefer I hervorragenbeu Säule ein Stück Ex stenz b.s deutfchen Reiche» unb pteußifchm Staat S, bS endlich tiefe Last I von ihr genommen toutbel! Daß mal '«Publikum I fehr froh darüber ist, nun glücklich bat Anstifter aller I Jniriguen zu kennen, bedarf keiner Ausführung; nut I Höfe Menschen können glauben baß noch etwa» wettet I dahinter stecke. Ein böser Zufall will auch, baß Herr v. Taufch, vielleicht ber Einzige, welcher mehr ent­hüllen könnte, wenn eS noch etwas zu evthüllen gäbe, fa de» B rdacht deS Meineids gekommen ist, tote ber ObastaatSMwalt mit großer Feierlichkeit verkündete, er alfo nicht ferner als Zeuge, fondetnuur als Angeklagter in tiefer Sache fungittn kann — an Aus« gcmg, bet sicher noch manche Betrachtungev zur Folge | haben wirb. . „

I» einigen Blättern begegnet mau ber Ansicht, | daß im Tausch.Ptozesse klargestellt Wertin solle, was j tzt unklar geblieben ist. Bit können diese Met« 1808 nicht iheilen. Wenn man eine Klarstellung, eine wirkliche „Jagd nach dem Hintermanne- gewollt hätte, wäre sie am Montag am Platze gewesen — aber man ließ den Vorhang fallen, als bie «ouliffi fich i» off- «en begann. Was in aller Welt aber konnte v. Tausch mb gar v. Windheim veranlastm, bet» Namen Stärck fir so geheimnißvoll zu erachten? Man fucht vergeb<rnS auch nur nach dem leifesto» Grunde; die einzige Et« klätung kann nur fei», daß man bis in die letzte Mmute — auf andere» Spvte« wat, bis man schließlich das Glück hatte, m dem schlimmen Stärck ben infame» Scha ken zu finden, ber bann ungesäumt cm be« Pranget gestellt würbe. ...

Befonbete Stwähmmg verdient eS, tote bie .Hamb. Rächt/, baS Sprachrohr bei Färstru Bll« mord, fich in tiefer Frage stelle». Im Gegevfatze zv onbaen BiSmaickblättern, welche bem Freiherr» v. Marschall einen Strick daraus drehe« möchte«, baß et „sich in bie Oeffentlichkeit geflüchtet-, unb bamtt — ob oul schlechtem Gew ff en, fei dahingestellt — em «ertnfchuttgstystem empfehlen, forban bie ,,Hamb. Nacht/ i« Uebereinstimmuna mit bet überwiegeiben M brheit ber übrigen P esst, baß nichts unversucht gelaffen werben solle, nm volle Klarheit namentlich auch übetbieFrage zu verbreiten, „in welchem ber fronbitenben Lager- ber Hintermann bei Taufch zu suchen sei. «nscheinenb hat man m Friedrichsruhe erkannt, baß bas lichtscheue Gebähte» der übrige» BiSmarckbläiter ben Verbucht be« ‘ starke« mußte, baß ba: BiSmarckioner von Tausch eine« HiutermM« im Lager ber Bismarck« Fronde habe. SS ist bähet ein ganz geschickter

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Dezemba.

* Sine »ene Aktion gegen Frhrn. V. Marschall scheint in Bismarcklschen Kreisen vorbereitet zu werden. Nach ber ,Post' will „man- bei der Etats« berathung im Abgeorbnetenhause be« Justiz­minister frage«, ob er es mit bem Geiste bet Straf, ptozeßotbnung für vneinbat hält, baß bet Staatssekretär bes Auswärtige» Amtes zugleich all fruge uab «jat- sächlich auch Leiter ber Verhandlungen und aU Staats­anwalt bei bem Prozeß Leckert-Lützow habe aufit ten bütfen. Formell richtet sich bas gegen ben Borfitzenden beS Gerichtshofs, thatsächlich aber gegen Frhrn. v. Marschall. Rach Lage ber Sache kormte es aber gar nicht anberS sein, als baß tiefer bet eigentliche Leiter bei von ihm veranlaßten Prozess:S würbe, ob bie beteiligten Personen bas wollten ober nicht. „ .......

* Zar Geschichte ber politischen Polizei liefert bie ,Köln. Zig' folge-de Beiträ e: .

„freute tauchen au» früheren Jahren in unserer Erinnerung eine ganze Anzahl von Ereignissen auf,. b/e bn unS den verdacht erregt haben, daß auch damals die geheime Polizei künstliche

Schuldenlasten u. s. to."

Dazu bemerkt bie .Köln. Volkszeitung': Die letzteren Erinnerungen könne» wir aus eigener Wissen­schaft ergänzen. Die a» die erste Nordlandfahrt an- knüpfenden abenteuerliche» Mitthellungen über de» Kaiser habe» damals in einem amerikanischen Batte Unterkunft gefunben. Ma» hatte aber auch bett »er» such gemacht, dieselben in ein angesehenes belgisches Blatt zu bringen. Dort verweigerte man dem Pseudo- tttmen Einsender bie Aufnahme, brach bie Verbuchung mit demselben ab unb überfanbte uns ba# Manuskript mit bem Anheimgebm, bamU nach «mbLnken zu »er­faßten. Wir sandten baSselbe bem damaligen Reichs­kanzler Grafe» Caprivi unb erhielten bald darauf be« Besuch eines gehörig legitimirte« Beamte» ber Berliner politischen Polizei, näm'.ich bes — Hm. v. Tausch, welcher ba» Manuskript photozrophicm ließ unb eingchrnbe Nachsorschunge» anzustellen erklärte. Später erfuhren wir, diese Nachforschungen bitten auf bie Spm eine» „ehemaligen hannoversche« Offiziers geführt. Der Artikel war so geschrieben, al» wenn er von einem ganz genau orientirten Theiluehmer an ber Rorblandfahrt be» Kaiser» herrührte; im Ars aide mußte er ben Ginbruck erwick-n, als herrsche bei mir ! »ach ber Entlastung BiSmarck's in ben höchstm Re- i aionen ber Regierung eine völlige Anarchie. Heute brüngen fich über bie Herkunft jener g-metngefährltch-» t Auslastung?» bie eigenihümlichsten Grbanken auf. Ja, wen« Herr v. Tausch reben wollte!

| * Die ,Berl. R-uest. Rache.' schreiben: „Die erst

| vor kurzer Zeit ersolgte Verleihung bei Rothen Ablerorben» mit ber Krone an Herr« vv» Tausch regt um so mehr zu B-trahtung-n an, als bte Verleihung ber Krone zum Rothm Ablerorben Se. Majestät sich selbst Vorbehalten hat, ber Anttag also nicht vom Statsministerium au8g-ga«gen sei» kau», fonbern m ber Umgebung be» Monarchen seinen Ursprung unb seine Befürwortung gehabt habe» muß. Jrbenfall# ist bie Verleihung zu einer Z-it erfolgt, als ber Ko: fickt be» Auswärtige« Amtes nut ber poli­tischen Polizei schon nahe vor ber Krisis stand, unb bürste picht wenig zu dem Entschlusft der oberste» ReichSbehörbe beigettage» haben, die Sache enbgüttg unb öffmil ch zum Austrag zu bringe«.- - Ob es fich so verhält, bleibt abzuwarte».

* Ans em bernerkenswerthes JubUänm wirb in verschiedenen katholisch m Blättern dmgemese«. Am Donnerstag (10.Dezember) waren 2a Jahre verfl.stm, seit ber Kanzel-Paragraph tm R-lch»zesetzblatte veröffentlicht wurde und damtt Gesetzeskraft erh.elt. Es war der erste zesetzgrberische Att der „Kultur­kampfes-, dem bann m rascher Folge eine Menge l weiterer Akte aus bem Gebiete ber Reich#« tote bet | LanbeSgesttzgebnng fich anschliffen. Seitdem ist er» | «euer Geschlecht heraugewachse«, dar jene trüben Tage I nicht durchgemacht hat, während viele brave Streiter ber 70« Jahre in die andere W.lt hmübergegangen find. Pflicht ber katholischen Presse wird es sein, wenn auch ohne unvöthige Bitterkeit, an tiefe trübe Z tt zu eri»n«n. A» Gelegenheit dazu wird es in be» näch­sten Jahre» nicht fehle». Meminisse invnbit!

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mit W«trrhalt«ng»-HeUagr „Sterne «nd Klume«"._______________