Einzelbild herunterladen
 

284 Mtttwoch, den 9. Dezember 1896. 23. Jahrgang

FiiliuikrWZeitiing

mit Unterhaltungs-Keilage „Sterne urrd Hlumen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einsvaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Der Lagerhausbetrieb in Trostberg.

3« dem »Wochenblatt des landwirthschaftlichen Bereis» in Büyern^ veröffentlicht Herr Pfarrer Stau- disger in Heiligkreuz al» .Beispiel für unsere lieben Bauersleute" folgenden Artikel:

Das Lagerhaus Trostberg hat, ohne ihn zu suchen, eine» Ruf erlangt, daß sein Ruf schon bald mehr Arbeit bringt, als seine Erbauung und Einrichtung. Richt bloS von viele« Provinzen der engeren Bater. landeS, sondern auch von auswärts, aus Schlesien, Sachsen, Hannover kommen Anfragen; unser Plan ist seit Jahresfrist kanm acht Tage in unseren Händen gewesen, er istder reinste „Staber! auf Reisen": gegen­wärtig in Oberfranke», verlangt ihn schon wieder eine Genossenschaft in Rheinheffe».

Dar Lagerhaus selber ist wohl mit ganz vorzüg­lichen Putzvorrichtungen versehen und kostet alle« mit allem die ansehnliche Summe von 14,700 Mk., aber sei» Betrieb ist doch recht einfach, sodaß die Bauern selber damit havtiren können und da» Bedürfaiß nach einer kaufmännischen «rast in keiner Weise empfunden wird. Die Maschinen mit Mowrevbetrieb kann selbst­verständlich ei« ganz einfacher Man« bedienen. Er kennt auch als einfacher Müller, zul-tzt Einkäufer für «ine «unstmühle, das Getreide. Er ist der erste Toxator und nur wenn er mit dem Lieferanten nicht einig werden kann, werden die von der LagertzauSvrr- waltung ausgestellte« Taxatoren als letzte Instanz bei- gezogen.

Abnehmer find die «öniglichen Proviantämter, mit deren Preisnotirung die Bauern sch: zufrieden gewesen find, eine «unstmühle, 40 Kilometer entfernt, und eine solche am Ort. G-. kauft wird das Getreide aus einem solchen Lagerhause, in welchem die Maschinen für eine gründliche und gleichmäßige Reinigung garantiren, sehr gern, eS wird sogar gesucht. AlS man hener im Frühjahr in Passau daranging, eine BerufSgevossen- fchast mit Lagerhaus zu gründen, lagen die Asgeoote der Bierbrauer und einer großen «unstmühle schon da; daraus ist ersichtlich, daß sie ihren Bedarf am liebsten au» dem Lazerhause decke« werden. Abnehmer am Orte sind «ater anderem auch deshalb sehr wün- schenSwsrth, weil sie jedes Quantum — z.jB. 213 Ctr. 49 Pfd. — nehmen und keine Reste liege« bleibe«. Me unsere Abnehmer zahlen per Kaffa, eS vollzieht fich auch der Verkauf sehr einfach. De« Fall der Be­lehnung ausgenommen, zeigt jeder Bauer mit feinem Anfahren an, daß er zur Zett und nach den zur Zeit geltenden Preisen verkaufen will. Es wird vor den Augen deS Bauern das Getreide gewogen, gereinigt, der Abfall zurückgezogen; eS wird das reine Gewicht verbucht nach Abzug vo« 1 pCt. Verstaubung und demnach der Lagerhausschein ausgestellt. So oft ei« genügendes Quantum vorhanden ist, wird jedcsmal geräumt. Der LagerhauSrechner nimmt de« Erlös für dar verkaufte Getreide in Empfang und verbucht ihn. Ihm zeigt jeder Bauer seine« Lagerhausschein vor. Der Rechner verbucht zuvor die Ausgabe und zahlt dann dem Bauern den ihn treffenden Theil gegen Empfangsbestätigung und mit Abzug der Lager- hauSgebühr — 10 Pfg. der Centn« —, welche als Einnahme verbucht werden. Dies kann jedermann

machen, der nur einige Schulung hat, wie sie für eineu Raiffeisenrechner gmügt. Der LagerhauSrechner hat auch die eingenommenen Summen immer nur vor­übergehend in der Hand, denn die Bauern holen chr Geld schnell ab, warten vielfach schon darauf; mit den Lagerhausgebühren zahlt der Rechner dann die laufende« Betriebskosten von Monat zu Monat, de« Ueberschuß muß er in einen der mithastenden Raiff- eisenvereine lege«. Da« Geschäft wickelt sich also in Wirklichkeit einfach und schnell ab. ES dürfte auch wohl die Loosung auszegrbe« werden: „Rur keine HerrschastSbetriebe für unsere einfachen bäuerlichen Ver­hältnisse!"

Wie stehm sich nnn die Bauern bei diesen genossen­schaftlichen Verkäufen? — DaS Lagerhaus Trostberg ist erst April dieser Jahres in richtigen Betrieb ge­kommen, also zu einer Z it, in welcher nur wenige Bauern, und auch diese nicht mehr viel Getreide haben. SS konnten nur mehr 400 Ctr. Saathafer gereinigt, 1314 Ctr. 30 Pfd. Roggen und 628 Ctr. 38 Pfd. Weizen verkauft werden. Nach ihren eigenen Aus­sage« haben die Bauern per Ctr. 50 bis 60 Pfg. mehr eingenommen, als sie bei den Händlern hätten einlösen können, obwohl die Händler doch auch mit ihren Preisen in die Höhe gegangen sind. — Es find die widersinnigsten Gerüchte gegen den genvffenschaftliche« Verkauf in Umlauf gesetzt worden, wahre Eintags­fliegen, welche schnell wieder verschwunden find. So wurde die Meinung verbreitet, diese Maschinen würden den Bauern so viel wegputze«, daß er nichts mehr ver­kaufe» könne. Bei einigermaßen normal behandeltem Getreide beträgt aber der Abfall prr Centner 5 Pfd. Mit mehr Geschick ist drr Einwand eifrig kolportirt word?n: C8 sei schon richtig, daß der Bauer bei diesem direkten Barkauf mehr bekommt, als die Händler geben können; aber der Händler zahle den Abfall auch um denselben Preis, während da- Lagerhaus de« Abfall nicht annähme und denselben dem Bauern wieder zurückgäbe. Auch dieser Einwand hat schnell seinen Richter gefunden. — Bleich anfangs kam ei« Bauer: »Ich möchte auch mein «orn in'S Lagerhaus fahren; eS ist aber nichts Saubere«, ist viel Unrath darunter." — „Komm nur, die Maschinen machen e« schon sauber." — Er brachte 60 Ctr. Bier Centner habe« sich weg- g-putzt, 56 Ctr. sind also zum Verkauf geblieben, und das waren gute, harte Körner. Der Man« hat nach Abzug aller Koste«, auch der LagerungSgebühr, 7 Mk. 27 Pfg. pr Ctr. auf die Hand bekomme«, im Ganzen 407 Mk 12 Pfg. Nun gestand er, daß ihm die Häadlrr nur 6 Mk. 60 Pfg. gegeben hätten, allerdings auch für den Abfall, also für 60 Ctr. 396 Mk „Also hast 11 Mk. 12 Pfg. profitirt." - „Was glauben Sie?" — sagte der Bauer — „ich habe auch 4 Ctr. Abfall, die von der Dampfmaschine abgeschlagene« Körner. DaS gebe ich alle« um 24 Mk. nicht her. Sie viel habe ich dieses Jahr wohl schon Getreide v rr- üttert! Nu« füttere ich den Abfall und mache die luten Körner zu Geld." — Go ist auch dieser scheinbar »este Einwurf widerlegt, und e« fahren dir Bauern cho« 2—3 Stunde« weit zum Lagerhause her. Weu« einer 30 Ctr. bringt, verdient et seine 15 Mk. mehr; um 15 Mk. spannt ein Bauer immer gern ein.

Dieses find die Anfänge und wirklich gemachten Erfahrungen mit einem genosst«schastlichen Lagerhause. Nöge nur immer auch die Theorie fich vernehmen assen, bomit Theorie und Praxis fich gegenseittg ab- tntffen können.

Vermischtes.

* Begreiflich. „Haben Sie denn gar kein Selbstvertrauen?" — „Das ist ja grab' das Schreckliche! So oft ich noch mir selbst vertraute, bin ich auch allemal riesig von mir selbst an- g'schmirt worden!"

* I« der Reitbahn. Major: „Wachtmeister, Sie haben doch sechs Einjährige in der Schwadron? Sehe hier ja keinen reiten?" — Wachtmeister: „Zu Befehl, Herr Major! Zwei Ein­jährige sind im Arrest, einer ist im Lazareth und die andern liegen wieder unten!"

* Hieb. Ladeniahaber (zu einem Betrunkenen, der ihm ins Auslagefenster fiel): „Sie besoffener Kerl, Sie.." — Betrunkener: „Na, nüchtern fällt bei Ihnen doch keiner herein!"

* Beim Friseur. Kunde: „Ich weiß nicht, was Sie so lange herumtändeln an meinen paar Haaren!" — Friseur: „Euer Gnaden haben mir doch „Frisiren" anbefohlen! Und da hab' ich Ihren Kopf erst mit meiner Haarwuchssalbe eingerieben!"

* Mißverständnisse. 1. Herr (zornig): „ . . . Mein Herr, ich stelle Sie vor die Alternativ- ..." — 2. Herr (schwerhörig, noch zorniger): „Ich will aber keiner alten Naiven vorgestellt werden . . .!"

* Innerlich angewandt. Arzt: „Nun, haben Sie gegen Ihre Erkältung die Warmwasserkur angewandt, die ich Ihnen empfohlen habe?" — Patient: „Ja, sie ist ganz ausgezeichnet; ich habe ein bischen Rum und Citrone hineingemacht, und das ist mir ausgezeichnet bekommen."

* Recht angenehm. A.: „Fräulein Meinert ist also wieder verlobt?" — B.: „Ja!" — A.: „Die war schon mit allen Möglichen verlobt; wer ist denn der Schafrkopf, der sie jetzt wieder hat?" — B.: „Ich!"

* Mißverstanden. Fräulein: „Lieber Onkel, eine freudige Nachricht. Meine lyrischen Gedichte, die ich Dir schon so oft vorgelesen habe, sind endlich verlegt." — „So, so? Na Gott sei Dank, wenn's nur nicht am End' wieder beim Aufräumen g'fundeu werden."

«Literarisches.

Mntterthräne». Märchen von P. Ambros Schupp, S. J. 148 Seiten kl. 8°. Verlag der Bonifacius - Druckerei in Paderborn. Preis brosch. 1 Mk. 20 Pfg., gebd. 1 Mk. 60 Pfg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.

Der frische, würzige Waldhauch deutscher Märchenpoesie weht durch diese liebliche Schöpfung des Jesuitenpaters Ambros Schupp. Sie erzählt von dem Grafensohne Ludi und seiner Schwester Holda, der frommen und braven Wärterin Rofa, die dem kleinen Ludi schöne Lieder lehrt, von der bösen Hexe Katti, von treuen Dienern, welche mit Hilfe deS Taubenkönigs die Hexe überwinden und die von ihr geraubten Stuber befreien, von der Mutter- thräne, die gegen allen Hexenzauber sichert — und das alles ist poetisch umwoben von Waldesduft und WaldeShauch. Wunder- lieblich sind auch die eingeflochtenen Lieder, sie prägen sich leicht dem Gedächtniß ein und enthalten viel Schönes und Erbauliches. So z. B. folgendes Liedchen: „Daheim am Baterherde, Da magst Du glücklich sein, Nirgends auf weiter Erde Die Blüm­lein blühen so fein; So weiß keine Lilie blühtt, Kein Veilchen blüht so blau, So roth kein Röslein glühet, Als auf der Hei- mathau. Will Dich die Welt ergötzen Mit Freuden süß und und lind: Kein König kann Dir ersetzen, Was Vater und Mutter sind." Und so wollen wir daS hübsche und überaus anmuthig geschriebene Märchenbuch den großen und kleinen Leuten herzlich empfehlen. Möge dasselbe zu Weihnachten ganz besonders in die Hände recht vieler Kinder gelangen.

0201 Geldgewinne. W W Kieler Geld-Loose nur | Mark, w * Haupttreffer. 50,000Mark ! 11 Loose nur 10 Mark, Porto n. Liste 20 Pf. extra, versendet Paul Liebsch, Haaptagentur, Gotha.

Zu haben':in Fulda bei F. W. Huppert, Schulstraße.

Bestellungen

__ , auf die

ST Fuldaer Zeitung qp

werden noch fortwährend angenommen.

Gebr. Schultheis

Fulda,

Friedrichstrasse 5.

'Xucifiiiacfifs usvcrfia uf

zu ermässigten Preisen von zurückgesetzten Waaren auf alle Abtheilungen unseres Lagers. dF