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M 284 Mittwoch, den 9. Dezember 1896. 23. Jahrgang
FuIdlikrMZeitling
mit Unterha itungs-Hrilage „Sterne «nd Klnmen".
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K Das Urtheil im Leckert-Lützow-
Erstes Klatt.
zeuge Leck-rt usb v. Lützow, die fich nebenbei auch als „Jvmnalisteu" aufspielte«, d-S Urtheil gefällt worden. Leckert uud v. Lützow erhielten: jener Segen verleumderischer Beleidigungen in drei Fälle«, dieser wegen wiederholter einfacher Beleidigung je l1/* Jahre j Sefängniß ohne Amechnung der Untersuchungshaft. i Außerdem erhielten der Redakteur Berger von der l ,Staat!bürger-Ztg.' 1 Monat S fängniß, der Bericht, erstatter Foellmer 100 und der R dakteu. Dr. Ploetz von der ,Wrlt am Montag' 500 «k. Geldstrafe. Der Baler d,s Lickert wurde freigefprochen. Lützow erklärte sich zum Antritt der Strafe beseit, L ckert b-hiett sich eine Erklärung vor. Dem Lützow droht außerdem noch eme Ank.age wegen Urkundenfälschung, » die er durch die mit Kukutsch unterzeichnete, gefälschte ? Quütung begangen hat. Au! der UrtheilSbegründung ; ist hervorzuhrben, daß der Gerichtshof erklärt, von s emer angeblichen Preßwirthschast des Aurwärtigen \ Amts könne gar keine Rede fei». DaS Gericht sehe 1 als völlig widerlegt an, daß da« Auswärtige Amt mit Hetzartikrln in Verbindung steöe.
Frhr. v. Marfchall steht also vorläufig all Sieget » i« dem Kampfe gegen die Jntriguanten da, welch; seit Jahren iHv und seine Beamten aus Beweggründen, ° die «och zu untersuchen fei« werden, zu verdächtige« ? gesucht haben, und daS erkennen auch alle Blätter, | der sozialdemokratische .Vorwärts' nicht asSgeschlosfen, ‘ unumwunden an, ausgenommen einige Organe, die, j mögen fie nebenbei dem Bunde der Land Dirthe dienen s ober antisemitisch gesonnen sein, zu be« verbisienste« < BrSmarckianern gehören. ES ist sehr bezeichnend, daß ; man gerade im BiSmurckischen Lager an d?m Vorgehe« ; de! Freiherr« v. Marschall und besten Erfolge allerlei l zu mäkeln und zu i örg?!n hat. Mm scheint fich dort l uicht zu überlegen, daß man durch die Bemängelung ■ der freimüthigen und durch keinerlei falsche Rücksichten ; angekränkelten Appells deS Frhrn. v. Marschall a« die O'ffrntlichkeit sich selbst m den Verdacht bringt, » dal L cht der Oeffentlichkeit scheuen zu müst-u. In dem Prozeß ist ja auch am Montag von dem all „Rechercheur", d. L all Schnüffler beim ,Berl. Tgbl.' avgestewe« Redakteur Stanck,demSewährl- maun del Tausch, den dieser am Montag endlich rrenvM durfte, bekundet worben, daß sowohl TaufÄ, \
Prozeß.
Am Montag ist i* ipatet Aömdstund;, wir schon < gestern in einem Theile bet Ausgabe mirgetheut, in dem o« Aufsehen erregendm Zwischenfällen uud Est- ; hüllungen so reichen Prozesse gegen die Pylizeiwerk« ««h M Qiltenm Ni. fiA L-b-abei auch ’
wieüuchdieAngeklagtenvetbisseueBiSmatckianet find. Damit stimmt die von uns bereits erwähnte Thatsache überein, daß im Gegensätze zur übrigen Peste s ur die exiremm BiSmarckischen Blätter, sogst es gehW will, »och immer den Tausch zu retten suchen.
Run haben wir schon währead der ersten Prozeß« tage die Ansicht geäußert, daß die Fäden der Jntriguen bald in dal BiSmarck'sche, bald in bei Eulen« Surgische Lager hiueinzureichen schienen. Mr haben weiter gemeint, daß Graf Philipp Eulenburg, der Botschafter i« Men, alle Ursache habe, fich in dem Prozestr all Zeuge vernehmen zu lasse«, um fich von dem Verdacht, der durch die Bekundungen deS Tausch über einen Verkehr mit drm Botschafter auf diefe« falle» mußte, zu reinigen. Graf Philipp Eulenburg hat dies selbst gefühlt, ist von Wien nach Berlin gereist und am Montage im Prozeß als Zeuge aufgetreten. Hier Hai er in entfchiedener Weise jede andere als nur rein äußerliche B rbiudung mit Tausch und jede Thei!« «ahme an drstsn Jntrigum unter feinem Eide in Abrede gestellt. CS liegt unS selbstverständlich fern, gegen diese eidliche Aussage irgend em Bedenke« zu erbeben, äußert dock selbst die extrem-fteifinnige Berliner ,LolkS- Zeitung': ES sei sonnenklar erwiese«, daß weder dal Auswärtige Amt mit den zur Sprache gebrachte« Preßtreibereien etwas zu thun gehabt, noch auch Graf Eulenburg dem Preßtreiben gegen daS Auswärtige Amt nahe gestanden habe. Dam t ist indrsten nicht gesagt, daß dal Berhalte« bei G asen Eulenburg durchweg so aewesen wäre, wie ma« el wünschen muß. War beste« Verkehr mit Herrn v. Tausch auch nur rein äußerlich, so ging eS doch weiter, all el unser« Gefühl nach zwischen einem Botschafter und einem Polizeikomm star angemesten war. Besonders baß Graf Eulenburg dem Herrn v. Tausch einen österreichischen Orben erwirkt und diel ihm m eine« besonderen Schreiben mitgrtheilt hat, wäre bester unterblieben, wie sich Graf Eulenburg j tzt wohl selbst sagen wird; denn er hat dadurch, wenn auch ohne eS zu vollen, de« Tausch in feinem Treiben ermuthigt und ihm den Glauben gewährt, für die Sache der Eulenburger etwa! Besonderes thun zu dürfe».
Doch wir wollen von diesen Sachen absehen Md auch annehmen, daß nicht blol Graf PH. Eulenburg, sondern auch fein Bruder, der Obrrhvfmarschall, und hrff ntiich auch der frühere Minister Graf Botho Eulenburg den Preßtreiberrie« gegen dal Auswärtige Amt fernstehen. Um fo stärk r wird bann aber der Verdacht gegen das BiSmarck'sche Lager; daß das Verhalten der Bitlmatck'jchenPrefir Md die BiSmarck'sche Gesinnung der Herr« v. Tausch und seiner Werkzeuge in dieser Hinsicht zu mancherlei Bermuthunge« führen, wird man ohne WestereS begreifl ch finden. Jndestrn wollen wir, so starke VrdachtSgründe auch vorliegen, mit unserem Urth-ile noch zurück halte«, bis gegen de« Herrn v. Tausch, der während der Verhandlung unter dem bringenden Verdachte deS Mein»
Vokahontas.
Erzählung aus der Zeit der ersten europäischen Ansiedlungen t in Nordamerika von Max Benno.
8] ------- (Nachdruck verboten.) |
Bootwell astwortete »echt gcrich. Er war ein scharser Beobachter und hatte recht gut die ungewöhnliche Aufregung deS Mädchens im Verkehr mit Edward bemerkt Er zweifelte nicht daran, daß in dem Hrrzm drl unerfahrenen RatutkindeS tin wärmeres G fühl geweckt worden war. Er hütete fich jedoch, dem Kcp tän ; etwal von diefer Entdkckung zu sage«, denn dadurch t hätte er nur dar, wie er recht gut begriff, ohuehm - glimmende Feuer geschürt.
„Vergiß keine« Augenblick," mahnte et, an bte : letzten »orte Edward's anknüpfend, „daß Du eine j Braut hast, welche daS Gelöbniß ewiger Treue und - Liebe von Dir erhielt. El ist etwal Kostbares um ein j solches Bewußtsein; el find aber auch heilige Pflichte« i daran geknüpft. Ich habe verfprochen, Dein Hüter unb l Berather zu fern unb all solcher steht mir ein offrnel s Wort zu. Ich bitte Dich, jeden Gedanken, jede« Hauch, der dal schöne Berhältniß zu Deiner zukünftig?« Gattin trübe« könnte, von Dir zu drängen, wodurch Du Dir
.den bauernben Frieden Deiner Seele bewahrst."
„Dock geMg jetzt vorerst davon," fuhr er fort. „Ich hoffe, daß Du, auch ohne daß ich Wester auf die
Sache eingch-, weißt, wal Du zu thun hast. Roch etwa! anderes beunruhigt mich. Bei nuferer SnkMft in dem Jndianerdorfe lai ich in den Blick n sowohl bei Rochhäute oll ihrer Häuptling! einen Mverföhu« lichen Haß und el ist mir unmöglich, zu glauben, baß derselbe burch unferr Gesche ske mst einemmale in freundschaftliche Gesinnung verwandelt worden fern soll. Pokohattan gilt als einer der schlauesten Häupt« linge und ich fürchte, daß fich hinter feinem schein« baren Entgegenkommen etwal ganz andere! verbirgt. Sofien wir unS deshalb nicht in gefährliche Sicher« heil einlullen, welche diefer Wilden gegenüber imtet allen Umstände« schlecht angebracht ist."
Der Kapitän war froh, daß der gestrenge Mentor die Erörterung über das JndianermÄchen und feine Empfindungen für dasselbe nicht weiter ausgedehnt hatte und erhob deshalb umsoweniger eine« Widerspruch gegen die Besorgnisse Patrick! unb die daran geknüpften Ermahnungen zur Vorsicht, obgleich er nicht de« geringsten Zveiftl an bett friedfertigen Gesinnungen PokohattcmS auflommen ließ.
Und doch hatte sich baS scharfe Auge des erfahrene« Jrlänberl in überraschender Weife bewährt. Dafür lieferte ben Beweis eine Brrfammlrmz, die Pokobattan mit ben Aeltesten f ine! Stamm » und dem Häuptling Blauhall wenige Stunden nach der Entfernung der Weiße« auf einer kleine« Lichtung hielt, die fich, un
eidS verhaftet worde« ist, iu dieser Sache ver- haadelt worden ist. Wir hoffen uämlich, baß in diesem bevorstehenden Prozeffe doch noch weitere Klarheit über die Personen verbreitet werde« wird, welche die eigmt« lichen Drahtzieher in dem Preßkriege gegen daS Auswärtige Amt und bte Regierung bei jetzigen Kaiser! überhaupt ge mseu sinb; de m wir könne« nicht glaube«, daß Tausch alle diese weitangelegteu und feiugespoune- «en Jatrigue« auf eigene Rechnung unb Gefahr an- gezettelt habe« sollte Er selbst hat ja auch, wie von Ohrenzeugen berichtet wird, bei seiner Abführung die Aeußerung gethan: „Jetzt werde ich rede« unb nicht! soll verschwiegen bleibe«."
Scheu wir jetzt einmal von be« gerichtliche« Konsequenzen bet Preßintrigum ab unb betrachten wir bte politischen Folgen, welche beten Aufdeckung habe« muß, so ist zunächst zu betonen, daß nicht duichweg auf bas Ecg-bniß bei Prozessr! gegen Tausch gewartet werden muß und kann, ehe man die noth- wendigm politischen Folgerungen au! alledem zieht. Sehr viele! steht doch heute schon fest; vor allen Dingen aber die Verderblichkeit der politischen Polizei in ihrer bilherigen Gestalt. Am beste«wäre ei, mit diesem ganzen Zweige der Polizei überhaupt aufzuräumen, jedenfalls aber daß System der „Vertrauensmänner", der Spione und Lock p tzel, gänzlich fallen zu laffrn. Der Oberstaatsanwalt Drescher sagte t« seinem Plaidoyrr, die Polizei könne im Interesse der Staatssicherheit diese Leute nicht entbehre«. Wir sehe« «un aber doch, daß diese „BertraueaSmänner", wie Lützow und Rormann-Schumann, dal Staats- inletefie im Gegentheil aufs Schwerste geschädigt unb jedenfalls mehr Schaben al! Nutzen gestiftet habe«. Ferner kan« el nicht fo bleibe«, baß die politische Polizei, wie im vorliegenden Falle der biedere Tausch, so willkürlich, ohne jede höhere Kontrole schalten und walten kann. Hier muß jedrnfalll, wenn ma« den« schon die politische Polizei nicht ganz entbehren zu können glaubt, zunächst Abhilfe geschaffen werden.
Im preußischen Landtage wird der Etat des Ministerium! des Inner«Gelegenheit gebe«, alle diese Dinge zur Sprache z« bringe« und Abhilfe zu fordern. Am besten wäre el, wen« der Landtag einfach den ganzen geheimen Fond! für die politische Geheimpolizei ablehneu würde. Leider darf man bi-s vom gegenwärttgeu Kartell-Landtage kaum erwarten. Um so mehr wird ei daher auch Pflicht der Reichstags, der -mt bessere Zusammensetzung aufweist, fei«, eine gründliche unb durch keinerlei Rücksichten beeinflußte Aussprache über die Polstische Bedeutung bei Leckert-Lützow-ProzesseS herbrizuführe«. Dal Staatlinterefsr und b-e öffentliche Moral erfordern, daß der Augiasstall, den Herr v. Marfchall zu Kernigen begonnen, bs tu den letzten Makel auSzefegt werde.
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gefähr eine halbe Stu de von um Jnüianerdorf entfernt, in bei Nähr bei FlusscS befand.
„Pokohattan ist ein großer Häuptling", begann er, „bet nicht nur die »affen zu gebrauchen versteht, sondern dem bet große Geist auch bie Gabe« der Weisheit verlieh. Ich lese MißbiAigmg über «em ThM in eueren Blicke», wozu ihr freilrch einige Berechtigung chabt. Ihr glaubt, die glatten Worte der Blaßgesichter haben mich zu ihrem Freunde gemacht. Ihr täuscht euch. Der Haß Pokohattan» lodert mst gleicher Macht fort und wird erst an dem Tage er- Mchm, wo er feine Rache an ben Räubern gestillt haben wird. Ich fagtr euch, daß wir el mst einem gefährlichen und starken Fetnde zu ihm habe«, der nur durch die Anwendung aller Mittel besiegt werde« kann. Da! Wstklarnstr ist diefr« Fremdlmgen gegen- über die List. Sie halte« u«S für schwachköpfize Thoren, die man wie Kinder mH em paar bunten Fetzen zufrieden stelle« kann. Ich gab mit absichtlich ben Anschein, atl haben fie recht, aber trat um fie sicher zu machm unb ihnen nachher in um so furchtbarerer Weife zu zeigen, baß wir keine unmündige« Säuglinge sind, »n müssen Zeit gewinne«, imb ba- durch, daß die Blaßg fichter glauben, wir seien ihre Freunde, geschieht es. An unseren Beschlüssen im schwarzen @iunbe ändert dies nicht!."
Da! Mienenspiel der Wilden bekundete ebenso ihre