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282 Montag, den 7. Dezember 1896. 23. Jahrgang

FuIdaerWZkitlliiß

mit Unterhaltungs-Krttage „Sterne und Klurnen".

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* Die politische Polizei aus der Anklagebank.

Der Prozeß Leckert-Lützow hat Enthüllungen ge­bracht, welche eS überflüssig machen, bis zum Abschluss- des Prozess S mit einem Urtheile über denselben zurück- znhalten. Ohnehin ist dar, war der Prozeß zu Tage gefördert hat, dar allgemeine Gesprächsthema, und eS ist daher fast unmöglich, an dem an sich gewiß rich­tigen Grundsätze, mit der Würdigung eines ProzesieS bis zu disf-n Abschluß zu warten, festzuhalten. Die Presse hat denn auch nahezu allgemein die bisher geübte Zurückhaltung in dieser Sache aufgegeben.

Sicherlich hat er, so lange das neue deutsche Reich besteht, keine« Prozeß gegeben, dessen politische Be­deutung und skandalöse Veranlassung sich darin mit dem Prozeß Leckert - Lützow mesiev könnte. Sogar der Arnim - Prozeß war, wen« man von der Bedeutung der betheiligte» Personen obsteht, eine Kleinigkeit gegen die Gerichtsverhandlungen, welche sich augenblicklich im Moabiter Justizpalaste abspielen. Die Veranlassung deS Prozesses ist bekannt: In daS Blatt „Die Welt am Montag" haben die Angeklagte» Leckert Md Lützow eine» Artikel eingeschmuggelt, der direkt dem Oberhofmarschall Grafen Eulenburg die Urheber­schaft an der Fälschung deS in Breslau gehaltenen ZarentoasteS zufchrirb. Die Spitze der Verleumdung richtete sich aber keineswegs gegen de« Oberbofmai schall, sonder« gegen den Staatssekretär Frhr. ».Marschall, der als der Urheber dieser Beschuldigung hingestellt wurde, indem sich die Berfasier de» Artikels beson­derer Beziehungen zum Auswärtige« Amte rühmten.

NM hat aber der Prozeß ergeben, daß die An­geklagten Leckert und Lützow lediglich die Werkzeuge inderHanddrSKriminal-KommissarS v. Tausch waren, welcher der politische» Polizei angehört, Md daß auch io mehreren andere» Jntrigue«, die in dem Prozesse eine große Rolle spiele», dieser die Fäde» in der Ha«d gehabt hat. Sowohl bei dem Sturze des Ministers v. Köller, wie auch deS KriegSmimsterS v. B r o n s a r t spielten ähnliche Manöver mit ZeitungS- Artikel», wie da» letzte anläßlich bei ZarentoasteS, eine Hauptrolle. Die ,Freis. Zig/ hat Recht, wenn sie des­halb daran erinnert, daß genau dasselbe Spiel bei der Krifi» stattfand, die mit dem Rücktritt des Grafen Caprivi und deS damalige« Ministerpräsidenten Botho v. Eulenburg endete. Der letztere bezeichnete da­mals den Grafen Caprivi als den Urheber eines Ar­tikels der »Köln. Ztg.' der gegen ihn, den Grafen Eulenburg, gerichtet war. Graf Caprivi bestritt da- «ml» durchaus, der Urheber diese» Artikel» zu sein, we«n er er auch ablehnte und sicherlich ablehnen muhte, d« Inhalt derselben al» Mwahr zu bezeichnen. Nach de« jetzig« Prozeß-Verhandlungen kann man kaum zweifeln, daß jener Artikel in die ,Köln. Ztg.' keine»- wegS vo« einem Freunde des Grafen Caprivi lanciert worden ist, so coprivif.rundlich der Art kel sich auch

Mokahontas.

Erzählung aus der Zeit der ersten europäischen Ansiedlungen in Nordamerika von Max Benno.

6] ------- (Nachdruck verboten.)

3.

Die Bauten Md Anlagen der Weiße« auf der An- fiedlung am JamrSriver schritte« indesie« io befriedi­gender Weise voran. Untersuchungen de» Boden» in der Umgebung hatten em Resultat ergebe», da» alle Erwartungen weit übertraf. Richt nur sämmtliche europäische Erzeugnisse konnten mit vorcm»fichtlich großem Ratzen kultivirt werde», sondern namentlich für den Tabakbau waren alle BedingMgen in vor­trefflicher Weise erfüllt. Dazu fand man in den nahen Waldungen eine Unmasse werthvollen Holze», sowie WUd im Ueberfluß, während der Fluß einen fast n* glaublichen Reichthum an F'schen enthielt.

Die Stimmung der Ansiedler wurde deshalb auch mit jebem Tage eine gehobeaere, inSbesonbere baburch, baß bie Möglichkeit, sämmtliche Familien nachholen zu könne«, in nicht allzuweite Ferne gerückt war.

Die anfängliche Besorgniß wegen bet Nähe bet Indianer schwand mehr und mehr. C» hatten sich zwar einzelne Rothhäute wiederholt in der Umgebung bet Anfieblnng gezeigt, waren ober sofort, ohne eine Feindseligkeit versucht zu haben, Mfichtbar geworden,

gebärdete, sondern daß der Artikel, indem er so ange­legt ist, daß man die Urheber derselben in der Um­gebung de» Grafen Caprivi vermuthen mußte, bestimmt war, be« Grafen C.p ivi beim Kaiser einer unwür- digen Benutzung der Presse zu Jntrigue« gegen Kol­lege» zu verdächtige«, d. i. wenigstens ganz daS System, welche» bei den wettere« Krise« vo» dem Herr» v. Tausch verfolgt Word« ist.

Soll man NM wirklich glaube«, daß ein gewöhn­licher Po'izeikounniffar eine so tief eingreifende Rolle in der neuesten deut'chen Geschichte gespielt haben sollte? Daß ein Poltzeikommssar der letzte Urheber aller der Krisen der letzten Jahre, drr häufigen Minister- w chsel und ewigen Beunruhigungen war? Da» ist doch kaum zu glauben. Man muß fich doch fragen: Wie kommt denn ein Kriminalkommissar dazu, für solche Jntrigue» einen solch aurgedehnten Apparat in Gang zu erhalten, lediglich deshalb, um etwa sozusagen hinter den Couliffen der Weltgeschichte ein „großer Manu" zu sein? Sollte nicht» Wetter als der an Größeuwahn- sinn streifende Ehrgeiz eine» Polizeikommissars die Ursache der Wandlungen sein, die so viel dazu bei­getragen haben, das Wort vom Z ckzack-Kursk populär zu machen? Oder sollte die „Animosität", d. h. der Groll, den Herr v. Tausch gegen Herrn v. Marshall gehabt hab« soll, weil dieser sich seit Jahren der poli­tische« Polizei nicht mehr bedienen wollte, al» aus­reichende Ursache anzusehen sein? Wrnn man fich diese Frage vorlegt, so totrb man sie nothwendig sofort mit „nein" beantworten müssen. Man kann fich bei Ein­druckes nicht erwehren, daß Herr v. Tausch entweder selbst nur dar Werkzeug viel höher stehender Personen gewesen sei, oder aber bei seinen Machenschaften we»rgsten3 geglaubt habe, getosten Personen einen Dienst zu erweisen, für dm er beim Gelinge« seiner P äne einen Dank erwartete.

In dieser Beziehung ist e» wichtig, daß Herr v. Tausch und der Angeklagte v. Lützow gestanden haben, an de« Botschafter ia Wie«, den bekannte» musikalischen Reisebegleiter de» Kaiser» Grafen Philipp Eulen­burg m Sachen de» Artikel» der .Welt am Montag' einen Brief geschrieben und bett Artikel beigelegt zu haben. In dem Briefe toutbe feiten» beS Tausch auch eine Aubienz bei bem Grafen nachgesucht, bie aber — so läßt bet Graf erkläre« — nicht stattgefunden hat. Auch soll Graf PMpp bem Frhrn. v. Marschall gegenüber versichert haben, baß er bessert Ansicht über jenen Artikel vollständig theile. Immerhin beweist die Handlungsweise deSTausch, baßer wenigstens ge­glaubt hat, bem Grafe« Philipp Eulenburg mit jenem Artikel einen Gefall m gethan zu haben.

Sm U-brigen bedarf da» Berhältniß de» Grafe« zu dem Kommtffar «och sehr der Aufklärung. Auf dem Srafeu bleibt ein gewisser Bedacht ruhen, zu besten Entkräftung er selbst wünschen muß, gerichtlich al» Zeuge vernommen zu werden. In dem Prozeffe, der gegen den Tausch wegen Verleitung zur

wenn sie sich entdeckt sahen. Allmählich verschwand so ziemlich jeder Gedanke an eine Gefahr. Rur einer theilte diese weitgehende Zuversicht nicht — Patrik Bootwell. Er hatte den Charakter der Indianer al» Theilnehmer an der früheren Expedition kennen gelernt Md wußte, daß man denselben gerade dann am aller­wenigsten trauen durste, »ernt ihr Benehmen zu irgmd welchem Argwohn keine Veranlassung gab.

Er mahnte deshalb auch den Kapitän Smith, der zu den Vertrauensseligste« zählte, wiederholt zur Vor­sicht und ließ nicht nach, bis dieser zum Schutze der Niedetlaflung urnfaflende Maßregeln traf. Man führte in weitem Bogen eilten hohen Wall auf Md brachte Mörser und Kanonen auf ihn. Ringsum wmde ein tiefer und breiter Graben gezogen, den eine Ball lade von starke« zugesp tzten Hölzer« umschloß. Mt Feuer­waffen ausgerüstete Wachen löste» fich bei Tag Md Nacht auf dem Wall ab.

So war man für alle Fälle gerüstet tmb brauchte keine Ueberrumpeluug zu fürchten, wem je eine feind­liche Absicht bei den Wilden bestand.

Wochen ginge« jedoch vorüber, ohne daß fich etwa» Verdächtige» gezeigt hätte.

Die Anfiedler wurde« allmählich kühner und wagte« fich Wetter «'s Innere, oft bi» in die Nähe de» JndiMerdorfe» vor.

Für de« Sapttän bildete der wildreiche Wald eine

Urkundenfälschung, Meineid»rc.zu erwarte« ist, wird der Graf ja zweifellos al» Zeuge auftretea muffen; ober e» wäre bester, wenn er schon jetzt in dem Prozesse Leckert-Lützow sein Zeugniß abgeben würde, daS ja doch bei der Strafabmeffung in'S Ge­wicht fallen könnte. Der Graf muß bedenken, daß schon fein Bruder, der Oberhofmarschall, al» äußer­lich Angegriffener, eine Rolle in der Angelegenheit spielt, und daß fein anderer Bruder, der frühere Ministerpräsident Graf Botho Eulenbmg eben­falls durch Zeitungsartikel, die er dem Grafen Caprivi in die Schuhe schob, diesen zum Fallen gebracht hat. Kein Wunder, daß man vielfach geneigt ist, den Tausch als daS Werkzeug der Eulen- burger anzusehen. Die letzteren haben daher alle Ursache, daS Bestreben deS Frhrn. v. Marschall, volle» Licht in die dunkeln Schleichwege des politischen In- triguMtenthumS zu bringen, mit allen Mitteln zu unterstützen.

Sehr auffällig ist e» nun bemerkt wordm, daß die Verhandlung vor Gericht am Samstag «»»gesetzt Md dadurch dem Tausch möglicherweise Zett zur Berduuk- lung de» Thaibestande», bezw. zur Rücksprache mit feinen ev. Hintermännern gegeben wurde; noch auf­fälliger aber, daß der Polizeipräsident v.Wind- Heim den Tausch anwie», seine Aussage über einen Gewährsmann zu verweigern, buffen Kmntniß zur Aufdeckung der Hintermänner dem Gerichtshof mit Recht sehr wichtig erschim. Herr v. Marschall muß MsereS Erachtens vom preußische« Ministerium verlangen, daß eS den Herr» v. Wind­heim anweise, dem Tausch die Erlaubmß zur Zeugniß- verweigerung zu entziehe«. Wohl möglich, daß darüber schonBeschluß gesaßt, ist, den« am Samstag hat ja eine Sitzung stattgefunden. Weiteres wird man erst am Montag bei der Fortsetzung der Gerichtsverhand­lung erfahren.

Vielfach fürchtet man, daß jcht versucht wird, den Rahme» de» Prozesse» wieder zu verengern, da­mit nicht noch andere Personen hineingewgen werd« und Tausch als alleiniger Macher aller Ränke dastehe. Wir find überzeugt, daß Herr v. Marschall fich gegm solche Versuche, ihm bei seinem Bemühen, die Spmn- gewebe der Jntriguen einmal gründlich auszufegm, in den Arm zu fallm, energisch wehren und lieber seinen Abschied nehmen, al» fich beschwichtigen laste» wird. Er könnte fich keinen befleren Abgang wünsch«, al» beit, int Kampfe für die Ehrlichkeit gegen die Jntrigue, gegen ben Giftdroche« brr politischen Polizei tmb ihrer Hintermänner ehrenvoll Mterlegen zu sein.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Dezember.

* Der Kaiser gedenkt bis morgm Nachmittag hn Jagdschlösse bei Springe zu verwetten vvd dann nach Bück barq zu reifen, wo am Montag ebenfalls Hosjagd

unwiderstehliche Versuchung zur Jagd. Fast tc glich pürschte er bi» wett «'S Innere de» Lande» hinein

Wieder hatte er fich, am Flußufer aufwärts schreitend, in eine ziemlich weite Entfernung von dem Lager gewagt; aber ausnahmsweise, obgleich ihm manches Wild zu Gesicht gekommen, noch gar nichts erlegt. Der Grund wurde allmählig fester, Fels« ragten M beiden Gestaden des SromeS emvor unb mehr tmb mehr nahm bie Umgebung ben Charakter beS Urwalde» an.

Erwarb stand int Begriff umzukehren, da toutbe er burch eigenthümliche Laute, bie aut dem Wald herauskamen, an die Stelle gebannt.

ES war ein fchwermüthiger, aber wunderlieblicher Gesang, besten Worte er, weil in der Judianersprache vorgetragen, nicht verstand. Boll SpanvMg lauschte er. Die tiefe, glockenreine Altstimme mit hem er­greifenden Wohllaut üb e in der still« Einsamkeit de» Walde» einen eigenartig« Zauber auf ihn.

Vorsichtig schritt er zwischen den RilsenstSmmen hindurch in der Richtung vorwärts, au» welcher der schöne (Befang kam.

Plötzlich hemmte er den Schritt. An Fuße eine» mit Strauchwerk und Schlingpflanzen überwucherte«, steil abfallende« Hügels gewahrte er ein zierliche» Reh, da» eifrig die knospe« der Blätter abbiß. Der Ge-