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M 279

Donnerstag, den 3. Dezember 1896.

23. Jahrgang

ohnehin gaben bk Verluste bei der Bürgschaft für den verstorbenen Bruder seinen finanziellen Verhältnissen einen bebrnklichen Stoß. Er wird Jahre bedürfen, bi» er mir die Summ'-, welche ich ihm zur Ausrüstung Smiths und feinc» N ffea vorstreckte, wieder heimzahlen kann; denn so gar schnell geht c8 mit dem Reichwerben auf der Äufiedlung voraussichtlich nicht. Da» gibt unter Umständen auch eine Sofie, die man in dem bevorstehende« Kampf um den Sieg mit Bortheil au«-

liit, wenn es einmüthig ist. Auf diese Einmüthi-. leit müsse« wir freilich bestimmt rechne« und wer dürfen da» auch, «ach den Bersichrrungen, welche w« darüber aul der Fraktion Herau8 erhalten haben.

Roch eine andere Bemerkung aber müssen wir an baSjenige knüpfe», was wir oben über die Belastung de8 ordentlichen Etat8 mit den Äatitteaulgaben und da» Inter-sie der Einzelstaateu Hieras gesagt haben. @8 ergibt sich daraus nämlich auch, wie ver­kehrt .8 wäre, dieser Interesse der Gi-z-lstaaten an der AuSgabensteigerung deS Reichs durch eine „Reichs- finanzreform" zu beseitige«, welche mittels einet „automatischen" Regelung deS BsrhältnifieS drS Reichs zu den Einzelstaate« die Finanz;« der letzteren ganz ««abhängig voa den ReichSfinanzen machen möchte. Sind die einzelstaatlichen Finanzen nicht mehr „auf Gedeih und Verderb" mit den ReichSfinanze« verknüpft, fo fällt für die Einzelregieruvge« jeder sie wnnittelvar berührevde Grund, im BundrSrathe aus Sparsamkctt zu bringen, fort.

Da» deutsche Volk wird hoffentlich dafür sorge«, daß im Reichstage die jetzige, einer solchen Automate«-„Reform" widerstrebende Mehrhert er­halte» bleibt; dann möge« mit dem Schatzsekcetär die Redner bet eh maligen «artellparteien «och so oft ihrer S-Hosucht nach ber „Fmavzresorm" Ausdruck gebe«, e8 wirb ihnen Aller Nichts nütze«.

Palais estuegen.

ft Der Marinesekretär Hollman« meinte am Dten»- taa im Reichstage, eigentlich müßten 10°/» bsS Serthe» ber Flotte b. h. 32 Mill. Mark jährlich für Ersatz- bauten gefordert werden, ber Etat fordere ober nur 20 Mill. Herr Hollmann hat dabei absichtlich ober unabsichtlich übersetzen, daß eS sich bei diesen 20 Mill, nur um erste Raten handelt, denen «och eine Reihe weiterer Bauraten zur Vollendung der gefor­derten Schiffr-Reubauteu im nächsten Jahre folgen werden, und diese müssen mitgerechnet werden. Im übrigen ist e» durchaus kein Glaubensartikel, daß gerade lO°/o des Flottenwerthe» jährlich auf^ewendet werden müßte«, um Ersatzlch ffe zu bauen. Die Voraussetzung d z Satze« von 10°/° wäre lediglich die Annahme, daß unsere «riegsjch ffe i« 10 Jahren völlig unbrauch­bar werden. Sir haben aber eine ganze Anzahl er­heblich älterer Schiffe in unserer Marine, die noch völlig brauchbar fbb, und e» wäre schlimm, wen« die Brauchbarkeit der Schiffe i« Zukunft auf eine kürzere

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Dezember.

* Der Kaiser nahm am Mittwoch einen Vortrag der Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe i» deffe«

«Ütze« kann."

Er schäme auf feine Uhr. „Elf Uhr," murmelte er, „gerobe bie rechte Zeit, um bei de« Leutchen einen Besuch zu machen, die durch de« schweren Abschied ohne Zweifel etwa» aus dem Konzept gebracht sind."

Er gr ff «ach Hut und Stock unb begab sich auf bie Straße hinaus. Nachdem er mehrere Gaffen durch- schritte« hatte, erreichte er ei« ansehnliche» Haus nab betrat einige Minute« später da» gleiche Zimmer, « welchem Sir Richard Sdton sich vov Edward Smith Bootwell und feinem Neffen verabschiedet hatte. Der

von gestern Abend wird sie vielmehr beantragen, die Forderung einer ersten Rate für den Neubau eine» Panzerschiff 8 erster Klaffe („Ersatz Kösig Wilhelm") zu streichen. Mehr nicht?

* Bei ber allgemeinen Aufbesserung der Beamtens aehälter in Preußen werden, wie bie ,Kreuzzeuung' hört, nicht nur bie Gymnasialoberlehrer, sondern auch die Gymnasialdirektoren, und in gleicher Weise wie die Gymsafialvberlehrer auch die Bibliothekare berücksichtigt werben. .

* Der .Deutschs» Tageszeitung' zusolge sind letzt auch im Eisenbahrdirektio"Sbezirke Ersurt die Batzii- hof»wirthe von der Direktion aufgrfordet morde«, sich darüber zu äußer«, ob sie zu den vom Publikum ver­langten Butterbröte« Margarine statt Butter in Ver­wendung bringen. E» scheint demnach, a!S ob da« Vorgehen der Eisenbahydirektion Köln, welche die gleite Anfrage gestellt hat, auf einer allgemeinen An- Weisung beruht

* Der ,Boss. Ztg.' liegt folgender Brief an de» Postbeamten Grosse, der seinen Bruder, den Mörder de« Jnstizrath» Levy, der Polizei »ugesühtt htt, vor. Er trägt den Stempel „Fürst BtSmarck-Lttftnng" und lautet wörtlich wie folgt:

Berlin, den 26. 10. 1896. Sehr geehrter Herr! «itf Anlaß deS Ihre Werthe Familie betroffenen Unglückssalles steht Ihnen wohl zweifellos die seitens deS Anwaltsverems anSgesetzte Belohnung von 5000 Mark, sowie seitens der Familie des Er­mordeten 500 Mark zu. Laut Zeitungsnotizen wollen Sie zwar aus diese rechtmäßige Forderung nicht Verzicht leisten, von der­selben jedoch weder für Ihre Person noch für ein Mitglied der Familie Gebrauch machen, weit eS sich um den eigenen Bruder handelt. Ich bin nicht in der Lage, diese Zeitungsnotizen auf ihre Richtigkeit bin zu prüfen, und bin weit entfernt, Ihre Ent­schließung beeirfluflen zu »ollen, möchte aber doch nicht unter­lassen darauf hinzuweisen, wie schön eS wäre, diese Summe oder doch einen Theil derselben unserer milden Stiftung, bie neben ihrem humanen Zweck zugleich die dauernde Ehrung unseres Alt-ReichskanzlerS erstrebt, zuzuwenden. Selbstverständlich würden Ihnen oder sonstigen Familienmit- gliedern Darlehen in entsprechender Höhe unverzinslich zur «er- füaung stehen, und in dieser Form ein Nutzen aus der Auge- leaenheit zu erzielen sein, ohne mit der öffentlichen Meinung in Konflikt zu kommen. Das Weitere Ew. Wohlgeboren, über­lassend, zeichne mit voller Hochachtung Oskar Schilde, Schrift- führer, Neue Wilhelmstraße 2.

Da« ist wohl da« Stärkste, wa? bie Bettelei unter bem Name« Bismarck bisher geleistet Hot. Ob ber Cxkaszler e« sich wohl verboten würbe, wen« er baium wüßte? Unbedingt bejahen möchte« wir bie Frage noch früheren Erfahrungen nicht.

* Eine Wiefe-Sttflung, b-s tst, fo schreibt man ber .Germania' au« bem Wiste«, da« neueste Er- gebniß ber heute fo verbreitete« SammelwMh. Die höhere« Schule« Preußen« unb der Reich«- lanbe haben ein von Direktoren und Proftfforen ntiter- zeichnete« Schreib?« erhalte«, in welchem anläßlich bn bevorst'henden 90. Geburtstage» ber Herrn Wir«. Geh. Oderregierung«ratheS Dr. Wiefe in Potsdam Gelbbetträge zum Zwecke einer Stiftung erbeten werben. — Die Sache dürfte von beit höhe.« L hrer« Hausherr faß auf sem Svpha und lvS, während Angela Käumerifch as Fenster stand und ih e Blicke m die Ferne hinauSschweife« ließ.

Beim Eintritte C ffsrd 8 erhob sich Wilton unb reichte dem Brfucher mit einem fteuudliche« Gruße bie Hand. „E» ist fchön von Dir, baß Du kommst,? fagte er: „wenn einem daSHerz von Sorge» fchwer ist, hctt man gern auftichtige Frembe um sich. «« war eie schmerzlicher Abschied für rn ch unb «och mehr für mein Kind, dcs für keine Trost-S warte zugänglich fit.

Der Gast verzog den Mund. Seine Worte sollt.'n sicher Bedauern unb Theiieahme auSdrückrn, sie klangen aber beinahe wie Spott.

„Ich glaube e8," entgegnete er, „wenn do« Herz ehteS Mädchen« fo ganz von einem Brise auSzrfullt ist, fo weiß man bc »selbe nicht gern in weiter F rne, insbesondere wenn bie Zukunft fo dunkel und unsicher und mit zohllofen Gefahren verknüpft ist. Doch Kapitän Edward ist ja ein krafwoller und tapferer Rann, der sich durch bie verfchiebene« Schwierigkeiten schon zurecht- finden wirb."

„Da« hoffe unb glaube ich auch, sagte Sßtito« „unb bcmit fachte auch ich Angela zu beruhigen, aber i« hilft all-» nicht». Sie hat sich'« nun einmal in ihr abergläubische« Köpfchen gefetzt, baß ihr Brauttgam von ganz befonberen Gefahren bedroht fei. WcS hältst Du von biefer Exprbition, Ciiffsrd? Du warst ja

-E Die Etatsberathung im Reichstage nimmt einen Verlauf, mit bem bie Rgierung kaum znfneben fein bfirfte. Die Art ber E:at«aufftellung trifft nicht nur auf ber äußnstev Lucken, fonberit auch im Centrum unb fogar in drn Reihen ber Konser­vativen auf eine Gegnerschaft, wie sie fo stark feit langen Jahre« sich nicht mchr ereignet hat. Wir zweifeln allerdings nicht, daß bie Konfervativen, wenn sie auch fitzt erh-bliche Bedenke« gegen bie Erhöhung der SRarineforberunge« gelten!) machen, schließlich doch für alle ober boch bie weitaus meisten derselde« stimmen werben; aber auch sie verlange« boch bie Uebervchme eint« größere« Theil « derselben auf da« Drbinaiium, d. h. auf bie laufenden Einnahmen, währerb ber «tat damit, im Wderspruch mit alle« R-grill ber Finanzkurst, ganz bie ««leibe, bo» Exiraorbinarium, belaste« wollte. Dieser Unterschieb ist burchau« nicht belanglos; denn ber Vorschlag be» «tat», Alle« dmch Anleihe zu becken, würde bie Schuldenlast be« Reiche» abermals stark vermehren, währenb sich bie Ernzelstaaten ihre fetten Ueberwdfnegen vom Reiche herauSbezahlen laffe« usb fo an ihren Finanzen bie Marinevermehmng fast gar nicht ver­spüren.

Die ganze ReichSfchlllbentilgung gemäß ber lex Lieber würbe durch tiefe« Verfahren hinfällig. Wenn dagegen die Marmeneubauten auf den v-dentl-chen Etat übernommen werden, fo erhöht sich dadurch der Betrag ber Matrikularbeiträge, bie da» Reich.von den Einzelstaaten bezieht; biefe werden bann also durch bie Mariuevermehruug unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen. Unb ba« ist sehr gut, denn e» bilbet für bie einzel staatliche« Fi anzwmister einer, und ofies- bar den einzigen kräftigtN Antrieb, dahin zu wirken, daß ihre Regierungen im BmbeSrathe fortan gegen Forderungen für Heer und Marine sich zugeknöpfter

Ü sehen, da kam der L^sft dazwischen und zäyneknir chend |lxSkfltylXtttlXSu | zog ich mich zurück, weil ich sah, daß eS für mich

e«ttlunfl au» der Zeit der ersten europäischen «nstedlungeu keine Hrffnungmehr gab. Run ist die Wagschaale in Nordamerika von Mar Benno. s zu meinen Gunsten m die Höhe geschnellt; ich werde

S1 ------ (Nachdruck verboten.) \ da» Schicksal auf eine Bahn werfen, wo ich eS habe«

Bill und dann wollen wir sehen, ob ba« Glück mir

F«l-LllWMWA

mit Unterhallnngs-Heilase „Sterne »nd Klumen". _________________

verhalte«.

Für biefe«mal wrb ber Biß m be« saueren Apfel bett eivzelstaatliche« Finanzminist-r« allerbing« «och einmal erfpart bleiben, da im R ichStage eine Mehrheit vorhanden ist, welche auf alle Fälle ganz bedeutende Abstriche am Marinertat machen wird. Die Freisinnigen und Sozialdemokraten werde« alle Neubauten ablehne«, und wo« da« Centrum angeht, fo entfpricht e« zwar sicht feiner «epfligenheit und feiner g'undfctzlichen «uffaffung vom Parlamentari«- muS, schon bei ber erste« Lesung, ohne bie Begründung ber RegierunMorberungen in der Kommission und im Plenum abzuwartev, sich io tiubenber Form für ober gfgeu bief.lbe« zu ediären, aber ber Sprecher beS EenttumS, Abg. Fritzen-DLffeldorf. hat boch fo eueraifchwiederholt „ganz gewaltige Abstriche" --------, .

an de« neuen Marineforberungen für nothwendig er- Zeit beschränkt fern sollte, klärt, daß an einer sehr starke« Herabminderung be« * Nach ^em,B. D will sich auch b.e MarineetatS burch den Reichstag nicht zu zweifeln ist; | liberale Partei nicht entschließe«. d,e Mariuebor. benrr da« C -ntrum hübet mit der Linken die M-jori- | läge in toto gutznhnße«. Laut Beschluß der Fiaktlo«

Der Anfang ist gemacht", sprach er halblaut vor ; 1».« ~,—_ - , .

sich hm „unb zwar ein Anfang, der fast schon da« i nicht enblich hold Wird. Wilton ist kem Krösu« und Grüßen verbirgt. Die wilde Leidenschaft diese« •-*—*“ »•«*«<** h« h»t »ntafäaft für ben

Bursche« kommt mir gerade recht. Wäre er so ohne Weiteres von wir mit bem Auftrage nach der altes Heirnath geschickt worden, bann hatte ich meinen Zweck vielleicht nicht erreicht. Er Wäre unter ben ©einigen «fieber ein Wilder geworden und hätte sich nicht« mehr um ba« bekümmert, wa« unter Umständen von hm getha« werden muß. So aber besteht nun ein Magnet, der ihn zu jeder verlangten That sporne« und mit «uwiderftehlicher Gewalt wieder hierher zurück- ziehen wirb. Freilich liegt mir an dem Burschen selbe- nicht viel, aber al« W rkzeug brauche ich chu und diese« Werkzeug wird um so gefügiger und schneidiger sei«, wenn ihm ein heißbegehrter Pcei« in Aussicht gestellt ist. Ist n ein Plan gelungen und das H «bemiß an» bem Wege geräumt, bann fällt 4 mir bi 8 Wettere nicht schwer. Bet meinem gute« Fremde Str Richard Wilton hatte ich früher schon ein Steinchen im Brett und befand mich aus bem besten «ege, meine Wünsche in Erfüllung gehen zu