Einzelbild herunterladen
 

276 Montag, den 30. November 1896. 23. Jahrgang

HuldllerMZtitnnk

mit Unterchaltungs-Kettage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. - Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn^und Bestellgeld> in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitznle 2o Pf., Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Wie Fra« Lucia ihre« Ma«« z«m Lache» brachte.

Rahe bei Genus, am Strande der mittelländischen Meeres, liegt ein kleiner Hüttchen, in dessen zwei Räume« zwei Fischerfamilien hausten. Beide Fischer machte» an demselben Tage Hochzeit, jeder zog mit glücklichem Herze« ein; aber bald hörte man an einer Seite bei Haust! nur Schelten urb Klagen, während das andere Paar in Frieden und heller Gtückjel,gleit dahmlebte. Ein lleiner Schre hatS half bald die Freude vermehren, während er drüben tzleichfalls erschien, aber nur, nm zum Zank die dritte Stimme abzugeben. 61 war dort so weit gekommen, daß man eigentlich nur «och bei BersöhuungSscenen einig war.

Dal eine der beiden Ehepaare hieß Guido und Lucia, den Namen del anderen brauche» wir nicht zu wisse«, es genügt zu sagen, daß dal letztere Ehepaar * dasjenige war, welche! unglücklich war, weil dort der Teufel bei Zankes herrschte. Unb er wollte nicht nur

Kr deu mannt Dezember

werden Abonnements auf die

gy* Fuldaer Zeitung

nebst der illustrirten Sonntagsbeilage ,Sterne «nd Blumen' von allen Postanstalten, sowie Landbrief­trägern, Zeitungsträgern und von unserer Expedition (Harmonie) zum Preise von 50 Pf. (nebst Bestellgeld) jäerzeit entgegengenommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. November.

□ Der Großherzog von Sachsen-Weimar hat am Do»«erLtag oe» abtrünnigen früheren Jesuiten Grafen Paul Hoenlbroech in Audienz empfangen und, wie der ,Post' aus „bester Quelle" mitgrtheilt wird, stch mit jene« Wanderredner del .Eoanzel. Bunde!' längere Zeit unterhalten und dabei deffe« Auftreten gegen de« Ultramontanilmul durchaus gebilligt, „da eS den wahre« Interessen de» Vaterlandes diene und de« religiösen Frieden zu fördern geeignet fei". D.eser Srtz steht in der,Post' in Anführungszeichen, die wohl andeuten sollen, daß hiermit der authentische Wortlaut der beir. Äscherung des Großherzogs wiedergegrbrn wird. Ist die- wirklich der Fall, so könne« wir im Interesse der BcoßhcrzogS nur bedauern, daß er sich vo« einem Manne, deffe« Charakter er sreilich hätte kmnen dürfen, zu Aeußrrunze« hat verleiten lassen, vo« denen el voranSrusehen war, daß jener Herr sie fkcspelloS an die Orffentlichkeit bringen würde (denn ei« anderer als der Herr Gras HoenSbrorch kann nach Lage der Sache die „beste Quelle" der .Post' doch kaum sein). Da der Sroß- herzog von Sachfeu-Weimar für uni, und wohl auch für AnderSdenkesde, keine Autorität m religiösen und politischen Fragen ist, so erübrigt sich eine Rtttil seiner — wirklich« oder angebliche« — Amßerusgen.

* AuS der Budget-Kommission dr» Abgeord- uetevhaufeS. „Bei der bekannt« energischen und schnellen Arbeit," so sagte Herr Fimmznumftet Dr. Miquel in der Sitzung des Abg-ordnetrnhausts vom 24. d. M , „welche die Budget-Kommission UKter dem gegenwärtigen Borfitzmden, Freiherr« v. Huen?, stckS geleistet hat, ist wohl zu hoff« und zu erwarten, daß diese Kommission so operire« wird, daß dal Gesetz über die Mndigung und Umwandelung der 4proz'entige« konsolidirte« Staatsanleihe i« 3*/i prozertige noch vor Weihnachten i« der Gesetz­sammlung stehen kann." Die Kommission hat dieser Erwartung entsprochen und in zweistündiger Sitzung den Gesetzentwurf durchberathen und unverändert an- genommen. DerAbg. Kircher-Fulda (Erntr.) a's

IV* I« der nächsten Nummer besinne« wir mit dem Abdruck einer neue« (bisher noch nicht gedruckten) Erzählung von Mar Benno. Die hochiutereffaute Geschichte

„Pokahontas"

spielt in der Z it der erste« europäische« Ansiede­lungen in Nordamerika und wird sicher den Beifall unserer Leser findm.

Referent berichtete über die Verhandlungen im Plenum u d hob vamntlich die Bedenken hervor, welche dir Abgg. v. Willis« (kons.) und Schmidt-Warburg (Centr.) wegen der für milde Stifiusgeu, Korporationen und Kirchen, sowie für kleinere Besitzer und Rentner aus der Konversion entstehende« Schädigung angeführt hätten. Die Kommission ließ sich jedoch nicht auf diese Be­denke« ein; er ist ja auch nickt zu verkennen, daß die Fortgewährung einer 4 prozentigen Rente an kleinere Besitzer auf die größten Schwierigkeiten bri Durchfüh­rung stoßen würde. Ebenso wenig Glück hatte der Mg. van Bleute» (Centr.), welcher seine prinzipiellen Bedenken gegen die Schädigung der früheren Aktionäre der Privateifenbahn-Gesellschaften (Köln-Mindener rc) hrrvorhob, welchen seiner Zeit eine „feste Rente" zu­gesichert worden war. Die im § 3 festgesetzte Frist von 3 Woche», innerhalb welcher die im StaatSschuld- buche kiegrtragenen Gläubiger gegen Umschreibung ihrer bisherigen 4 prozentigen in 3*/s prozeutige Buchichulden und die Besitzer der 4 prozeutige« Konsol» gegen Um- Wandelung derselben in 3prozentige Entsprich zu er­heben habe«, schien einzelnen Kommisfiors-Mitgliedern knapp bemiffen; da die Mehrheü aber der Ansicht war, daß daS KonverfionS-Beschäst möglichst rasch abzuwickeln sei und voraussichtlich nur wenige Besitzer ihre Gut­haben in Baar sich auSzahlrn laffeu würden, wmde die e Frist nach der RsgierungS-Borlage angenommen. Br der Besprechung drs § 4 (Umstempelung) wünschte Referent Abg. Kircher, daß möglichst viele Abstem- pelungs- Stell« geschaffen werd« soll«. Die» wird vom RstzierusB-Kommrffar in Aussicht gestellt; u. a. soll bei sämmtlichrn Regiemegl-Hasptkaffen wre auch bei all« Hauprbankstrllen und Re chlbankstellen, bei der Seehandlung und bett größere» Bankiers die Ab­stempelung vorgenommen werd«, am dieses Geschäft möglichst zu beschleunig^.' Etwa ei» Viertel sämmt- kicher KousolS soll« übrigens allein im Depot der ReichSosnk beruh«. § 9 Abi. 2 sieht vor, daß im StaaiSschu Lösche die Konten für die bisherigen 4 pro- zentig« und 3 Vs prozentigen Eintragung« vereinigt werd« körne». Da den bisherig« 4 prozeutige« Bach- schuld« «ach der Vorlage eine Sicherung 3*/,proz. Zinsen auf mehrere Jahre zugedacht ist, wurde» Be­denk« erhoben, ob nicht bei Bereinigung dieser Kont« Jrrthümer eintreten könnt«. Nach Mittheilung der Regirrungs Vertreter» soll« die bisherigen 4 Prozent. Konten bis nach Ablauf der obige» Schutzfrist fortge- führt und dann erst mit de« 3^/,proz. vereinigt wer­de». Diese Schutzfrist (§ 10) gab zu einer längeren Dirkufsion Anlaß, indem der Abg. Kircher (Centr.) mit einem Theile der nationalliberal« unb konserva- i tive» Mitglieder und dem Regierung»-Vertreter stch für Z die in der Vorlage vorgesehene Schutzfrist von 8 Iah- i ren au?sprach, dagegen der Abg. Ehlen (Fortschritt)

l auf der einen Hälfte bei Hause» Herr fein, sondern 1 auch Sei Lucia unb Guido, welche bisher den schönste» ! Fried«» miteinander hatte«. Er benutzte dazu al» Helfer de» „gutes Freund" Guidv'l und das Wirths- haul. Hier, beim Glase Wei», war dem Guido er klar, daß seine Lucia voll Fehler war, ja, daß er sich von ihr nur a« der Nase hcrumführen ließ.

Also hatte der „gute Freund" dm Guido gehetzt: „Bri Dir daheim ist da» gute Weiter billig zu habe«. Wer mit Allem zufrieden ist, wie Du, wem verbrannte Kaftan?« saftig schmecken, weil sie die Lvcia gemacht hat, bci dem ist freilich jede Frau eure Heilige; dar ist ein leichte» Leben!" Und der FreuZd lachte höhnisch aaf.

„Ich verlange so gut wie Du, daß dar Hau» seine Ordnung hat und daß sie da» Ihrige thut," sagte nun Guido trocken. „Wal lachst Du?"

„O, ich dachte nur, wie Deine Lucia sich wohl ausnehmen würde, wmn Du gegen sie auftretest; glaube mir, darin find sie alle gleich, die Weiber, alle, eine wie die andere!"

„In meiner irrst Du Dich."

„WaS gilt die Wette? Tritt gegen sie auf, ver­lange wa» Besonder«» von ihr, und da» Unwetter wird da feilt, mit fo viel Regeufchauer», daß Du zu Haufe fischen kannst."

Etwa» war natürlich hängen geblieben bei Gu do, «rd al» die Sticheleien de» „Freunde!" im Wirths- hause noch einige Wochen gedauert hatten, und al» dazu «och die Vorwürfe bei Geviffen» gekommen

und andere eine Hrrabfetzurg biff et Schutzfrist auf 5 bezw. 6 Jahre beantragten. Nachdem da«« nochmals von Seiten del C strum» die Beibehaltung der acht­jährigen Frist warm empfohlen, ja noch für knapp genug bem'ffe« erachtet und gebeten worden war, wenigsten» diese Rücksicht den früheren Aktionären, weiche sich in ihren Rechten verletzt glaubten, und dm kleinen Besitzern zu gewähre«, wurde bei der Abstimmung die achtjährige Schutzfrist mit 12 gegen 6 Stimme« be- schloffen. Die übrigen Paragraphen wurden ohne Debatte angenommen. Wie wir hören, werd« die Kosten der Abstempelung der Konsol» auf 600,000 Mark veranschlagt.

* Der Gesetz »twurf, betreffend den Erwerb de» Heffische« Ludwigl-Etseubahuunternehmens für den preußischen m b Hessischen Staat, sowie Bildung einer Eisenbahn-Betrieb». und Finanzgemeinschast zwischen Preußen und Heffen ist heute von der mit der Vor- derathung beauftragten Budgetkommisfio» des Abge­ordnetenhäuser unverändert angenommen worden.

* I« der Bemtheilung der neuen Marturvorlage ist da» ganze Centrum einmüthig. Es war ein sehr unglücklicher und gefährlicher Gedanke der ,Post', daß sie mit Rücksicht auf die Marine-Vorlage an eitle Betätigung der „national« und patriotischen Spannkraft" appellirt. Dem „nationalen" und „patrio­tischen" Blatte „kann es doch unmöglich entgangen fein, daß ein solcher Appell in diesem Frühjahr von dem hyper-patriotischen Alldeutschen Flotten-Berein für uferlose Flotten-Pläne bereit» ergangen ist und daß sich die „nationale unb patriotische Spannkraft" dieser großen Marine-Schwärmer dadurch „bethättgt" aber auch charakterifirt hat, daß ganz« 10000 Mark auf­gebracht wurden!"

* Die Kommisfion be» Abgeorbneteuhauses zur Borberathung bei LrhrerbefvldnunSgefrtzes be­steht aus folgenden Mitgliedern: Porsch (Centr.), Vor­sitzender, Bartel», v. Heydebrasd, Inner, Mentz, Liebermann, Winckler ssovs ), Arendt, v. Tzschoppe, v. Z-dlitz (freit), Groth, Hausmann, Nölle, v. Scheukrn- dorff, Sryffardt-Magdebmg (natl.), Dithrich, Latacz, Opfergelt (Centr.), DzioSbek (Pole) und Knörcke (frf.).

* Zum Falle Brüsewitz schreibt die Mannheimer ,Bolklstimme': „Erne nahezu unglaubliche Nachricht tritt in Karlsruhe mit großer Bestimmchett in Kreise« ans, die dem Rtlitärstandr nahe stehen. E» wird be­hauptet, daß die Strafe del Mörder» Brüsewitz nur auf zwei Monate und Strafversetzung laute, daß sie an oberster Stelle bereit» bestätigt und in da» Strafrmister de» Rgiment» eingetragen sei. Wir würden Anstand nehmen, du» Gerücht zu ver­zeichnen, wenn e» nicht durch da» Verhalten ringe- weihtet Personen, die um Auskuust gefragt wurdm, bestätigt worden wäre. Da» aber macht e» utt» zur

waren »egen be» Wirkhlhaurfitz:«», da zeigte Gmdo seiner Lucw, daß et auch umngemhm fein konnte. Er hatte an einem Morgen, ehe er wegging, probirt, grob und patzig zu sein gegen seine Frau, obgleich er nicht wußte, wa» er ihr eigentlich hätte vorwerfm köun.n.

An jenem Bormittage, al» Guido an der Arbeit war, stand Lucia am Herd, während ihr Kindchen schlief, und bereitete das Mittageffe«. Sonderbar, sie konnte heute nicht fröhlich sein, nicht so heiter fingen wie sonst, wmn fie ihre« Man« erwartete. Er war gar so unwirsch gewesen, hatte aus chre Frage, wie fie ihm die Fische zu Mittag auftischen solle, nur eine barsche Antwort gehabt unb war wieder hmaurgeg «gen ohne be« üblichen Gruß Er bestimmte boch sonst, wie er bte Fische haben wollte, warum brauchte er denn heute so ungeduldig zu sein?

„Run, k» ist hm vielleicht nicht ganz wohl; da hat jeder einmal seine kleine Laune," tröstete sie sich. „Weiß ich ja selber, wie einem zu Mathe ist, wen« man sich schlecht fühlt!" und sie seufzte und that ein« tüchtig« Zug au8 dem Theetopf, der neben dem Feuer stand. Hatte fie fich nun erkältet, oder war ihr die Angst vor dem ersten ehelich« Zwisi in dir Glieder gefahren? Genug, fie trank ihre „Tisana", eine Art Kamillenaufzuß, dasUuivers alheilmittel jeder Italienerin.

„Bor allen Ding« muß ich ihn zu Mittag zu- ftieder stellen," sagte fie zu fich, „wir mache ich die F.sche? mit Sauce gekocht, in Del gekackm oder mit scharfem Gewürz gesotten? Halt, jetzt hab' ich'»! ich