jg 275 Samstag, den 28, November 1896. 23. Jahrgang
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Me Kerr Kugeu de» erste» Strett i» der
KHe öestand.
Bekanntlich hat'« der Teufel bei de« Eheleuten »wx auf eines abgesehen: daß fie uneins werden, daß sie Händel kriegen.
„Alles Uebrige kommt dann von selbst," sagt er schmunzelnd; und rS ist auch so. Wo Wann und Frau treu und fest zusammeuhalte« — auch wenn eins dem andern 'mal den Standpunkt klar machen muß —, da ist für den Teufel das HauS verschlossen; die christliche, echte Liebe der Eheleute ist doS beste Mittel gegen alles Unheil im Hause. Deshalb steht er'S auf nichts Andere» ab, al» hier Bresche zu schieße«. Und da er selbst nicht die Lrute verhetze« ka«n — denn darn würde« fie ja erschrecke« und ihueu die Auge« auf- gehe« —, so schickt er seine Leute, um die Ehegatten aufzuhetzen. Da» find ost anscheinend die „besten Freundmueu" der Frauen und die „besten Freunde" der Männer, die der Teufel ihnen in deu Weg schickt. Uud ost genvg gelingt ihnen ihr Werk.
Zu Rutz und Frommen der Eheleute, besonder» der junge«, soll Nachstehende» erzählt sei«:
Herr Eugen und Frau Elisabeth wäre« noch richt lauge vermählt. Sie standen in guten Berhältnifie« uud lebten ganz glücklich mit einander, wie da» ja immer der Fall ist, wen« man rein und mit uubt fleckter Vergangenheit dar hl. Sakrament der Ehe empfangen hat. Da» war nu« dem Satan zuwider, und er sand richtig eine „Frrnndin" der junge« Fra« Elisabeth, welche zur Hälfte so bo»hast uud zur Hälfte so dumm »ar, dieselbe gründlich aufzuhetzen und ihr darzuthu«, st, werde von ihrem Manne aus'» Aeußerste vervach- lästgt, er sei rin gefühlloser Barbar, ein unregelmLßiger Mensch und Frau Elisabeth «Üfie ihm jetzt gleich den Meister zeige«. Geduld uud Rachglebigkeit dürfe fie »icht an ihn verschwende«: da Helse nur Strenge, Energie, rücksichtslose Berthridigung ihrer Rechte nsw.
Frau Elisabeth hatte bisher au chrem Manne alles & gesunden: dar erschien ihr nun al» ein großer tr, und fie begann nun ihr Gewiss« zu ersorschen seine Sünden. Und je länger fie nachdachte, je »ehr fie dem eifrige« Zurede« der „guten Freundin" anfhorchte, um so mehr war fie überzeugt, daß fie eigrutlich eine unglückliche Frau sei.
So war heute Abend ihr Mau« a«»gega«gen — ste hatte r» ihm freilich erlaubt, nämlich jede Woche «ftmial zu seine« g«tea Frennbm —; fie saß allem daheim, «vd da stellte fie fich chr „Unglück" erst
'Entschuldige, meine Liebe, daß ich eia Viertel- stüvdchen später komme; allem e» war ein alter Freund da, deu ich schon lauge nicht mehr gesehen habe, der «ist morgen wieder ab, und da glaubte ich e» schon wr antwort« zu körmeu."--
Aber fie läßt »hu nicht au»reden und erwidert ge-
* „Natürlich, und an Deine Fran dachtest Dn
„Doch, doch, meine Liebe, sonst wä« ich ja noch »icht hier."
„Roch nicht? Ich dächte, Du hättest mir versprochen, «» zehn Uhr bereit» wiedrr zu Hause zu sein. Rich
E» schlug 10 Uhr, der Manu war «och «icht do, Wie er i, Aussicht gestellt hatte. E» schlug ein Viertel «ich Zehn — da steckte er schon ben Schlüssel in die Korridorthüre und einen Augenblick später stand er
bist. Morgen wirst Du natürlich wieder mit Deinen Freunden zusammen sein, nicht wahr?"
Eugen blickte erstaunt seine junge Frau an. W » sollte der gereizte Ton? War die Viertelstunde Ber» pätung etwa daran schuld? Wohl kaum! Da mußte «och ein anderer Grund vorliegen! Run, ben wollte er balb erfahren! Unb lachenb trat er auf Elisabeth zu.
„Pfui, wie Du nach dem MrthShau» duftest! Der Bier- und TabakSgeruch ist ja entsetzlich! Du weißt doch, daß ich E garremauch «icht vertragen kann!"
„DaS wußte ich allerdings nicht; da» ist mir etwas ganz Neuer!" versetzte Eugen in grenzenlosem Staune«, Benn bisher hatte er täglich nach Trsch geraucht und fie hatte ihm die C'garre angezündet.
„Nun, dann erfährst Du'» eben jetzt und merkst Dir eS hofimtlich für später! Draußen im Freien rauch' meinetwegen so viel Du willst, zu Hmse aber, vor allen Dingen in meinem Zimmer hier, wünsche ich, daß Du e» von heute au unterlassest. Ich Im« einmal diesm beißenden Rauch nicht verttageu! Und ben Garbinen ist er auch nicht gerabe zum Vorth ril. Sieh nur, ganz schwarz hast Du fie schon geräuchert, bie schöne« weißen Vorhänge. Da kann ich nur morgen gleich neue aussttcken!"
„«ber, ü be» Weibchen, waS hast Du benn nur?" versuchte Eugen seine erregte Frau zu unterbrecheu. Aber diese ließ ihn gar nicht recht zum Worte komme«.
„Gar nicht» habe ich," fuhr fie mit immer gereizterem Tone fort.
„MSbe bin ich, furchtbar müde von dem ewigen «arten. Unb jetzt laß mich zu Bette gehen."
Mit biesen «orten stanb sie auf unb gmg raschen Schritte», an bem überrascht bastehenben Sugen vorüber, hinau».
Seit jenem Abenb lag e» wie ein Alp auf bem jungen Ehepaare. Da» muntere Sep'auber, baS sonst bie gemeinschaftlich eingenommene Mahlzeit gewürzt hatte, war verstummt unb nur baS Äothwenbigste würbe gesprochen. DrS Abends, wenn Eugen aus bem Geschäfte nach Hause kam, klang ihm nicht mehr ba8 helle Lachen seiner jungen Fran entgegen. Scheu, mit gesenkten Augen verrichtete bitte ihre häuslichen Arbeiten. Rach bemAbmbess-n nahm jebeS ein Buch zur Hanb, ober Elisabeth beschäftigte fich mit einer Stickerei, währenb Eugen, bie Hände auf dem Rücken, im Zimm.r auf- unb abging, von Zeit zu Zrt au'S Fenster trat, iu bie finstere Rächt hinauSblickte unb mit be« Fingern gegen die Scheiben ttommelte. Verstohlen blickte Elisabeth zu ihm hi«, und rmhr als einmal schon hätte fie aufspringen wögen, um an seiner Brust fich auSzu- meinen. Denn längst schon machte fie fich Borwürse, bittere Borwürfe darüber, daß fie so schroff gegen ihn gewesen war, daß fie ihn so hart gestraft hatte für — für — ja, für waS denn eigentlich? Dafür, daß er eine Viertelstunde za spät nach Hause gekommen war? «ein. DaS sicher nicht! Sie wußte selbst nicht warum. Vielleicht, weil et den Anschein gehabt hatte, al« ob bie „gute Freunbm" recht gehabt mit ihren Behaup tungen? Db sie aber auch recht behalten werbe? Allein warum sollte fie ihm eutgegenkomme«? «ar fie uichr bie Gekräukte unb mußte er also nicht ihr bie Hand zur Versöhnung bieten? _
Unb boch, hatte er ba» nicht b-reit» gethan? »ar er nicht ihrem Wunsche, er möge hn Hause nicht rauchen, bereitwilligst nachgekommen? Richt ein einziges Mal wieber hatte er seit jenem Abenb eine Cigarre a«ge- zünbet. Usb ba» war doch gewiß ein große» Opfer, ba» er ihr ba brachte, ben« er rauchte gern, sehr gern.
Acht Tage waren bereit» seit jenem verhängmß» vollen Abenb verstriche«. Eugen kam auch heute wieder zur gewohnten Stunde anß de« Geschäfte heim. Alr er am Tische Platz genommen hatte, übergab chm Elisabeth eine Postkarte, die am Nachmittage eingetroffen war. Eugen» Frennde baten ihn, den Abend »ieberum in ihrem Kreise zu verbringen. Er le» bie Karte unb legte fie bann gleichgWg b-iseite.
Elisabeth hatte ihn »mit gespanntester Aufmerksam- kett beobachtet. Ob er gehe« wirb? Gewiß! Den« zu Hause konnte et fich doch unmöglich wohl fühlen outet bem fortwährenden Druck, der über ihnen beiden lastete. Dort konnte et plaudern «ach Herzenslust Niemand hinderte ihn daran, seine Cigarre zu rauchen.
Aber Eugen machte keine Anstalt«, wegzug-hen. Elisabeth wollte «ewißhrit Haden.
„Wirst Du gehe»?' fragte fie beklommen.
Rein, Elisabeth, ich bleibe," lautete die tuhieg
Antw' rt.
Du nicht? Deine Freunde rech
nen bestimmt auf Dich!"
„Laß fie warten! Ich mag nicht, daß Du alle«
Bei diesen Worte« blickte er seine Frau mit seine» großen dusklen AuM an und eS lag ein To« in säuer Stimme, der ihr alle» Blut zum Herzen trieb. Zwei Gefühle stritten fich in diesem Momente in ihrem He zen. Da» eine drängte fie, ihrem Manne abzu- litten, da» andere ober, der „guten Freundin", welche sie so abscheulich verhetzt hatte, die Augen anrzuklatzew ®L that vernünftigerweise nur da» eine.
Sie stand auf und ging na» dem Riuchtischch«, da» noch von jenen glück.lchen Tag'« rot dem bewußten Abend her in der Eck: de»Z mmerS am Fenster stand. Sie nahm eine Havanna an» dem eben» holzgeschnitzten Kästch n. Daan t-at fie an Eng« heran, legte ihm den Atm um bie Schultern unb sagte:
„Willst Du mir nicht eine Cigarre vortauch«, lieber Eugeu?"
Eugen aber zünbeie nicht gleich an, sonbetn zog seine Frau neben fich auf ben nächsten Sesftl, nah« fie in'» Gebet unb ließ fich von ihr erzählen — u»b Frau Elisabeth that e» aufrichtig — waS ihr ben» eigentlich an jenem Abenb bas Rauch« hatte so ent- fttzlich erschein« lass«. Unb als er erfuhr, baß bie „gnte Fc'Undin" mit ihren „wohlgemeintenRmhschlSgen" so böft» Blut gemacht hatte, da brohie er bem Frauchen mit bem Finger unb meinte: „Ich dacht' es mit doch bald, daß fo etwa» dahinter stecken müßte."
Und E.isabeth mußte ihm versprechen, nie wieder auf den Ra h einer „guten Freundin" zu hören, wenn e» fich um Dinge handelte, bie lediglich bse Sache be» ManneS unb ber Frau unter einanber find.
Elisabeth aber hat ihr Versprechen gehalten und da» hat dem CH paare bau rnben Frieden gebracht.
So hat Herr Eugen b« ersten Streit au» bet Welt geschafft. Unb e» wirb vielleicht nun mancher Berheirathete denken und sagen:
„Ja, so ist'» mit ben »übern; wenn bie fichnicht verhitzm ließen, bann gäb's keinen Streit ans ber Bit" — unb so wettet. DaS ist natürlich unwahr; e» gibt auch Männer genug, bie fich gegen ihre Frau« Hitz« lafl« unb diese bann schlimm behandeln.
* 300 Kilogramm Schwalbe«. Aus Mailand schreib* man: Drei „Jäger" haben im Paffe von Monkegrade, einem hauptsächlichen Strichpunkt für Zugvögel in einem Tage »icht weniger als 300 Kilogramm Schwalben durch Netze eingefangen. Sie schlugen darauf die Thiere tobt und brachten ste nach Genua auf den Markt, wo sie als bevorzugte Delikateste hohe Preise erzielten. Man steht, der Bogelmaffenmord wird in Italien lustig weiter betrieben, da die Regierung nichts dagegen thut, sondern vielmehr gegen die lächerliche Jahressteuer von 20 Franks Jedermann einen für das ganze Reich geltenden Jagb- fchein ausstellt, der sogar das Betreten jeder Privalbesitznug eo ipso gestattet. Bei der jüngsten Hochzeit des Kronprinzen von Italien waren allein über 2000 Waldsänger, auf Schwarzbrot» geröstet, von den Gästen verspeist worden. Neben Schwalbe« gelten Rothkehlchen und Nachtigallen (besonders Nachtigalleu- zungen) als beliebteste Delikateste.
* Die jüngst erfolgte Konfirmation der Königin Wilhelmine von Holland beutet darauf hin, daß die Königin- Rege»ti««e» der Niederlande und von Spanien die längste Zeit Regentinnen gewefen sind. Schon im August 1898 ist bre Königin Wilhelmine majorenn und die Königin Emma »rrd de« Titel „Königin Mutter" annehmen. Auch Alfonso Xlll. von Spanien ist schon fast zehneinhalb Jahre alt. Ob biS yt besten Großjährigkeit auch die anderen Regentschaften tn Europa, bezw. im Deutschen Reiche verschwunden sein werde«? Regentschaften bestehen in Bayern, Braunschweig und Lippe, im ersten uud letzten Falle gegenwärtig wegen geistiger Um. «achtung bet Souveräne. König Otto steht im neunuubvlerzrgste« Lebensjahre, ber Fürst von Lippe (ebenfalls in Bayer», m St. Gilgenburg bei Baureuth lebend) im sechsundfechSzrgsten Jahre.
* »ei ber Kälte. Gastwirth: „Darf ich frage», wie Sie ge- schlafen haben?" - «ast: „Recht gut, es war so schlecht geheizt, baß bie Wanzen von Husten besalleu würben unb mcht berße» konnten." _____