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Freitag, den 27» November 1896.

23. Jahrgang

FuIdaerMZeituiig

K. A«S dem Reichstage

132. Sitzung vom 26. November.

mit Nntechaitungs-Keilagr „Sterne nnd Ktnmen"

Erscheint täqlich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

lammengetrrteB.

* 3tt btt btlltf nnftt btnt SSotfi^t Rkichlbank- xtt anoere ^nterpcuaiwu Dcuugie |iui uvci wie iuci;i uuu Präsidenten Dr. Koch statttzthabten Sitzung bei mehr sich einbürgernde kommunale Besteuerung der

Ausland.

* Rom, 26. No». Nach bem heute im Qnrinal stat-firdmde« Frühstück witd sich bet König vo« Setbien mit Gefolge gegen 2 Uhr im Hof-vagen zum Besuche seiner Gesandt« Bogitjchemtsch begebe», btt stit einigen Wochen im Grand Hotel Qurinal wohnt. Bo» bott wird bet König mit Gefolge in Privatwagen zur Audienz beim Papste nach bem Vatikan fahre«. — Der König hat bem Könige von Serbien dri Gtofkceuz bes A murci.t u Orden» ver­liehen. Der serbische AriegSminister erhielt daSGroß- kreuz des St. Mauritius- und Lazarn» Ordens. Weitere OrdeuSauSzrechnnnge« wurden den Offizier« im Gefolge der KönisS vo» Serbien verliehen.

* London, 26. Nov. DaS indische Ast erhielt eine amtliche Depesche, welche besagt, daß sich seit dem Rrgensall die Srnte-Aussichten in Dekkan sehr, in den mittleren Provinziea Indiens merklich und in de« nordwestlichen Provinzen erkennbar gebessert habe». Damit wird hoffentlich der HungerSnvth ei» Ende bereitet

* Madrid, 26. Nov. Einer Depesche au» Ma­nila zufolge hat der Kommandant Artega eine» durchschlagenden Sieg über die Ausstäudischen auf de» Phil pvmen davongetragen und ihn« eine» Verlust von 400 Mann beigebracht.

* Montevideo, 26. Nov. Bon der brasilia­nischen Grenze wird gemeldet, daß der sogenannte General Apar cio Saraiva Unruhen gestiftet habe» soll. Uebet die Bedeutung dieser Bewegusg ist mau »och in Uokenntniß.

Eentral-AuSschusseS der Reichibank wurde über daS laufende Geschäft berichtet nnb hierbei bemerkt, daß sich nach bem Statut vom 23. d. M. die steuer­freie Roteureserve um ca. 60 Millionen erhöht hat. Ferner wurd- bekannt gegeben, daß dir Abschlags-Divi­dende von VI* pCt. vom 15. Dezember ab zur Aus­zahlung gelangt. Schließlich wurde ben Pfandbriefen ver Rheinisch - Westfälischen Bodenkreditbank und der W streMschrn Bodenkreditbank, sowie der Anleihe der Landgemeinde Böcklingen die Beleihungsfähigkeit zu­erkannt.

Der R e ich S ta g hatte sich in mehr als fünfstündiger Sitzmi, mit zwei sozialdemokratischen Interpellationen zu befassen, von denen iadeß die erstere, betr. Zollbehandlung seiner Lederwaaren bei der Einfuhr in Rußland, nicht zur Besprechung kam, weil Staatssekretär v. Bötticher mit Rücksicht aus die schwebenden Verhandlungen mit Rußland ihre Beant­wortung ablehnte

Die andere Interpellation beklagte sich über die mehr und

Fahrwasser segelt. Die Zustimmung der Hand» werkerkreise zu der veröffentlichten Vorlage würde ganz sicher unumwundener und lauter gewesen sein, wen» die Vorlage die Wünsche und Bedürfnisse bei Hand­werks nicht in so sehr beschränkter Weise berücksichtigte. Tanz abgesehen davon, daß die Vorlage anch in dem, was sie bringt, Abänderung« nöthig hat nnd auch wohl erfahren wird, um zweckentspreckender zu werden, läßt sie eben dadurch den größten Theil der Hand­werker kalt, weil sie nicht genug bringt. Hier fordert man als gavz nothwendige Ergänzung die gleichzeitige Festlegung der Einführung dkS Befähigungsnachweises auf einen späteren Termin. Während aber die Hand­werker nnd anch diejenigen politischen Parteien, w'lche eine wirksame Förderung deS Handwerks im allge­meinen Jntereffe für unerläßlich halten, zu der Hand- werkervorlage um ihre Grundtendenz will?« zwar freundlich, aber nm besten willen, was ihr fehlt, nicht gerade begeistert stehen, find die T äg-r Manchester- lrcher Idee», die Feinde de- Handwerks und die Gegner feiner Erstarkung eifrig und nachhaltig in der Bekämpfung der Bo-läge. Die Hauptgegner der Organisation des Handwerks find auf der einen Seite die Händlerkreise, die heute von der Ausbeutung des verarmten Handwerk! einen gut« Tag leben und von jeder Erstarkung der Handwerks eine Wieder- Em.it c pation desselben befürchte«, nnd die Parteien, zu beten politischer Klientel di<se Händlerkreise ge­hören, und auf bet anderen Seite die Sozialdemo­kratie. Dee Gegnerschaft der einen wie der andere» Seite ist ja sehr begre flich."

* Ja den ständige» Kommtsfione» des Reichs­tages ist da» Cent rum jetzt durch folgende Mit- glieder vertreten: in der GrschäfiSndnungSkoulmiffio» durch die Abgg. v. Kehler (Stellvertreter de» Bor­fitzenden), Dr. Pichler, Roeren, Wender»; in der Bndgetkommiffiou durch die Abgg. Graf v. Hompesch (Stellvertreter de» Borfitzenden), Prinz v. Arenberg, Braun, Krebs, Dr. Lieder, Dr. fingen», Müller- Fulda und Dr. Schädler; in der PetitionSkommiffio« durch die Abgg. Wattendmff (Stellvertreter de» Bor- fitz ndm), Euler, Fuch», Krek», Mooren, Strzoda, Wallenborn, Wurzel; i» der Wahlprüfangskommiffion durch die Abgg. Lpchn (Borfitzrnder), Brandenburg, Dr. Stephan und Wrllstein; in der Rechnungtkom- Mission durch die Abgg. Hoin, Dr. Stephan, Watten­dorff, de Kitt.

* Der provisvrische Börsenaulschntz wird der ,Post/ zufolge voraussichtlich am Donnerstag noch feine Arbeiten beend es.

♦ Die wist '«schäft liche Deputation für da» Medizin als wefra ist am Donnerstag im Kultusministerium zu-

Deutsches Reich.

Berlin, 26. November.

* Nach dem gestern vom Seuiorenkonveut des Reichstages gefaßte« Beschluss: soll die erste Be- rathmig des RrichShauShaltSetarF, bei ErgänzungS- «tat» und der Etats für tie Schutzgebiete von Montag, ben 30 November ab im Reichstage stat finden. Unter alle« Umständen soll aber daran festgehalten werden, daß vor Wrchnacht'« die Justiznovrlle auch noch in dritter L sung zur Verabschiedung gelangt. Soweit nann noch Zeit vor den noch nicht festgestellten Weh- eachtlferie» für andere Gegenstände, namentlich für qrste Lesungen fein wird, werden auch tiefe noch er­ledigt werden.

♦ Dir Budgrtkvmmission der Abgeordneten- hanser bestimmte den A,g. v. Pappenheim (konf) zum Berichterstatter über die Ludwiglbahn-Barlage, den Mg. Kircher-Fulda (Ctt.) zum Berichterstatter über die KonvertirungSvorloge und den Abgeordnete« v. Dallwitz (kons.) zu« Berichterstatter über das SchuldentilgungSgef tz.

* Eine ReichSlagSanflösuvg stellt ein Londoner Blatt in AnSficht. Demf-lben wird au» Berlin ge­meldet, Kaiser Wilhelm beabsichtige angeblich, dr« Reichstag aufzulöfen, wen« die Marineforderuvge« nicht bewilligt würde«. (Derartige „Schreckm ttel" ziehen nicht mehr, ganz abgesehen davon, daß über eine R-ichrtagSauflösuug nicht der Kaiser, sondern der Bnndelrath zu beschließen hat. D. Red.)

♦ Der Vorstand de» LandeSverein» preu­ßischer BolkSschullehrer hat fich in einer Denk- schritt über die Lehrerbesoldnng a« die beide« Häuser de» Landtags gewandt. In dieser werde« die traurige« Befoldungloerhältuiffe der preußischen BolkSschullehrer an der Hand der amtlichen Statistik nnd dnrch Gegen­überstellungen mit be« Gehälter« der mittlere« u«d unteren Beamte« dargelegt. Im Jahre 1891 bezöge« tie städtischen Lehrer im Durchschnitt 1452, die Land- khrer 1080 Mk. Insbesondere macht die Denkschrift darauf aufmerksam, daß von be« letztere« ein großer Theil durch Kirchendienst (15 430 Lehrer) uns Be- wirchschastung deS AckerS (30,684 L hrei) eilten Theil dieses kärgl chrn E-»kommens mch erst neben der Schirlarbeit erwerben müffr. Die Denkschrift beschäftigt fich dann eingehend mit der Bedentnng de» Volks- schulamt» für da» Volksleben und führt zum Schluß die dringendsten Wünsche der Lehrerschaft auf.

* Zur Handwerker - Organisation schreibt die Dentsche Handelszeitung': »Die Vorlage hat im Allgemeinen die Zustimmung der Handwerker- kreise nicht nur im Norden und Oste», sondern auch i»t Weste« und Süden gesunden. Al» Gegner der Lorlage hat fich ein kleiner Bruchtheil von Hand­werkern im Süden gezeigt, der im demokratischen IWIM!MSMS«SU«WSMMWW»WWWWWMWMWWWIWWW! Fürstabt Heinrich non Kibra.

Lortrag, gehalten am 25. November 1896 \m Fuldaer GefchichtSverein von Herrn Seminar-Dir-ktor Dr. Ernst.

(Fortsetzung.)

Traurig waren die erste« Jahre seiner Regierung. Der 7jährige Krieg wüihete in Deutschland, und auch dal Hochstist Fulda hatte fein vollgerütteltel Maß de» allgemeine« Leid» zu trage». Kriegführende Macht war unser Länkch« natürlich nicht; nur wenige Hau»- ttnppeu hielt der Fürstabt lediglich al» äußere» Z-icheu landkSherrlicher Gewalt. Allein der GHnnuvg »ach stand er auf Seite Oesterreich» und wurde deshalb von Preuße» als feindliche Macht behandelt. Daher «nßte Heinrich von Bibra alsbald »ach erfolgter Wahl, tie ganz im Geheimen stattgefundev hatte, feine eigene Derfou in Sicherheit bringe«. Er begab fich «ach Hsrnmelburg, wo er größtem hüll bis zum Hubrrt»- durger Friede« verblieb. Da» Fuldaer Ländchen hatte »«ter den fortwährenden Truppendurchmärfchen, ben Eivqaarttrunge« und Braudfchatzunge« über die Maßen z» leiben. Nach einer Berechnung be» DomkepüularS Malkmu» in feinem „ Historienbüchlein" sollen fich für Fulda die Kostm verhältnißmäßig ebenso hach belaufe» habe», wie die KriegSkoste«, welche Frankreich 1871 pt zahlen hatte.

‘ Endlich iw Frühjahr 1763 k-hrte Heinrich von Bibra in fein Land zurück. I tzt fand auch erst die herkömmliche feierliche Huldigung statt.

so wurde die Sache später ernster. Mit cBtrn Nach­druck arbeitete der Fürst darauf hin, die kümmerlich« Berhältniffr der bäuerttchm Bevö'.keruag zu beseitig« und einen wohlhabenden Bauernstand zu begründ«. Er veranlaßte daher feine» Hofkauzler Kaiser, die landwirthfchaftliche« Zustände de» Hochstist- genau zu untersuchen und alldaan eine Belchruuq tiS Landmauue» auszuarbeiten. So erschien die ,Baueruphysik' im Druck und wurde an alle Gemeinden verrhilt. Da» umfangreiche Werk, mit dem Bildniß de» 'Fürst« ge­ziert, ist zum Theil in F-azeu und Antworten abgefaßt, aber im allgemeine« doch für dm Bauersmann zu ge­lehrt gehatten. Der Ttt'l entspricht nach heatigem Sprachgebrauch dem Inhalt nicht, denn da» Buch ent­hält nur Landwirthschaftliche». Ferner ließ der Fürst alljährlich im Fuldalfche» Kalender Aufsätze für ben Landmann erscheinen, meistens vo« feinem Leibarzt Dr. Weikard verfaßt, ebenso brachte dal .Wochrnb'att' zusammenhängende Belehrung« dieser Art. — ver Hcbung der fiandwirthschaft biente ferner die Errichtung einer LaudeS-Oekonomie-Kommisfio«. Damit aber dieselbe ihre eigene« Berbrsi-rnnglvorfchläge zunächst selbst auf ihren wirklichen Werth prüfen lö mt, mürbe auf dem Erlenhof bei Rmhof eine landwirchschaftl che Brrsuchlanstalt eingerichtet. — Wetter diente der Hebung der Laadwirthschaft die B-rthrilmrg der zahl­reichen öden Gründe und mageren Weidifläch«, welche Gemeindeeigenthnm waren, au die einzelnen Gemeinde- Mitglieder, wozu der Fürst natürlich die Anregung

Die erste Sorge d 8 Fürsten war, bem Lande und den Unterthanen au» dem Zustande völliger Erschöpfung emporzuhelfen. Zu diesem Z rucke unternahm er eine Rundreise durch dar Stiftsgebiet, um fich persönlich zu überzeug«, ko Hilft am dringendsten nöthig sei. Er reifte in ver allerbescheidusten Weise und zeigte überall die beste Abficht und ben redlichsten Willen, daß er komme, zu helfe«. Trotzdem wurde er bisweilen argwöhnisch empsanger, denn man hatte fich durch die üblen Erfahrungen der letzte« Jahre daran gewöhnt, baß die hvhm Herr« immer nur Geld und wieder Geld haben wollt«. So erging e» ihm auch in der getreuen Stadt Geisa. Zar Begrüßung zeigte der Bruun« am Martt auf einem Transparent eine völlig abgemagerteSei-Mt dem bezeichnend« BerSftiu darunter:

„Ich arme Geis schrei in die Wolken, Der Krieg hat mich ganz auSgemolkrn, Und daS, waS er ließ über, DaS nimmt der Herr von Biber."

Doch verstimmte ihn dal wenig. Er untersuchte und prüfte, beseitigte sofort manche Klage» und ermunterte feine Beamte« zu treuer Pflichterfüllung. Als er wieder «ach Fulda kam, legte er m allen Zweig« der Staats­verwaltung die tiffetnbe Hand an, um zunächst da» materielle Wohl ferner Untertanen zu heb«.

Die Laubwirthfchaft erfreute fich zu allererst feiner Fürsorge. Wenn er auch nur mit einem Erlaß gegen bie Spatzen und Krähen omfing und von jedem Bürger Spatzeoköpft und Krähenfänge abliefet» ließ,