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Donnerstag, den 26. November 1896.

23. Jahrgang

FuldaerWZkitliiig

mit Untrrhaltimgs-Keilage „Sterne und tilnmen *.____________________

Fürstabt Heinrich von Kibra.

Kortrag, gehalten am 25. November 1896 im Fuldaer Geschichtsverem von Herrn Seminar-Dir.ktor Dr. Ernst. '

ES war im Frühjahr 744, als ein Keines Häuf­le« Benediktiner - Mönche, vom hl. Sturmius ge- fährt, im Bucheulandr anlargte, an der Stelle, wo der muntere Krätzbach feine Wellen mit der jugendlichen Fulda vereint. Sie richteten ein Kreuz auf im WaldcS- fchatten, bauten einige Hütten und harrten der Ankunft bei Apostels der Deutschen. Nicht lange, da erschien der GotteSmann an diesem Orte, den nach seinem prophetischen AuSspruche der Herr für sich feit lange zur Wohnung bereit gehalten, und kl erstieg demselben, eingeweiht durch del Heiligen Spm und erkoren zum Hüter seiner Gebeine, in kurzer Frist ein Kloster, von dem auS Jahrhunderte lang das Licht des Glauben! und der W ssenschast fich ergoß dmch die deutschen Lande.

Fulda gewann s«hr bald auch politische Bedeu­tung. Denn daS Gebiet bei Kloster!, ursprünglich nach Karlmann'! Schenkung nur 4000 Fuß in’! Ge­vierte m fsrnd. dehnte fich durch Zuwendungen von Aeckern und Wiesen, von Gütern m:d Dörfern immer »weiter au?. Bon fremder Gerichtsbarkeit wurde el fdon unter dem dritten Abte befreit; der fünfte Abt war bereit! einflußreicher Beröchet des Kaisers, und

Deutsches Reich.

Berlin, 25. November.

* Bei der Vereidigung der Marinerekruten hielt der Kaiser eine Ansprache, die nach einem Kieler Blatte ungefähr wie folgt lautet:

.Matrosen! Der Eid, den Ihr geschworen, ist die Grund­lage der Disziplin. Ohne Gott und Religion gibt es keine Disziplin. Macht Euren Vorfahren in des KmserS Rock Ehre. Ein Feind ist vorläufig nicht zu fürchten; kommt aber einer, dann werdet Ihr ihm unerschrocken, ohne Furcht gegenüberstehen."

* Zar Z:tt ist der selten zu verzeichnende Zustand eiugetrrtrn, daß die sämmtlichen NetchllaglsMaudale besetzt sind. Seit den allgemeinen Wahlen del Jahre! 1893 haben einschließlich der fünf Nachwahlen, die durch Doppelwahlen nothwendig geworden waren, nicht weniger all 54 Wahlen stattgefunden. Dabei haben fick folgende Veränderungen in dem Be­sitzstände der Parteien vollzogen: Die Deutsch- konservativen haben fünf Mandate verloren, keine! ge­wonnen; verloren gingen: 1. Plauen (v. Polenz) an die Sozialdemokraten; 2 Mö>! (Bescher) an da! Centrum; 3. Löwenberg (v. Holleufer) an die frei' fiunige Bolkspartei; 4. Kölliu (v. Berkach) an die freisinnige Bereinigung; 5. Herford (v. Hammerstein) audieNationalliberalen. DieFreikonservatwrn verloren, ohne daß fie dagegen einen Gewinn zu verzeichnen haben, zwei Mandate: 1. Glückstadt (Graf Moltke) an die Sozialdemokraten; 2. Schlettstadt (Pöhlmann) an die Elsaß Lothringer. Die Nationalliberalen büßten vier Sitze ein: 1. Ulm (Bantleon) an die deutsche Bolki Partei übergegangen; 2. Dortmund (Möller) an die Sozialdemokraten; 3 Westhavelland (Wiefike) an die Srzialdemokrattn; 4. Waldeck (Böttcher) tut dir Anttsemiten. Gewonnen wurde dagegen Herford (Omulin) von bin Konservativen; ferner wäre hier­her der Fürst zu Fürstenberg zu rechnen, der mit Hilfe der Nationalliberalen an Stelle de! verstorbenen v. Hornstein in Donaueschingen gewählt wurde, o. Hornstein gehörte keiner Fraktion an. Die frei- finnige Bereinigung gewann Köllin (Benoit) von den Konservativen, und verlor Halle (Dr. Mryrr) an die Sozialdemokraten. Die Anttsemiten verloren Dresden- Land (Hähnichen) an die Sozialdemokraten, und ge­wonnen Waldeck (Müller) von den Nrtionalliberalen. Da! Cent rum gewann Mör! (Ftrtzev) von den Konservativen und Mainz (Schmitt) von den Sozial­demokraten. Die Elsaß-Lothringer gewannen Schlett­stadt (Spüß) von den Freikonservativen. Die frei« stnnige Bolkspartei gewann Leuuep (Fischbeck) von den Sozialdemokraten und Löweuberg (Klipsch) von den Konservativen. Di; deutsche Bolkspartei gewann Ulm (Hährtt) von den Rationalliberalen. Die Sozial­demokraten gewannen: 1. Glückstadt (o. Elm) von den Freikonservativt u; 2 Plauen (Bertsch) von den Deutsch- konservativen; 3. Dortmund (Lütgrnau) von den Nationolltberalen; 4. Wrsthavellard (Pöut) von den Natwrw Liberalen; 5. Dresden-Land (Horn) von den

Antisemiten; 6. Halle (Kuner!) von der sreistnuigen Bereinigung. Sie verloren: Lennep (Meist) an die freistnuige Bolkspartei und Mainz (Jorst) an das

Cmtrum.

* Wieder eine Begnadigung eine! Polizeibeamkn wird der ,Frkf. Ztg.' aus Gelsenkirchen gemeldet. Der Polizeisrrganr Ferdinand Stegemann war von der Strafkammer in Esten wegen verschiedener Ueberschrei« hingen im Amte zu drei Monaten Gefängniß verurtheLt worden. Er hatte auf einem Patrouillen- gange einen Schneidermeister mit Faust und Säbel mißhandelt und außerdem eine Dogge aus ihn gehetzt. Der Staatsanwalt hatte nur 20 Mark Geldstrafe be­antragt. Stegemann brauchte indessen die Gesängniß- strafe nicht anzutreten, denn sie wurde ihm im Gna­denwege erlassen und in eine Geldbuße von 25 M. umgewandelt. Ferner wurde auch die ihm auf- erlegten, ziemlich beträchtlichen Gericht Ikosten auf 30 M. ermäßigt.

* Der AfrUaverein hatte eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, worin zum Zwecke der Bekäm­pfung bei überseeischen BraNUtweinhanbelS um Erhöhung dkS Einfuhrzoll!! auf Spirituosen in Kam- l erun unb Togo gebeten wurde. Ss ist daraufhin tise l Antwort ergangen, daß die kaiserliche Regierung gern s bemüht sei, in internationale Verhandlungen über eine j weitere Einschränkung des übermäßigen Spiritiiosen- i verbrauche! in Wrstafrika durch gemeinsame Erhöhung f der Einfuhrzölle zu trete«. Zu einem befriedigenden j Ergebniß können diese Verhandlungen, wie bereits z einer auswärtigen Regierung amtlich mitgethült worden ; fei, jedoch erst bann führen, »rnn die Sicherheit da- - für geboten werde, daß durch ein Zusammenwirken < sümriitlicher bethrrligrer Kokoniairaächte bst Uniei« drückung der Spirituofeireinfuhr im übrigen dem Handel und Verkehr aller Nationen gleicher Spielraum gewährt werde, eine einseitige Schädigung der bedeutenden Handel!- und landwirthfchaftlichen Inter­essen bei Deutschen Reiche! aber ausgeschlossen

5

Winter-Weizen Winter Spelz Winter-Roggen

Mitte Oktober 2.5 25 2,5 25

November

2,5

27

24

25

September

2,7

2,1

25

bleibe.

Für ben Saatenstand und bie Eruteschatzung sinb in Preußen folgende Taten ermittelt. Der Staub bet jungen Saaten war (Nr. 1 bedeutet sehr gut, Nr. 2 gut, Nr. 3 Mittel, Nr. 4 gering, Nr. 5 sehr gering)

Klee u. Luzerne 2,6

Der Ernteertrag ist auf Grund von Probedrüscheu für Hafer auf 1446 kg vom Hektar ermittelt, gegen 1552 kg im Vorjahre, während 1410 kg als Mittel­er nte anzunehmen find; — für Erbsen auf 991 kg vom Hektar, gegen 1113 im Vorjahre, während 1017 kg al! Mittelernte zu rechnen find. Tie Ernteschätzung über Kartoffeln überhaupt ergibt 11067 kg vom

bet sechste Nachfolger bd hl. Sturmius kämpfte tapfer an der Seite Ludwig! de! Deutschen im Kriege gegen die Normannen. ,

Der Abt hielt in Fulda Hof m der AbtSburg, einer Feste südwestlich vom Dom, ungefähr an der Stelle der heutigen Dechanei und der anliegenden Seite der Wilhelwlstraße. Daher noch jetzt der Name „Abtlthor" für den ehemaligen Zugang zur Burg.

1290 wurde Heinrich von Weilnav, der gewandte Staatsmann und Rathgeber von 4«affern, zum deut­schen Reichsfürsten erhoben. All solcher hieß er „Fürst- abtw. Unter ihm legte man am höchsten Punkte der Stadt, da, wo jetzt dal Schloß steht, den Grund zur neuen Abtlburg mit dem ragenden Thurm, wie er noch jetzt vorhanden ist und die ganze Umgebung be- herrscht, damit auch äußerlich die hohe Würde bei Jasaffen ben gebührenden Ausdruck finde.

War die Stellung bei Fuldaer Abte! in der geist­lichen Stufenleiter betrifft, so unterstand er unmittel­bar dem Papst, nie einem auswärtigen Bischof. Wohl aber haben die Nachbarbischöfe von Mainz und Würzburg wiederholt diesen Anspruch erhoben und dadurch für Fulda oft recht mißliche Verhältnisse herbeigeführt. Mußte doch der hl. Sturmiu! selbst eine gewaltsame Verweisung in ein Kloster der nörd­lichen Frankreich über fich ergehen lasten, weil er dem

Hektar, ^egen 12894 kg im Vorjahre 1895, während 10788 kg als Mittelernte gelten. Krank sind von der diesjährigen Ernte 9,9 pCt., geger 2 8 pCt. der vorjährigen. Für die Distrikte mit umfangreichen BrennerÄbetrieben ist die Kartoffelernte auf 10,603 kg per Hektar geschätzt, gegen 13138 kg im Vorjahre. Für Klee und Wiesenheu wurden geschätzt pro Heftar:

1896 1895 Mittelernte

in kg

Klee n. Luzerne 3715 4362 3280

Wiesen heu 3241 3455 2774

* An der bevorstehenden allgemeinen Gehalts­aufbesserung sollen die Oberlehrer in bet Weise thülmhmen, daß dal Arfaugsgehalt auf 2500 Mk., bal Höchstgehalt auf 5700 Mk. dewlssm wird. Jetzt beträgt nach dem Normaletat die Besoldung für bie definitiv ang stellten wissenschaftlichen Lehrer 2100 bi! 4500 Mk. Dar Aufsteigen im Gehalt soll in acht Dienstaltersstufen mit je 400 M! nach je drei Dienst­jahren erfolgen, sodaß da! Höchstgehalt mit 24 (jetzt mit 27) Dienstjahren erreicht wird. Die feste P-nfion!- fähipe Zulage von 900 Mk. jährlich für einen Theil der Oberlehrer in dem Umfange, wie sie der § 1 bei Normaletats vorn 4. Mai 1892 festgesetzt, soll Daneben bestehen Hüben.

Ausland.

* Loudon, 25. Nov. Die ,Pall Mall Gazette^ versichert, bie Regierung beabsichtige vom Parlament eineErhöhung bet Forderungen fürbastzeer unb bie Reserve um mehrere Millionen Pfund Ster­ling za verlangen, um eine neue Artilleriesewaffsung burchzusühren, zahlreiche neue Linienbataillone zu er­richten unb bal Transportwesen neu zu ordnen.

* Madrid, 25 Ncv. Der Ministerpräsident Canova! bei Castillo erklärte gegenüber einem Berichterstatter, daß er gegen die Rückstufung bei General! W yler von Cuba sei; vielmehr müsse bie Regierung ihn unterstützen.__________________________

K. Aus dem Reichstage.

131. Sitzung vom 25. November.

Der Reickstag letzte heute die Berathung der Justitz- Novelle bei § 244 fort und nahm den hierzu von der Kommission eingefügten Abfatz 3, wonach das Gericht in der Hauptverhandlung vor der Strafkammer in erster In­stanz die Erhebung eines Beweifes ablehnen können, sowie den Antrag von Strombeck (Ctr.) an, der dem Gericht den Verzicht auf Erhebung des Beweises auch dann zugesteht, wenn die betr. Thatsache bereits zu Gunsten des Angeklagten als bewiesen zu erachten sei.

Zu § 245 wurde ein Antrag Beckh (frs.) angenommen, der die Aussetzung der Hauptverhandlung auch zuläßt, wo eine, als Beweismittel zu benützende Urkunde so spät be­kannt gegeben sei, daß eS der Gegenpartei an der zur Ein­ziehung von Erkundigungen erheblichen Zeit gefehlt habe.

Bei § 344 wurde ein Antrag Stephan-Beuthen (CK.) an­genommen, daß bis Ablauf der gesetzlichen Frist der Ver­zicht auf das Rechtsmittel widerruflich bleiben solle und § 352 auf Antrag von Strombeck (Ctr.) dahin erweitert,

Bischof von Mainz richt willfährig war. Der Abt von Fulda verwaltete immer wie ein Bischof seinen Sprengel. Dock zu einem wirkliche« Birrhum würbe bie Abtei erst 1752 unter Arnar d v. Brchck erhoben. Bon ba ab schmückt Mitra unb Stab den Abt, bet beim auch ben Titel „Fürstbischof" annahm. Daneben erhielt sich aber auch bet Titel „Fürstabt" zur Er­innerung an bie k österliche Verfassung, au! bet er beryorgegangen.

Ungefähr 1100 Iahte hat bal Hochstift Fulda bestanden. Die Reihe bet Fürstäbte schließt mit Adal­bert v. Hatstall, bet durch bei Aullands Gewalt mitten aul seiner Regierung heranlgerifsrn wurde. Sein Vorgänger war Heinrich v. Bibra. El ist eine bebmtuuglvolle Fügung, daß dieser Mann, bet sein ganz?! lange! unb reichgesegmte! Leben bi! zum letzten «ihrmzuge bem Hochstift widmen durfte bet hervorragendsten einer in bet Reche der 80 Aebte gewesen ist, unb daß Dank seiner dieser Theil unserer hümathlichen Geschichte mit einem weithin strahlenden Abendrothe in der Zetten Schoß versunken ist.

Heinrich v. Bibra (Heinrich ist der Kloster- nanu) entflammt einem uralten teitzlfreihetrlichen Geschlecht. Herten v. Bibra, die ben Biber in ihrem Wappen führen, finbeu sich schon im 12 Jahrhundert. Sie treten in bet Folge auf all Burgrnänner, al!