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z71 Dienstag, den 24. November 1886. 23. Jahrgang

FuldaerMZeitiiiig

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen".

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Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenoimuen. — Vierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Briugerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Dr, H. Ist das Aufsuchen von Be­stellungen bei Privatkundschaft (Detail­reisen) in Zukunft verboten?

(Fortsetzung.)

Tine dritte Folge der Unterstellung der Detail­reise«- unter Titel III ist: die Verpflichtung zur Be­zahlung der besondere» Landessteuer, welche für da- Wandergewerbe in de« meisten Staate» eingeführt ist. Da- ist eine Belästigung und Belastung, welche die Bethriligten gewiß unamgenehm empfinden, aber vom Standpunkte der Struerpolüik aus nicht ungerecht — sobald mau die Wandergewerbesteuer überhaupt al­gerechtfertigt erachtet. Die Wandergeverbesteuer kann und soll ja nicht etwa eine Strafe oder ei« Ab­schreckungsmittel sein, vielmehr ist sie nur al- Au»- gleich gegenüber der Schädigung der Steuerkraft der ansäfsigrn Kaufleute durch die Wandergewerbetreibenden gedacht. Run schädigt aber der Drtailreisende, der «ach Master verkauft, dir ansässiger« Kaufleute und ihre Steuerkraft in der Gemeinde in der Regel viel mehr, al- etwa der Haustier, welcher die Waarm selbst auf seinem Rücke« von Hau» zu Hau» schleppt.

Diese» sind die eiuzigen Bestimmungen dr» Titel III, welche für die Detailreisendrn von Bedeutung find. Alle übrige« Bestimmungen enthalte» Forderungen, | die für den Reisende« von selbst gegebe« sind. So kann z. B. der Wandergewerbescheiu versagt werden, wen« der Nachsucheade blind oder taub ist, oder unter | Polizeiaufsicht steht, oder wegen Hausfriedensbruch, | Brandstiftung rc. bestraft ist. Solche Kandidaten | kommen selbstverständlich al» Reisende gar nicht in i Frage. Als thatsächliche Beschränkung re'p. Belastung ‘ kommt nm in Betracht: da» Minimal-Alter und die • Steuer. Da» find aber nicht Erschwernisse, welche das [ Detailreise« in Zukunft „unmöglich" mache« oder auch ° nur wesentlich beschränken würden. Die Forderung deS | Mimmal-AlterS würde sogar den jetziges Detailreisen- - den neue jüngere Konkurrenten fernhalten, so ihre Lage - »erbrsirrn. Weshalb nun diese verzweifelte Gegenw.hr, s welche in kurzer Zett gegen diese Vorlage orgasifirt ] wurde?

R ben dem Mißverständniß: als ob dar Detail- reise» überhaupt verboten werden sollte, war eS be> < sonders ein Gedanke, der al» Abschreckung immer wirderkehrte: „Sollen wir, die Detailreisenden, den« de« Haufirer« gleichgestellt werde«?!" Wiederum ei« Mißverfiäudniß. „Wandergewerbe" bezeichnet nur de« Gegensatz zu „stehendem" Gewerbebetrieb, enthält aber durchaus nichts Entehrende». Zwar fallen auch die Haufirer unter das „Wanderg'werbe," aber „Wander- < gewerbe" und „Haufirgewrrbe" deckt fich durchaus i nicht. Der Ausdruck „Haufirgewrrbe" oder „Hausir- ] schein" kommt überhaupt in der ganze« Sewerbeord- - nuitg nicht vor. Den Bestimmungen über dar Wander- 1 gewerbe unterstehe« auch z. B. der CirkvS Renz und ;

Glycrra.

Novelle von H. Fred.

31] ------- (Nachdruck verboten.) I

Bis jetzt hatte Repka schweigend der Unterhaltung ; gelauscht; jetzt bat sie um daS Blatt und sagte schon i nach flüchtiger Beobachtung: „Ich kenne die Hand- l schuft, kenne auch ben Schreiber — Benedikt Müller. - Und die lateinischen Worte find ein Theil der In- ? schritt, die über dem Parkchor steht."

„O bitte, woher kennen Sie diesen Maller?"

„Er wohnte im Dorfe E. bei Mogdebmg. Er i hatte keine äußerlich geregelte Beschäftigung, und da» ? Gerede der Leute sagte ihm eine wild bewegte, abrn- ■ teuerliche Vergangenheit nach. Manche wollten sogar - Wifi «, er sei ein richttger Hochstapler. Aber der - Mann hatte eine gute Bildung geuoffen, und er sagte Allen, die ihn danach fragten, er sei em Schriftsteller."

„Ein Schriftsteller?"

„Ja, ein Schriftsteller. Er behauptet-, er studire, «m einen groß:« Roman schreiben zu können, der im Polnischen spielen sollte. Da hätte er mm erfahren, dgß ich Deutsch und Polnisch verstäube, und so bat er mich mehrmals, ihm polnische Schriftstücke oder schwierige Stellen darin zu übersetzen Später kam ich auf die Idee, er verstehe ganz gut polnisch und

die berühmte« Meininger Hofschauspieler; aber daß sie dadurch mit den Haufirer« auf gleiche Linie gestellt würden, ist noch Niemanden eingefallen.

Wen» so dir Opposition gegen die Regierungs­vorlage tatsächlich zum größten Thrile auf Mißver- ständniffen und Uebertreibungen beruhte, so ließ fich doch nicht leugne«, daß solche Detailreisende, die sich nun einmal ans Grund der bestehenden Sewerbeord- nnng i» ganz legitimer Wrise eine feste Kundschaft errungen haben, r» als eine gewifie Härte empfinden konnten, wenn sie n«n einen Wandergewerbeschein lösen und eine Waudergewerbestmrr bezahlen sollten. E» mußte mit der Thatsachr gerechnet werden, daß die­selben — ob mit Recht oder Unrecht — e» jedenfalls al» eine Ehrenkränkung empfanden, daß sie einen Wandergewerbeschein lösen sollte«. Deshalb wurde mm von den verschiedenen Parteien an» ein Brr« mittlungSweg gesucht, um solche nun einmal gewordene Beziehungen möglichst zu schonen. ES sollte ander­seits auch dem Kunde« «ach wie vor freistehen, soweit er wollte, diese Beziehungen wie bisher ausrecht zu halten. @8 wurde ein BermittlungSantrag dahin ge­stellt, daß da» Detailreisen auf Grund der Legiti- mation»karte verboten sein soll, soweit e» „ohne vor­herige Aufforderung" geschieht. Sobald eine mündliche ober schriftliche Avffnderung zum Besuche seitens eines „Kunden" vorttegt, soll der Besuch nach wie vor unter den alten Bedingungen gestattet sein.

In eingehenden, lebhaften Behandlungen hat fich die CentrumSfraktion mit den anderen maßgebenden Parteien auf diesen Kowpromißantrag geeinigt. Diese Einigung war nicht gerade leicht, weil die Anschau­ung;« auch im Centrum recht weit auSemandergingen. Während die eine Gruppe (z. B. die Bayern) scharfe Gegner deS Detailreisen» war, hätte eine andere Gruppe (z. B. die meisten rheinisches Eentmm»adgeordneten) eS am liebsten bei der seitherigen Regelung belasse«. Aber neben dem allgemeinen Streben, auch in dieser Frage möglichst geschlosien zu stimmen, war die Eimgung für beide Theile wesentlich noch durch die Erwägung erleichtert, daß, fall» keine Einigung erzielt wurde, da» Schlußresultak vom Zufall der Majorität abhing, von fernem vorauSgesehm werden konnte. So war e» für beide Richtungen doch stcherer, wenigsten» etwas zu reiten, als vielleicht Alles zu verlieren E» wäre auch der CentrumSfraktion wenig würdig ge­wesen, wenn sie es in einer so wichtigen Frage aus de« Zufall der Majorität hätte ankommen lassen wollen. Es handelte fich zudem nicht bloS sm diese eine Be­stimmung (Artikel 8), sondern um daS Schicksal deS ganze« Gesetzes.

Kompromißanträge befriedige« natürlich keine Partei ganz. Auch wir warm Partei — und doch glaubteu wir, daß mit der jetzigen Fasiung der rechte Mittelweg gefunden ist.

(Schluß folgt.)

benutze nur ben Vorwand, um vom Pfarrer die Er« laubniß zu bekommen, bei un» in der kleinen Hinter­stube zu sitzen Er war ein widerwärtiger, boshafter Mensch und auf meinen jetzigen Mann aus doppelten Gründen wüthend; erstens weil dieser ihm ver­schiedene Unredlichkeiten in seinem Geschäftsverkehr nachgewiesrn hatte, und zweite«», weil ich Döiing bevorzugte — ich thateS hauptsächlich, um den schreck­lichen Menschen loszuwerden."

„Da hätten wir also den muthmaßlichen Thät-r und die Viranlass ang zu seiner That!" rief Paula. „Wie aber feiner habhaft werden?"

„Ueberlaffen Sie daS nur dem Rechtsanwalt. Wo ist er?"

„In der Oberförsterei; er wollte fich bei Herrn Rordmcmn, der Döring aufgefund-u hat, nach den genauesten Umftäibe« erkundigen."

Paula'» Fund, den fie sofort zu Meerheim brachte, wurde von »hm für wichtig gehalten. Er berieth so­fort mit der jungen Frau die Schritte, die zu thun seien, um Benedikt Müller aufzufiiden. Natürlich mußte zunächst der Untersuchungsrichter in Kenntniß gesetzt werden.

Der Briefträger kannte den Namen nicht; Müllers gab'S die Menge in und um 3E , aber ein Benedikt war nicht darunter. Ein junger Post-Assistest glaubte

Deutsches Reich.

Berlin, 23. November.

h. Der Kaiser und die Kaiserin find am Mon­tag früh nach Plön abgereist, von wo der Kaiser aQiin fich nach Kiel begeben hat, um am Dienstag dort der Enthüllung eine» Kaiser Wilhelm - Denkmal» und der Vereidigung der Marinerekruten beizuwohnen. Auf der Rückreise wird da» Kaiserpaar am Mittwoch auf mehrere Stunden dem Generalobersten Grafen Waldersee in Altona einen Besuch abstatten.

* Die Ceutrumsfrattto« de» Abgeordnetenhauses hat den Abg. Dr. Fyr«. v. Heeremau einstimmig zum Borfitzenden wiedergewählt. Zum ersten Stell­vertreter bei Vorsitzenden wurde an Stelle des ver­storbenen Gli»zc;y«»ki der Abg. v. Kehler, zum zweiten Stellvertreter der Abz. Fritze n-Borken gewählt.

tt Oberst Siebert der vom Kaiser in außerordent­licher Sendung an den Kaiser von China ent­sandt wird, um diesem ein kaiserliche» Handschreiben zu überbringen, tritt diese Reise am Mttwoch Abend an. Am ©amMag ist er vom Kaiser empfangen wor­den. Er wird in Schanghai mit dem chinesischen Zolldirektor Detring, der vor etwa» über einer Woche Berlin verlassen bat, zusammentreffen uud dann mit ihm gemeinsam die Reise über Land «ach Peking antreten.

tt Abg. Dr. Hammacher hat der ,K. Z' zufolge den Borfitz und die Mitgliedschaft im AusstchtSraihe der ,Nationa!ztg.' niedergslegt — offenbar in Folge der mehr links gerichtete« Haltung de» Blatter und ihrer Verleugnung durch den «ationalliberalen Parteitag.

* Dem Abgeordnetenhause ist da» Bek- zetchnitz der Parteien nach dem Stande vom 21. Novemver b. I. zugegangen. Danach verfügen bie konservative Partei über 139, da» Centrum über 94, bie Rationalltbrraleu über 87, die freikouservative Partei über 62, die Polen über 18, bie ‘reifinnige BolkSpartei über 13, die freisinnige Bereinigung über 6 Mandate. Keiner Partei gehöre» 9 Abgeordnete an, erledigt sind 5 Mandate.

O Beim Reichstage ist gegen die Giltigkeit der Ersatzwahl für Brandenburg-Westhaselland, wo der Sozialdemokrat Peu» gewählt ist, Einspruch erhoben worden. Der Einspruch stützt fich hauptsäch- bch darauf, daß eine Anzahl Ausländer, sowie Per- souen, die da» 25. Lebensjahr noch »icht erreicht, mit- gewählt haben.

* Bei Feststellung d-S ZettpunkteS für da» fünfzig- jährige Dienstjubiläum der Staatsbeamten ist «ach einem Beschluß des königlichen StaatSmmisteriumS vom 11. September d. I. die im öffentlichen Dienst — Kommunal-, Kirchen-, Schuldienst u. f. w. — zugebrachte Zeit mitanzarechuen.

* D:S DotationSgrsetz sichert de» Lehrer« al» Grundgehalt ein Gehalt von 900 «., de« Lehrer­innen von 700 «. Et war n naS b z Begründung

fich zu erinnern, daß ein Herr Bened kt Müller vor einiger Zeit nach postlagernden Briefe« gefragt und auch einige in Empfang genommen habe; später hatte er eine« Ort angegeben, wohin fie nachgesendet werde« sollten.

Er schlpg seine AmtSnotizen «ach: ja, e» war Warschau, und zwar postlagernd.

M erheim machte fich sofort auf ben Weg nach Warschau. Paula sollte nach Weißkrch zurückksdren, um bort Rachrichte« von Meerhrim abzuwarte«. Sin Besuch bei ihrem Gatten würbe ihr nicht gestattet.

Nachdem Paula die Tante Bn'x u» bewogen, zu ihr zu kommen, nahm fie ihren Auftnthalt wieder m den lieben Räumen, die sie in Groll und Schmerz verlassen. „O, Tante, wie war ich mit Blindheit geschlagen!" klagte fie. „Ohne meine Thorheit wäre jener Brief, der Adalbert in dar Schloß zurück führte, nicht von Dir geschrieben worden, ohne dieselde hätte man die scheinbaren Beweismomente nicht gefunden! Auch die schleunige, fluchtöhaftche Abreise Ävalvert» au« X. — alle» ist Folge und Strafe meiner un« finnigen Eifersucht. Möge Gott mir Gnade gebe«, zu sühnen!"

E» dauerte langt, ehe Nachrichten von Meerheim eintrafes. In Warschau war der Gesuchte gewesen, aber wieder abgereist, ohne eine weitere Adresse zu