23. Jahrgang
Samstag, den 21. November 1896
M 269
Fuldaer WZrttiliig
11 266 000
9 475 000
erbeben.
Aus der großen Anzahl der fraglichen Restenfond» sollen hier nur einige besprochen werden.
Unter de« ordentlichen Ausgaben waren am 1 April 1896 noch nicht verausgabt Ml. 7,120,712. Äapitd 37 „Munition»betmrf“ für Preußen, Sachfen und Württemberg etwa */» der ganzen Jahres- b-darfs; e» hätte« mithin hierfür ganz gut ewige Millionen weniger bewilligt werde» können, ohne daß eine Verlegenheit entstanden wäre.
Roch weit weniger vöthrg erwiesen sich j-doch die Anforderungen iw außerordentlichen Etat:
In Kap. 12 waren für 1895/96 angefordert und bewilligt „zur Bervollstä-digung der wichtigeren KestungSanlagen- Mk. 6,000.000; von dieser Summe war am Sckluß des R.chnungSjahreS 1895/96 über» Haupt noch Rich'S verausgabt, .S war vielmehr außerdem »och ein kleiner Rest an» der Bewilligung pro 1894/95 vorhanden.
Clifc -artilleristische SrSrüktung neuer Befestig» ttntien“ rc waren pro 1895/96 Mk. 4,000 000 be» will gt, eS war hiervon am 31. März 1896 nicht allein Nichts verbraucht, fo-d f sogar von den pro 1894/95 bewilligten Mk. 8,304,500 waren noch Mk. 7,251,398 vorhanden, so daß am 31. Mär» 1896 für diesen Zweck im Tanzen noch Mk. 11,251,398 zur Beriüguvg standen, der wirkliche Bedarf der Jah- e 1894/95 und 1895/96 war ouS den Beträge» gedeckt worden, welche fcho« pro 1893/94 aügekrrde t und bewilligt worden waren. Für „Handwaffen" waren aSem für di« pr-ußifche Armee am 31. März 1896 poch Mk 7,035,021 unseraurgabt gedli bei, obwohl für diese Pofition im EtatSjahr 1895/96 nur Mk. 15Q0 000, 1894/95 nur Mk 2 281,250 bewilligt worden wäre«; eS war hierbei von der Bewilligung
M. Die Restenfonds der Reichsverwaltung.
Rach der dem Reichstage zugegangenen Übersicht der Einnahmen und Ausgaben für daS Jahr 1895/96 find von den für dieses EtatS-Jahr bewilligt«» «ul» gabe-Beträgen am Schluffe desselben, also am 31. März d. I. noch nicht verausgabt gewesen:
Mark 17 341264 an fortdauernden ordentlichen Ausgaben,
„ 39 425 295 an einmaligen ordentlichen
Aulgabe»,
„ 118 709 368 an außerordentlichen AuS» ______-aben, zusammen
Es hat geholfen.
„Ja, e» ist auch wahr," fagte Frau Dr. I. zur Frau Seheimräthin Z., „uufrr armer Pfarrer kann sich heiser reden auf der Kanzel und noch so viele Beweise anführen, daß die SonutagSarbru nicht» em» bringt, t» nützt nicht»; gewiffe Leute hören eben Nicht. Denke Dir, liebe Lina, dieser Schuhmacher Rolte, unser Schuhmacher, hat heute, al» ich in die Küche ging, doch wieder gearbeitet.“ , ,,
„Ja, Martha, darüber habe ,ch mich °uL schon oft geärgert, aber wie zum Trotze a-.beitet der Mersch jeden Sonntag, und gerade wen» man rach der Kirche geht, hämmert und pocht er erst recht darauf los. Ich werde gar nichts mezr bei ihm arbeite» losten.
„Dal habe ich auch schon zu meirem Mavnrgk'.ag'., aber dann kommen mir wieder seine armen Wurmrr
der beiden letzten Jahre noch gar Nichts verbraucht, I Lar noch «in Rest von übe? Mk. 3,000,000 aus dem pro 1893/94 bewilligten Betrage vorhanden.
Der älteste Posten ist vielleicht derjenige, welcher für da» .Artillerie» und Waffenwefen aus Anlaß der Aenderung der Wehrpflicht“ im Jahre 1890 al» Bedarf für das EtatSjahr 1890/91 b-m'°'gt worden ,st, von diesem waren am 31. März 1896, allo 6 Jahre »ach erfolgter Bewilligung, noch 2,901,646 Mk. un» verwendet, obwohl inzwifchea fchon wieder elne Aeiide- derung der Web'pflicht staitgefundm hatte. Auch für „weittte Beschaffungen für artilleristische Zwecke waren fvro 1895/96 nur 6,000 000 Mk. vewilligt) am 31. März 1896 noch '28,141,270 Mk. nicht verausgabte Beträge vorhanden. „ . ..,
Die Heeresverwaltung ift durch du ihr au» diesen BorauSbewilligunge« zur Verfüg««g stehende» Mittel gewiß sehr unabhängig gestellt, ob< jedoch dadurch du sparsame Verwendung derselbe» gefördert wnd, kan» wohl bezweifelt werden. ,
In solchen Zn.en, wo die Finanzlage de» Reiche» fich ungünstig gestattet und die Bundesstaaten zu er» höhten Beiträgen herangezogen werde» müsse», tote die» augenblicklich wieder m AuSstcht steht, sollte sowohl der Reichstag als auch der BundeScaih diese Restenfonds mit in Betracht ziehe» und die Bewilligung der neuen Anforderungen auf da» Maß de» Rothwen» digen beschränken. ______________
•fr Zum Kirchenbau in Marburg
wird uu» von geschätzter Seite geschrieben: ,
Die Kugelkirche in Marburg »st em sehr tu» I t-restanter spatgothischer Bau, der mit einigen tausend Mark würdig restaurirt werden könnte. Selbstoer» I stündlich wüßte der Altar seinen Platz wieder da er» I halten, wo er im Mittelalter gestanden hat. Wenn I man die Kugelkirche vergrößert, so wiid diese» schöne Denkmal der Spätgothik verdorben; und der tüchtigste I Baumeister wird dieser so erweitertm Kirche »immer- mehr ein einheitliches «eprägr verleihen können. Aach wird mit einer Vergrößerung de» Baue» der Kirchen» uoth i» Marburg durchaus nicht abgeholfe«, den» nach fünfzig Jahren ist diese erweiterte Kirche doch wieder zu klein. , ,
Das Richtige ist, eine neue große Kirche zu baue», die aber der Elisabethenkirche dmchan» nicht, auch »icht „einigermaßen gleichzukommen“ braucht. (Hüte man I fich, die Slisabecheukirche nachahmen zu wollen! Dir erreichen wir doch nicht, und e» könnte un» dann er» gehen wie e» z. B. den Protestanten rn Frauenburg ergangen ist, die mit ihrem «irchlem den Frauen» bnrger Dom kopiert habe«, wa» ein mitleidige» Lächeln hervorrust.) Marbmg hätte bau» Ml katholische Kirchen mit zwei Geistliche», und c» wäre für dir Katholikm auf ein Jahrhundert und darüber hmau» gesorgt. Wenn man in Weimar und Schmach schöne große Kirchen gebaut hat, warum sollte da»,»Marburg nicht möglick sei»? Ich kenne mehr al» einer, der für eine neue Kirche in Marburg gerne seine» Bntrag geben wird, der aber für die Erweiterung der Kugel» kirche keinen Pfennig beisteuert. Also Überlege man die Sache noch einmal, ehe eS zu spät »st! Die Reue kommt hintenrach, wie fie schon Viele« gekommen ist, die alte Kirchen und Wohnhäuser er»ntert haben. Sutr Vorschläge auzvvehmen, ist kein ßeimen der Schwäche, sondern da» Zeichen eine» klugen ManneS, denn „bet BerfiLndige läßt fich ratben“.
Mark 175 475 927.
Hiervon entfalle« auf bie Heeres
verwaltung runb Mark 121500 000
«mf bie sog. strategischen Eisen» bahne» rund
auf bie Mariae rund
Diese Roste» werde« zur Verwendung auf das Jahr
1896/97 Übertragen. Ma« kann hieraus erfehen, daß e» den beiden Reffort» der LandeSvertheidigung nicht an de« nöthigen Mitteln aef'hlt hat, daß fie sich im Seoeutbeil im Jahre 1894/95 für das EtaSlabr 1895/96 weit mehr haben bewillige» laffrn, als sie verdauen konnten.
Wenn man berücksichtigt, welche Finanz-Kalamität damals bestand, wie knapp die Mittel zur Deckung der durch die Annahme der MilitSrvorlage hervorgerufenen neuen Ausgaben waren, und welche Jammer» rufe die Fivanz-Mmister einzelner kleineren Bundes» staute» über deren finanzielle Roth ansstieß-n. so muß man umsomehr überrascht sein, daß 56 766 559 Mark für ordentliche Ausgabe» bewilligte Beträge, also solche, welche durch Mattikularbetträge oder neue Steuern aufgebracht werden sollte», nnverauSmbt ge- bliebm find. ES ist daraus ersichtlich, daß die einzelnen ReffortS, namentlich da» der Heeresverwaltung, stets wett über ihre« Bedarf hinauSgehende Anfvrüche stellen, »vd daß eine knappere Bemeffung der Bewilligungen wohl am Platze wäre, namentlich dann, wenn man vor die Alternative gestellt ist, neue Steuern zu bewilligen oder die Belastung der Bundesstaaten zu
$®o? Meinen Sie da«? Ra, eine »eile müffe» fie wohl »och auShalten. Ich habe aber em ander Wort mit Ihne« zu reden. Sie geben der Gemeinde ein schlimmes Aergerniß, weil Sie Sonntag für Soun- tag arbeiten, und wenn Sie das nicht laffen, »et- ben Sie bald noch weniger Arbeit haben und viele Kunden los werden. @8 haben sich mehrere Familie» dahin besprochen, daß, wenn Sie «och emmal Sonn- tagsarbeit thu«, fie alle keine» Sttch mehr bei Jhae» mache» laffrn werden.“ . .
„O, bester Herr Pfarrer! Sott weiß, wie nur da» weh thut und wie gerne ich den Sonntag heiligen möchte. Aber sehen Sie, bester Herr Pfarrer — nehme» Sie e» nicht Übel — da habe ich zwei Familie», bie haben so eine Menge Kinder, mithin auch für mich viel Arbeit, und diese habe« die unangemhme Angewohnheit, immer erst am Freitag oder SamStag die । Arbeite« zu schicke», mit dem sehr bestimmte» «erlange», die Arbeit ja bestimmt bi» zum Sonntag fertig z» machen. Oft arbeite ich die ganze Naht durch, aber e» ist mit schon so ost nicht möglich gewrM, ganz fettig zu werden. Mache ich die Aroeit aber nicht fertig, dann wollen fie auch wegbleiben. Wa» soll ich nun, thnn? Ich tarnt mir nicht Helsen, ich muß Sonntag früh noch etwa» arbeiten.“
„Wer find denn diese Leute?“ , «8 ist Frau Dr. Y. und Frau «ehe.mcäth« Z.
I Sehen Sie, Herr Pfarrer, solche Leute, wie bie find, I bie laffen fich nicht» sagen. Mit betten miß man sehr I nnt umgehen.“ ,
.AuS menschlichen Rücksichten barf man aber nimmermehr ba» Gebot Sötte» übertreten. Run ge hn I Sie mit Sott unb heiligen Sie seine Feiertage; ich I will dabei helfen, so viel ich kann, und nun da Sie I einmal hier finb, nehmen Sie auch gtttch Maß für em I Paar neue Stiefeln, beim bie alten find wirklich nicht I paar Tagen trafen bie Dame« Djmb Z
I ben Herrn Pfarrer int St. Birceiizverem. Ba» er I ihn»« ba so ganz im Stillen gesagt hat, »iss m wir | nicht, i» muß aber eine ganz gewaltige Wirkung ge» tobt haben, be»n man sah unser« Rotte Sonntag» I früh nicht mehr avf dem Schusterschemel Hammern unb pochen, sondern er ging fein säuberlich mit allen anbereu Lrutm zur Prebigt unb zum Hochamte. E» I hatte geholfen!
in ben Sinn unb ihm» mit leib. Die können doch schließlich nicht» dafür, daß der Vater fo gottlo» ist.
Gottlos, o »em, da irrst Du doch, da» ist er gerade nicht. Er geht ja wohl alle Somttage m ine Kirche, aber gewiffenlo» ist er mmbrsten», baß er ba» britte Sebot gar fo leichtsinnig überttitt.“
„Etwa» müsse« wir thnn,“ sagte im Eifer Lina, „unb zwar ein Werk geistiger Barmherzigkeit: wir müssen ihn belehren.“ .
„Dazu sinb aber wir Frauen nicht berufen und auch nicht befähigt,“ sagte Martha, welche etwa» weicher gestimntt schien. öerbe hm Standpunkt
schon berb klar machen unb wenn er nicht hört, laste ich keine« Stich mehr bei ihm mache» und Du darfst e» auch nicht. Zwei große Familien, tote wir sind, machen schon etwa» au». Wir laffrn chn doch viel ““^eiit,“ sagte Martha entschieden. „Wenn wir etwa» thnn wollen, so gehen wir zum Herrn Pfarrer, der soll ihm die Sache klar mache». .
„Da hast Du wieder Recht, damit bm ich emver- stände», «esagt, gethun, das Aergerniß muß bald cm» i dem Wege geräumt werden.“
Al» der Herr Pfarrer dar nächste Mal em Paar Stiefel zmn Au»beff-rn schickte (und da» war am andern Tage) ließ er den Schuhmacher bitten , doch gelegentlich mit heranzukommen. Hocherfreut bet dem Gedanke», vielleicht eine große Bestellung entgegen- zunehmen, eilte der liebe Rotte zum Herrn Pfarrer. Rach der Begrüßung bot ihm der Herr Pfarrer einen Platz an und sagte: „Ri, Meister, Ihr habt wohl viel, sehr viel Arbrtt?“ . ,
„O nein, Hochwürden, ich würde schon noch mehr I fertig kriege». Zu wann brauche» HochwÜrde» bte I „Ja, ich meinte ma» so, ich sollte ei» Paar neue I anmeffe» komme», die ölten find doch nicht mehr viel
mit Antert>attn«gs-Keitage „Ktrrne imd Ktnmen".