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Samstag, den 21. November 1896.

23. Jahrgang

FiiIdilklWZeitiing

mit Unterhaitungs-Keiiage „Sterne nnd Klumen".

Erscheint täglich, Sonn» und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Bbonnemenrspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Stau« 15 Pf., Reklamen di« Petitzeilr 25 Pf., bei Wickerholungen entsprechender Rabatt.

L Nansen und die Zahl Dreizehn.

Der in jüngster Zeit vielgenannte Polarforscher Nansen hat fich kürzlich zu einem Besucher darüber ausgesprochen, welch merkwürdige Rolle die ,Un« alückSzahl 13" auf seiner Polarsahrt gespielt habe. Bon einem Unglücke, welcher diese bei abergläubischen Leuten so gefürchtete Zahl gebracht oder angedevtet habe, weiß Nansen nicht- zu sagen.

12 Mann stark waren die Forscher an Bord drr „gram“ (Fram heißt „Vorwärts“, der possmdste Name sür das Schiff de» kühnen Forscher») hinauS- gestruert, da sah Nansen in einem norwegischen Hafen eine» ihm bekannten Mann, de« er seiner tüchtigen Eigmschastev wegen unbedingt habe« mußte. Er ge­wann ihn auch und der Angeworbene hatte nur noch Zett, an seine« Vater zu telegraphire«: „Gehe mit Nansen zum Nordpol.“ So kam der Dreizehnte a« Bord. Aber weder dieser »och überhaupt einer der „Dreizehn“ büßte auf NanfeuS gewagter Fahrt durch da» Palarmeer da» Leben ei«; nicht einmal von «korbut, dieser bei Polarexpeditiouen b Sher unver­meidlichen Rrcntoeit, wurde einer befallen. Alle Drei« zehn sahen frisch und munter die Heimath wieder. Selbst da» Schiff, da» diesen „Klub der Dreizehn“ durch die verderbenbringenden Eispressungen getragen hatte, da» die gefährliche« Situativ«« hatte über­stehe« müffe«, gelangte ohne die geringste Beschädigung in den Helwathrhafen. Und früher? Alle früheren Schiffe find bei dem Versuche, bett EiSgürtel zu durch­brechen, regelmäßig zertrümmert worden.

Am 13. März faßte Nansen den Entschluß, da» Schiff und riss« Mannschaft zu verlaffeu und mit nur einem Gefährten zu Fuß einen Vorstoß zum Nord­pol zu machen. Er kam diesem auf 50 Meilen nahe, während der erfolgreichste der früheren Forscher mehr al» 100 Mette« davon entfernt geblieben war. Während Nansen auf seiner Fußreise die abenteuer­lichsten Erlebnisse hatte, war die „Fram“ am 13. Jau. 1896 in eine südliche Strömung gekommen «nd am 13. August 1896 war es ihr gelungen, fich von der Ei»strömuug frei zu machen und offenes Wisset in gewinnen. Am gleichen Tage, am 13. August 1896 betrat Raufe» wieder den Boden der Heimath, vom Jubel feine» Volke» und der gebildeten Welt begrüßt. War er doch schon verloren gegeben worden, al» am 13. Februar 1896 die Nachricht, er sei in Sibirien gesehen worden, eintraf, welche fich glücklicherweise später al» unrichtig erwiesen hat. Denn wäre er damals thatsächlich gesehen worden, so wäre da» der Bewei» der Unrichtigkeit seiner Theorie über die Strömungen, der Bewei» de» Scheitern» seiner Expedition gewesen.

Spaßhast ist e», daß sogar Nansen» Schlitten- Hunde dem Eivfluffe der Zahl „13“ unterworfen ge­wesen find. Sonst kommt e» selten vor, daß eine Hündin mehr al» 6 Junge wirst; unter Nansens Thierea hat fich aber der Fall dreimal ereignet, daß je 13 junge Hunde zur Belt gekommen find, bank- barst begrüßt von den mit Zughunden nicht reichlich versehenen Forschern.

Bo« alle« Sette« ist der kühne Forscher ange­gangen worde« nm Vorträge i» den Geographischen Gesellschaften. Ob er bald zu einem Bortrage in Deutschland u«d Oesterreich erwartet werde« darf, hängt voa der Beevdiguvg des Manuskripts zu seinem Werke ab, die jetzt sei« einziger Ziel ist. Er arbettet, wie er selbst sagt, „wie ei« Pferd,“ um das Mavvskript so rasch als möglich fettig zu stelle« und aus seinen Tausende» von Photographie» die beste Auswahl zu treffe». Bo» Nansens Werk, dar den Titel führt: „Ja Nacht »nd Eis,“ erscheint bei F.A. Brockhavr in Leipzig schon am 24. November die erste Liefertmg, über die wtt ausführlich berichte« werden. Es hatte« fich 13 deutsche Verleger mu da» Lerlagtrecht be­warb«!

Äa» sage noch einer, daß „13“ eine Unglücks- rahlfti!

Glyrera.

Novelle von H. Fred.

19] ------- (Nachdruck verboten.)

Der Postbote «achte «och eine« Gang «ach dem Wirthschaftsgebäude «nd sah im Borübergehe» den Inspektor, dem er guten Abend bot. Er war vielleicht zehn Minuten in dem Gehöfte beschäftigt und schon wieder durch da» Parktbor zurückgegangen, al» er ein« Schuß hörte. Da der Förster de» Grafen dort wohnte, war da» nicht» Absonderliches, und er erinnerte sich bet Umstande» erst, al» ihm am Ab«d mitgetheilt wurde, e» sei ein Mann im Schloßpark niedergeschoffen worden, an befielt Aufkommen gezweifelt würde. Eine Jagdflinte, mit dem Weißkirch'sche« Wappen und A. v. W. eingravttt, habe dicht bei dem bewußtlos Hm- gestreckte» gelegen, der Thäter aber sei verschwunden.

Des Briefträger» Zeuguiß bildete bei den noch am selben Abend vorgenommeuen Recherche« ei« wichtige» Moment. Daß Herr von Weißkirch kurz vor der Th at am Orte gewesen, stand sest und war um so auffallender, als Frau Brzyl und ihre Tochter, in deren Wohnung man de« Schwerverwundet« getragen, kein Wort davon gesagt hatte«. Nepka hatte fich mit dem Aufschrei: „Jesus Mana, mein Kann!“ über de« Leblosen geworfen, dau« aber jede Auskunft ver­weigert, ob fie Bermuthungeu in Betreff des Thäters habe. » i -

Auf die Aussage des Briefträgers hin weiter in'» Verhör genommen, gab Ripka an, daß Doktor Weiß­kirch, der fie ärztlich behandett, fie «ach 3E gebracht und, kurz nachdem er sie ihrer Mutter übergeben, da» Haus wieder verlasse« habe. Ewige Minuten später sei er mit einem Briefe in der Hand zurückgekehrt, habe dies« gelesen und sei dann verschwunden, ohne über dm Inhalt de» Briefes etwa» zu sagm.

Die Flinte erkannte Repka al» die de» Doktor von Weißkirch, gab auch auf Befragen zu, daß er die- selbe bei sich gehabt. Er wäre im Begriff gewesen, zur Jagd zu fahren, al» er rach einer Unterredung mit ihrem Manne sich entschloffen, an seiner Stelle ihre Begleitung zur Mutter zu übernehme«.

„Wr»halb ist aber bann Ihr Mau« doch hierher gekommen?“ wurde sie weiter geftagt.

„Da» weiß ich nicht.“

„Wollte der Doktor sogleich wieder fort?“ „Er hatte die Absicht, hier zu übernachten.“ Aber diese Absicht war nicht ausgesührt worden. Der Wagen, den er nach dem WirthrhauS des Städtchens vorausgesandt, hatte sein Gepäck dort abgeliefert; er selbst aber war nicht erschiene«. Der Billeteur, dem Weißkirch von früher her bekannt war, sagte aus, daß er kurz vor Abgang der Posener ZugeS ein Billet erster Klasse über Pose« nach Breslau gelöst habe; er sei zu Fuß ohne Gepäck angekommm und habe an­scheinend große Ette gehabt.

DaS alles gab Verdachtsmomente genug, so daß der Bürgermeister den Draht in Bewegung setzte, um Weißkirch mtweder schon unterwegs oder bei seiner Heimkehr verhaften zu laffen.

Die beiden Frauen im Schloßpark waren inzwischm in trostloser Stimmung; Nepka hielt el für sehr wahr- schewlich, daß ihr Mau«, dessen unerwartete Ankunft in X. nur durch plötzlich erwachte Eifersucht zu er­klären war, mit seinem Herrn i» Streit gerathe« und von diesem in einer Aufwallung voa Zom »iederge- schvssm wordm sei. Der Verwundete war gänzlich besinnungslos; von chm ließ fich kein Aufschluß er­lang«. Der herbeigemfme Arzt erklärte seine« Zu­stand für lebmSgefährlich, eigentlich für hoffnungs oS; eS würde eine wu»derbare Konstitution dazu gehör«, um eine solche Verletzung zu übersteh«.

Repka fühlte zum erste« Mal fett chrer Bnhei- rathuvg jetzt Reue. Sie hatte ihren gute«, geduldig« Mann io bett Tob getrieben und Adalbert, chr ver­götterte» Ideal, unglücklich gemacht. Mit genmgm« Hände« lag fie die ganze Nacht auf bett Knie« an dem Lager de» Bewußtlos« und fl.hte zu Gott um Barmherzigkeit.

Ihre Mutter fühtte fich fast «och unglücklicher al» sie selbst. Daß fie so die Tochter triebet ft ab« mußte! Krank, elend und, wie fie meinte, Mitschuldige an einem schwer« Verbrech«.

Auch der Morgen brachte kein« Trost. Die Nach­richt vo» dem Geschehen« hatte fich wie ei» Lauffeuer

durch die kleine Stadt verbreitet. Der Name der ver schollen« uud unter so seltsame» Umständen plötzlich heimgekehrt« Nepka war in aller Munde. Klatsch­süchtig, wie die Menschen sind, wurde ihre Geschichte in den verschiedenst« Variationen, aber mit ziemlich ähnlichem Resultat wie immer wieder erzählt.

Ein Einziger theilte die allgemeine Annahme nicht: da» war der Ort»geistliche, ein würdiger alter Herr, der fich der Doktor Weißkirch mit Liebe erinnerte. Obgleich er infolge seiner nationalen Stellung nie in nähere, freundschaftlichere Beziehungen zu ihm ge­treten war, hatte er ihn als sei« Pforr- und Beicht­kind doch in'S Herz geschloffen. Ihn kränkte da» schnell fertige Berdammung»nrtheil der Welt. Luch Repka Brzyl, jetzt Frau Döring, konnte er nicht der Rolle sür fähig halten, die man ihr in dem Drama zutheilte, obgleich er von ihrem thörichteu, leidenschaftlich« Herze« wohl annahm, daß e» eher zu einer Verirrung fich könnte hinreißen lasse».

Gewiß war, daß Repka de» Tröste» uud Zu­spruches in mancher Beziehung bedurfte. Am zweit« Morgen nach der That erschien der Pfarrer bei ihr. Sie war seine Schülerin, sein Beichtkind gewesen; er fand dm rechten Ton, um auf ihre verzweifelnde Seele Eindruck zu machen; ihm machte sie ein demüthigeS und r«evolleS Bekenntniß alles deflen, wa» geschehen seit der Stunde, in welcher Adalbert de» wttden Aus­bruch ihres ersten Liebeswehe» mit einem Berlöbniß seinerseits beantwortet hatte. Er vermochte sie auch, ihm in der Kirche eine G«eralbeichte abzulegm, und zeichnete ihr da»« de« Weg vor, d« sie zu gehe« habe, dm Weg treuer, bußfertiger Pflichterfüllung.

Das Kr«z war da: sie brauchte eS nur aufzu­nehmen, nnt ihre Schuld zu sühnen. Mtt dem Be­wußtsein der Anforderungen, die an fie herantratm, hoben fich die körperlicher« Kräfte der Unglücklich«. Wa» fie selbst und der Arzt, der ihr« verwundeten Mann untersucht hatte, avsänglich besürchtet«, daß durch die furchtbare Auflegung die Lungenblutuug« bei ihr wiederkehren würden, traf nicht rin. Sie fühlte fich sogar fähig, abwechselnd mit chrer Mutter die Pflege ihre» armen Manne» zu übernehm«.

Bei Döring war mit de« ersten Spur« de» wieder erwachende« Lebens ein starkes Wundfieber eingctret«, dar ein heftiges Phantasirm mit fich brachte. Er sprach im Fieberwahn stets von feiner schön«, gütigen Herrin, ver« todeswunder Blick ihn erschüttert habe. Dan« brach er in wilde Borwürfe gegen dm Man« au», der zwei Frauen unglücklich gemacht. Bon fich selbst sprach er wenig; daS Unglück der ander« schien ihn weit mehr zu beschäftige«.

Das gerade rührte Repka unsäglich. Sie, die immer nur an sich und ihren Schmerz gedacht, sah hier, wo fie es am wenigst« geahnt, eine ganz selbst­lose Natur vor sich, ein Herz vo« Gold, das sie nicht beachtet, wett e» in rauher, unpolirter Schale schlug. Selbst wen» er in seiner Phantasie sein „flehte«, krankes, schwaches Weibchen“ tadelte, geschah eS sanft- müthig nur mtt dem Hinblick auf b« „Engel“, dessen Glück ihre Schuld vernichtet. Diese wunderbare Seelengröße und Selbstlosigkeit vollzog« in ihrem Innern die durch die Reue begonnme Wandelung. Sie gelobte Gott, wenn Er in Seiner Barmherz-gkett ihr das Leb« ihre« Manner erhalt« wollte, sortan in demüthiger, liebender Pflichterfüllung nm seinem Glücke zu leb«.

^Fortsetzung foUt.)

Vermischtes.

* Elberfeld, 17. Nov. Ein welterfchütterndeS Er- eig niß ist von hier zn melden: Dem Stadtverordneten Fritz Boß ist in der letzten Sitzung der Stadtverordneten der Regen­schirm verrau cht worden! Andern Tages erhielten sämmüiche in der Sitzung anwesend gewesene ZeitungSberichterstatter ein amtliches, mit dem Siegel der Stadt Elberfeld versehenes Schreiben, in welchem das Unglück, daS den Stadtverordneten Boß betroffen hatte, gemeldet und um Umtausch des Schirmes gebeten wurde! Ein gleiches Schreiben haben sämmtliche Stadt­verordnete erhalten. Und da- alles um den alten Regenschirm eines StadtvaterS!

* Parts, 19. Nov. Ein verwegener Postdiebstahl ist hier verübt worden. Der Kutscher einer Postwagens wurde auf dem Wege zum Bahnhose von einem die Uniform einer Brief­trägers tragenden Manne angehaltea mit den Worten: „Gevatter, Du hast den falschen Sack genommen, hier ist der richtige.“ Der Kutscher ließ den Austausch vollziehen. Auf dem Bahnhofe wurde aber sofort daS Fehlen der SackeS mit Geldbriesen im Werthe von 42,000 Franks bemerkt. Der vorhandene Sack ent­hielt nur Papierschnitztt.