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Dienstag, Zen 17. November 1896.

23. Jahrgang

daS nicht zu verantworten. Jedenfall» hat da? Crntrum mit feinet Interpellation dem deutschen Bolle wie auch bei der Bevölkerung in dem verbündeten Reiche einen guten Dienst gtthan — wenn nicht auch dem Fürste« Biimarck, so mag dar Fürst BiSmarck mit sich selbst astmack-''

Glyrera.

Novelle von H. Fred.

16] ------- (Nachdruck verboten.)

Die Mutter, gänzlich obnungSlo», war aus ihrer Tochter geworden, hatte beit stillen Verdacht, sie sei zum „Doktor* gegangen, und wnnbette sich nur, daß ihr gar keine Mittheilnng avS Schloß Weißkirch zuging, von befielt geographischer Lage bie gute Frau keine Ahnung hatte. Nachforschungen mochte sie nicht an­stelle«, auch später nicht, als ihr bie Möglichkeit auf- dämmerte, daß aus der Heirath nicht» geworben, unb mancherlei Bermuthuugeu sich in ihrer Seele baran ntumteo.

Diese Bermuthuugen schienen vua burch Adalbert'» kurzen Bries bestätigt zu werden. Aber deunoch zögerte sie nicht, der Tochter liebevoll zu schreiben, daß sie mit Sehnsucht erwartet werde.

Adlübert war berubigt, daß er doch etwa» für die unglückliche Repka gethin. Segen Anfang Dezember begab er sich »ach Reiuerz, um Paula heimmholen. Er hatte, da da» Wetter mild war, den Knaben mit- genommen und willigte gern darein, einige Tage zn bleiben. Er fühlte sich so glücklich, daß die Trennung überstanden, fand seine Frau so mimtet au»sehe«d, und auch die Taute, die et herzlich lieb gewommeu, wieder

Deutsches Reich.

Berlin. 16. November.

* Der Wahlkreis Maim-Oppenheim erhört wieder dem Centn»«. Begreiflicherweise hat dieser Steg großen Jubel hervorgerufen. Der Stimmmzu- wach» feit d-m ersten Wahlga-ge btträgt für Dr. Schmitt 3178, für Dr. David 2744. Wenn in Be­tracht gezogen wird, daß dem Centrum «och rund 5000 Mann Reservetruppen zur Beifügung standen, daß die Demokraten und Freisinnigen schon im erst« Wahlgange nach der von der,Franks. Ztg.' au»ge- gebenen Parole für den Sozialisten stimmten und schließlich von der nationalliberalen Patteileitung formelle Stimmenthaltung proklamitt war, so dürfte ein et­waiger nationalliberaler Succur» doch in der Hauptsache der Sozialdemokratie zu Tbeil ge­worden sein. In der Hauptsache verdantt da» Crntrum seinen Sieg der eigenen Kraft. Die Au»wahl de» Kandidaten war glücklich. Herr Rechtsanwalt Schmitt ist schon längst al» tüchtiger Rechtsanwalt und sehr gewandter Redner bekannt, auch bei seinen Gegnern stand er in Achtung, al» Mitglied der zweiten Hess. Kammer ist er betest» parlamentatisch geschult. Bolle Anetkenmmg verdient die Energie, mit welcher die Mainzer Centrumspartei für ihre« Kandidaten ringe- treten ist. Der Lohn ist nicht au»geblieben. DaS m den letzten Jahren für unmöglich Gehaltene ist ge­schehen, ist zum Ereiauiß geworden. Eine Zeit lang wat da» „goldene Mai«»" ein Schmerzenskind de» Civtrum«, heute darf die Pattei auf Mainz mit Stolz blicken, und mit ihr bringen wir den Siegern, den @e- wähltev wie den Wählet«, unfern herzliche« Glück­wunsch dar. — Da» C'ntrmn verfügt nunmehr im Reichstage übet genau 100 Mandate, zu denen hrffrnt- lich bei bet Ersatzwahl im württembetgischen Wahl­kreise Ellwangen, bie am Dienstag für ben »er­worbenen C-uttumSabgeottmeten Wengert stattzafinben hat, ba» 101. hinzukomme« W'rb.

* Hofptebiget a. D. «töcker bat, wie bie ,Post' melbet, gegen ferne im Prozeß Witte erfolgte Brr- urtheiluug Berufung einlege« laste«. Er soll beab­sichtigen, in bem Termine zwester Instanz zu erscheinen.

* Bon Dr. Kurl Peter» ist bet ,Post' zufolge am Sounabeub Abeab au» London ein Telegramm ein« gegangen, er werbe am 17. b. M. Abends nach Berlin kommen.

* Die ,Post' bementirt bie Nachricht eines hiesigen Lokalblattes, wonach außer bem schon bekannten Er­laß beS Kaisers übet bie Aendetuug der Farben bet Provinz Posen in nächster Zeit «och anbete einanber überschätzt habt, Euch nicht westet liebtt, aus Liebe zu Gott — so wäre eS schlimm für euch Bübe."

„Die Tante hat recht, Paula; ich hoste auch zu- verfichtlich, baß Du bie Probe bestehen würdest, mich zu liebe«, wenn Du mir auch eine« Theil Deiner Be- wundetuug entziehe« müßtest. Ich denke, Du liebst auch meine Seele, unb würbest Dich gerabe bann voll Erbarmen ihr zuneige», wenn Du sie am hilssbe- bürftigsten fänbest."

Er hatte ihre Hanb erfaßt unb schaute sie mst eine« eigenthürnlicheu, fast st Heiden Blicke an.

„Meinst Du? Run, Gott fei Dank, daß bie Ge­fahr, in folch' einer Probe zu schwach befunden zu werden, für mich nicht groß ist. Dm Will« habe ich ja wohl — aber ich traue mit selbst nicht. Du kmnst meinen wunden Punkt, Adalbert, und der liebe Gott kennt ihn auch; datum hat et mir einen solchen Storni gegeben wie Dich."

E» wat süß, so vetehtt und geliebt zu werde«; aber eS wat eine arge Versuchung. DaS fühlte Adal­bert, fühtte eS während beS ganzen Heimweges an bet Geste seine» holden Weibe», auf dem «ege, dm et sich fo fest vorgerwmmeu, zur Aufklärung seine» Bet- haltuifse» zur Slyceta zu benutzen. Aber er wurde nun mst tausend ihnen beide« wichtig scheiumde«

schuldigt dies doch nicht den Urheber de» Mißttaum», den Fürsten Bi»marck.

Wenn aber auch bie Interpellation nichts anbete» erreicht hat al» bie Versicherung be$ gegenwärtigen Reichskanzlers, baß bal durch die Enthüllungen der .Hamburger Nachrichten' geweckte Mißttauen bei unseren Bundesgenossen wieder beseitigt unb unsere Beziehungen zu ihnen von unbedingtem gegmseiti,en Bettrauen getragen seien, so wäre damit ihre Be­rechtigung und Nützlichkeit schon hinlänglich erwiesen. Fürst Hohenlohe fügte noch hinzu, daß auch unsere Beziehungen zu Rußland keinen Augenblick aufgehört hktten, gute und freundschaftliche zu sein. Freiherr v. Marschall, der seine ««»führunge» ergänze, be­schränkte bie gleichen Be scherungen auf ben Zeitraum feit bem Frühjahre 1890, b. h. also seit bet Snt- lastung Bismarcks. Darin liegt, wen« auch Freiherr v. Marschall im Verlauf seiner R-be es nicht an einigen anertennenben Worten bezüglich beS Fürsten Bismarck f fiten ließ, boch ein scharfer Hieb, ben map in FnebtickSruh sebt wohl verstehen wirb. ES entspricht boch auch ben Thatsacheu, daß gerabe Fürst BiSmarck selbst in Rußlaub unb gewiß nicht wst Hw "recht al» bet Urheber b«t Mißstimmung bezeichnet Wirb, bie in ben letzten Jahren seiner Amtszeit oft genug zwischen Deutschlanb und Rußlaub sehr brastisch zum Ausdruck kam. In bet Sache selbst stimmen wir bem Abg. Richter bann bei, daß bie Beziehungen DeutschlanbS zu Rußlaub gegenwärtig eher zu freunb- liche finb.

Au» alle bem ergibt sich, daß die Montag»-Sitzung be» Reichstag-» zu eenem fchatsen Gericht über bie hinterhältige Politik BiSmarck'« unb seine Verräthereien werden mußte, wiewohl daS Centrum sowohl burch bie Fassung bet Interpellation, al» auch beten Begründung seitens be« Grafen Hompesch und ihre weitete Bet- tretung durch den Abg. Dr. Liebet 'S durchaus ver­mieden hat, den Fürsten BiSmarck persönlich in die Debatte zu ziehm. Selbstverständlich bat dem Centrum hierbei jede Absicht, die Politik de» Fürsten BiSmarck etwa als weniger tadelnSwetth hinzustellen, ober ihm Rücksichten zu erweise«, bie er in keiner W'ise oer- bient, vollstanbig fern gelegen. DaS Zentrum wollte bamit vielmehr nut zeige«, baß bet Reichstag zu gut bazu ist, um sich an einem persönlichen Gegner zu reiben, unb baß eS ibm lediglich um die Suche und da» wahre Gesicht unferer auswärtigen Beziehungen eiufchließlich unserer Stellung im Dreibunde zu thun ist. Hierüber Aufklärungen und Beruhigungen herbei- zufühten, wat fein Ziel, unb bet Gebanke, daß ba» deutsche Volk ein Reckt darauf hat, auch bie Leitung unserer auswärtigen Politik, bie ja bem Volke gegen­über verfassungsmäßig ebenso verantwortlich ist, wie bie Leitung bet inneren Politik, zur Klarstellung und Rechtfertigung ihrer Thätigkeit anzuhalten, hat baS Centrum bei Ausführung biefer Absicht geleitet. Wenn bie Debatte feiten» anbetet Parteien in einet weniger sachlichen W'ise geführt wurde, fo hat dar E"»ttmn

so heiter und zufrieden, daß er den Druck, welcher ht der letzten Zeit auf ihm gelegen, gänzlich ab- schüttelte. So druckte er einige frohe, glückliche Tage bei Frau Brixiu» zu.

„ES ist mir eine wahre Erquickung. Kinder, Such nm mrch zu haben," pflegte die alte Dame zu sagen. „Wenn man älter wird und in manche« Hausstand hmeingeschaut hat, wird man leicht skeptisch in Bettesi bet Heitathen au» Liebe. Da ist eS nun ein doppelter Gegen, w'«n man bei seine« Angehörigen ein Stückchen ibeole« Lieberleben in bet Ehe vor sich sieht."

Paula'S Augen leuchteten bei bet Watten bet Tante, irab e» lag eine tief anS bet Seele kommende Verehrung für ihren Gatten in ihrer Antwort: „O, Tante, Du mußt auch das, was bie Welt so ost Liebe nennt, mit meinet au» bet genauen Kenntmß von Abaldett'» Charakter geschöpften vettrauenben unb be- nmnbernben Neigung nicht vergleichen."

„Stein liebe» H-tz, ich glaube gern, daß Dein Manu Deine Bewnnbetung und Düne Liebe verdient; aber die Hauptsache ist doch wohl, daß er sie erwidert, unb baß Ihr mit einander Gott liebt — sonst würde auch Deine genaueste Kenntniß Adalbert'« Dir nicht viel nutzen. Bollkommen ist er ja boch auch nicht, unb Du ebensowenig. Wnm Ihr Euch nicht weitet liebtt, ttotzbern ihr einmal entböten solltet, baß ihr

FiMkrWZkitlMg

mit Untrrl,att«nos-KeUagr „Sterne ««d Klume«"._________________

WM- Wege« des morgige« Feiertages er­scheint die nächste Rümmer anseres Blattes erft übermorgen__________________________

4» Bismarcks Berrath vor dem Forum des Reichstags.

Da» Cent tum hat bewiesen, baß e» bie Auf- Saben und bie Bebeutung bet Vertretung be» deutschen tolle» richtig würdigt, indem e» durch die Inter­pellation Hompesch den Bi»matck'sche« Enthüllung»- feldzug gegen den Kaiser und die auswärtigen Be­ziehungen Deutschlands im Reichstage zur Besprechung brachte. Wit find ja über die gehen hinaus, wo bie Regelung bet auswärtigen Beziehungen so einseitig Sache der Regietenben war, baß baS Bolk sich darum nicht zu kümmern hatte urb bem „beschränkten Unter-. thanenverstanbe" geradezu daS Recht abgeiprochen werben konnte, übet bie „Hobe Politik" eine Meinung zu haben. Oder, wie ör. Liebet in bet Besprechung bet Interpellation treffend bemerkte, bie Zehen sind vorbei, wo Staatenbündnisse ohne innere Antheilnahme bet Bevölkerung möglich waren. Da» Volk ist heute politisch genügenb geschult, um beuttheilen zu können, mtt welchen anbeten Säubern snne eigenen Interessen e*. öerbinben, unb welchem Lanbe unb Bo ke es sein Vertrauen schenken barf. DaS steht im Zusammen­hang mit bet immer allgemeiner anerkannten Wahr­heit, baß Bünbnifie nur noch Werth haben bei bauetn- ber Interessengemeinschaft unb gegenseitigem vertraue« bet Völker. u

Unb biese Voraussetzung trifft gerabe auf unser Bünbniß mit Oesterreich zu, biefeS Büubniß hat sich bähet auch wie kein anbete» zuvor bet größten unb allgemeinsten Zustimmung in bet Bevölkerung beibet Certttalmächte Europa» erfreut. Um fo vrtwetflichet ist daher auch jede Haublunq»weife, bie biefe» Bünbniß erschüttern ober in seiner vollen Wirkung beeinträchtige« könnte, unb ba« mußte leider von bem BiSmarck'schm Neutralitätsabkommen mit Roßlanb und jetzt von bet Enthüllung bieses Abkommens gesagt werben. Wenn diese schlimmen Thate« deS ersten deutsches Kanzler- anscheinend trotzdem keinen dauernden Schaden getya« habe«, so ist daS nicht BiSmarck» Verdienst, fonberr das Verdienst seiner Nachfolge- uib der Ein- müthigkeit, mit welcher die deutsch- Presse mit Aus­nahme der verbohrtesten BiSmarckianer BiSmarck» hinterhältige Politik und Beträtherei ve urtheilt-. Mißtrauen wat aber jedenfalls durch diese erweckt worbe», unb wenn diese» Mßtrauen, wie Fürst Hohenlohe in seiner Antwort auf bie Interpellation versich'tt, in,milch'« wte*w q-fchw mden ist, fo ent-