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Montag, des 16. November 1896.
23.- Jahrgang
FiiIdacrWZeitilng
An einem Morgen, da sie außer Bett sein konnte, fand Adalbert sie weinend über ihre Blumen gebeugt, augenscheinlich in Erinnerung der Vergangenheit. Er redete sie zum erstenmale in polnischer Sprache an, und ein lichte» Roth flog über ihr Besicht. Nun fragte er nach ihrer Mutter.
Sie schwieg eine Weile; dann antwortete sie: „Ich weiß nicht, wie es ihr geht; es find säst drei Jahre, daß ich fie verlassen. Vielleicht würde fie mir verzeihen, wenn fie sähe, wie elend ich bin. O, Herr Doktor, schreiben Sie ihr."
„Bern. Soll ich ihr sagen, daß sie z« Ihnen kommt?"
„Rein, nein; war sollte fie hier? Sie würde mit meinem Manne gar nicht übereinstimmen — aber vielleicht erlaubt er wir, sie zu besuchen."
Diese Frage besprach Weißkirch mit dem Inspektor; er machte ihn zugleich ausmerkjam daraus, daß der März für seine Frau der gefährlichste Monat sei. „Lassen Sie fie im Febrvar nach der Heimath fahren und bis z« den Sommermonate« bleiben. Dan« kann sie kommen und da» Reinerzrr Wasier trinken; hoffentlich wird sie dadurch hrrgestellt."
Um bei Zeiten die einleitenden Schritte zu thun, schrieb er an Frau Brryl. Wie Repka erzählte, hatte der Besitzer de» Schlöffe» nach de» Gärtner» Tod chr
mit Unter!,altunys-Srilage „Sterne nnd Stnmen"
Glyrrra.
Novelle von H. Fred.
15] ------- (Nachdruck verboten.)
Wa» sollte er thun? Durste er da» arme Geschöpf dieser Verwilderung überlassen? E» ergriff ihn ein unendlicher Ritleid und da» Bewußtsein, daß er große Schult» an dem Ruin dieser ursprünglich edel» Natur habe. Da er die Abende jetzt viel allein war, hatte er hinlänglich Zeit zu inuern Einkehr, Zeit, sich klar zu mache», wie er zuerst au» geschmeichelter Ettrlkett die Hingebung de» Kinde» selbst auf falsche Bahnen gekettet, und daun mit Freuden die Gelegenheit ergriffen, die Kette von sich zu schüttel«, ohne zu frage», wie da» Rädchen darunter leide. Je glücklicher er im Besitze seine» liebes Weibe» und seine» Kivde» sich fühlte, ie mehr erbarmte ibn die Laae der unalöcklichen
Deutsches Reich.
Berlin, 14. November.
O Die ReichStagSstichwahl in Mainz-Oppenheim hat mit einem Siege de» Centrum» geendet. Rach einer vorläufigen Feststellung hat der Centrum»- Kandidat Dr. Schmitt 10,296, sein Gegenkandidat der sozialdemokratische Dr. David 10,102 Stimmen erhalte». I» der Stadt Mainz hat der Sozial- demokrat 6634, der CrntrumSkandidat dagegen nnr 4124 Stimmen erhalten. (Bei der Hauptwahl am 5. November hatte der Sozialdemokrat rund 7300 Stimme», der Certtrurn»kandidat etwa 100 Stimmen weniger, der «ationalliberale Oberschulrath Soldau gegen 3000 und der antisemitische Geometer Wolf gegen 900 Stimmen erhalten.) Eine umgehende Würdigung de» Ergebniffe» der Stichwahl halte» wir «v» vor.
* In einer vom offiziösen Wolff'schen Telegraphen« Bmeou nach außerhalb verbreiteten Meldung über die Ansprache de» Kaisers bei der R ekrn t en Vereidigung findet sich abweichend von dem birher bekannt gewordenen Wortlaut die Wendung, die Rekruten trüge» jetzt den Rock de» König» und müßte» denselben mit Stolz tragen. Wer diesen Rock angreife, der greife de« König an. — In dieser Form dürste der Kaiser jenem Grdanke« wohl «icht Ausdruck gegeben haben.
* Der preußische Landtag wird nicht durch den Kaiser persönlich, sondern durch de« Fürsten Hohenlohe eröffnet werden.
* Da? Begnadigungsrecht wird in nächster Zeit im Reichstage wieder zu vorauSsichttich recht lebhaften Debatten Anlaß geben. Schon in der ftrifinnigry Interpellation über die Duelle wird darauf hingewieseu, daß dir von den Gerichten verhängten Strafen mehr- Iach durch Brgnadigungm nahezu aufgehoben worden eie«. Wenn nicht bei dieser Interpellation, so werde» »och beim Etat auch die regelmäßige« Begnadigunge« vo» Polizeibeamte», die sich Uebergriffe habe» zu Schulden komme» laffe«, seitens der Sozialdemokraten zur Sprache gebracht werden. Die,Nordd. Allg Ztg.' wollte jüngst der Bolksvrrtretu«g jede Befugniß abspreche«, sich i» diese Dinge zu mische«, da ei« Be- gnadigungSakt etwa» ganz andere» sei, al» ein gewöhnlicher RegierungSakt, und die Gegenzeichnung de» Ministers nicht» weiter bedeute, als die Beglaubigung der königlichen Uuterschrist. Außer bei den Leute«, die in gewiffev Formalitäten eine gewiffe KönigStreue zur Schau zu tragen pflege«, sonst aber, wenn ihr Interesse i» Frage kommt, dem Könige ihre« Willen autzuzwmge« bemüht find und gleich mit dem Erkalten ihre» monarchische» Gefühl» drohe«, fa«d die staat»- rechtliche Auseinandersetzung der ,Rordd. Allg. Ztg.' keine« Anklang. Im Reichstage wird eS ebenso sei».
Repka. Er gtteg mit sich zu Rathe, tote ihr zu helfen sei. Zuerst, daS war klar, mußte fie, zum Bewußtsein ihrer Pflicht erweckt, zu Gott zurückgesührt werde«. Döriug war, wenn auch ein wenig plmrp und beschränkt, doch ei» guter, braver Mensch. Ueberwand fie nur ihre sündhafte Seelenstimumng, so konnte fie sich gewiß a» seiner Sette zuftirden fühle». Vielleicht wäre ei« Besuch der Heimath chr förderlich, dachte er Md nahm sich vor, de»halb mit ihr zu spreche«.
Ma« wird für die auffälligen Begnadigunge» dr» 1 Minister verantwortlich machen, der die Akte unterzeichnet «ab damit nach der Verfassung die Berartt- won'ing übernimmt. Da sich für die Begnadigung vM Duellanten und Polizeibeamten, wie fie bei M» -Mich geworden ist, kein stichhaltiger Grund anführe« läßt, so wird Herr Schönstedt einigermaßen in Verlegenheit gerathe», zumal wenn man ihn nach der Begnadigung von Majestätsbeleidigungen fragt, die doch «ach seiner Versicherung i« weitem Umfange ein- trete« soll, vo» denen mav aber bisher nicht das Geringste gehört hat. Wir wolle« doch hoffen, daß er sich nicht hinter die Krone verkrieche« wird, statt l sich vor sie zu stelle«. Die «»sicht, daß ei« Bezna- digungSakt ein RegierungSatt deS Königs ist wie jeder andere, deffen Vornahme seinem Ermeffen überlaffm ist, und daß der Minister mit der Gegenzeichnung die Verantwortung ganz so wie für jede» ander« vo» ihm gegengezeichneten RegierungSakt des Königs übernimmt, wird auch von dem Halle'fche» Profeffor E. Loenina in der .Deutschen Jnristen-Zeitung' vertrete«.
* Gegen die Polm soll ein energisches umfassen- der Vorgehen der Behörden vorbereitet werde«. Die königliche Verfügung, welche die Abänderung der Farben der Provinz Pose« bestimmt, soll »ur den Anfang einer ganzen Reihe von VerwaltungSmaß- nahmen bezeichne«. Auch Staatsanwälte und Polizei- organe sollen bereit» angewiesen sein, sich noch aufmerksamer als bisher mit der Presse und drm Ber- einSleben der polnischen Kreise zu beschäftigen. Hingegen soll alles vermieden werden, wa» Konflikte zwischen der Staatsgewalt undder katholischen Geistlichkeit hervorzuruse« geeignet wäre. So meldet der »Berliner Lokal-Anzrigrr'. Der Schlußsatz ist wohl nur ein Beruhigungspulver für die durch diese Nachricht in Erregung kommende polnische Bevölkerung. — Es scheint, als ob gewiffe Hetzkreise meine», wir hätten noch nicht Sozialdemokraten und Unzufriedene genug im deutschen Reich, da man dmch Birbreitung solcher Angaben neue zu schaffe« sucht. Hinter der Polenhetze steckt übrige»» nicht» Andere» als Katholikenhetze, und zwar eine recht rüde. Wenn mm aut die Pole« meint und deren Sprache ausrotten will, weSbalb läßt mm dann die protestantischen Maiuren in Ruhe?
* In Sachen der St. LudWtgSktrche in Berlin erläßt der sürstbischöfliche Delegat und Propst bei St. Hedwig, Dr. Jahrrel, «euerding» folgenden Aufruf: „Katholiken Deutschlands! Euere zahlreichen Babe« haben er ermöglicht, daß dir St. Ludwig»-Kirche nu« beinahe fertig dastehi. E» wird fitzt das Dach eingedeckt und daS Gewö.be gemacht. Allem seit Wochen kann ich die eingehenden Rechnungen nicht mehr bezahlen. Wenn ihr liebe» deutschen Katholiken nicht weiter helft, dann muß der Bau eingestellt werden. Soll da» geschehen? Da» will doch gewiß niemand. Helfet, ich bitte dringend, nach Kräften, damit, wie beabsichtigt ist, die St. LudwigSkttche in der Osterzett
Erscheint täakich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Mennig. ®Wtnt oder de«» Raum 15 M . Reklamen die P-titzeile 25 Pf., be. Wiederholungen entsprechender Rabatt.
künftigen Jahres konsekrirt werde» km» als ein Bauwerk zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen, als ein Denkmal der Dankbarkeit deutscher Katholiken." — Gewiß wird e» «ur dieser ErinneeMg bedürfen, um die Gaben für den schöne« Zweck aus'» neue fließe« zu laffe«. Die Expedition der,Fuldaer Zeitung' ist gerne bereit, Gabe» entgegenzunehmen und Wetter zu befördern.
* Die Duellpflicht scheint »unmehr wenigsten» für die bayerischen O fiziere aufgehoben zu sein. Der ,Amb. VolkSztg.' wird nämlich geschrieben: „Bon allerhöchster Stelle ist in einem Spezialfalle, bei welchem ein Offizier vom Ehrengerichte, weil er sich prinzipiell al» Gegner des Duell» erllärte, zur Ent- laffung mit schlichtem Abschied beantragt wurde, dahin entschieden worden, daß dies Urcheil hinfällig und durchs»» kein Grund vorhanden sei, einen Osfizier, der einen solchen Standpunkt eimehme, zu entlaffen. Da» bayerische Krieg»ministerium hat io diesem Sinne eine Arndermg der bett. Ehrengerichts- Satzungen verfügt, und so ist den« der Weg angebahnt, daß Duelle in der bayerischen Armee allmählich zu den Seit en Heikes gehören werden." Diese Nachricht ist der,Germania' von gut unterrichteter Seite MS durchaus authentisch bezeichnet worden. Als erste» energischen Vorstoß gegen da» Duell begrüße» wir diese Entscheidung, sowie die in Gemäßheit derselben erfolgte» Schritte des bayerischen Krieg-Ministerium». Und da» preußische KriegSministrrium?--Wir wieder-
holen, daß ein einzige» Wort genügt, um dem Duellunwesen ein Ende zu machen.
* Dem Reichstage ist ein Gesetzentwurf betreffend die Aufuahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung der Reichrheere», der Marine und der ReichSeisenbahne« bis zum Betrage von 50,763,747 Ml. zur Bestreitung der einmalige« AnSgabc« dieser Berwattungen für dos EtM»jahr 1897/98 zugegange«.
ft Ueber die Erhöhung der Reichsbeamten, und OffizierSbesoldnngen find der ,Rordd. Allg. Zig.' zufolge die Vorbereitungen vollständig zum Abschluß gebracht. ES wird in einer dem Reichstag vorzu- legesden Denkschrift ein Pauschquantum gesordert und begründet werden. Warum hat mau aber, wenn die Borarbetten beendigt find, die betr. Summe «icht gleich in den Etat eingesetzt?
* Die Margariuevorlage soll «ach einer Angabe der »Post' auS der M.tte des Reichstags in der Form, wie fie im vorigen Winter durch den BundeSrath ringebracht war, als Antrag vorgelegt werden. Rach der ,D. Tgiztg.' ist dagegen bisher nur eine Interpellation über diese« Gegenstand gcplaM.
* I« de« provisorischen BörseuauSschutz find als Vertreter der Landwirthschaft berusen worden: die Abgg. Gamp (Rp.), Graf Kanitz (kons.), Graf Arnim (Rp), Graf Schwerin (kons.), Ring (konf.), ferner Oekonomierath «inkelmann (vom westfälische« Bauernverein) und Frhr. v. Soden, CentrumSmitglied im bayerische« Landtage.
die Zimmer, welche Albert bewohM hatte, zur Wetterbenutzung überlasse».
Er mußte natürlich sei» Schreiben m polmicher Sprache abfoffen und schllderte ziemlich kurz, daß Repka, die mit seinem Inspektor verheirathet, in be- denklichem Grade brustleidend sei und sich nach der Verzeihung der Mutter sehne; er forderte fie auf, ihr freundlich zu schreibe», die Vergangenheit so wenig wie möglich zu erwähnen und ihr für das Frühjahr einige Monate Aufnahme bei sich z» gestatte«. — Er ahnte nicht, was für Schlüsse Frau Brzyl au» dem Briefe zog. „ „ . ,
Al» Ripka wenige Wochen vor der zu ihrer Hmath mit Roman festgesetzten Zett den Vater verlor, kam der Entschluß, welcher bis dahin durch beste« energische« Willen niedergehalten worden, zur Ausführung: fie brach mit Roman. Die Mutter glaubte damals, e» geschähe, weil Adalbert wieder mit ihr angeknüpft habe. DaS Mädchen aber, schwankend zwischen der heißen Sehnsucht, daß e» so sei« möchte, mtb dem Gefühl des verletzte« Stolze», der verwundete« unb verschmähten Liebe, vermied jede deutliche Auskunft. Adalbert'» Adreffe wußte fi-. Rach lMgem, lnnern Kampfe schrieb fie an ihn, setzte ihm au»eiuMder, tote ihr Vater die Verlobung mit RomM ihr aufgedrängt, uab daß sie sich nicht im ©tmtbe fühle, ben Bräutigam zu