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Mittwoch, den 11. November 1896

23. Jahrgang

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mit Unterhalt«,lgs Keilagr „Sterne and Klnmen".

frfjphtf täqkich, Somr- nab Feiertage ausgenommen. — «ierteljährttcher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in AilSrn und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Narnwndzeile oder deren Raum 15 Pi., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechet« Rabatt

regel« in polenfrindlichem Sinne dürste doch jetzt gerade nach dem AnSgange de» Opaleuitzaer Prozesse- am wenigste» Beranlafsnng vorhanden sein.

Anstand.

* London, 10. Okt. Bei dem Lordmayor»- bankett in Gmldhall hielt Salisbury eine Rede, worin er bezüglich der türkischen Frage an-führte, England sei jetzt eiumüthig gegen ei« indirekter Lor- gehen, schließe sich deshalb dem europäischen Konzert an, die» sei das beste Mittel, Reformen herbeizaführen. Salisbury könne sich der Idee nicht anschließe«, daß England Territoriaibksitz anfgeben müsse, nm andere Mächte z« versöhnen. Salisbury hofft, daß der Drei­bund ferner in herzlichem Einvernehmen «it England zusammenhalte, bestreitet aber, daß zwischen England und dem Ausland ein AntagoniSmnS bestehe.

* Konstantinopel, 10. Rov. Nach hier vorliegen­de» Berichte« verlautet gerüchtweise, daß eS in de« Orte Everek bei Caesarea zu Unruhen gekommen sei, wobei gegen hundert Armenier von den Türken getödtet und zahlreiche armenische Häuser geplündert worden seien. Trotz ihrer Anstrengungen sei eS den Behörde» nicht gelungen den Gewaltthätig« leiten Einhalt zu thun. — Gegen einen Befehl deS GroßvezierS an den Wali von Kreta, welcher ver­fügt, daß die gegenwärtigen Gerichte bis zur Reorgani­sation der Gerichtshöfe »ach dem neuen Reglement in der bisherige« Weife fortzuwirken hätte«, habe« die Botschafter Verwahrung eingelegt und seine Rücknahme verlangt, indem fie darauf hinwiesen, daß eS zu den Obliegenheiten drS Wali gehöre, im Einvernehmen mit der Nationalversammlung solche Befehle zu erlaffen.

* Athen, 10. Rov. Die «acedouischr« Un­ruhe« beginne« auf» neue. Ein Trupp Aufständischer hatte uuter dem Führer LepckiotiS, welcher kürzlich nach Macedome« eingedruugen war, am Sonnabend drei Stunde« vo» der Grenze entfernt rin Gefecht. Die Schüffe wurden deutlich in einem griechischen Dorfe vernommen, dessen Bewohner sich aus die Höhen begaben, um der Entwickelung deS Kampfer z« folgen, Die Türken, wie die Aufständische« erlitte« ernste Verluste.__________________________________________________

K. Ans dem Reichstage.

120. Sitzung vom 10. Nov..

D« Reichstag, dem die Novelle zum Postdampsttgesetz, sowie die BunbeSrathSvorschristen betreff. Abänderungen ber Sonntagsruhe zugegangen sind, war in seiner ersten Sitzung nach ber Sommerpause nicht eben zahlreich besucht.

Präsident Frhr. v. Buol begrüßte bie Erschienenen mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Mitglieder des Hauses neu ge­kräftigt zu den bevorstehenden anstrengenden Arbeiten zurück­gekehrt seien und bald zahlreich« zur Stelle sein würden.

Auf d«Tagesordnung steht diezweUeLesung der Justiz- Vorlage (Abänderungen des Gerichtsverfassungsgesetzes und d« Strafprozeßorduung.)

Aba. Stadthagen (Soz,) begründet einen Antrag zu § 8 des GerrchtSverfaffungSgesetzeS: Der Paragraph solle danach eine

mDerBismarckjcheEnthüllungssetdzug wird vom Centrnm im Reichstage ivFsrm einer Jnterpellatio« zur Sprache gebracht werden. Graf Hompesch wird als Borfitzender der Fraktion die Interpellation begründen, und nach der zu erwartenden Antwort deS Reichskanzler- wird Dr. Lieber die Besprechung der Jnterpellatio» beantrage»,. Auf eise derartige Absicht der CentrumS haben die Blätter anderer Parteien theilweise bereits arrS verschiede»« Seuße- rnugen der CentramSpreffr geschloffen, mtb so zeigt sich deshalb bereits eine lebhafte Beunruhigung i« ge- wiffm Preßorganen, die in oirfat böse» Zeitläufte« sich zwischen ihrer BiSmarckvergöttrrung einerseits und ihrer Ergebenheit gegen die j'tzige Regierung anderer­seits nicht zurechtzufisde» wissen. Am posfirlichsten geberdet sich von diese» bemitleidenSwerthen Zwitter- Politikern die mischmaschliche »Post', dar Organ deS Herr« v. Stumm, drS Herrn v. Ratborff und anderer Führer ohne Soldaten. Sie jammert über dar „m der^ link-liberalen und klerikalen Preffe planmäßig ver­folgte Strebe«, die Preßkampagne der .Hamburger Nachrichten' als direkten Angriff auf die Person de- Kaisers hinzustellen" und deswegen „eine parlamm- ta-rische Demonstratiou im Reichstage unter Führung der Eeuttumk vorzubereiten. “ Deutlich «erräth sich dari» die Furcht, daß die politischen Folgen des Bis- marck'fche» Preßkrieger gegen des Kaiser — des« Niemand kann im Ernste leugnen wollen, daß dieser Kampf sich gegen den Kaiser selbst richtet — sehr wenig zur Freude derjenige« auSfalle« möchten, die den Fürsten Bismarck sich und dem deutschen Bolke I» einem Götzevbilde machen wollte», „dasselbe anzn- beten". Da» mittelparteiliche Blatt fürchtet insbeson­dere auch, da» ergibt sich au» seine» weitere« Sätze«, die nachträgliche scharfe Kritik de» Verhalten- jener Parteien, die am 23 März 1895 in ihrer Wuth über da» Mißlingen einer politischen Demonstratio» zu E«»fien de» nörgelnden „Altteich-kavzlrrS" so wüste Scenrn im Reichstage aufführten. Diese Kritik liegt na« zweiselloS schon in dem jetzige» Vorgehen BiS- marck'S selbst, aber diesem gegenüber vermochte man sich in der bismarckschwärmerische» Preffe immerhin »och mit Ach »nd Oh herauSzureden; im Reichstage dagegen würde» einige bedauernde Redensarten über die „JndiSkretioue»" der,Hamb Nachr.' und etliche Ausfälle anf die linttliberale und „kleritodemokratische" Preffe doch eine gar zu klägliche Rolle spiele», da wird ma» kaum umhin können, in der Streitsache Bismarck contra Kaiser Wilhelm H klar und unzweideutig Par­tei zu ergreifen und Farbe zu bekennen. Aber da» ist'» ja gerade, war die BiSmarckaubeter vom Kartell unseligen Angedenken» scheue».

Deutsches Reich.

Berli», 10. November.

* Der Kaiser hat dem Oberbürgermeister vo« Magdeburg ansage» laffe», daß er mit der Kaisers»

Glycera.

Novelle von H. Fred.

11] ------- (Nachdruck verboten.)

So also liegen die Dinge, dachte Adalbert bei sich, und er war, als fick ihm eine Last vom Herzen. Darum also hatte Repka nicht geschrieben, «nd darum bat Liebhaber ba draußen auf morgen vertröstet. „Wen« eS so steht, könnt Ihr duter Tochter sagen, sie brasche fich nicht z» beunruhige«. Ich wünsche nur ihr Bester und halte er für sehr möglich, baß sie ihre kindsiche Dankbarkeit für mich mißverstanden hat — unb ich eben auch. Ich gö»«e ihr vo» Herze», mit dem Gatte» glücklich zu werbe», unb will ihr zum Andenken unb zum Zeichen meiner herzliche» Zustim- mms hier meine Einrichtung in be» neuen Haursianb schenke«. Rach Tische komme ich hinüber unb sage ihr dar selbst. Grüßt sie schön von mir; ich freue mich wkrkich über ihr Glück." Daß er sich freute, lag so unverkennbar im Tone seiner Stimme, baß baS bebende Mäbcheu hinter ber Thüre brS Gewächshauses »ich daran zweifeln konnte.

Ihr einziger Trost lag in dem Gedanken, baß er sie „büS Erbe» ber Kinber" weg« aafgäbe; fie wollte eS ihm mm auch nicht schwer machen; fie wollte fich verlobe«, oh«e ihm zu zeigen, baß chr Herz bräche.

der Enthüllung der Kaiser Wilhelm-Denkmals in ber Stabt Magdeburg beiwohne« wolle, jrboch bie Fest­setzung brS Tages ber Sythüllungzfeier bis zum nächste« Sommer fich Vorbehalte. — Der Kaiser empfing hatte Bormittag bat k. k. österreichisch-ungarischen Botschafter von Szögyrvyi-Marich.

ft Der vuude-rath beschäftigte fich am DievStag I nochmals mit dem Entwurf beS Retch»hauShalt» für | 1897/98 unb zwar bildete zunächst ber Haushalt ber Kolonie« bat Gegenstand seiner Berathuugr«. Wie bie ,Post' melbet, wirb erst am Mittwoch ber Militäretat aus ber TageSorbnung stehe«, sobaß alle bisherige« Angaben über biesen wenigsten» ver­früht finb. (Die ,Rat.-Ztg.' behauptet allerdivg», baß der Bunde»rath bereit» am Dienitag den ganzen Rest der Etats erledigt habe.) I» unterrichteten Kreisen wird angenvWmen, daß der Etat, wen« nicht uner­wartete Schwierigkeiten eintreten, am Freitag oder spätestens am Sonnabend dem Reichstag zngehe» wird.

G Im Berlaufe der letzten Sitzungen der press tztsche« StaatSmiuisteriums find, wie einer parla­mentarische» Korrespondenz angeblich von gut unter­richteter Seite versichert wird, die Grundsätze für di« Behandlung der Frage der Erhöhung der Be- amteubesoldungen festgestellt worden. Die ge­plante Maßregel wird angeblich die hohen Beamten ganz ausschließ, t und sich im Wesentliche« auf die mittleren Beamten erstrecken. ES konnte die Höhr I der Summe noch nicht ermittelt werde«. Im Land­tage werden vom Fttanzminister die Gesetzentwürfe bett, die obligatorische StaatSschuldentilguvg und den AuSgleichSfondS ei-grbeacht werden.

ft Die Mittheilunge« verschiedener Blätter über deutsch-russische Lerha«rl«r.gru MpoMscher Natur find der ,Rordd. Sllg. Zig.' zufolge nur insofern be­gründet, als allerdings nächstens in Berlin eine deutsch- russische Kommission znsammentreten wird, nm die I Schwierigkeiten zu berathe« und zu begleiche«, die auf handelspolitischem und veterinärpolizettichem Gebiete entstauden find

O Der ,RrichS-Anz.' enthält eine kaiserliche Ver­fügung, der zufolge fortan als Farben der Provinz i Posen die Farben Wriß-Schwarz-Writz Zetten | sollen. Die bisherigen Farbe» waren weiß und roth, I ebenso wie die früheren Farbe« der Königreich- Pole». E- kann nicht Wunder nehme«, wenn auch auf pol­nischer Sette bei BereivSfesten und dergl. Fahne« in des weißrothen Proviuzialfarbm benutzt werden. Auf polenfeiudlicher Seite suchte man dagegen de« Glaube« zu erwecken, daß die Polen dabei nur as die Farbe ihre- ftühereu Königreich- dächten «nd mit ihrer An­wendung also eine Kundgebung zu Gunsten der Wieder­herstellung Polen» bezweckte». E» wurde deshalb eise Abänderung der Posener Provinzialfarbe» verlangt, eine Forderung, die nunmehr erfüllt worden ist. ! Hoffentlich bleibt es bei diesem eine« an sich ja nicht sehr großen Erfolge der Polenfeinde; zu wettern Maß-

„Verloben ja — zum Heirathru wrrd'S hoffentlich nicht kommen. Ich sterbe sicher vorher."

ThörichteS Kind! Sie wußte nicht, wie wenig sie vyrberettet war, vor ihre» Richter zu ttsten, sonst hätte fie sicher nicht den Tod hrrbeigewünscht. Als der Doktor fie wiedersah, befremdete ihn ihr Wesen; da» Kindliche, welche» sie in seinen Augen so anziehend gemacht hatte, war vollständig geschwunden. Sie nahm seine Glückwünsche mit einer forcirtm Heitrrkett ent­gegen und schien zugleich nervö» aufgeregt. Vielleicht wäre er dem wahren Grunde dieser Stimmung auf die Spur gekommen, wenn sei« Herz betheiligt gewesen. Aber wie r» war, empfand er uur doppelt, daß fie keine Lebensgefährtin für ihn gewesen sein würde und dantte Gott, der ihn und, wie er glaubte, auch fie vor dem Mißgriff bewahrt hatte.

Er schüttelte dem junge» Bräutigam herzlich die Hand «nd sagte ihm viel Lobendes über seine zukünftige Gattin, vo« der er fich scherzend rühmte, daß er fie ihm erzogen habe. „Richt wahr, Glycera?" Er war da» erstemal, daß er fie bei dem chr au» seinem Munde • so lieb gewordenen Namen nannte.

Alle» Blnt strömte ihr in'- Antlitz, al- fie er- i widerte: „Ja, Roman mnß dem Herr« Doktor dank- - bar für mich sei» —, daß ich geworden bi«, wa» ich

bin — vorausgesetzt, daß er nun seine Freude an mir hat."

„Und ob ich fie habe!" lachte Roma« and um- armte da» erglühende Mädchen ohne viele Umstände. Eine demüthigrnde Verwunderung regte fich in Weiß- kirch'S Inner», daß er jemals der Rivale diese» zwar braven, aber doch sehr wenig gebildete» Ranne» ge­wesen war.

So ging die Verlobung scheinbar zv All« Befrie­digung vorüber. Zu einer Unterredung unter vier Augen war er zwischen Adalbert unb Repka nicht ge­kommen. Sie schüttelten fich am letzten Tage, al» der Dokwr vo» seinen Wirchrlenten Äv-chied nahm, in Gegenwart der Familie die Hände, und Weißkirch schied mit dem Bewußtsein, daß nun ein treuer Theil seine» Leben» begänne — froh, daß er ohne GewiffevSbiffe alle», waS an die BergMgenhett erinnerte, hinter sich laffe« könnte.

V.

Schloß Wrißkirch prangte in festlichem Schmucke, um seine junge Herrin zu empfangen. Rar wenige Monate, nachdem Paula, die Abwesenheit des Senio- rath»herr« benutzend, mit ihrer wieder gesundeten Taute daS herrliche Schloß verlass:«, brachte Adalbert fie im Trimuphe zurück. Glücklich sah fie an», unendlich glück- lich, al» fie nm am Arme de» geliebten Gatte« die

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