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Dienstag, den 10. November 1896
23. Jahrgang
FuldilerWZkitlinß
mit KuterhaLKrngs-KeUage ..Sterne und Klnmen".
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ihrer Eltern Wünsche einverstanden sei, und ob ste ihm eine treue Hausfrau werde» wolle.
Repka war in einer schlimme« Lage. Ihr Stolz sträubte sich, .ihm die Wahrheit einfach zu gestehe«, und doch wtre die« das einzige Mittel gewesen, um ohne zu lügen eine befriedigende Aufklärung ihre« Verhallen zu geben. So schwieg ste, um unruhig ihre Hände bewegend.
„Repka, sagst Du mir fein einzige« Wörtchen? Dein Batet hat mich hoffe« laffen, daß morgen unsere Verlobung sei« wird. «Äst Du mir nicht sage«, ob Du eiuwÄigst, die «eive zu werden?"
„Frage mich «orge«, dann will ich Dir ont- Worten", stieß sie hervor; „aber jetzt laß mich gehen."
„Run, also 6t« morgen." Dabei legte er bat Arm um ihre Taille und versuchte, ste zu Äffen. Aber ste entschlüpfte ihm und eilte durch die lange Allee vorwärts. Einen Moment schaute er ihr «ft zärtliche« Blicken nach — dann murmelte er vor fich hin, wie er soeben zu ihr gesagt: „Also bis morgen."
Er schlag die entgegengesetzte Richtung nach de« Schlöffe zu ein and traf «it einem ihm freurdai jungen Mann znsammen, welcher aus der zwetteu, mit der von Roman ausgesuchten parallel laufenden Allee hervorlam. Au« dem Seaßer» desselben schloß
Deutsches Reich.
Berlin, 9. November. i=
* Der Kaiser ist gestern von der Jagd auS Ober-1 schlefie« zurückgekehrt. Zur Jagdstrecke wurden 1285 Stück Wild gebracht, wovon der Kaiser 548 Stück erlegte. — Der Kaiser hat für Ende November eine Einladung de« HauSmmister« v. Wedel zur Jagd «ach PieSdorf angenommen. — Der Hofprediger Dr. Frommel ist heute stütz nach 81/» Uhr in Plön, wo er al» RelrgiouSlchrer der beiden ältesten kaiserliche» Prinzen fungirte, gestorben. — Die Untersuchung de« Faller Peter« ist der .Post' zufolge «ach Bet- | »ehmuag einer Reihe von Zeugen in de« letzte« Tagen f jetzt soweit gefördert, daß die Eröffnung des Dtsz'plivar- \ Verfahren« in absehbarer Zeit zu erwarten steht.
tt Dem Magistrat vo« Berlin ist ein? Schreiben der Kaiserin zugrgangea, in welchem sie I ihren Dank für die Glückwünsche zum Geburtstage und ? wettet die zuversichtliche Hoffnung auSspricht, daß bet ; Magistrat, die Bürger, Frauen und Jungfrauen auch f fernerhin ihre Bestrebungen unterstütze« werde«, Kämest- \ lich da, wo es gift, dem Volke die Religio» z« r erhalten.
* Ei« Berliner Blatt hatte jüngst unzarte mtb J taktlose Ausführungen über da» „greisenhaft verfallene j Gehirn" de» Fürsten viSmarck gemacht. Darauf et- < widern die .Hamburger Rachrichten', Fürst Bismarck ; habe, al» ihm jene Au»lasiu«ge« unterbreitet wurden, | erklärt:
Solche Schreibereien beweisen nur, daß viele Leute mit | Ungeduld auf mein Ende warten und froh fein werden, ; wen» die „alte Raketenkiste" erst begraben und ein schicklicher j Kranz hingelegt worden ist. Deshalb wird jede Nachricht, daß es mit meiner Gesundheit schlechter ginge, mit großer Genug- J thuung verbreitet, unter Umständen auch erfunden.
„Mr glaube« nicht," bewerft dazu die,Boff. Ztg.', | „daß eS viele Leute gibt, die mit Ungeduld auf das j Eude des Fürsten Bismarck warte», wohl aber, daß ; auch die große Mehrheit seiner früheren politischen - Gegner ihm noch eine stattliche Reche vo« Lebensjahren \ wünscht, zugleich aber recht «freut wäre, wenn ste - nicht durch Quertreibereim in der Bismarckpreffe immer \ aus's neue genöthigt würde, in einm Federkrieg mtt i Friedrichsrnh einzutreten." — Ganz unsere Meinung, f
* Der Bureaudirrktor des Abgeordnetenhauses | Geh. Reg.-Rath Kleinschmidt, hat die Uebersichte« i über die Seschäftüthätigkeit de» Hauses der s Abg e ordn et en in der letzten Tagung zusammen- ■ gestellt. Diese find in der bisherigen Art angefertigt i und zerfallen in die Rednerliste, die Ueberficht über - dm StaatshauthaltSetat und die Hauptübersicht.
* Angesichts der Wahl eine» Sozialdemokraten im ? Reichstagswohlkreise Westhavelland spricht sogar die; offiziöse ,Rordd. Allg. Ztg.' die Erwartung au», l daß <8 wenigstens i« Mainz gelingen möge, die nicht- ? sozial-demokratischen Wähler auf den Centtums- ■ kaudidaten Schmitt zu vereinigen.
* Ein charakteristisches Stückchen finden wir in der (nicht katholische« und nicht anttsemttische«),Post': „Die Kurbelstickeri« Hedwig Klei« wurde von der Ehefrau des auf Reism abwesenden Mäntelfabrikanten Sally Cohn als Direktrice engagirt. Als der Chef bei seiner Rückkehr hörte, daß dir neue Leiterin seiner Werkstätte Katholikin sei, zwang er fie unter Aushändigung ihre» Monat»gehalteS zur sofortigm Aufgabe der Stellung. Die Klein, welche mit vierwöchentlicher Kündigung engagirt war, wurde wegen einer sechswöchentliche« LohueMschädig««g klagbar. Beklagter motivirte sei« Berhaltm damit, daß er eine prinzipielle Abneigung gegen christliche Angestellte habe, besonder» gegen Katholiken. Die Kammer verurtheilte ihn zur Zahlung." Ob Herr Sally Coh« auch wohl „eine prinzipielle Abneigung gegm christliche Käufer, besonder» gegen Katholiken" hat?
x Zur Frage der Sismbahnbautm in de» Kolonie» erklärt die ,Post' alle Nachrichten über eine Betheiligung de» Reich» an denselben für verfrüht. Insbesondere scheint e» ihr nicht gerade wlchrscheinlrch, daß von einer Betheiligung de» Reich» in Südwestafrika überhaupt jetzt schon gesprochen werden könne; die Vorarbeiten dürsten kaum so wett gefördert sein, daß schon jetzt das Rrichsschatzamt in eine Prüfung der Sache eintreten könne. Dagegen glaubt die .Post', daß die Frage der Betheiligung de» Reich« an dem Bahnbau in Ostafrika in absehbarer Zett festere Gestatt annehmm werde, ste bezweifelt aber, daß da« Reich bereit sein werde, eine Zins- gar an tie zu übernehmm; sollten Privatmittel nur unter der Bedingung zu haben sein, daß das Reich vom etften Tage an eine Ziusgarantte übernimmt, so werde da« Reich wohl vorziehen, selbst zu bauen, zumal e« die« auch billiger, al« das Privatkapital, thun könnte. Da» Ganze scheint danach doch noch recht nebelhaft und unsicher zu sein.
S Mtt dem .Vorwärts', insbesondere mit deffen Chefredakteur Liebknecht beschäftigte sich wieder einmal eine Berliner sozialdemokratische Versammlung. Und wieder wurde über bett Veteranen bet Partei in einer Weise hergezogen, baß bie» selbst a«f bett mtschiebenstm Gegner Liebknechts außerhalb ber Sozialdemokratie abstoßend wirken muß. Den ReichstagSabgeordneten Stadthagen, der zu vermitteln suchte und behauptete, der Parteitag habe dir Angriffe auf Liebknecht gewiß- billigt, entgegnete fein ReichStagSkollege Fischer in erregter «eise, da» sei falsch. Liebknecht sei überall beffer am Platze, al» in der Redaftioa des ,Vorwärt»'. Infolge der Di»ziplinlofigkett im Cmtralorga« komme nichts Bemünstige» durch die Redaktion zu Stande. Bei bett großen Summen, bie man für baS Blatt opfere, könne man allerbiag» Besseres verlangen. Bo« bet Pteßko«ferenz sei es sehr fraglich, ob sie Ambe- tungen in bet Redaktion des ,Vorwärts' vornehmen könne. — Gleichwohl wurde eine Resolution beschlossen, in welcher in der zunächst zusammentretenden Preß-
Glycera.
Novelle vo» H. Fred.
10] ------- (Nachdruck verboten.)
Das war nun freilich nicht nach Repka'r Wunsch; aber fie fügte fich darein und stagte nur, wo und wann der Vater ihn sprechen wolle.
„Sobald er angekommen ist; ich führe ihn selbst in seine Zimmer."
Nu« beschäftigte Repka fich die ganze Nacht damit, fich auszumale«, war der Vater wohl zu ihm sage«, mtb wo» Adalbert antworten würde. „Adalbert, mein Adalbert," flüsterte fie immer wieder, zärtlich, leiben- schastlich, bann wieder in banger Frage mtb in unnennbarer Sehnsucht. Al» bei Morgen kam, war fie in fieberhafter Erwartung. Eine unnatürliche Farbe war über ihr Gesicht auSgegoflm; ihre Augen glänzten und glitzerten wie noch sie. Sie stavb bett halben Morgen vor bem Spiegel: Da» Banb um bea Hal», die Aster im Haar wurde immer wieder geändert, bi» fie mit triumphireudern Lächeln ihr wirftich reizende» Bild betrachtete. Run hiug fie den Strohhut über beit Arm.uud ging in bes Garten.
Sie hatte bem Vater versprochen, ihn zuerst rebett zu laffen —1 aber wenn Adalbert fie vorher sab, war da» gewiß kein Unrecht. Sie wollte unter dm Kastavim
fitzen; da mußte der Wagen nahe vorüber, so daß Wikßktrch fie genau sehrn konnte. Ehe er hielt, und der Doftor ausstieg, war ohne Zweifel der Bit et schon au seiner Sette; dann wollte fie langsam folge?, um vom Gewächshaus aus Zeuge de» Gespräch» zu toerben.
Während fie so daiaß, kam Roma« mit der Büchse über dm Schultern dahergeschlendert. Ueberrascht , blieb er stehe«; so reizend hatte er ferne Zukünftige noch nie gesehen. Er faßte mit einem herzlichen „Grüß Gott" ihre Hand und schaute bewundernd ttt ihr erglühende» Antlitz. Rach de« Hoffnungen, die der Vater ihm hmte früh gemacht, konnte Repka ihm ihre Rechte nicht entziehen. Aber die Idee, daß Wrißkirch, der nun jeden Augenblick lammen konnte, fie in so vertraulicher Stellung mit einem andern Manne finden könne, trieb ihr da» Blut heiß zum Herzm. Sie gab lieber ihrm Posten auf, indem fie die Buchen-Ällee auffuchie, die noch dicht belaubt wat, und in der fie nicht leicht gesehen »erben konnte. „Wit wollen ausstehen; e» ist hier so schwül", sagte fie, fich erhebmb.
Roman hielt da» für ein günstige» Zeichen; er folgte ihr freudig, und al» sie in einem der lauschigen Gänge augelangt waren, ließe« fie fich auf eine Vank nieder und er begann in herzlicher, nach und nach etwas lebhafter, zärtlicher Sprache von feinen Hoffnungen zu reden. Er fragte, ob fie «it seiner Mutter und
kouferenz geeignete Maßregeln zur Berbeffetung des .Vorwärts' erwartet werde« und erhofft wird, daß die Konferenz für Durchführung dieser Beschlüsie Sorge trägt. Interessant ist auch, daß die Preßkonfetenz in AÄetracht der vielfachm Klagen über de« .Vorwärts' einen langen Aufruf an die Parteigenoffen veröffentlicht hat, in welchem diese dringend ersucht werden, ihre Beschwerden in Bezug auf den .Vorwärts' nicht in die Oeffentlichkeit zu bringen. — Das läßt, wie „Genoffe" Sabot sage« würde, tief blicken!
* Das Staat»mi«isteriuui hat sich «it Rücksicht auf die Lage der inländischen Landwitthschast damit eiuverstande« erklärt, daß die für die Zett vom 1. März 1895 bis zum 1. Mai 1897 gewährte zwauzigprozmtige Tarisermätzigung für Düngemittel aus weitere 5 Jahre bewilligt werde. Bezüglich der näheren Bedingungen darf auf die in nächster Zett zu erwartenden öffentliche« Bekanntmachungen der Königl. Eisenbahn-Direktioneu verwiesen werden.
Ausland.
• Loudon, 9. Rov. Die Königin von England kehrt am nächsten Sonnabend mit ihrem Hofstaat von Schottland nach Windsor zurück. Sie erwartet aegeuwättig den Besuch der Kaiserin Friedrich.
• Madrid, 9. Rov. Einer Meldung au» Manila zufolge sind 4 TxpeditionS-Kolonnen in der Provinz Cavite gelandet mtb haben bie Operationen gegen bie Aufständischen begonnen.
* Rew-Aork, 8. Rov. Ueber bas Verfahren bei ber Präsibentenwahl sei solgenbes Nähere mttgethellt. Die Präfidentenwah! ist keine birekte, sondern zunächst wähtt jeder Staat eine Anzahl von „Elek toten", und zwar in jedem Staate so viel, al» er Betitelet im Senat und im Abgeordnetenhause de» BunbeSkongreffe» besitzt. Diese Berttetung besteht für jede« Staat aus zwei Senatoren, währenb bie Zahl ber Abgeorbneten fich nach ber Einwohnerzahl jede» Staate» richtet. Auf je 175000 Einwohner entfällt ein Abgeordneter und demnach bei der am 3. November vorgenommenen Urwahl ein Wahlmann. Dabei find die stark bevölkerten Oststaaten gegen dm schwächer befiedeltm Westen mtb Süden stark im Bottheil. Die Wahlmänner eine» jeden Staate» komme« am ersten Mittwoch de» Dezember in der politischen Hauptstadt ihre» Staates zusammm, um ihre Sttmmen für ben vo« ihnen bevorzugten Präsidentschaftskandidaten abzugeben. Da« Ergebniß ihrer Wahl wird von den Staatsbehördm beglaubigt, worauf die Alle» «ach der Bundeshauptstadt Washington geschickt »erben, wo am zweiten Mittwoch beS Februar vor dem versammelten Kongreß ihre Eröffnung mtb bie Zählung ber von bem Wahlmännern abgegebenen Stimmen erfolgt. Zur Wahl ist bie absolute Mehrheit erforderlich. JnSgesammt waren diesmal 447 Wahlmänner zu wählm, da fett 1892 da» bisherige Territorium Utah zum Staate avanciti ist mtb brei Wahlmänner