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Samstag, Den 7. November 1896.
23. Jahrgang
FuldilttWZkitunß
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Förstemarm, Altdeutsche» Namenbuch, 2. Bö ,
S. 340 bemerkt zu de« ix O tße-ame» sich findenden
genommen sei.
Hören wir «au zuerst, wa» Daniel über jenen Landstrich und seine Berge sagt. Er bezeichnet da» Eichrseld al» ein Muschelkalkplateau and schildert dar ObereichSseld als ein rauhe-, öde» Land, dessen Ober-
und Pochpard geschrieben wurde. Daniel nennt Boppard „etue Bergftadt". Die deutschen S«S- drückr Bot, Bozo, Boch u. s. w. find auch in ar dere Sprachen übergegangm. Englisch Boas, altengli'ch boche, altsraxzöfiich böse, boche, italienisch bozza bedeuten Buckel, Bcnle; französisch butte h-ißt aufgeworfener Erdhaufe; vergl. Diez, Etymolog. Wörterbuch der i omanischen Ep achen, S. 62
Will mau de« Namen Melibr crm oder Melibotam ein Höhere» Alter vindiciren und seine Entstehung eine« vordentscheu Sollt z'-schreiben, so vergleiche man Fick, Urkrltischr», S. 204: mael — kahl, stumpf. Fick, Sergleickendt» Wörterbuch der tudogrrmavi'cheu Sprachen, 2. Band, S 434: ltthaaisch melaa, Eypr, G. 630: slavifch mein, Stall, Streib?; außrrdem Diefmbach, Celtica I., S 173: Bot et Bod veteri lingua Gallioa et Liguatica altitu dinem aigni- ficat. Dasselbe Wore fi oct sich im Spätlatetnischen, wo bodonea und botonea Erhöhungen, Raine, Greazm zwischen jr zwei A ckern beb ulet.
Diese Uittersachunzen scheinen sür Melibotom die Bedeutung zu ergeben: Weißelied-', jkalkrück-u, Kahlenberg, Kahlenbühl. Aehuliche Namen kommen nicht letten vor. So liegt z. B. auf der Ostseite deS Meißners eia Weißmsteiu und die Calwe(Sch>), bei Wannfried die Bleffe.
Zur Etymologie geographischer Namen
Nochmals der MelibokuS.
parallel, von Rordweste» »ach Südosten, bald io dammartigrr Geschlossenheit, bald in lockerer Ber- bindung." Dar Muschelkalkplateaa de» Eichsfelder wird dmch die Kette deS Dün in zweitzaupt- theile getrennt: dar obere und dar untere Eichrfeld.
Einen weiteren Grund zur Stütze «einer Anficht glaube ich au» der Bedeutung deS Wortes MelibokuS entnehmen zu könne«. Man wird gewiß nicht fehl gehen, wenn man vermnthet, daß die Benennung der Grenzhöhe von einer in die Augen fallenden Eigenschaft derselbe«, von der Farbe oder von der Form oder von der Bodenbeschaffenhrit und dergleichen Her-
Worte Bat, Box, Bux: „Fast schei t die Bedeutung von Berg am beste« hierher zu pafieu, mau vergl. . _ , r ... z. B. srcwzöfisch bout Ende, Ep tz:." E» möge auch
mänS den Harz al» die Grmzsche de angesehen habe, hinsewiesen werden auf den OitSxameu Boppard, abgeherr mlsim. w lcher früher Bodbard, Botbard m,d auch Bochbard
Gibt k» denn eine andere Höhe, welche mit mehr Wahrscheinlichkeit für den Mettboku» gehalt-n werde« kann? E» mag hier bemerkt Verde», daß der Meli-
bokn» nicht als Berg von PtolemäaS angesehen wird, sonder« al» laugg streckeer Höheszvg, da er ihm eine (roße AnSdehvULg vos Westen »ach Osten, vom 33.
iS 37. Grade gcht.
Ich glaube, daß der berühmte MelibokuS südlich vom Harz liegt und von der «vieren Werra durch da» Eichrfeld sich hivzicht. . Die Gründe fit diese Meinung find folgende:
Durch da» E-chSfeld geht die uralte Grenze zwischen Oberdeutsch und Niederdeutsch. Sem HMscheo Habicht»- Walde geht, wie Daniel, Haudduch der Geographie, 3. Therl, S. 64 angäbt, „die Scheide durch da» Eichrfeld, wo Herligenstadt hochdeutsch, Duderstadt plattdeutsch spricht." Diese Sprachevscheide ist die alte Sölkerscheidr; im 5. Jahrhundert war sie d e Grerz; zwischen Thäringern und Sachsen; noch früher trennte sie Hermunduren und Sachsen. E» spricht alle» da- 1 für, daß diese Gceozscheide uralt ist und schon zu der ' Zett bestand, wo Ptoleuräa» sein Werk schrieb. Die durch oa» Eichrfeld hinlaufenden Höhenzüze haben die Form und Achtung von Grenzschrtden. E» laufen, wie eS bei Daniel, o. a. O. S. 412 heißt, „fünf Höhenzüge, sich und dm beibin Grenzgkvirge«
In Rr. 282 der ,Fuld. Ztg.' vom 7. Dezember 1895 war au»geführt worden, daß der Malchenberg im Odenwalde unmöglich der von dem griechischen Geographen Ptolemäu» im zweiten Jahrhundert genannte MelibrkuS sein könne, da letzterer als Grenzscheide zwischen den EheruSkern und Chamaven einerseits und den Chatten andererseits bezeichnet wird und deshalb nicht südlich, sonder« nördlich, oder nordöstlich von ben Chatten gesucht werde« mu&. Die betreff «den Worte der Ptole- mäus lauten: KakovxwvgS exazeoa zov "Akßiog ObereichSfeld al» ein rauhkS, öde» Land, drffeu Ober-
nozafxov, wp ovg XaiQovaxol xal Ka/navol ueyqi % stiche mit Muschelkalkbrocken übersäet sei Einzelne toi Mrfaßöxov oqovs,.....vm di zoi>s Kauavovg | Höhenzüge find kahle, schroffe Ruschelkalkberge, mit
Xazzai usw. — 21/» Breitegrade südlich tom Mellboka» i Steilrändern und Felrhöhrn, andere, wie der Hainich liegen auf der Karte deS PtvlemSuS za Zoifyta oOT i und die Hageleitr find bewaldet, der von Duderstadt und »nterhalb derfelben 17 ra^za ikr, an der Roro- j bi» zur Quelle der Helme fich au»dehne«de Rücke« feite der Marcomannes, welche fett dem 1. Jahrhundert f bis ausgezeichnetste Erhebung deS Gaszeu, da» im heutigen Böhmen wohnten. Aus diesen Angabe । Kyffhäusergebirg-, dessen GypSfonnation am Südhange glaubte man schließen zu dürfen, daß Ptolemäu» mit | die Höhe« einem Mrniaturbilde der schneebedeckten dem MelibokuS da» Harzgebirge grmeint habe. Dieser i A p-'« ähnlich macht.
Anficht ist Zenß, Die Demschm nvd die Nachbarstämme, Sache« w»r nun da» Wort Melibokn, z« deute«. S. 11; «iep-rt, L-hrbnch der alten Geographie, S 536; «enau genommen heißt e, nicht Melibokn», sondern Egli, Nomina geographica, S. 595; Holz, Betträge - da» Meliboknm, da bei Ptolemäu» jene G-enzschride zur deutschen Atterthum-kunde, S. 36; C Müller in ™ M^klßoxox genannt wird. Welcher Sprache ge- seiner AuSzabe der Claudii Ptolemaei Geographia, hört Vieser Name an? Ich glaube, daß er sich unge- S. 253. Aber auch mtt dieser Bestimmung der Lage zwungen an» dem Deutschen erkLäre« läßt. Die Schreib- der Melibokn» scheint ma« «och nicht ganz da» R chtige weise variirt in den Handschnste«; e» kommt getroffen zu haben. Denn wenn der Harz die Grenze Mykißoxov, aber auch Mektßoxov und Miklßoxov vor. bildete zwischen be« Chamaven und Chatten, so mfiffen Der erste Thril de» Ramm» scheint da» nämliche die Wohnsitze der Letzteren bis an dieses Gebirge ge- Wort zu sein, welche» in dem »orte Mehlthau, alt- reicht haben. ES findet fich aber bei den alten Schrift- £ hochdeutsch Militau, angelsächsisch Meledeaw enhalten stellern nirgends eue Andeutung, daß da» Gebiet der ? »st. Kluge, Etymolog. Wörterbuch der deutsche« Cha ten so weit fich erstreckt habe, dagegen wird mehr- l Sprache, defimn Mehlthau ol« „gräulich weißer, fach garz bestimmt angegeben, daß die C ernSker bi» 5 mehlähnlicher Ueberzug auf Pflwzm." Man denke zur obere» Weser, ja noch auf dem ln ken Ufer der - an die Au-drücke: Mehlbaum, Rehlbirne, Mchldor». Weser gewohnt habe«. Diese Schw.erigkiit wad auch Zrr E- klärung bei zweiten Bestavdtheile» der von Holz, Beiträge z«r deutsche» Alterchnmtkunde, Ram-r-s Mrjklßoxov verhilft ns» die Wahrnehmung, S. 36, gewürdigt, wo er sagt: .Freilich muß dann daß eine lateunsche Urbertraouuq der Schrift deS (wenn man den Harz für da» Grenrgebirge HM) da» PiolemäuS jenen Name« mit Melibotom wiedergibt; chattifche Land in der Zeit, der de» Ptolemäu» Quelle bocum und botum a lt also ai» gleichbedeutend. Bot entstammt, weiter östlich, al» mau g-nöhnlch anuimmt, schernt deshalb da» Wort zu fein, welche» nach der gereicht und eine» bettächüichm Th-tl des heutigen LautuutirschiebuLg bozo, Baße, Butz: lautet und die Thüringer» mit umfaßt haben-; wen» er dai-n aber Bedeutung: Klumpen, Masse, Haufen hat. Sergi hiuzufügt: „Die» läßt fich indeß sehr wohl wahrschein- Schneller, Bayerische» Wörterbuch; Silmar, Idiotikon; lich machen," so konrte man erwarten, daß er doch Schade, Althochdeutsche» Wörterbuch.
etwa» zur Begründung seiner Ar ficht Vorbringen werde; wa» er ober in einer Anmerkung auf S. 74 sagt, daS fiqd ledig! ch Bermmhungen. E» schernt demnach unmöglich zu st in, die Schwiwiglrit zu beseitigen, und man wird von der Meinung, daß P.ole- '
Eine Handschrift de» Ptolemäu» hat statt MrjMßoxov Alßoxov. Ai scheint das neuhochdeutsche Sei, Leie z« fein, welcher nach Kluge Fel», Stein bedeutet und scheint gleiche« Stamme» zu fei« mit griechisch tig — kahl, und lateinisch Mob — glatt, kahl. Si-lleicht ist da» Wort Bühl — Hügel abgeleitet aus Boc, wofür Buhe vorkommt i« Buhcbard — Boppard.
Wir finde«, daß durch alle diese Benenunugen der zwifchm Ober- nnd Untereich»feld hinziehende Höhen- zug und daS ganze ObereichSfeld recht zutreffend charatterifirt wird. Da einzelne dieser Höhe» bis an die Werra und bi» in da» ehemals chattrsche Gebiet fich erstrecken, so ist e» gar nicht unwahrscheinlich, daß Ptolemäu» fie gemeint hat, als er die Grenze zwischen Chatten und Chamaven MrßÄßoxw nannte.
Hofbieber.
Noll? W
Glycera.
Novelle von H. Fred.
8] ------- (Nachdruck verboten.)
Paula betrachtete firmend ihren Begleiter. War dies nicht ein edles Gefühl bei ihm? Würde er versuchen, etwa» an ben Statuten zu Subern, um dieser Auffassung Geltung zu verschaffen? „Sie vergeffe« nur", erwiderte fie, „daß die Töchter auch auf ben Gütern, bie nicht Seuiorat oder Majorat find, in ben seltenste« Fällen ihre Heirnath behalten. Wen« fie dem Gatte« folgen, führt dieser fie doch meistens in ein anderes Heim."
„Dann ist es ihre freie Wahl, und fwenn fie nicht heirathen wollen, vertreibt fie Niemand an» der Heirnath."
„Haben Sie Schwestern?"
„Rein, ich spreche nicht pro domo."
„Sind Sie denn sonst so viel mit Frauen in Berührung gekommen, daß eine so lebhafte Theilnahme für unser Geschlecht in Ihne« lebt?"
„Durch meinen Beruf natürlich. Aber geselligen Brrkehr kannte ich in dem kleinen Landstädtchen, in dem ich lebte, überhaupt nicht. Wen« etwa» dazu an« gethan gewesen wäre, die mir von Natur innewohnende Berehrung für da» Geschlecht, an» dem Gott fich seine Mutter erwählt, zu mindern, so hätten die „Honoratiorentöchter" dort da» gewiß zu Stande gebracht. Aber ich bin ein wenig Idealist. Wo da» wirkliche Leben nicht dazu angethan ist, meiner Seele Ideale zu zeigen, schließe ich sür die Gegenwart bie Augen uub zehre von ben in meinem Innern lebende» Gestalten."
Jetzt schloß er aber nicht bie Angen, sondern ließ den Blick voll und frei auf feine Nachbarin ruhen; ihm selbst nur halb bewußt, lag in diesem Slick etwa», wa» deutlich seine Bewunderung verrieth. Arme Glycera!
„Wir find von meiner Frage abgekommen. Wann denk« Sie, darf «eine Tante reisen?"
„Bald jedenfall» noch nicht, gnädiger Fräulein. Da ich aber einige nothweudige Geschäfte in meiner frühere« Heirnach zu ordnen habe, ehe ich mich hier mit Ruhe «ieberlaffen kann, kann ich selbst nicht so lange hier bleiben, nm Ihnen die Erlanbniß zur Abreise zu ertheilest. Ich hoffe jedoch, Sie Werden meine Rückkehr abwartm; wir sprechen bann weiter da- rübrr. Sollten bringenbe Grünbe Sie zwingen, früher zu gehen, fo müssen Sie ihren HanSarzt zu Rathe ziehen."
Wenige Tage nach dieser Unterhaltung war Adalbert auf bet Rückreise.
IV.
Al» Brzyl ben Brief von Doktor v. Weißkirch empfing, begab er fich nach TomiSzel, nm fein Töchterchen zu holen. Seine Frau wie er selbst hatten Nrpka recht vermißt. Er sagte sich, baß mm kein Grrmb mehr vorhanben sei, Repka von bem Manne zu trenne», ben nur ein kurzer geschäftlicher Besuch noch zu ihnen zurückführen würbe. Zubern wünschte er, baß Roman Selegenhett sänbe, bie ihm von seiner Mutter bestimmte Braut leone« zn lernen, ehe bie Hochzeit vor fich ginge.
„Nun, Nepka, ich nehme Dich mit nach Hause," begrüßte er bie Kleine. „Aber Du stehst ja blaß au», Mädel. Die Luft bei uv» ist wohl gesünder?"
„DaS Mädel hat Heimweh", sagte Fran Jenczik, „fie weint ben halbe« Tag."