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Freitag, dm 6. November 1886.
23. Jahrgang
FuIdaerWZcitung
mit Unterhaltungs-Keilage «Sterne und Klnmen«.
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rt Die Präsidentschaftswahlen in der nordamerikanischen Union
sicher» dem republikanischen Bewerber Mac Kinley eine große Mehrheit; düs darf als feststehend berrachter werden, wenn auch abschließende Zahle« über da» Er- gebniß der Wahlmännerwahlen in mehrere» Staaten noch anrstehe«. Der Wchlkampf hatte bekanntlich die Frage zu eutschrideu, ob Amerika zur Silberwährung und fteie» Silberprägung übergehen würde, ohne eine Einigung mit Europa in der Währunggftage abzuwarte«, oder nicht; der demokratische Bewerber Bryan hatte sich ja förmlich auf jene» Silbe,Programm verpflichtet. Die Entscheiduvg ist also nun mit überraschend großer Mehrheit zu Unguusten bei Silberi gefallen, und die Prrsie der einseitigen Goldwährung», männer aller Länder jubelt über diesei Srgebniß. Mac Kinliy gilt zwar auch als Bimetall ist, aber ali einer von denjenigen Bimetallisten, die ohne eine internationale Regelung der Währungiftage de» Urber- gang zur Doppelwährung für unmöglich halte«. Bon einer solchen international« Regelung der Währungs- frage im bimrtalllstischen Sinne find wir aber weiter als jema'S entfernt. Bor Mac Kinley brauchen sich also die Anhänger der Goldwährung nicht zu fürchten — daher ihr Frohlcckm über seinen Sieg.
Wir selbst wissen uni von jedem Fanatismus für die Goldwährung frei, wir bewachten die ganze Wäh- ruvgSfrage durchaus nüchtern unter dem Gesichtspunkte der praktischen Nützlichkeit und Durchführbarkeit. Die Rachtheile, welche die herrschende Goldwährung für weite Erwerbikreise, besonders auch die Lendsirthschast, in den Soldwährungsländer» mit sich -ringt, find nicht eine Folge der Goldwährung an fich, Sondern nm des Unterschiede» der Währung in >e» verschiedenen Ländern. Die Länder, welche mit schlechterer Metallwchmng — das ist die Silberwäh- ruag in Folge der Entwerthung des Silbers zweifellos — oder gar mit Papierwährung bezahle», find dadurch auf dem Weltmartte gegenüber der Produktion der Goldwährnngständer im Bortheil. Gleichwohl aber kann kein einzelnes GoldwährungSland zur Silber- oder auch Doppelwährung überg-hm, ohne die bedenklichsten Folgen für seinen Bolkswohlstand und seine Finanzen za riskiren. Sehr zu wünschen wäre e» dag-gm, wenn alle auf demWeltmartte bedeutungsvollen Länder fich über bestimmte, allgemein gütige Währung verständigtes; doch das ist em Ideal, ei» schöner Traum, an dessen Verwirklichung in absehbarer Zeit wir nicht zu glauben verwöge».
Für Emopa, namentlich auch für Deutschland wäre ein Sieg der Silbersache in Amerika jedevfalls sehr »achtheilig gewesen, da die Amerikaner die vov Goldwährungsländera bezogene« Waaren i» Folge der Verminderung der Weither ihrer Gelder theurer hätte« bezahle» müfieu, als birher, während der Preis für die im amerikanischen Jnlandr bezogenen Waaren, zunächst wenigsten», nicht wesentlich gestiegen wäre;
Mycera.
Rovrlle von H. Fred.
7] ------- (Nachdruck Verbotes.)
Au die Abreise war für heute uicht mehr zu beulen, und sie ertheilt« demgemäß ihre Befehle, sobald sie anlaugten. Mit Hilfe der Jungfer brachte fie die Leidende zu Bette. Gleich darauf erschien Weißkirch, und seine Untersuchung stellte fest, daß da» Schulterblatt auigehoben und eine R ppe gebrochen sei. Da» rasche Eimichte» der Schulter ehe die Geschwulst stieg, war die Hauptsache und wurde mit Hilfe Paula'» und zweier älterer Diener schnell und püntt- lich besorgt.
„Ran vor allm Dingen Ruhe und kühlende Umschläge. Haben Sie eine geeignete Pfl.'grrin zm Hand, gnädige» Fräulein?"
„Ich denke, er wird meiner Tante am liebste» sei», wenn ich selbst bei ihr bleibe. Ich habe da» Wache» am Krankenbette meiner Liter» gelernt."
„So habe ich wohl die Ehre, Fräulein v. Weiß- kirch vor mir zu sehe«? . . . Darf ich mich Ihnen als Letter vorstellen, und wollen Sie mir gestatten, heute Abend Sie bei der Krankenpflge abzulösen? Ich hatte e» für wahrscheinlich, daß dcS Fieber diese Rächt ziemlich hefttg austreten wird, und möchte den
dadurch wäre die amerikanische Industrie gestärtt worden auf Kosten der Einfuhr aur Europa, speziell auch aus Deutschland. Und die deutsche Ausfuhr »ach Amerika darf nicht gering angeschlagen werde»; betrog ihr Werth doch im vergangenen Jahre nicht weniger al» 368,7 Millioven Mark.
Aber zum Jubel über die Niederlage der Silber- männer ist trotzdem wenig Anlaß, den» der Sieger Mac Kinley bedeutet al» fanatischer Hochschutzzöllner auch nichts Gute» für die deutsche Industrie; und wen» auch die ohnehin schon sehr hohen amerikanischen Zölle kaum «och wesentlich höh-r geschraubt werde« können, so ist doch sicher, daß Amerika nach wie vor kein Mittel unversucht lassen wird, um die europäische Einfuhr seinem heimischen Markte möglichst fern zu halte». Zu verdenken ist es den Amerikanern ja auch nicht; „denn jeder ist fich selbst der Nächste." Unsere Industrie möge fich also vorsehen und chrrrseit» Alles thu«, um fich den ameri- karnsch« Markt zu erhalten. Unserer Land wirth- schäft aber könne« wir augefichts der Niederlage deS Silber» is Amerika mit der,Post', die doch nahe Beziehungen zu dem Bimetallistenführer v. Kardorff hat, nur den Rath gebe», für lange Z st den Bedanken an Abänderung unserer Goldwährung fahren zu lasten und, da zuzleich auch da» anders „große Mittel", der Antrag Kanitz, für immer abgetha« ist, sich nur «och auf die zahlreichen Einzelmittel, die man zum Theil mit Unrecht „kleine" nennt, and namentlich auch auf die vollste Ausnutzung der genoffenschaftlicheu Selbsthilfe zu verkäste». Dan» würde fie die gegenwärtige Krifi» mit Gottes Hilfe schon über- winden.
* Der Opalenitzaer Prozeß reizt unsere Hakatifl« merkwürdig wenig zu Betrachtungen und Dettamattonen über den „polnischen Fanatismus". Al» der Aufruhr stattfavd, waren fie sofort darüber einig, daß die Schuld nur bei den Polen liege; am liebsten hätte man dm Erzbischof selbst verantwortlich gemacht. Jetzt wollen die Haka- tisten von dem „Aufruhr" nichts mehr hörm; da die Blamage aber doch zu groß ist, als daß sie ganz schweigen könnten, so werf« fie fich mst vereinten Kräften auf die Beamtenfrage. Herr v. Carnap, diese seltsame Stütze des Deutschthumi und der staatlichen Autorität, hat ihnen doch Zweifel erweckt, ob bei der Auswahl der Beamten für die polnischen Landes! heile immer richtig verfahrm werde. Bisher find ihnen solche Zweifel nie gekommen, obschon Leute, die fich so eir gehend mit dem „Kampfe um die Ostmarken" beschäftige« und zahl- und endlose Zeitungsartikel darüber schreiben, doch auch einigermaßen hätten w ff« sollen, ob die nach Polen gesandtm Beamten fich immer als Vorkämpfer der Deutschthum» empfehlen.
Sollte Herr v. Carnap eine vereinzelte Erscheinung sein? Dann bedarf e» doch der allgemeinen Betrachtung« über die Auswahl der Beamten nicht.
Verlauf überwache» .... Ich mache mir Vorwürfe, daß ich nicht früher die lebhaften. Thiere in meine eigene Zucht genommen habe; dann wäre das Unglück wohl v-rmirden worden."
Paula war bis jetzt fo sehr von dem Unfall der Tante in Anspruch genommen worden, daß fie noch nicht Zeit gehabt, darüber nachzudeuken, was den fremden Arzt gerade im richtige» Augenblicke zur Sielle gebracht haben könnte.
Zsm Empfange des Herrn v. Weißkirch hatte der Ober-Inspektor fich heute Abend nach Rachod, der nächsten Bahnstation, begebe« wollen. Daß Adalbert schon gestern Abend dort eivgetrrffen war und daher mst einem Riethrwagen die Fahr» hatte unternehme» wüsten, wnßte sie nicht. Jnspettor Koro hatte erst während ihrer Spazierganges die Nachricht erhalten.
So sah fie fich unerwartet dem neuen Besitzer gegenüber, dem sie hatte «!fl«hen wollen. Aber ihre Sch-u war durch das Erergmß, da» ihre Bekanntschaft herbeigeföhrt, verschwunden, fast vergestr«, und sie nahm mit Dank seine Hilfe für die theuere Kranke entgegen.
Für jetzt empfahl er sich, um die Kleidung zu wechsel« und die inzwischen versammelte Dienerschaft zu begrüße». Nachdem er die vothwerdigstro Geschäfte erledigt, setzte er fich hin um dem Gärtner Brzyl zu
Ist er aber keine vereinzelte Erscheinung, Sa m wäre eS doch sonderbar, wenn die Hakattstm bisher nichts von der eigenartigen Methode zur Empfehlung des Deutschthumi gemertt hätte». Wir müßte» den» an- nehmen, daß fie ihre Freude an Schneidigkeieen 4 la Carnap gehabt hätten »nd nm jetzt redeten, weil ein Skandal entstanden sei. Die beteiligte« Provinzial- behörden sollen t» Berlin häufig Vorstellungen gegen die Entsendung ungeeigneter, „allzu schneidiger" Beamten erhoben habe«; aber wo bleiben dir Hakatiste«, die Vorkämpfer des Deutschthumi? Wir haben fie wohl klagen hören, daß die Pole« nichts taugte«, aber daß auch viele deutsche Beamte nichts taugte«, davon habe« fie nichts gesagt. I« G g-ntheii, ei gab neuen Stost zu Anklagen gegen die Polen, wen» diese Beamten mst ihnen nicht fertig werde« konnte».
Äuf dem Wege, den die Hakatisten jetzt empfehlen: sorgfältigere Auswahl der geeignete« Beamten statt Herübersendung bei minberwerthigen Restei, kommen wir aber auch nicht viel weiter. Die Provinz Posen würde dann vorwiegend ein Uebangiplatz für Streber werden, noch mehr wie fie ei jetzt schon ist. Ob aber die Polen unter fähigen oder unfähigen Streber« zu leiden haben, das würde sich in der Wirkung ziemlich gleich bleiben. Ma» hat die verkehrte Auswahl der Beamten für Pofen mit der für unsere Kolonien vergliche»; dort habe sie die Carnaps, hier die Leist, Wehlan, Schröder erzeugt, hier wie dort zum Schaden ffit die deutschen Interessen. Der Vergleich paßt aber nicht. In de» Kolonien ist leicht geholfen, wen« man mit der Auswahl der Beamten vorsichtiger ist; in Posen nützt das allein noch nichts. Hier liegt ber Fehler am System, an ber polenfeindlicheu Politik. So lange die nach Posen geschickten Beamten nicht blos die Aufgabe haben, gute Verwaltung und Polizei zu üben, sondern auch dar Deutschthum z« fördern und bas Polenthum zurückzudrävgen, so lange werden auch die Streber und die „schneidigen" Leute obenauf sein, die da« Vertrauen brr polnische» Bevölkerung nicht gewinnen können unb immer wieder mit ihr in Konflikt gerathen.
Es ist undenkbar, daß die Staatsautorität gestärtt und das Deutschthum Sympathien erwerben kann durch Beamte, in denen die Bevölkerung ihre nationale» Feinde sehen muß. Rur wenn man aufhört, die Pole» al» Staatsbürger zweiter Klasie zu behandel« und ihnen die Selbstverwaltung, die andere Provinz« hab«, vorzuenthalten, wenn man zu Verwaltung»- beamten in polnischen Gegend« auch Polen ernennt, kann da» Mißtrauen und ber Gegensatz schwinden.
Alle von de» Hakatiste« empfohlenen Mittel fördero und stärken nur dm Widerstand de» Polenthum». Selbst der famose 100 Millionenfonds leistet Niemand größere Dienste als den Polen. Er hilft verkracht« polnischen Grundbesitzer» mit einem schöne» Stück Gelb auf die Beine unb ist zugleich ei» äußerst wirksame- Agitationsmittel für bie Polen, ba er eingestanbener Maßen zu ihrer Vernichtung bestimmt ist.
schreib«. Er machte ihm in Kürze bie Mittheilung, daß er in einigen Wochen zurückkehren werbe, um bau» fät immer Abschieb zu nehme», unb verwies ih» auf bie «Sher« Details, die er i» einem beigefüg en deutschen Briefe an Glycrra gäbe. An das Rädchen schrieb er wie folgt:
„Reine liebe, kleine Glycrra! Ich hatte gehofft, statt dieser Zeil« selbst zu kommen und Dir zu erzähle», wie ich d^rch den Tob eine» unbekannte», rot- lernten Berwanbte« der Besitzer von Schloß Weiß- kirch geworden bi». Nu« hat ober meine Ankunft hier ein« Unfall herbeigeführt, der mich nöthigt, vielleicht auf längere Zrü am Krankenbette der Schwester de» verstorbenen Befitzeis zuzubringe«. Damit Du nicht länger ohne Nachricht bist, was aus mir geworden, schreibe ich trotz deS Verbotes Deine» Vater». Sobald ich die Leidende ohne Befahr verlaffrn kann, komme ich zu Dir, und bann berathm wir gemeinsam alles W itere. Wenn Du mit Deinem Later schon gesprochen hast, bars ich wohl auf ein Briefchen von Dir rechnen. Meine Abrrffe ist: Schloß Weißkirch bei Josiphstabt. Mit Gott Drin Adalbert.
Sobalb sein Brief besorgt war, und er fich durch Speise unb Trank gestärtt hatte, ließ er anfragen, ob er zu Frau von Brixius kommen dürfe. Er fand die Leidende, wie er erwartet, in hohem Grade